Sie sind nicht angemeldet.

Guten Tag lieber Gast, um »Treffpunkt ehemaliger Heimkinder | Regenbogenstadt« vollständig mit allen Funktionen nutzen zu können, sollten Sie sich erst registrieren.
Benutzen Sie bitte dafür das Registrierungsformular, um sich zu registrieren. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Ambivalencia

unregistriert

21

Dienstag, 21. Juni 2016, 11:29

Ich glaube nicht @Brigitte, dass Dich jemand für einen schlechten Menschen hält, nur weil Du eben so fair bist zu bemerken, dass es Dir in den
von Dir durchlebten Heimzeiten gut ging.
Für mich persönlich kam es nur einen Moment genau umgekehrt rüber, als wenn Du denken würdest, alle denen es schlecht ging, würden übertreiben.
Ich hab Dich da wohl missverstanden, falls ich da ein wenig unwirsch rüberkam, sorry.

Und dann glaube ich noch, dass es mit Sicherheit einen Unterschied macht, ob es sich um ein Spezialkinderheim handelte,
oder um ein ganz normales Kinderheim. Aber auch nur vielleicht, mit Gewissheit kann ich das nicht sagen, weil ich nur das eine kennenlernte.

Ja, ich habe auch festgestellt, dass Heimkinder für manche Menschen so etwas wie Aussätzige sind. Dabei gehören sie meistens zu den Guten :)

Es haben sich bereits 6 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Pitterchen (21.06.2016), Matti (21.06.2016), Angi90 (21.06.2016), börni (21.06.2016), JW1HAL (21.06.2016), buggy (24.07.2016)

Matti

Fortgeschrittener

  • »Matti« ist weiblich
  • Deutschland

Beiträge: 245

Registrierungsdatum: 8. März 2016

Bundesland / Gebiet: Sachsen Anhalt

Onlinezeit: 3 Tage, 2 Stunden, 38 Minuten, 22 Sekunden

Beruf: Eu-Rentnerin

Hobbys: fotografieren,zeichnen

Level: 28 [?]

Erfahrungspunkte: 166 833

Nächstes Level: 195 661

Danksagungen: 749 / 838

  • Nachricht senden

Seit über 18 Monaten Mitglied Seit über 18 Monaten Mitglied Seit über 18 Monaten Mitglied

Schütze

22

Dienstag, 21. Juni 2016, 12:01

Als Abschluss möchte ich nur sagen, dass ich den Eindruck gewinne, ich bin ein schlechter Mensch, nur weil ich nicht die Heimzeit verfluche.



ich verstehe jetzt nicht womit du jetzt ein problem hattest...es wurde dir nichts aber auch gar nichts unterstellt ...doch man sollte nun auch endlich mal respektieren das es eben nicht nur friede, freude, eierkuchenheime gab...ich weiß das ist überspitzt..nur leider wird hier immer und immer wieder so vieles so unnötig zerredet was gar nicht nötig ist, weil jeder und ich glaube jeden hier seine erfahrungen gemacht hat egal ob nun in guter oder wie bei den meisten hier eben leider auch schlechte ...und ich kann nur sagen das eben auch spezialheime nicht ohne waren und auch ganz anders als eben normalheime...
Signatur von »Matti« Auch die Zukunft begann mit derVergangenheit

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Pitterchen (21.06.2016), Angi90 (21.06.2016), Brigitte (22.07.2016), buggy (24.07.2016)

23

Dienstag, 21. Juni 2016, 12:26

Für Brigitte

Den Ausführungen von Ambivalencia möchte ich mich anschließen.

Mir war es am Anfang so, als ob du sagen wolltest, dass alle anderen nicht die Wahrheit sagen. Ja es kam sogar so rüber, als ob ALLE nur deshalb das Heim schlecht machen, damit sie das Geld bekommen.Im fortlaufenden Forum hast du das aber, soweit ich das beurteilen kann, dann doch angenommen, dass es Vielen nicht so ging - und schon gar nicht wegen dem Geld. Ich selber habe dazu geschrieben, dass ich das Geld erst gar nicht haben wollte, weil dann wieder alles von vorne los geht. UND: Wenn du so viel in der Klinik gewesen wärst wie ich und viele Andere, dann würdest du darüber auch völlig anders denken. NOCHMAL: Das Geld ist zwar ein sehr angenehmes Pflasterchen, aber den Schmerz kann man damit nicht los werden.

Irgend jemand hat mal geschrieben, dass die, denen es gut ging, nicht in einem Forum sind, weil diese Abgeschlossen haben. Oder aber die Heimzeit weg gesteckt haben, ja sogar aufgegeben haben. Von zweien weiß ich, dass sie tot sind. Der Eine war gerade mal 22 und der Andere 37.

Weiterhinkommt hinzu: Wann beginnt die Aufarbeitung? Irgendwann, das denke ich mal, kommt es irgendwie hoch. Ich habe zwar immer darunter gelitten - aber richtig ausgebrochen ist es, als ich 50 war. Und wenn man sich mal die Geburtstagsgrüße ansieht, dann sind sogar 70 jährige im Forum, was meiner Meinung nach auch in dieses Schema passt.

Ich bin seit 2005 nicht mehr am Arbeiten, bin auch EU-Rentner. Seither bin ich in mehreren Kliniken gewesen. Mit Heimaufarbeitung sind es immer ältere ehemalige Heimkinder. Jüngere habe ich noch nicht kennen gelernt. Und: ich war schon in einigen Kliniken.

Natürlich hast du es so verstanden, dass wir dir alle eine Ohrfeige geben wollten - natürlich nicht! Nur wir wollten VERSTANDEN werden.

In diesem Sinne hoffe ich, dass du uns erhalten bleibst und ruhig auch das zu lesen, was ANDERE erlebt haben, damit du ein wirkliches Bild bekommst, wenn du möchtest.

ALLEN kannst du glauben: Wir hätten es auch liebend gern humaner gehabt.

UND: Ich finde es ausgezeichnet, dass es, und nicht nur du, auch Heime gab, welche genau das gehabt haben, was dann als GUT bezeichnet wurde. Sehr schön für dich.

Richtig angegriffen hat dich nun wirklich keiner, denn dieses Thema wurde sehr anständig geführt. Meinungen sind dazu da, damit darüber diskutiert wird und versucht wird, alles auf die Reihe zu bekommen. Nur die Erfahrungen von VIELEN können ein gutes Ergebnis erzielen. Natürlich können nicht aller einer Meinung sein - aber dafür gibt es dieses Forum.

Gruß

geno

Bei Rolf1955 möchte ich mich für seinen Beitrag bedanken. Dem habe ich nichts mehr hinzufügen.

Es haben sich bereits 7 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Pitterchen (21.06.2016), Matti (21.06.2016), Angi90 (21.06.2016), Brigitte (23.06.2016), sterni (19.07.2016), andres (21.07.2016), buggy (24.07.2016)

Fledermaus

Fortgeschrittener

  • »Fledermaus« ist weiblich
  • Deutschland

Beiträge: 455

Registrierungsdatum: 13. Oktober 2015

Onlinezeit: 104 Tage, 16 Stunden, 14 Minuten, 34 Sekunden

Hobbys: muss ich noch erforschen

Level: 32 [?]

Erfahrungspunkte: 376 681

Nächstes Level: 453 790

Danksagungen: 1714 / 1416

  • Nachricht senden

Seit über 24 Monaten Mitglied Seit über 24 Monaten Mitglied Seit über 24 Monaten Mitglied Seit über 24 Monaten Mitglied

24

Dienstag, 21. Juni 2016, 17:49

Hallo Brigitte,
du bist kein schlechter Mensch. Ich war auch froh das ich in Heim aufgewachsen bin und es ist schön das du es so siehst wie du es siehst und deine Meinung äusserst. Mir ist im Heim gut gegangen als zu Hause.
Hätte bestimmt Mord und Tod schlag gegeben. Deswegen lieber im Heim zu leben, als auf der Straße.
Ach ja nur die Äußerung das manche schwindeln würden, das sie das Geld erhalten. Dieser Satz hat manche halt getroffen, denke ich mir. Der Jan hat es sehr gut formuliert wie jeder das wahr nimmt die Heimunterkunft. NR. 49 da kannste es gut auch nach lesen. Du hast es so wahr genommen für dich und das ist gut so und deswegen biste kein schlechter Mensch.
Schöne Zeit
Fledermaus

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Pitterchen (21.06.2016), Angi90 (21.06.2016), Brigitte (23.06.2016), buggy (24.07.2016)

JW1HAL

Super Moderator

  • »JW1HAL« ist männlich
  • Deutschland

Beiträge: 5 784

Registrierungsdatum: 23. Mai 2010

Bundesland / Gebiet: Sachsen-Anhalt

Onlinezeit: 1007 Tage, 19 Stunden, 10 Minuten, 12 Sekunden

Beruf: Möbeltischler, Taxifahrer

Hobbys: PC

Level: 52 [?]

Erfahrungspunkte: 16 179 539

Nächstes Level: 16 259 327

Danksagungen: 14276 / 20486

  • Nachricht senden

Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied Seit über 90 Monaten Mitglied

Stier

25

Dienstag, 21. Juni 2016, 22:38

Es ist ja wie zwischen den Jugendwerkhöflern und den Heimkindern. King ist der, der es am Schlimmsten hatte. Und nur die haben sozusagen ein Vorrecht für alles. Entschuldigung, aber so kommt es mir vor.

Wir sollten alle, und damit meine ich ALLE, dass akzeptieren, was andere durchlebt haben, andere schreiben usw.. Damit meine ich nicht nur die eine, sondern auch die andere Seite.

Also sollte man beide Meinungen gelten lassen. Es haben hier genau so gut alle, die nur Gutes in den Heimen erlebt haben, das Recht, dies auch zu schreiben, zu betonen, wie auch die, die was Schlechtes in den Einrichtungen erlebt haben.

Wenn jemand etwas Gutes schreibt und etwas Schlechtes anzweifelt oder nicht so recht glauben will oder kann, ist dies doch nur auf die fehlende Erfahrung mit genau diesem Schlechten zurückzuführen. Da sollte man etwas Nachsicht haben, bevor man da etwas Falsches behauptet, dadurch ein Missverständnis entsteht und man sich letztendlich darüber streitet.

Genau so ist es auch umgekehrt. Die Leute, die nur schlechte Dinge erleben durften bzw. mussten, dürfen auch ruhig den anderen Leuten das Gegenteil glauben. Denn so etwas hat es auch gegeben. Und auch für genau die Leute ist es schwer zu glauben, dass es auch so etwas gibt. Von daher sollte man auch da etwas Nachsicht üben und nicht immer gleich vom Schlimmsten ausgehen.

Vom Zerreden würde ich nicht sprechen. Das Forum ist doch dazu da, um die unterschiedlichsten Meinungen zu äußern.
Signatur von »JW1HAL«
Wer lesen kann ist klar im Vorteil!


Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Angi90 (21.06.2016), Brigitte (23.06.2016), sterni (19.07.2016), buggy (24.07.2016)

Angi90

Erleuchteter

    Deutschland

Beiträge: 2 969

Level: 48 [?]

Erfahrungspunkte: 7 980 758

Nächstes Level: 8 476 240

Danksagungen: 7923 / 25746

  • Nachricht senden

Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied Seit über 84 Monaten Mitglied

Krebs

26

Dienstag, 21. Juni 2016, 23:30

Genauso ist es, ich war ja auch in verschiedenen Heimen und davon ein Spezialheim. Das letzte Heim war auch schön, da ging es mir ebenfalls gut, wir konnten uns freier bewegen und alles war lockerer.
Signatur von »Angi90« Wer jedes Wort auf die "Goldwaage" legt, bekommt seelisches Übergewicht.
-Fred Ammon-

Wirklich weise ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann!
-Unbekannt- Indianerweisheit

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

JW1HAL (22.06.2016), Brigitte (23.06.2016), Tonicek (14.07.2016), buggy (24.07.2016)

sterni

sternensucher

  • »sterni« ist weiblich
  • Deutschland

Beiträge: 1 227

Registrierungsdatum: 8. Juli 2016

Bundesland / Gebiet: brandenburg

Onlinezeit: 138 Tage, 0 Stunden, 45 Minuten, 57 Sekunden

Hobbys: basteln

Level: 35 [?]

Erfahrungspunkte: 685 475

Nächstes Level: 824 290

Danksagungen: 3008 / 7682

  • Nachricht senden

Seit über 18 Monaten Mitglied Seit über 18 Monaten Mitglied Seit über 18 Monaten Mitglied

Waage

27

Dienstag, 12. Juli 2016, 22:59

Hilfestellung

Hallo Ihr Lieben!Ich habe es im Spezialkinderheim Jöhstadt auch gut gehabt.Ich habe mich dort aufgehoben gefühlt und dazu stehe ich auch!!!Brigitte kann nur von sich ausgehen und wenn sie das so Euch mitteilt,dann muß man es akzeptieren.Ich hatte den Eindruck, einen leichten Unterton zu hören und das machte mich einwenig traurig.Gerade hier sollte man richtig zuhören.Übrigens heißt es nicht :Treffpunkt ehemaliger Heimkinder?Die Frage an sich fand ich schon nicht sehr taktvoll. Das war nur eine kurze Randbemerkung. Allen noch einen schönen Abend Sternensucher
Signatur von »sterni« Ich vertraue nur mir selbst

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Tonicek (14.07.2016), buggy (24.07.2016)

Tonicek

Oberkellner

  • »Tonicek« ist männlich
  • Tschechische Republik

Beiträge: 408

Registrierungsdatum: 29. Mai 2015

Bundesland / Gebiet: Böhmen

Onlinezeit: 4 Tage, 6 Stunden, 52 Minuten, 17 Sekunden

Beruf: Berufs - Tourist

Hobbys: Reisen mit dem Wohnmobil weltweit . . .

Level: 32 [?]

Erfahrungspunkte: 393 644

Nächstes Level: 453 790

Danksagungen: 1425 / 215

  • Nachricht senden

Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied

Fische

28

Donnerstag, 14. Juli 2016, 13:35

. . . Ich hatte das Glück in einem normalen Kinderheimen, insgesamt in 6 Heimen; groß geworden
zu sein. In diesen Heimen, kann ich sagen, hatten wir eine schöne Kindheit. Das diese Kinder nicht in diesem Forum vertreten sind ist ganz natürlich, denn diese hatten keine traumatischen Erlebnisse. ich bin zu diesem Forum nur gekommen, da ich durch Zufall auf diese Seite gestoßen bin und dachte ,daß ich hierdurch einige Ehemaligen finden könnte. rolf1955
Ich schließe mich diesen Zeilen voll an.
Allerdings muß ich dazu sagen, daß ich erst jetzt die Unterschiede zwischen "normalen" Heimen und Spezialheimen weiß. Zu unserere Zeit waren das dann wohl die "Heime für Schwererziehbare" u. die JWH. Davon habe ich aber nie auch nur eines von innen gesehen, hab' also keine Ahnung.

Trotzdem ging es mir im letzten u. 3 Heim, Zeitz, gut - keine Prügel, regelmäßig essen + trinken, ab und zu mal radfahren - alles Dinge, die ich von zu Hause nicht kannte.

Und da gibt's auch nichts zu beschönigen und nichts zu verschlechtern, es war eben so, und das war sicher auch gut für mich.

So gesehen kann ich Brigitte voll + ganz verstehen.

Von diesem Fond bezüglich 10.000 € habe ich erst hier etwas erfahren. Nicht nur, daß die Antragszeit wahrscheinlich schon lange vorbei ist, ich würde, so glaube ich, keinen Antrag stellen.
Nicht wissend, ob die Ämter die Bankkonten kontrollieren oder nicht, oder die Arbeitsbiografie nachvollziehen, ich weiß es nicht - bin aber so ehrlich, hier zu sagen, daß ich auf das Geld nicht angewiesen wäre, und ich eigentlich auch nicht wüßte, wofür ich es denn bekäme?

Daß das Elternhaus besch...en war, dafür konnte der Staat nichts - die einzige + letzte Konsequenz des Jugendamtes: Referat Jugendhilfe + Heimerziehung, war es eben, die Kinder in's Heim zu stecken, da ein normales Aufwachsen bei den "Eltern" nicht gewährleistet war. Und das hat das Jugendamt getan - sehe ich hier etwas falsch?

Die hier aufgestellte Behauptung, es gäbe keine "guten" Kinderheime, ist schlicht falsch - es gibt in den meisten Fällen, wenn nicht sogar, immer gute & schlechte Seiten.
Wenn man die Behauptung, es gab keine guten Heime aufstellt, nur, weil man keine guten Heime kennenlernte, ist das auch falsch - es gab sehr wohl welche u. ich hatte das Glück, in einem davon gewesen zu sein.

P.S.: Irgendwie scheine ich hier mit dem Zitieren nicht ganz klar zu kommen :huh: !
Signatur von »Tonicek« Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.- Georg Christoph Lichtenberg

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

sterni (19.07.2016), buggy (24.07.2016)

peppone

Schüler

    Schweiz (Confoederatio Helvetica)

Beiträge: 108

Level: 30 [?]

Erfahrungspunkte: 253 156

Nächstes Level: 300 073

Danksagungen: 295 / 228

  • Nachricht senden

Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied Seit über 78 Monaten Mitglied

29

Dienstag, 19. Juli 2016, 13:36

@ Brigitte nochmal:

Liebe Brigitte, du brauchst wahrlich kein schlechtes Gewissen zu haben, dass du eine schöne und wohlbehütete Kinderheimzeit hattest.

Es ging Gott sei Dank nicht allen Kindern - eher wohl aber in den West-Heimen schlecht, aber es gab ja auch gute Heime - wenn auch sehr reduziert - in der ehemaligen DDR.

Vielleicht hast du ja den Beitrag vom Calber (Saale) Kinderheim im MDR gesehen - dort muss es dem Bericht nach zu urteilen, fast paradiesisch gewesen sein - obwohl kirchlich organisisiert.

Hier mal ein Beitrag dazu:

http://www.mdr.de/religion/religion/kinderheime-ddr102.html,

Es gibt auch die filmische Darstellung des Heimes, finde aber im Moment nicht den entsprechenden Beitrag

aber hier ein Link zu noch folgenden Sendeterminen - der letzte ist jetzt 4 Wochen her

http://tv-junkie.org/sendung/Die_vergessenen_Kinderheime_in_der_DDR

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Brigitte (22.07.2016), buggy (24.07.2016)

Sappo

Anfänger

  • »Sappo« ist männlich
  • Deutschland

Beiträge: 6

Registrierungsdatum: 19. April 2016

Bundesland / Gebiet: Thüringen

Onlinezeit: 0 Tage, 3 Stunden, 19 Minuten, 10 Sekunden

Hobbys: alte Taschenuhren

Level: 13 [?]

Erfahrungspunkte: 3 835

Nächstes Level: 4 033

Danksagungen: 17 / 1

  • Nachricht senden

Seit über 18 Monaten Mitglied Seit über 18 Monaten Mitglied Seit über 18 Monaten Mitglied

Widder

30

Dienstag, 19. Juli 2016, 16:34

gute Heime - schlechte Heime

Ich glaube nicht, daß man die Heime so klassifizieren kann.
Es kommt auf die Kinder an, Sie sind unterschiedlich.

In jedem Heim gab es Kinder die sich untergeordnet haben, die unauffällig dort ihre Zeit abgerissen haben.
und eigentlich wenig Probleme hatten.
und es gab unbequeme Kinder, denen wurde das Leben manchmal zur Hölle gemacht,
weil sie eben einen eigenen Kopf hatten, Dinge Kritisch sahen usw.
Ich kenne einige, die ihre Heimzeit rückblickend als schön empfinden.
Ich kenne aber auch einige die das Gegenteil erlebt haben - im selben Heim.
In der DDR-Pädagogig mußte die Gruppe funktionieren!
Einzelmeinungen waren eher störend und wurden aussortiert.
Unglücklicherweise wurden diese Kinder dann in Spezialheimen und Jugendwerkhöfen zusammengefasst.
dann waren 20 Kinder, die das Gruppenleben eigentlich nicht vertragen konnten in einer Gruppe.
Was dann zu den bekannten auswüchsen dort geführt hat.
Signatur von »Sappo« "Die Jugend wäre eine schönere Zeit, wenn sie erst später im Leben käme" (Ch. Chaplin)

Es haben sich bereits 3 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Kalle1 (19.07.2016), sterni (19.07.2016), buggy (24.07.2016)

Volkmar

unregistriert

31

Dienstag, 19. Juli 2016, 23:01


Ich glaube nicht, daß man die Heime so klassifizieren kann.
Es kommt auf die Kinder an, Sie sind unterschiedlich.
Hallo Sappo,
ich gebe dir da recht, beurteilt wurden die Heime aus dem Blickwinkel eines Kindes oder Jugendlichen (JWH) und danach auch als Gutes oder schlechtes Heim eingestuft.
Was für einen Gut gewesen sein mag muss bei den anderen schon lange nicht der Fall gewesen sein. Viele unterschiedliche Faktoren spielten hierbei eine Rolle.
Wie war man selber, renitent, oder still und leise.
Brach man oft die Regeln, auch wenn manche nicht sonderlich gut waren.
Oder wie stellte man sich bei den üblichen Arbeiten an. Hatte man als Kind die Kraft und die Ausdauer all das durchzuhalten, oder war man ein Schwächling wie man dann gern bezeichnet wurden ist.
Besonders schlimm war es doch wenn man noch Bettnässer war, auch solche Kinder gab es und das nicht gerade wenig.
Man kann sehen viele Punkte hatten eine Auswirkung auf die Frage GUTES HEIM - SCHLECHTES HEIM.


Ich war von 1962 bis 1970 in Heimen und Jugendwerkhof.
Und muss sagen es gab gute Heime und auch schlechte in dieser Zeit. Bei einigen Heimen die in meinen Augen schlecht waren waren für andere Gute Heime, aber warum waren sie für mich schlecht, weil ich stiften gegangen bin und dann mit Strafen bedacht wurden bin die ich nicht einsehen wollte, da dadurch meine Freizeit beschnitten wurden ist. Durch Strafarbeiten.
Oder aber weil Erzieher nicht wussten das ein Kind allein im Bett schläft und darum das Heim ein schlechtes Heim für mich war.
Aber dann kommt auch immer noch der Unterschied dazu, war es ein Normalkinderheim, wo man die Schule im Dorf oder Stadt besuchte und daher schon ganz andere Kontakte hatte. Oder war es ein Spezialkinderheim mit angeschlossener Schule. Wo man 24 Stunden unter Kontrolle war, keinen Rückzugsraum hatte und andere Kinder über einen entschieden haben.


Ich glaube und da werde ich wohl nicht allein sein so pauschal kann man nicht entscheiden was es für ein Heim war. Es hängt immer ein Einzelschicksal damit zusammen und kann nur als solche betrachtet und beurteilt werden und wer kann das besser als jeder für sich allein.


So das soll es mal dazu gewesen sein ich will hoffen das ich jetzt nicht zufielen auf die Füße getreten bin mit meiner Meinung und Standpunkt.


Volkmar

Es haben sich bereits 7 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

sterni (20.07.2016), Sappo (20.07.2016), raupenimmersatt (20.07.2016), andres (21.07.2016), Brigitte (22.07.2016), Tigress (23.07.2016), buggy (24.07.2016)

Sappo

Anfänger

  • »Sappo« ist männlich
  • Deutschland

Beiträge: 6

Registrierungsdatum: 19. April 2016

Bundesland / Gebiet: Thüringen

Onlinezeit: 0 Tage, 3 Stunden, 19 Minuten, 10 Sekunden

Hobbys: alte Taschenuhren

Level: 13 [?]

Erfahrungspunkte: 3 835

Nächstes Level: 4 033

Danksagungen: 17 / 1

  • Nachricht senden

Seit über 18 Monaten Mitglied Seit über 18 Monaten Mitglied Seit über 18 Monaten Mitglied

Widder

32

Mittwoch, 20. Juli 2016, 18:50

ja Volkmar,
genau das meine ich.
es kommt auch dazu, das einige Erzieher (ich glaube es waren mehr als man denkt)
Lieblinge (nicht sexuell) hatten, und andere Kinder waren ihnen eher unsympatisch.
Daß es da rückblickend Unterschiede in der Warnehmung gibt, ist ja wohl klar.
Die Lieblinge hatten es dann mit den anderen Kindern nicht so leicht.
Es gibt eben kein gut und böse, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.
Signatur von »Sappo« "Die Jugend wäre eine schönere Zeit, wenn sie erst später im Leben käme" (Ch. Chaplin)

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

sterni (20.07.2016), buggy (24.07.2016)

MeeneKleene

unregistriert

33

Mittwoch, 20. Juli 2016, 19:37


Die hier aufgestellte Behauptung, es gäbe keine "guten" Kinderheime, ist schlicht falsch - es gibt in den meisten Fällen, wenn nicht sogar, immer gute & schlechte Seiten.
Wenn man die Behauptung, es gab keine guten Heime aufstellt, nur, weil man keine guten Heime kennenlernte, ist das auch falsch - es gab sehr wohl welche u. ich hatte das Glück, in einem davon gewesen zu sein.


Ich denke das hängt auch immer davon ab, von wo aus man auf eine Sache schaut.

Du schaust von einem anscheinden zerrüttetem Elternhaus auf deine Zeit im Heim. Dein Gradmesser ist, dass es dir im Heim besser ging als Zuhause. Du hattest immer etwas zu essen und zu trinken und ab und zu konntest du mal Rad fahren, wurdest nicht geschlagen... Du definierst 'gut' als die Abwesenheit von Negativem und das ist ok so - für dich war es dort besser.

Jetzt frage mal jemanden, der eine behütende, liebevolle Familie hatte, wie der dein Heim empfindet...

Ein Heim ist meiner Meinung nach zwar manchmal leider(!) die bessere Alternative, aber kann eigentlich immer nur zweite Wahl sein. Kein Heim, auch keines, in dem man es warm und trocken hatte, in dem man genug zu essen und zu trinken hatte, Klamotten usw., in dem man nicht geprügelt wurde oder gar Schlimmeres passiert ist, ist wirklich gut. Zumindest keines, welches ich kennen gelernt hätte.

Es haben sich bereits 3 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

sterni (20.07.2016), Günter1953 (22.07.2016), buggy (24.07.2016)

andres

Fortgeschrittener

  • »andres« ist männlich
  • Deutschland

Beiträge: 207

Registrierungsdatum: 6. April 2015

Onlinezeit: 7 Tage, 23 Stunden, 17 Minuten, 21 Sekunden

Level: 29 [?]

Erfahrungspunkte: 210 674

Nächstes Level: 242 754

Danksagungen: 910 / 586

  • Nachricht senden

Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied

Wassermann

34

Donnerstag, 21. Juli 2016, 00:12

Ein Heim ist meiner Meinung nach zwar manchmal leider(!) die bessere Alternative, aber kann eigentlich immer nur zweite Wahl sein. Kein Heim, auch keines, in dem man es warm und trocken hatte, in dem man genug zu essen und zu trinken hatte, Klamotten usw., in dem man nicht geprügelt wurde oder gar Schlimmeres passiert ist, ist wirklich gut. Zumindest keines, welches ich kennen gelernt hätte.


Liebe MeeneKleene,

ich glaube ich verstehe was du meinst. Und ich persönlich kenne aus Erfahrung auch kein gutes Heim, war allerdings auch nur in einem einzigen, das reicht mir völlig aus. Trotzdem glaube ich, dass ich dir ein wenig widersprechen muss. Das Zitat hört sich für mich so an, wie die Aussage mancher Sozialpolitiker im Sinne: „Ein schlechtes Elternhaus ist immer noch besser als ein Heim” und das stimmt meiner Meinung einfach nicht (mehr). Und ich möchte als Beispiel auch gar nicht die Extrembeispiele aus Hamburg, oder Alesio aus dem Schwarzwald, die, wenn sie sogar in ein so beschissenes Heim wie deines oder meines gekommen wären zumindest noch leben würden. Du gehst von einem relativ idealisierten Elternhaus aus, das gibt es so in der Realität selten. Zerrüttete Familienverhältnisse, mit sozialer Vernachlässigung der Kinder gibt es gar nicht so selten und das ist nicht einmal unbedingt eine Frage des Einkommens oder der Bildung, schau dich in deinem erweiterten Bekanntenkreis um, du wirst sicherlich Beispiele kennen. Die Aussage ein Heim ist immer die schlechtere Alternative ist ebenso falsch wie diejenige, dass ein Kind nur bei der Mutter, nicht aber beim Vater aufwachsen kann, auch das wurde so gesagt und auch das ist erwiesenermaßen falsch.Es gibt genügend Fälle wo ein Aufwachsen von Kindern in einem strukturierten, klaren und harmonischen Heim doch die 1. Wahl und pädagogisch sinnvoller sein kann, als ein schlechtes elterliches Umfeld. Das gleiche gilt für Pflegefamilien: es kann, es muss aber nicht die bessere Wahl sein.

Wenn wir von unseren Erfahrungen berichten, müssen wir immer den Zeitrahmen betrachten über den wir die Aussagen treffen. Und ich behaupte mal, dass es ab 1975 eine grundlegende strukturelle Verbesserung gab. Ich beziehe mich jetzt ausdrücklich auf die Heime in der BRD, über die Heime der DDR kann ich keine Aussagen machen, das steht mir nicht zu. Zumindest meine ich, dass allerdings auch in der DDR die Anwendung von physischer und psychischer Gewalt gegenüber Kinder in Heimen zumindest nicht gestzlich erlaubt war, wenn es auch nicht strafrechtlich sanktioniert wurde. Im Westen wurde es spätestens ab 75 strafrechtlich verfolgt, wenn es bekannt wurde (ob es bekannt wurde ist allerdings eine andere Frage). In den Jahren davor war die Gewalt gesellschaftlich und gesetzlich toleriert und das ist der eigentliche Skandal. Deshalb gab es so viele schlechte Heime und so entsetzliche Geschichten die hier immer wieder im Forum berichtet werden. Ein anderes Thema ist die sexuelle Gewalt die in vielen Heimen systematisch betrieben wurde. Die war auch vor 1975 verboten, hier wurde kollektiv weggeschaut weil nicht sein kann, was nicht sein darf, insbesondere in kirchlichen Einrichtungen (oder vermeintlich reformpädagogischen Einrichtungen wie die Odenwaldschule). Ich unterscheide also die systematische strukturelle Gewalt in vielen oder den meisten Heimen vor 1975 von individuellen Gewalterfahrungen danach.

Heime mit struktureller Gewalt waren nicht nur schlecht, sie waren NUR schlecht. Punkt. Ich war in so einem Heim und es war niemals eine Alternative für irgendwas. Andere Heime ohne eine solche strukturelle Gewalt konnten und können allerdings sehr wohl eine Alternative sein und auch eine bessere Wahl. Das heißt nicht, dass dort alle Kinder immer glücklich sind. Wie denn auch. Zum einen kommen sie heute (und kamen oft damals) mit einer bestimmten Geschichte in so eine Anstalt, zum anderen bedeutet das Leben in einer Gemeinschaft, dass man sich an Regeln halten muss und das macht nicht immer jeden zu jederzeit glücklich. Und erst recht nicht wenn man ein Jugendlicher in der Pubertät ist. Ein harmonisches und ideales Elternhaus heißt im Gegenzug jedoch auch nicht, das alles konfliktfrei abgeht, zumindest nicht wenn es um den Müll wegbringen oder Hausaufgaben geht.

Was ich damit sagen will ist, dass man immer den Kontext betrachten muss, wenn man so eine Aussage über die Qualität der Heime treffen möchte. Ich persönlich kam nach meiner Heimentlassung vom Regen in die Traufe, als ich wieder in mein „Eltern”-Haus musste. Schlecht ist einfach nicht das Gegenteil von noch schlechter, die Alternative wäre gut, egal ob Heim oder Eltern.

Andres
Signatur von »andres« „Montani Semper Liberi“

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Pitterchen (21.07.2016), Tigress (23.07.2016), buggy (24.07.2016), raupenimmersatt (28.07.2016)

MeeneKleene

unregistriert

35

Donnerstag, 21. Juli 2016, 09:51

Ein schlechtes Elternhaus ist immer noch besser als ein Heim


Hallo Andres, nein, du hast mich mißverstanden oder ich habe mich mißverständlich ausgedrückt. Ich schrieb ja, dass es leider für manches Kind die bessere Alternative war/ist, in einem Heim aufzuwachsen, als das schädliche Milieu zuhause aushalten oder überleben zu müssen.

Du gehst von einem relativ idealisierten Elternhaus aus


Ich weiß leider nicht, wie sich das Leben in einer harmonischen, untstützenden Familie anfühlt. So etwas habe ich als Kind nicht erfahren. Von daher weiß ich ziemlich genau, wie Familie nicht "funktionieren" sollte. Ich meinte ganz sicher keine "Heile Welt Familie". Manchmal müssen auch in einer guten Familie die Fetzen fliegen (sprichwörtlich). Genau das macht u.a. eine gute Familie aus: Dass man Konflikte aussprechen und austragen kann, ohne dass jemand um irgend etwas fürchten muss.
Nein, ich gehe von keiner idealisierten Familie aus.

Ja, ich glaube ich habe mich da mißverständlich ausgedrückt, als ich schrieb, dass ein Heim immer nur zweite Wahl sein kann. Ich meinte, dass eine gute Familie immer die erste Wahl sein sollte. Wenn es schädigende Einflüsse gibt (wobei das dann immer auch eine Definitionsfrage ist, was denn genau als zu schädigend empfunden würde), dann ist es manchmal unumgänglich, an die zweite Wahl zu denken, wenn denn alle anderen Unterstützungssystem seitens des Jugendamtes nicht greifen können. Die Aktivierung dieses Unterstützungssystems wäre zunächst die 1. Alternative, bevor man an eine Herausnahme denken sollte. (Ausnahme natürlich Gefahr im Verzug durch Gewalt etc.).

Zum einen kommen sie heute (und kamen oft damals) mit einer bestimmten Geschichte in so eine Anstalt, zum anderen bedeutet das Leben in einer Gemeinschaft, dass man sich an Regeln halten muss


Hmm, da gehst du von einem ... wie soll ich sagen... Bild von Kind/Jugendlichen aus, das manchmal zutreffend sein mag. Meiner Ansicht nach kooperieren Kinder/Jugendliche immer, solange sie es können. Wenn sie durch welche Umstände auch immer chronisch überfordert werden, dann können sie nicht mehr kooperieren, was sich möglicherweise in Verhaltensweisen äußert, die du vielleicht beim Schreiben dieses Satzes im Hinterkopf hattest. Wie du schon schreibst, kommen Kindern in dem Alter oft mit einer unguten Geschichte in irgendwelche Heime. Verantwortlich dafür, die Beziehung zu dem Kind wieder herzustellen, damit es wieder in der Lage ist zu kooperieren, tragen immer die Erwachsenen und das ist dann oft ein hartes Stück Arbeit. Zumindest ist es mMn zu kurz gedacht, wenn man nur von dem dann problematischen Verhalten der Kinder ausgeht. (Jesper Juul, ein dänischer Familientherapeut hat dazu eine Menge geschrieben, falls dich das interessiert.)
Um an irgendwelche Regeln halten müssen, ging es mir ganz sicher nicht bei meinem Posting. Wie du schon schreibst, gehört das in einer Gemeinschaft unabdingbar dazu.

Hmm, wie beschreibe ich das...
An die ersten Jahre meiner Heimkarriere kann ich mich nicht erinnern, weil ich bereits als Baby ins Heim kam. Meine Erinnerung setzt mit ca. 6/7 Jahren ein. Ich kann mich nicht erinnern, mißbraucht worden zu sein. Ich wurde soweit ich mich erinnere, zweimal von Erwachsenen Personen körperlich angegangen, allerdings nicht in schwerer Art und Weise. Auch gab es kaum Gewalt unter den Kindern. Ich war immer satt, ich durfte in eine öffentliche Schule gehen. Ich habe auch Spaß im Heim gehabt teilweise, habe ich ja schonmal irgendwo geschrieben. Ich durfte sogar ein Instrument lernen (Flöte, wo ich doch viel lieber Klavier lernen wollte :S ).

War das nun ein gutes Heim?

Ich war ständig mit vielen anderen Kindern zusammen. Eine Erzieherin hat mit mir Hausaufgaben gemacht, wofür ich heute wirklich dankbar bin. Trotzdem war es unglaublich einsam. Es hat kaum jemand mit mir gesprochen. Zuwendung, in den Arm nehmen, Zuneigung... einmal in den ganzen Jahren hat mich eine Erzieherin in den Arm genommen. Nachts im 12-Bett-Zimmer... ich hatte solche schreckliche Angst - ich habe mich nicht getraut zu schlafen. Ich hatte niemanden, zu dem ich mich hätte flüchten können, niemanden der mich in meiner Angst beschützt hat, niemanden, der mal geschaut hat, was eigentlich mit mir los war oder diesen Ängsten auf den Grund gegangen wäre. Wenn ich keine Bücher gehabt hätte... ich weiß nicht was ich sonst getan hätte.
Tagsüber gab es manchmal durchaus einiges, was mir Spaß gemacht hat, aber wie schon geschrieben: ich war nicht allein und war es doch - über Jahre.
Das erklärt sich sicherlich aus den damaligen Verhältnissen: 1 Erzieherin für jeweils 12 Kinder - gut ist meiner Meinung nach etwas anderes. gut ist eben nicht nur die Abwesenheit von Gewalt und Hunger.

Und trotzdem wünscht sich sicherlich so manch geschundene Seele, die so viel Schlimmes erleben musste, sie hätte in dem Heim leben dürfen, von dem ich gerade geschrieben habe... Wenn ich so darüber nachdenke, kann ich fast froh sein, dass ich nur emotional vernachlässigt wurde im Gegensatz zu dem, was andere so erlebt haben. Irgendwie bin ich das auch - es hätte schlimmer sein können. Trotzdem kann ich mich nicht dazu durchringen, meine Heimzeit als gut zu bezeichnen.

Ein harmonisches und ideales Elternhaus heißt im Gegenzug jedoch auch nicht, das alles konfliktfrei abgeht, zumindest nicht wenn es um den Müll wegbringen oder Hausaufgaben geht


Du hast meine volle Zustimmung!

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

sterni (21.07.2016), andres (21.07.2016), Tigress (23.07.2016), buggy (24.07.2016)

andres

Fortgeschrittener

  • »andres« ist männlich
  • Deutschland

Beiträge: 207

Registrierungsdatum: 6. April 2015

Onlinezeit: 7 Tage, 23 Stunden, 17 Minuten, 21 Sekunden

Level: 29 [?]

Erfahrungspunkte: 210 674

Nächstes Level: 242 754

Danksagungen: 910 / 586

  • Nachricht senden

Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied

Wassermann

36

Donnerstag, 21. Juli 2016, 20:03

Liebe MeeneKleene,

ja, ich denke jetzt sind wir wieder gedanklich völlig beisammen, denn ich glaube auch, dass eine gute Familie immer die erste Wahl sein sollte und alles was du über Unterstützungssysteme die greifen sollten (!) - leider tun sie das oft nicht - bevor es zur Alternative Heim oder besser „raus aus der schädigenden Umgebung” kommen sollte, sehe ich genau so.

Und selbstverständlich habe ich, als ich von wie du es so gut formuliert hast problematischen Verhaltensweisen geschrieben habe, nur die Symptomatik gemeint, niemals jedoch eine Verantwortlichkeit oder gar Schuld der Kinder. Die Symptomatik ist alllerdings schwierig genug für alle Beteiligten - Lehrer, Erzieher, Betreuer, andere Kinder - und am schwierigsten für die Betroffenen selber.

Ich kenne Jesper Juul nicht, kann mir aber vorstellen ihn kennenzulernen.

Vielleicht hast du es gemerkt, der ganze Themenkomplex Elternhaus, Heim, gute Umgebung mit seinen Inhalten Anerkennung, Respekt, klar natürlich zusdammengefasst im Begriff Liebe, treibt mich schon auch um und ich hätte sehr viel dazu beizutragen, was ich aber an dieser Stelle nicht tue, denn da ist zu viel persönliches das ich nicht in der Öffentlichkeit ausbreiten will. Ich kann dir gerne in einer PM vieles dazu sagen, wenn du es möchtest.

Viele Grüße

Andres
Signatur von »andres« „Montani Semper Liberi“

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

buggy (24.07.2016), sterni (24.07.2016)

MeeneKleene

unregistriert

37

Freitag, 22. Juli 2016, 07:59

Du kannst mir gerne schreiben Andres!

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

buggy (24.07.2016)

Tigress

Fortgeschrittener

  • »Tigress« ist weiblich
  • Deutschland

Beiträge: 194

Registrierungsdatum: 13. April 2015

Bundesland / Gebiet: NRW

Onlinezeit: 15 Tage, 8 Stunden, 43 Minuten, 46 Sekunden

Beruf: Frührentnerin

Hobbys: Tierschutz, Trödelmärkte, Karneval

Level: 29 [?]

Erfahrungspunkte: 196 106

Nächstes Level: 242 754

Danksagungen: 895 / 790

  • Nachricht senden

Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied Seit über 30 Monaten Mitglied

38

Sonntag, 24. Juli 2016, 20:22

Auch wenn ich bereits 14 Jahre alt war als ich in (mein) erstes Kinderheim kam und auch nur etwa 6 Monate dort war, muß ich sagen es war aus meiner Sicht ein gutes Heim. Katholische Padres und weltliche Erzieher.
Im zweiten Kinderheim war ich dann auch nur etwa 7 Monate dieses fand ich nicht so gut. Katholische Nonnen und weltliche Erzieherinnen.
Im dritten Heim war ich sogar nur rund 2 Wochen und das war das absolute Horror Heim, nur für Mädchen. Katholische Nonnen und weltliche Erzieherinnen.
Insgesamt war ich also nur knapp über 1 Jahr in drei verschiedenen Heimen, zwischen meinem 14. und 15. Lebensjahr.

Deshalb fühle ich mich hier manchmal etwas unsicher, weil ich nur so kurz im Heim war und auch erst so spät dort hin kam.
Aber ich bin von Geburt an bis zur Volljährigkeit durch das Jugendamt privat in Pflegefamilien untergebracht worden.
Innerhalb von 18 Jahren wurde ich wie ein "Dekostück" etwa 35 mal "umgetauscht - weitergereicht"
Ich fühlte mich in diesen "FremdFamilien" wie ein "Kurzzeitparker" für Emotionen war keine Zeit, aber für Gewalt in sämlichen Formen.
Gute Heime, schlechte Heime?
Gute FremdFamilien, schlechte FremdFamilien?

In den Heimen ging es mir zumindest besser als in den FremdFamilien, wenn auch nicht wirklich gut. Und okay, ich habe es dem Heimpersonal sicherlich nicht gerade leicht gemacht bei meiner Vorgeschichte als Wanderpokal.
Signatur von »Tigress«
Das Leben ist kurz, aber man hat immer Zeit für Höflichkeit. (Ralf Waldo Emerson)

Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter. (Ralf Waldo Emerson)

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

sterni (24.07.2016), buggy (24.07.2016), Matze (24.07.2016), andres (15.02.2017)

MeeneKleene

unregistriert

39

Sonntag, 24. Juli 2016, 20:53

Ich bin längst nicht so oft herumgereicht worden wie du Tigress. Oft genug war es trotzdem mMn. Wanderpokal ist ein gutes Wort dafür :D. Wenn es nicht so makaber wäre...

Sorry, das ist wohl ein wenig Galgenhumor. Ich kann mir in etwa vorstellen, wie du dich fühlst... Bei mir waren es nur 11 Heime und Pflegestellen. Ich bin immer noch ohne Wurzeln und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern.

Es haben sich bereits 3 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

sterni (24.07.2016), Tigress (25.07.2016), buggy (27.07.2016)

Counter:

Hits heute: 9 588 | Hits gestern: 19 602 | Hits Tagesrekord: 68 010 | Hits gesamt: 20 258 846 | Hits pro Tag: 7 556,99 | Klicks heute: 15 382 | Klicks gestern: 31 313 | Klicks gesamt: 136 161 904 | Klicks Tagesrekord: 338 265 | Klicks pro Tag: 50 791,34 | Alter (in Tagen): 2 680,81 | Gezählt seit: 16. September 2010, 18:34

Legende:

Forum enthält keine neuen Beiträge
Forum enthält neue Beiträge
Forum ist geschlossen
Forum ist ein externer Link