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Volkmar

unregistriert

1

Freitag, 17. Juni 2016, 07:38

Gute Heime, schlechte Heime (abgetrennt aus => Heute habe ich mal eine Frage an Euch alle hier ...)

Ich habe mir eure Beiträge sehr aufmerksam durch gelesen und muss sagen das ich bei weiten nicht mit allem mitgehen kann was man hier geschrieben hat.
Gut es gab "Gute" und "schlechte" Heime. Ich muss da wohl das Pech gehabt haben das ich nur "schlechte" Heime erwischt habe.
Oder lag es daran das ich aus den Osten gekommen bin und somit auch nur die Heime kennenlernen durfte.
Nachdem man mich tiefgründig im Kopf untersucht hatte mit allerlei Medizin, so steht es zumindest in den Unterlager der Klinik die ich mir besorgen konnte, leider aber ohne Bezeichnung der Medizin. Steckte man mich mit 8 Jahren in ein Heim. Doch welche Kind bleibt schon gern im Heim wenn die elterliche Wohnung nur einen Katzensprung weit entfernt liegt. So kam ich dann schon mit 9 oder 10 Jahren in mein erstes Spezialkinderheim.
Die Gegend war schön, aber was nützt eine schöne Gegend wenn man sich nicht an dieser erfreuen kann oder zumindest alles getan wird das solch eine Freude nicht aufkommen kann. Alles lief ab, in schöner Zweierreihe, wie bei der Armee. Ob zum duschen oder Toilette oder zum spazieren. Beim geringsten Verstoß gab es eine Kopfnuss. Natürlich hatte man vergessen den Schlüssel aus der Hand zu legen. In der Heimschule brauchte der Lehrer fast jede Woche einen neuen Zeigestock.
Besonders schlimm waren die nächtlichen Besuche die so mancher Junge bekam von einem Erzieher oder Erzieherin. Ich wollte damals nach einem nächtlichen Besuch durch einen Erzieher tags drauf aus dem Heim abhauen. Fand aber keinen weg. Da die Türen zugeschlossen waren und zusätzlich noch die Fenstergriffe abgeschaut waren.
Schon damals wusste ich das ein Heim nicht gut sein kann, soweit wie ich es damals mit meinem Alter auch beurteilen konnte und einschätzen konnte.
Wir sind hier nicht in den Ferien in ein Ferienlager gefahren. Vom Pionierferienlager "Artek" hatte ich damals noch nie etwas gehört.
Die Ferien nur im Heim und alles war immer abgeschlossen, so verbrachten wir die Sommerferien, acht Wochen lang. Egal was für ein Wetter war. Frischluft gab es nur sehr wenig natürlich sind wir auch mal in Freibad gelaufen 3 km hin und auch wieder zurück und nur auf Kommando 5 Minuten ins Wasser.
Dafür durften wir aber bei den Nachbarn die Bauern waren fleißig auf den Feldern mitarbeiten. Natürlich Umsonst. Ich kann nicht sagen das wir etwas für unsere Arbeit bekommen haben.
Das war nur ein Heim, aber es ging weiter, es folgte Heim auf Heim bis man das alter erreicht hatte und in den Werkhof gekommen ist. Das einzigste was vielleicht in den Heimen Gut war ich durfte alle Arrestzellen kennenlernen.
Für mich gab es kein "gutes" Heim. Aber das ist mein Fall, so kann es bei jedem anders aussehen. Es sind doch alle Einzelschicksale und als solches muss und sollte man diese auch sehen.
Das einzigste was ich in den Heimen wirklich gelernt habe, war die Menschenkenntnis, eine Menschenkenntnis die mir in meinem späteren Leben oft ein guter Wegbegleiter gewesen ist.
Volkmar

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Matti (17.06.2016), Chemnitzer (18.06.2016), buggy (27.07.2016), Carola 123 (31.07.2016)

Matti

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Schütze

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Freitag, 17. Juni 2016, 08:11

Für mich gab es kein "gutes" Heim. Aber das ist mein Fall, so kann es bei jedem anders aussehen. Es sind doch alle Einzelschicksale und als solches muss und sollte man diese auch sehen.
Das einzigste was ich in den Heimen wirklich gelernt habe, war die Menschenkenntnis, eine Menschenkenntnis die mir in meinem späteren Leben oft ein guter Wegbegleiter gewesen ist.



genauso ist volkmar...mein bruder hat leider auch solch heim und jugendwerkhof kennenlernen müssen ...leider lebt er nicht mehr und ist an den ganzen folgen auch sehr krank geworden und früh verstorben ...hinter jeden einzelnen heimaufenthalt steht ein kinderschicksal egal ob es von daheim aus nicht gut ging oder man aus politischen gründen ins heim gesteckt wurde... ich empfand das heim auch nicht als gut weder das spezialheim, das durchgangsheim alt-strahlau noch das letzte heim... würde ich anders denken hätte ich nicht in der anlaufstelle zugesagt das ich mitmachen werde... und nach artek oder in andere ausländische kinderheime usw. kamen auch ausgewählte linientreue kinder..ich war leider auch keines da ich schon sehr früh mitbekam das einiges nicht richtig laufen konnte...

so ich schau morgen wieder kurz rein... danke für eure antworten...
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Krebs

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Freitag, 17. Juni 2016, 08:30

Antwort auf Matti

Und hier möchte ich mich Matti mit ihren Aussagen anschließen


Und gleich eine Geschichte zum Thema Kinderheim und JWH,
zum besten geben


Als ich 19.70 in den JWH Eckartsberga kam.
Kam ich als Lehrling zu den Maurern, zu Herr Schneider.
Unsere Aufgabe war es im Werkhof alle Sachen zu erledigen,
was Häuser und alle anderen Objekte betraf zu erhalten und zu erneuern.
Und dann war es vor dem Mai, Anfang 70 wo uns mitgeteilt wurde.
Wir müssen dass Hauptgebäude neu verputzen, und die Küche renovieren.
Da wir aber wussten das jeder Tag wo ein Gerüst länger steht ein Haufen
Geld kostet. Wollten wir das Heim unterstützen, da uns auch eine fette Prämie
zugesichert wurde. Wir haben Tag und Nacht gearbeitet, das hieß die Eimer
mit Mischung in den dritten Stock über eine Rolle am Dachsturz angebracht
hochzuziehen. Ihr könnt euch vorstellen wie das ausgesehen hat ?
Wir waren alle so um die 16 Jahre alt, natürlich solche Hemden.
Und Tag und Nacht den Kalk und Zement auf der Hand, bei Wind und Regen.
Wir hatten hinterher geschwollene Hände, den Arbeitshandschuhe gab es
um meine Zeit dort nicht.
Unsere Mühe hatte sich gelohnt, wir wurden vor den gesagten Termin mit dem Bau und Küche vertick.
Dann mussten wir den nächsten Tag auf den Appellplatz
vor dem Haus zur Belobigung antreten. Und jetzt haben sie die Katze aus den Sack gelassen.
Für jeden gab es eine Schachtel Salem,. im Osten damals 1,60 DM Zigaretten.
Und für die Ganze Maurergruppe ein Kasten Limo.
Und jetzt kochte so langsam die Wut in meinen Bauch, und ich dachte ich muss gleich
im Erdboden versinken.
Ich dachte die Schämen sich nicht mal, uns mit ein paar Piepen hier abzuspeisen ?
Keiner der Truppe machte seinen Mund auf, und alle nahmen ihr Schicksal so in Kauf.
Aber nicht mit Herrn König, so nicht.
Ich meldete mich, und trat einen Schritt vor die Front.
Dann bekamen sie dass zu hören was von denen keiner hören wollte.
Und zum Schluss meiner Rede, unterbreitet ich der Heimleitung einen Vorschlag.
Das die Truppe sich einen schönen freien Tag machen sollte, mit besuch
im Zoo in Halle. Und als danke schön 100 Mark für alle.
Daraufhin ging ich als Redellsführer das erste mal nach Torgau.
Als ich von dort wieder zurück kam , hat meine Truppe genau das erlebt was ich
vorgeschlagen hatte. Ist doch unglaublich oder nicht ?????????????????
Das nächste mal ging es dort hin, weil ich ein Verhältnis mit unserer FDJ
Sekretärin hatte,und ...........und..........und.
Und jetzt die Frage an alle hier im Forum, rechtfertigt das oder soll das ein
Grund für die Einweisung in den Geschlossen Werkhof Torgau gewesen sein ?
Übrigens den Appellplatz gibt es noch heute, bloß mit Gras überwuchert.
Den hat der Jacky damals gepflastert und er steht heute noch.
So das soll es für heute gewesen sein, ich musste es mir einfach mal von der Seele schreiben.
Nach so vielen Jahren der Heimzeit.

Gruß euer Jacky2012

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Matti (17.06.2016), JW1HAL (18.06.2016), AndreasF (19.06.2016), buggy (27.07.2016)

4

Freitag, 17. Juni 2016, 14:57

Arbeit und Heim!

Zu dieser Begebenheit, muss ich auch mal etwas loswerden.

1963, ich war 8 Jahre alt und wurde von einem Heim in das nächste, nach Eisleben, geschafft.
Es waren noch Sommerferien und ich mußte sofort Beton mischen, aus dem dann Gehwegplatten, für die Stadt, gefertigt wurden. Das war dann auch eine Dauerbeschäftigung.

Mit 8 Jahre mußten wir auch mit der Schrotsäge arbeiten und natürlich auch das Holz hacken.

Gartenarbeit, Rasenpflege, Hof Beharken, mit dem Laubbesen, schön nach Muster. Und u. u. Arbeit war immer da. Wir mußten auf die Felder, in Betriebe arbeiten. Das, davon gehe ich mal aus, kennt jeder irgendwie.

Aber 1967 wurde ein Anbau gemacht, wo ein zusätzlichen Schlafraum, Nähstube und Bügelraum gebaut wurde. Da wurden doch tatsächlich zwei Maurer beschäftigt. Alle anderen Arbeiten, Steine auf das Gerüst schleppen, Mischung hoch, Steine klopfen, Sand sieben, Beton mischen (nicht Maschine) und alles über einige Wochen.

Ich wurde sehr oft frei gestellt, von der Schule, um anfallende Arbeiten machen zu dürfen. Ich kann behaupten, dass ich zu 30 % vom Schulunterricht befreit wurde. So wurde ich als Einzelperson, mit dem Motorrad auf Feld gefahren, Mußte zusätzlich in Betrieben arbeiten. Mit 11 Jahre stand ich bereits schon am Schmiedefeuer.

Dann Flaschen, Gläser, Altpapier und Lumpen. Schrott darf nicht vergessen werden. Wir mußten von allen Quittungen mitbringen und das gesamte Geld abgeben.

Für alle Bemühungen bekamen wir jeden Sonntag, aber auch nur wenn wir lieb waren, entweder eine Schlagersüßtafe für 80 Pfennige, oder eine Tüte Bonbons für 50 Pfennige, oder aber auch nur eine Rolle Trops für 20 Pfennige.

Und wir kannte es nicht anders, Also Alles normal.

Wenn man sich heute darüber Gedanken macht, staunt man doch ganz erbärmlich, was wir leisten mußten und alles für den „VATER STAAT"- Dafür: Kost und Logie frei.

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Matti (17.06.2016), Brigitte (17.06.2016), JW1HAL (18.06.2016), buggy (27.07.2016)

Brigitte

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Wassermann

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Freitag, 17. Juni 2016, 18:53

Geno, wir mussten auch im Heim arbeiten. Steine transportieren, Rüben hacken, Kartoffeln sammeln. Habe ich auch nicht gerne getan. Geschadet hat es nicht. Strümpfe stopfen, Heim sauber machen etc. Alles Arbeiten, die ich nicht geliebt habe. Aber was soll es. Glaubst Du, Kinder die zu Hause waren, haben rumgelungert? Wir haben aber auch viel Zeit zum Spielen und Rumtoben gehabt. Auch zum Träumen und Lesen. Wie gesagt, ich kenne nur das Heimleben. Meine Probleme kamen nach der Heimentlassung, als ich alleine war. Da hätte ich ein Elternhaus gebraucht. Fürs Heim war ich zu alt.

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buggy (27.07.2016)

6

Freitag, 17. Juni 2016, 20:32

Hallo Brigitte

Es ist schön für dich, dass du es gut im Heim gehabt hast. Das es solche Heime Gab, das wusste ich bislang nicht. Alle Heimkinder, welche ich kenne, können nicht von solchen tollen Sachen berichten.

Und wieso ist das Elternhaus Schuld? Ich bin im Westen geboren. Wir waren zu Besuch in der DDR. Ich wurde schwer krank und musste ins Krankenhaus. 2 Wochen später wollte meine Mutter mich wieder abholen ----.- Und der Gerd war nicht mehr auffindbar.

Zumeist, und das wirst du schon gesehen habe, haben die Meisten, welche sich hier im Forum bewegen, nicht diese Erfahrung gemacht. Für dich sehr löblich - A-B-E-R-!

In der DDR muss es nicht unbedingt am Elternhaus gelegen haben. Denn was kann ein Kind dafür, dass der Staat es nicht akzeptiert hat, dass die Eltern nicht linientreu waren. Und bei Gott - davon gibt es verdammt viele.

Ich habe inzwischen erfahren, solche Heime, in denen du auch warst, hat es wohl gegeben. Nur glaube ich, es gab so um die 700 normale Kinderheime, dann die Spezialheime, Jugendwerkhöfe - es dürften wohl so um die 900 insgesamt gewesen sein.

Und ich gehe mal davon aus. dass es nicht mehr als eine "Hand voll" von diesen Heime gab, in dem du auch warst.

Persönlich kenne ich keine, der in einem solchem Heim war wie du. Und das siehst man auch. Du brauchst nur auf dieser Seite noch oben gehen und du wirst überrascht sein.

Freundlicher Gruß

geno

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buggy (27.07.2016)

Volkmar

unregistriert

7

Freitag, 17. Juni 2016, 22:52

Ich habe mal versucht raus zu bekommen wieviel Heime es in der DDR gab.
Ich glaube die genaue Zahl wird man wohl nie erfahren denn es gab mal das oder das Heim was später wieder was anderes war, aber kein Heim. Manche waren auch nur mal schnell 2 oder 4 Jahre ein Heim weil man gerade mal mehr Plätze brauchte. Die Dunkelziffer wird hoch sein, denn viele die nach Gründung der DDR schon im Heim waren sind jetzt teilweise schon verstorben und die Geschichte hat nicht überliefert. Ich selber kenne 1 Normalkinderheim, 3 Spezialkinderheime und ein Jugendwerkhof, hinzu kommen noch 6 Durchgangsheime und das habe ich alles in nur 8 oder 9 Jahren kennenlernen "dürfen". Hätte auch lieber darauf verzichtet doch mich hat ja keiner gefragt oder andersherum ich hatte nichts zu sagen.

Zitat

Spezial-Kinderheime mit „verschärften Bedingungen"

Von den über 700 Kinder- und Jugendheimen der DDR waren etwa 150 so genannte Spezial-Kinderheime. Dort herrschten „verschärfte Bedingungen“, wie etwa Freiheitsentzug, Bestrafungen und seelische Grausamkeiten. In der Dokumentation "Trauma Umerziehung" erzählen ehemalige „Heimkinder", was sie im Erziehungsheim erlebt und vor allem erlitten haben.

Dietmar Rummel und Marianne Kastrati waren in den 60er Jahren im Heim, Alex Müller und Corinna Thalheim in den 80er Jahren. Alle Vier haben bis vor kurzem nicht einmal mit ihren engsten Familienangehörigen über diese schlimme Zeit sprechen können. Die ehemaligen „DDR-Heimkinder“ sind schwer traumarisiert."


http://www.zdf.de/zdfinfo/trauma-umerziehung-heimkinder-in-der-ddr-35164344.html

Volkmar

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Matti (18.06.2016), Chemnitzer (18.06.2016), Brigitte (18.06.2016), buggy (27.07.2016)

8

Freitag, 17. Juni 2016, 23:44

Kinderheime in der DDR

Hallo Volkmar,

ich bin 61. 1973 wurde ich 18 und damit auch in ein Leben geschmissen, von dem ich keine Ahnung hatte, da eine Vorbereitung nicht vorgesehen war.

Das erste Mal habe ich von meiner Vergangenheit 2005 etwas erzählt.

Nicht Privatpersonen, sondern ich habe kein Valium, von unserem damaligen neuen Hausarzt bekommen. Dieser war vor der Übernahme dieser Praxis 15 Jahre in einem Psychiatrischem Krankenhaus. Eine Frage hat gereicht und ich bin zusammen gebrochen. Und seit dem bin ich nicht mehr am Arbeiten. Und es wissen nur ganz wenige um meine Vergangenheit.

Das, und das schreibst du auch sehr gut, haben die in der DDR super hin bekommen.

Ich war 16 Jahre im Heim. Davon 3 normale Heime, ein Erziehungsheim und vier Durchgangsheime.

Gruß

geno

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Wassermann

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Samstag, 18. Juni 2016, 19:13

Also, meine Heimzeit begann 1953. Ist lange her und ich lebe noch. Habe sogar bis letztes Jahr noch gearbeitet. Und nein, ich habe kein Geld beantragt, weil ich in den Heimen nicht misshandelt wurde. Es war nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Es gab auch Bestrafungen. Aber die gab es in einem Elternhaus doch sicherlich auch. Wir sind 6 Kinder. Unsere Mutter ist in den Westen gegangen, alleine. Ich weiß auch, das Heimkinder das Geld wollen und einige bereit sind, alles dafür zu sagen. Es gab Jugendwerkhöfe und ich will auch nicht leugnen, dass Kinder zu unrecht behandelt wurden. Aber solange ich im Heim war, bis 1968, kann ich nichts Schlechtes sagen. Und mit mir waren sehr viele Kinder in den Heimen. Auch diese könnten nichts Negatives sagen, es sei sie wollen das Geld. Ich will das Geld nicht, habe es auch nicht beantragt, weil ich meine Erzieher immer geachtet habe. Heute noch stehe ich mit ihnen in Verbindung. Mein Dasein in der Regenbogenstadt hat nur damit zu tun, ich suche ehemalige Heimkinder. Mehr nicht.

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Samstag, 18. Juni 2016, 19:43

Also, meine Heimzeit begann 1953. Ist lange her und ich lebe noch. Habe sogar bis letztes Jahr noch gearbeitet. Und nein, ich habe kein Geld beantragt, weil ich in den Heimen nicht misshandelt wurde. Es war nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Es gab auch Bestrafungen. Aber die gab es in einem Elternhaus doch sicherlich auch. Wir sind 6 Kinder. Unsere Mutter ist in den Westen gegangen, alleine. Ich weiß auch, das Heimkinder das Geld wollen und einige bereit sind, alles dafür zu sagen. Es gab Jugendwerkhöfe und ich will auch nicht leugnen, dass Kinder zu unrecht behandelt wurden. Aber solange ich im Heim war, bis 1968, kann ich nichts Schlechtes sagen. Und mit mir waren sehr viele Kinder in den Heimen. Auch diese könnten nichts Negatives sagen, es sei sie wollen das Geld. Ich will das Geld nicht, habe es auch nicht beantragt, weil ich meine Erzieher immer geachtet habe. Heute noch stehe ich mit ihnen in Verbindung. Mein Dasein in der Regenbogenstadt hat nur damit zu tun, ich suche ehemalige Heimkinder. Mehr nicht.
Hallo brigitte



bei dem Geld geht es nicht darum ob man es schlecht im Heim gehabt hat oder nicht, und man brach da auch sich nicht extra was einfallen lassen zu müssen.
Das Geld sollte jeder bekommen der einen Antrag gestellt hat und sich in den besagten Zeiträumen im Heim befand. Es spielt hier untergeordnete Rolle warum und wieso, ob man da schlecht behandelt wurden ist oder nicht.
Nach der derzeitigen Rechtslage ist es eine Kannbestimmung ob man das Geld bekommt oder nicht.
Ich persönlich vertrat jedoch die Meinung das jeder der sich im Heim befand egal warum einen Anspruch darauf haben sollte.
Es freut mich natürlich für dich das es dir im Heim nicht schlecht ergangen ist, aber glaube mir es gab viele Heime wo das Gegenteil der Fall war. Und wenn man heut die Presse gut verfolgt gibt es das heut auch noch.


Volkmar

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Schütze

11

Samstag, 18. Juni 2016, 19:47

Es gab Jugendwerkhöfe und ich will auch nicht leugnen, dass Kinder zu unrecht behandelt wurden. Aber solange ich im Heim war, bis 1968, kann ich nichts Schlechtes sagen.



hallo brigitte, das hört sich schon ganz anders an und eben, jeder kann halt nur für sich sprechen oder für jene die mit dem gleichen oder ähnlichen schicksalen leben mussten ... resoekt das du das geld nicht angenommen hast...

vg matti
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Brigitte (19.06.2016), buggy (27.07.2016)

12

Samstag, 18. Juni 2016, 21:14

Kinderheime in der DDR

Hallo Brigitte,

bislang sind zu diesem Thema über 40 Einträge. Und mit deiner Erfahrung stehst du so ziemlich alleine da. Schön für dich.

Ich hatte den Antrag, damit ich auch Geld bekomme, sehr spät eingereicht, und ich habe es noch nicht. Denn: Solch ein Antrag, und davor hatte ich Angst, wühlt diese ganze Sche... wieder hoch. Da habe ich sehr lange gebrauch, damit ich mich für das wenn und wieder entscheide.

Sehr löblich für dich, dass du es gut gehabt hast - doch die meisten aus der Regenbogenstadt, und das ist bei jedem Thema zu beobachten, ging es zumeist schlecht.

Und ich glaube nicht, dass die Ehemaligen nur wegen dem Geld sagen " Bei mir im Heim war es nur schlecht!" Den meisten, und das weiß ich aus eigener Erfahrung, ging es wirklich nur Sche....

Und wie andere bereits angeführt haben: Das Geld gibt es nicht nach zustand des Heimes - sondern weil eine Heimunterbringung vorhanden war.

Und letztendlich: Die 10.000 € sind völlig unangemessen. Damit hat der Staat nicht gerade etwas Großes gemacht. Wenn man bedenkt, was damit alle für Fragen, zur Vergangenheit, aufgewühlt werden.

Denn den Meisten, soweit ich das beurteilen kann, sind aus den Heim entlassen wurde, ohne eine reelle Change fürs Leben mit bekommen zu haben = Schulbildung Ausbildung

Und da sind 10.000 € ein NICHTS dagegen. Betrachte die 10.000 € mal von dieser Seite!!!

Deine Zeit im Heim, das kann ich so sagen, hätte jeder gerne gehabt. Nur ich habe, bevor ich von dieser Regenbogenstadt erfahren habe, keine kennen gelernt, dem es gut im Heim ging.

Gruß

geno

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Wassermann

13

Sonntag, 19. Juni 2016, 11:13

Hallo Geno, ich war kein Einzelkind im Heim. Wir waren mindestens 50-60 Kinder. Und das in jedem Heim. Insgesamt war ich in 4 Kinderheime. Das mit dem Geld habe ich dann falsch gesehen. Ich dachte das Geld bekommen nur ehemalige Heimkinder, denen es schlecht erging. Der Staat hat mich und meine Geschwister aufgenommen, als unsere Mutter nur an sich dachte. Er hat uns genährt, gekleidet, erzogen, eine Schul- und Ausbildung ermöglicht. Und so ging es uns, zumindest die, die ich kenne, allen. Heimkinder haben Südfrüchte erhalten, da hätte sich jedes Dorfkind die Finger geleckt. Die Erzieher haben sich mit uns beschäftigt, Hausaufgaben gemacht, Geschichten vorgelesen. Ich kann nicht glauben, dass alle Kinderheime schlecht waren und ich und die anderen nur Glück hatten. Das will nicht in meinem Kopf. Allerdings ist mir bekannt, dass es Jugendwerkhöfe gab. Und sagen möchte ich, dass ich nicht Linientreu war. Meine Meinung habe ich immer vertreten und mich auch mit Erzieher und anderen angelegt. Ich gönne jeden das Geld vom Staat, auch wenn es nichts gutmacht. Und Geno, wenn du es nicht im Heim gut hattest, wünsche ich dir doch für die Zukunft alles Gute und verletzten wollte ich dich nicht. Es tut mir leid, wenn es so geklungen hat.
Lieben Gruß

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Ambivalencia

unregistriert

14

Sonntag, 19. Juni 2016, 11:58

Ich habe hier jetzt eine Zeit lang mitgelesen. Und ja, für mich war das Spezialkinderheim die Hölle.
Man kann es gar nicht ermessen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Aber glauben darf man all jenen die davon berichten.
Für Geld würde ich persönlich gar nix tun. Denn wenn ich eines in meinen (Heim)Leben gelernt habe, dann ist es, dass materielle Dinge
rein gar nix bedeuten.
Wichtiger ist mindestens ein Mensch an seiner Seite der an einen glaubt, der einem was zutraut, der liebt.
Wenn man darauf in seinen wichtigsten Entwicklungsjahren verzichten muss, dies entbehren muss und statt dessen ständig unter Druck etwas
beweisen muss und ständig am Kämpfen ist... dann weiß man dass Geld nix heilen kann.
Und so kann diese Entschädigung auch nix gutmachen, nix heilen. Sie kann aber Freude bereiten, weil sie dazu beiträgt, dass man sich einen
Wunsch erfüllen kann, der sonst nicht möglich wäre. Dazu freue ich mich für Jeden der diesen Fond in Anspruch nimmt und mag.

Vielleicht waren nicht wirklich alle Kinderheime schlecht und ich hatte nur Pech. Dennoch ersetzt ein Heim nicht die Wärme und Geborgenheit
des Lebens in einer Familie, der Liebe, die ein Mensch so dringend benötigt, für seine Seele, für sein Vorankommen.

Ich wünsche allen, dass sie sich zumindest heute in ihren Beziehungen und Familien geborgen fühlen.

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Sonntag, 19. Juni 2016, 12:11

Hallo Geno, ich war kein Einzelkind im Heim. Wir waren mindestens 50-60 Kinder. Und das in jedem Heim. Insgesamt war ich in 4 Kinderheime. Das mit dem Geld habe ich dann falsch gesehen. Ich dachte das Geld bekommen nur ehemalige Heimkinder, denen es schlecht erging. ...................


Lieben Gruß
Hallo Brigitte, du hast das schon richtig verstanden: Die 10.000 € gibt es für ehemalige Kinderheimkinder, wenn sie durch die "Fürsorge" in den jeweiligen Heimen Schäden von körperlicher und vor allem psychischer Gewalt nachhaltig erlitten haben - also auch Beeinträchtigungen, die sich bis in die -Gegenwart aufgrund der Heimerziehung erklären lassen.

Häufig sind es sogar "lediglich" Misshandlungen, die im Säuglingsheim durchgeführt wurden, an die man sich phasenweise erinnern kann, die Folgeheime waren dann vielleicht besser organisiert und "menschenfreundlicher" und dennoch sind die Folgeschäden durch die Säuglingsheimzeit durch die Aufarbeitung der Heimgeschichte als solches erst erkennbar bzw. zuordbar geworden - Soll heißen: erlittene Folgenschäden, die man ein lebenlang bereits mit sich schleppt und nicht zugeordnet werden konnten, werden durch die Aufarbeitung erklärt

Erstaunlicherweise gibt es Kinder aus ein- und derselben Einrichtung, die zum Teil sehr konträre Aussagen über ihre Zeit dort machen - also einerseits aus der jeweiligen Zeit als solches und andererseits auch Erzieher*in-abhängig.

Zum einen gibt's die Rentenersatzleistung, die ab dem 14. LJ bis (eigentlich) längstens vollendetem 16. LJ pro Monat 300,00 € zahlt, wenn sozialversicherungspflichtige Arbeiten in den Heimen nachweislich (also Schilderung und Anerkennung) geleistet wurden. Bei Nachweis über das vollendete 16. LJ hinaus wird die REL auch länger bewilligt.

Die weitere Entschädigung sollte nur in Form von Sachleistungen erfolgen - also entweder Therapie-Leistungen oder aber Leistungen, die das Leben durch die erlittenen Schädigungen jetzt etwas besser machen können: geht von Auto bis Wohnungseinrichtung und/oder Renovierung und anderer Entlastungsmöglichkeiten. Und das alles mit Belegen beweisbar machen

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JW1HAL

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Stier

16

Sonntag, 19. Juni 2016, 13:59

Man sollte aber davon ausgehen, dass es prinzipiell gute und schlechte Heime gab. Die Frage ist, welche Ehemaligen aus welchen der Heime sich hier je registrieren würden und warum sie es tun. Einige machen es nur wegen dem Fond, weil sie davon gehört hatten und nach Infos im Netz suchten. Andere Machen es, um ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, egal ob sie positiv oder negativ ist, ob sie lückenhaft ist usw.. Andere wollen ihre alten Kameraden finden. Letzteres war einst mein Grund dafür. Nun frage ich mich, wer sich hier noch nicht registriert hat? Wie hoch ist die Dunkelziffer? Wer genau hat sich nicht registriert. Sind es nur die aus den guten Heimen? Oder auch ganz ganz viele aus den schlechten Heimen? Oder doch etwa gleich viele aus beiden? und warum? Aus Scham? Aus Angst? Fakt ist, hier bzw. in allen Heimkinderforen ist nur ein Bruchteil der Ehemaligen registriert. Und Fakt ist auch, dass es gute und auch schlechte Heime gab. Weiterhin Fakt ist, dass es jeder etwas anders sieht, wie es ihm im Heim ergangen ist. Manche wollen die schlechte oder strenge Behandlung im Heim nicht erkennen, weil es ihnen vorher im Elternhaus viel schlechter erging. Manche empfanden eine etwas strengere Erziehung schon als Misshandlung, manche sind stark, manche eher schwach oder eben empfindlich, manche nah am Wasser gebaut und manche eben auch abgehärtet und abgebrüht. Und so ergeben sich die unterschiedlichsten Gründe für gute und schlechte Heime .....
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17

Sonntag, 19. Juni 2016, 14:51

Kinderheime in der DDR

Auf der Letzten Seite haben sich folgende, an der Diskussion beteiligt: Brigitte, Volkmar, Matti, Ambivalencia, peppone, JW1HAL und geno(ich)

Ich bin rein zufällig auf diese Seite gekommen.

Das von dem Geld habe ich schon weit früher gewusst. Und ich wollte es erst gar nicht haben, weil das mit viel Vergangenheit zusammen hängt und ich mir das nicht antun wollte.
Zwei Jahre habe ich gebrauch, damit ich den ersten Kontakt abgesendet habe. Denn ich war mir nicht sicher, ob ich dieses Geld überhaupt haben will, weil damit eben die Vergangenheit zurück geholt wird und das auch nicht gerade sehr angenehm ist.

Aber da fehlen mir alle Arbeitsstellen bis zum 18. Jahr, wo keine Rente eingezahlt wurde: Und das war dann das Ausschlggebende, weshalb ich den Antrag gestellt habe.

Das zum Geld.

Inzwischen habe ich durch diese Diskussion erfahren, dass es auch Heime gab, in denen es sehr human zugegangen sein muss. Nur Eisleben gehört, und das ganz sicher, nicht dazu. Wir mussten sehr viel Arbeiten. Und dem Heimleiter und den Erziehern ist immer was eingefallen.

Wenn man, so wie ich, innerhalb von 6 Jahren 17 Mal abhaut, ist das doch schon eine Aussage. Obwohl die Bestrafungen immer schon bekannt waren. Und trotzdem waren die geraupten Freiheiten das Wert. Und: Ich war nicht der Einzige. Wenn man dann noch bedenkt, in diesem Heim waren nur 30 Kinder, das hat dann schon was. Über Eines sind sich alle ehemaligen Eislebener einig - dieses Heim war nicht wie angegeben ein "normales" Kinderheim, sondern ein "Erziehungsheim". Und wir hätte alles dafür gegeben, wenn es besser gewesen wäre.

Schön für diese, welche das nicht erleben mussten.

Doch die es erlebt habe, die sind fürs Leben gezeichnet und traumatisiert. Für uns war das eine Hölle.

Für viele Andere, hier im Forum nachzulesen, war es ähnlich.

Gruß

geno

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peppone

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18

Sonntag, 19. Juni 2016, 15:43

Ich glaube, dass das nicht hier in den Ursprungs-Thread gehört, ich antworte aber trotzdem

Zwei Jahre habe ich gebrauch, damit ich den ersten Kontakt abgesendet habe. Denn ich war mir nicht sicher, ob ich dieses Geld überhaupt haben will, weil damit eben die Vergangenheit zurück geholt wird und das auch nicht gerade sehr angenehm ist.




Hallo geno,

ja ich habe auch so in etwa zwei Jahre gebraucht, um mich dann zumindest mal über den Heimfond für mich persönlich zu informieren - denn ich bin erst 2011 auf die Heimforen gestoßen, als ich zum wiederholten Mal mein Kinderheim im Netz gesucht hatte.

In "meinem" Kinderheim habe ich - zumindest erinnerlich - die letzten 10 von insgesamt ca. 13,5 Jahren und davor 3,5 Jahren Säuglingsheim keine so schlechten Erfahrungen gemacht. Die schlimmste Zeit und demzufolge auch die schadenverursachende Zeit waren die ersten 3,5 Jahre im Säuglingsheim und die ersten ca. 3 Jahre im Kinderheim (unter anderer leitung als danach).

Meine "Macken" erklärten sich erst dann, als ich durch den Fond meine Heimzeit "zusammentragen" und damit aufarbeiten musste - Akten Fehlanzeige, lediglich Meldedaten halfen mir zumindest, die Zeiten als solches zu bestätigen.

Fazit für mich: Der Heimfond und die dortige Anmeldung hat mich dazu gebracht, meine ganz persönliche Geschichte endlich zuende aufzuarbeiten (zeitlich gesehen wars bereits fast erfolgt - es waren große Lücken familiär-inhaltlicher Natur da).

Daraus ergebend habe ich mich mit der Vergangenheit meiner Eltern ausführlich auseinandersetzen können/müssen, den Lebensweg meines verschollenen persönlich unbekannten Halbbruders fast vollständig nachvollziehen können und endlich auch eine eigene Bewertung dieser Geschichten für mich zuende bringen können. Jahrezehntelang hats immer wieder einen innerlichen Aufschrei gegeben, sich endlich mal damit zu beschäftigen um dann auch in Frieden damit abschließen zu können. Und verschollen geglaubte direkte Verwandte habe in in dem Zusammenhang auch noch finden können

Möglicherweise wäre ohne Fristsetzung diese Phase noch lange nicht abgeschlossen und viele wertvolle Zeitzeugen, die ich noch erleben konnte, wären mir dann nicht mehr zur Verfügung gestanden.

Heute beschäftige ich mich eigentlich nur noch mit einem Zeitfenster aus meiner ersten Lebenszeit (3.-7. Lebensmonat, der noch nicht vollständig aufgearbeitet ist.

Im Großen und Ganzen habe ich meinen Frieden geschlossen -

in erster Linie mit dem Kinderheim als solches und deren Protagonisten (eine von den letzten Leiterinnen aus meiner Zeit bis 1970 ist erst vor kurzem im Alter von 93 Jahren gestorben und hat seit Beginn der Aufarbeitung mit den Kinderheimen jedweden Kontakt mit Ehemaligen verweigert), mit meiner ehemalige Erzieherin stehe ich immer noch in Kontakt. Eine ehemalige Mitarbeiterin aus "meinem" Säuglingsheim konnte ich vor wenigen Tagen zufällig ausfindig machen und mit ihr sprechen - aber viel Erinnerung ist nicht mehr da (die Dame ist jetzt 87 Jahre alt) und wie sie selber sagt: nur außergewöhnliche Fälle sind haften geblieben - ob ich außergewöhnlich war - keine Ahnung - wird sich noch herausstellen (siehe 3.-7. Lebensmonat)

mit den Ämtern - es wäre müßig, sich heute mit den Verantwortlichen von damals "herumzuärgern" - weil viele von denen ja auch nicht mehr leben - aber die Mitarbeit bei der Aufarbeitung jetzt war hervorragend,

mit den Trägern der Einrichtung eher weniger, zumal da auch heute wieder nicht alles in Ordnung erscheint.

Mit meiner Mutter konnte ich keinen Frieden schließen, weil sie es nie/nicht wollte (mein Vater lebte schon lange nicht mehr ) dennoch habe ich ihr ein Stückweit verzeihen können, dass manches so kam, wie es gekommen ist.

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19

Montag, 20. Juni 2016, 08:44

Zu ich möchte euch...

Hallo Brigitte,

bislang sind zu diesem Thema über 40 Einträge. Und mit deiner Erfahrung stehst du so ziemlich alleine da. Schön für dich.

Ich hatte den Antrag, damit ich auch Geld bekomme, sehr spät eingereicht, und ich habe es noch nicht. Denn: Solch ein Antrag, und davor hatte ich Angst, wühlt diese ganze Sche... wieder hoch. Da habe ich sehr lange gebrauch, damit ich mich für das wenn und wieder entscheide.

Sehr löblich für dich, dass du es gut gehabt hast - doch die meisten aus der Regenbogenstadt, und das ist bei jedem Thema zu beobachten, ging es zumeist schlecht.

Und ich glaube nicht, dass die Ehemaligen nur wegen dem Geld sagen " Bei mir im Heim war es nur schlecht!" Den meisten, und das weiß ich aus eigener Erfahrung, ging es wirklich nur Sche....

Und wie andere bereits angeführt haben: Das Geld gibt es nicht nach zustand des Heimes - sondern weil eine Heimunterbringung vorhanden war.

Und letztendlich: Die 10.000 € sind völlig unangemessen. Damit hat der Staat nicht gerade etwas Großes gemacht. Wenn man bedenkt, was damit alle für Fragen, zur Vergangenheit, aufgewühlt werden.

Denn den Meisten, soweit ich das beurteilen kann, sind aus den Heim entlassen wurde, ohne eine reelle Change fürs Leben mit bekommen zu haben = Schulbildung Ausbildung

Und da sind 10.000 € ein NICHTS dagegen. Betrachte die 10.000 € mal von dieser Seite!!!

Deine Zeit im Heim, das kann ich so sagen, hätte jeder gerne gehabt. Nur ich habe, bevor ich von dieser Regenbogenstadt erfahren habe, keine kennen gelernt, dem es gut im Heim ging.

Gruß

geno


----------------------------------------------------------------------------------*edit*--------------------------------------------------------------------------------

Hi Geno,
was Brigitte einigen Heimkindern unterstellt kann nur darauf zurückgeführt werden, das sie keine Unterschiede zwischen Kinderheime und Erziehungsheime macht. In den Erziehungsheimen wie JWH,Sonderheime usw., sind schon sehr viele Ungerechtigkeiten begangen worden. Diese haben sich ,und sind auch in vielen Fällen, psychisch und physisch ausgewirkt. Diesen steht eine Entschädigung für erlittenes Unrecht zu, welches nur eine kleine Geste sein kann und nicht das Vergangene rückgängig machen kann.
Ich hatte das Glück in einem normalen Kinderheimen, insgesamt in 6Heimen; groß geworden
zu sein. In diesen Heimen, kann ich sagen, hatten wir eine schöne Kindheit. Das diese Kinder nicht in diesem Forum vertreten sind ist ganz natürlich, denn diese hatten keine traumatischen Erlebnisse. ich bin zu diesem Forum nur gekommen, da ich durch Zufall auf diese Seite gestoßen bin und dachte ,daß ich hierdurch einige Ehemaligen finden könnte.
Ich wünsche Euch, die ihr solche Erlebnisse hattet, daß ihr sie nicht vergesst, aber sie soweit verdrängen könnt um damit leben zukönnen.
rolf1955

*edit* Bitte Beiträge innerhalb einer Stunde [ Bearbeiten], statt mehrere Beiträge direkt hintereinander zu posten, sofern noch niemand darauf geantwortet hat!

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Johnny« (20. Juni 2016, 09:39)
Grund: Beitrag mit vorherigem zusammengefügt


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Dienstag, 21. Juni 2016, 11:20

Ich unterstelle keinem etwas und schon gar nicht in Hinsicht der Heimunterbringung. Es wird immer unterschiedliche Meinungen geben, da schließe ich mich der Meinung von JW1HAL an. Das Geld aus den Fond sollte den Heimkindern zu gute kommen, keine Frage. Auch ich hatte Probleme meine Zeit im Heim zu verarbeiten. Nicht weil ich schlecht behandelt wurde, sondern weil die Menschen immer dachten, Heimkinder sind böse Menschen. Lange habe ich niemanden erzählt, dass ich im Heim war, weil man mich nicht für einen schlechten Menschen halten soll. Dass unsere Familie nicht auseinanderfiel halte ich meiner Mutter zu gute, sie stand immer mit uns in Verbindung. Auch meine ältere Schwester, wir haben heute noch ein sehr gutes Verhältnis zu einander, hat sehr den Zusammenhalt unserer Familie beeinflusst. Als Abschluss möchte ich nur sagen, dass ich den Eindruck gewinne, ich bin ein schlechter Mensch, nur weil ich nicht die Heimzeit verfluche. Es tut mir leid, ich fühlte mich während meiner Zeit im Heim sehr wohl. Schluss und Punkt.

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