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Kannst du dich noch an deine erste Heimeinweisung erinnern?

Antworten im Thema: 14 » Der letzte Beitrag (14. Dezember 2017, 15:40) ist von Haudegen..

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JW1HAL

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Stier

1

Freitag, 24. November 2017, 19:56

Kannst du dich noch an deine erste Heimeinweisung erinnern?

Hallo,

das Thema gab es bereits schon in den vergangenen Jahren zum Beispiel hier und hier. Da das letzte Thema aber nun doch schon 3 Jahre her ist, möchte ich es nun ganz neu aufgreifen und zitiere dazu mal meinen Erst-Beitrag vor 3 Jahren.

Kannst du dich noch an deine erste Heimeinweisung erinnern?

Hallo,

wie ist es dir bei deiner ersten Heimeinweisung ergangen?
Kannst du dich da noch an alle Details erinnern?
Wurdest du aus der Schule oder von zu Hause weggeholt oder haben dich deine Eltern höchstpersönlich dahin gebracht?

Wie ging es dir in diesem Moment?
Wie wurdest du im Heim aufgenommen, von den Erziehern und auch von den anderen Heimkindern?
Was war besonders gut und was besonders schlecht?
Hattest du Heimweh?
Hattest du auch Heimweh, obwohl es dir zu Hause schlechter ging?

Ich persönlich kann mich daran leider nicht erinnern und weiß nur so viel, dass ich wegen Schläge der Eltern ins Krankenhaus kam und vermutlich direkt von dort aus in der 3. Klasse ins Heim nach Krosigk verbracht wurde. Aber wie das genau war, weiß ich absolut nicht mehr.

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JW1HAL

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Stier

2

Samstag, 25. November 2017, 17:31

Hier kann sich wohl niemand erinnern?

Na kommt, ihr wisst doch bestimmt was, im Gegensatz zu mir. Ich habe alles vergessen.

Aber ihr könnt euch doch noch bestimmt an alle Details erinnern. Also, wie war es damals?

sterni

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Waage

3

Samstag, 25. November 2017, 19:11

Also meine ersten 5 Jahre wurde ich nur weiter gereicht - dann kam meine Adoptionsfamilie . Als ich später erfuhr, daß es nicht meine Eltern sind nahm alles seinen Lauf. Wobei ich keinerlei Vertrauen zu dieser Familie hatte. Es waren sehr unschöne Dinge passiert, worüber ich aber nicht reden will. Ich fing an wegzulaufen und ich glaube beim 3.mal, als mich die Polizei fand, sagte ich das ich nicht mehr nach "Hause" gehe - oder ich laufe gleich wieder weg. Es war wenige Tage vor Weihnachten - ich war 13 oder eher 14 Jahre alt. In der Nacht kam ich dann nach Alt Stralau - aber wie schon einmal geschrieben, hatte ich dort keine Schwierigkeiten. Ich glaube , nach außen war ich ein sehr gefühlskaltes Kind - innerlich war ich damals ganz unten. Auf jeden Fall war ich froh, nicht mehr dort hin zu müssen.
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JW1HAL

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Stier

4

Samstag, 25. November 2017, 19:33

Weitergereicht von Heim zu Heim oder von Familie zu Familie?

Wie war es am ersten Tag im ersten Heim oder am ersten Tag in der Familie oder dann in Alt Stralau?

sterni

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Waage

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Samstag, 25. November 2017, 19:58

Bis zum 1.Lebensjahr war ich im Mutter / Kindheim Maria Heimsuchung in Berlin Pankow. Dann kam ich bis zum 3. Lebensjahr in eine Pflegestelle. Daraufhin zur nächsten Pflegefamilie auch in Pankow. Dort ging es mir nicht gut und die Nachbarn informierten das Jugendamt. Soweit ich weiß folgte ein Kinderheim, wo ich aber nur c. 6 Wochen blieb. Naja ...... und dann kamen meine späteren Adoptiveltern. Ich kann mich daran erinnern, daß ich so froh war ein eigenes Bett zu haben und ich wollte dort nicht mehr das Bett verlassen. Bin wohl mehrmals am Tage gucken gegangen im Schlafzimmer, ob es ja noch dasteht. Warum - ich weiß es nicht.
Signatur von »sterni« Ich vertraue nur mir selbst

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Wassermann

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Montag, 27. November 2017, 09:16

Erinnern kann ich mich an nicht an den ersten Tag.
Es war der Tag nach meinem 2. Geburtstag.
Signatur von »Pitterchen« Vorurteile sind die Vernunft der Narren. (Voltaire)

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Waage

7

Dienstag, 28. November 2017, 14:14

Nun, an meinen ersten Heimtag (bzw. letzten „Zuhausetag“) kann ich mich erinnern, als wäre es gestern gewesen.
Ich rieche noch die Luft, empfinde das Gefühl, und erlebe den Tag wie in einem Film.
Meiner Mutter war es arg, ihren jüngsten Sohn in die Fremde zu geben, weg von ihr, weg von Zuhause in eine unklare Zukunft.
Sie fragte mich was ich denn an meinem „letzten“ Tag gerne essen möchte, sie würde mir ALLES kochen was ich gerne mag.
Ich esse für mein Leben gerne Hähnchen (übrigens bis heute noch), so dass meine Mutter mir am letzten Tag eine knuspriges Hähnchen zubereitete.
Aber als ich es dann essen wollte, bekam ich keinen Bissen herunter, weinte nur bitterlich.
Wartete bis ich abgeholt werden sollte. Abgeholt vom Jugendamt, welches nicht lange auf sich warten ließ.

Die zwei Frauen kamen mit einem weißen VW-Käfer.
Komischerweise stellte ich mir immer vor es kämen zwei „Gefängniswärter“ um mich abzuholen. Mit strengem Blick, bewaffnet, und mit einer Zwangsjacke im Kofferraum.
Denn ich war ja böse, nur böse Kinder kommen ins Heim. Es hämmerte immer die Drohung in meinem Gehirn „Wer nicht spurt, kommt ins Heim, oder in eine Erziehungsanstalt“.
Also muss ich wohl böse gewesen sein, wenn man mich in ein Heim steckt. Das nicht ich der Übeltäter war, sondern mein Vater, vor dem man mich schützen wollte, begriff ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Weinend ging ich mit den beiden Frauen zum Auto. Mutter hat mir noch eine Tüte mitgegeben, weil es mir beim Autofahren immer schnell schlecht wurde. Ich weinte und schrie, ich wollte nicht weg vom Ort der Tyrannei. Meine Mutter weinte ebenfalls……….
Erst Jahrzehnte später musste ich erfahren das sie sehr unter Schuldgefühle litt, mich weggegeben zu haben.
Langsam fuhr der Käfer los, ich weinend und schauen nach meiner Mutter.
Zu meiner Verwunderung waren die zwei Frauen vom Jugendamt sehr nett, aber auch bestimmend.
Langsam beruhigte ich mich und bereitet mich auf das vor was mich erwartete.
Ich malte mir die schlimmsten Szenen aus. Das ich im Heim auch wieder geschlagen werde, von den anderen gemobbt (wie es heut heißt), so wie ich es ja schon gewöhnt war.
Die Fahrt dauerte ziemlich lange. Und je länger wir fuhren desto mehr keimte in mir der Wunsch, das die Fahrt nie zu Ende gehen solle.
Bei jedem Ampelstopp wurde ich nervös…. bitte fahrt weiter… nicht anhalten.
Aber es kam was kommen musste, wir bogen in eine kleine Abfahrt ein, welche hinunter führte zum Schloss, dem Kinderheim.
Und da waren sie wieder, meine Tränen schossen aus den Augen…. Ich will da nicht hin, ich will nicht aussteigen.
Mit mehr oder weniger Gewalt, wurde ich aus dem Auto geholt, und stand nun da, auf dem großen Schlosshof. Die zwei vom Jugendamt verabschiedeten sich von mir und fuhren davon. Traurig blickte ich dem Käfer hinterher.
So langsam keimte in mir der Gedanke das es von nun an keinen Sinn mehr machte mich zu wehren…. Es war vorbei… ich war hier.
Betreten und niedergeschlagen folgte ich dem Erzieher Richtung Haupthaus.
Wir betraten das Hauptgebäude über ein riesiges Eingangsportal.
Der erste Gang führte uns zum Heimleiter.

Herr O.K. war ein stämmiger Mann mit Bart vor dem ich Achtung, aber komischerweise keine Angst hatte. Er begrüßte mich mit Handschlag, und wünschte mir eine gute Zeit im Heim.
Über eine große geschwungene Holztreppe ging es zur zweiten Etage, auf der die Räume der „Kleinen“ waren. Zu der Zeit als ich dort ankam, gab es noch einen großen Schlafsaal, in dem alle Jungs der „kleinen Gruppe“ schliefen.
Daneben gab‘s einen Aufenthaltsraum in dem ich ein „Schäftle“ (Kästchen, Schrank) bekam, in welches ich meine persönlichen Sachen unterbringen durfte.
Es wurde mir gezeigt wo der Waschraum und die Duschen waren, und so ging der Nachmittag schnell zu neige.
Zum Abendessen dann zum ersten Mal in den großen Speisesaal.
Für einen Jungen der sein ganzes bisheriges Leben alleine und am Rand der Gesellschaft lebte, überkam ihn, bei 136 Kinder in einem großen Raum, ein unangenehmes Gefühl, ja fast schon Panik.
Zum Glück wurden die „Neuen“ in den ersten Tagen immer neben einen Erzieher gesetzt. So empfand ich leichte Geborgenheit.
Der Speisesaal bestand aus sieben Tischen. An den sechs Tischen saßen, jeweils nach Gruppen geordnet (kleine, mittlere, große Gruppe, Mädchen), die Kinder.
Am siebten Tisch saßen die Erzieher, stirnseitig der Heimleiter, neben ihm seine Frau.
Wir mussten stehenbleiben bis alle Kinder im Saal waren.
Als dann allmählich Ruhe einkehrte, sprach der Heimleiter ein Tischgebet.
Nach dem Gebet setzten sich alle und begannen zu essen.
Zum Abendessen gab es Aufschnitt mit Brot. Alles auf mehreren großen Platten angerichtet, aber für jedes Kind abgezählt. Überraschenderweise gab es genügend zum Essen, zumal es immer jemand gab, der seine Portion nicht vollständig aufaß.
Der Lärmpegel während dem Essen war enorm, so dass der Heimleiter anordnete, die restliche Zeit des Abendessen, schweigend zu verbringen.
Für mich eine Wohltat, versetzte mich der Lärmpegel doch in leichte Panik.
Sobald ein Tisch mit dem Essen fertig war, hat einer der Kinder einen sogenannten „Dankeslöffel“ zum Heimleiter gebracht, ihm die Hand gegeben und sich für das Essen bedankt. Dieses Ritual hatte zwei Gründe.
Zum einen um den Kindern bewusst zu machen, das genügen zu Essen zu haben, nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist. Zum anderen wusste der Heimleiter, anhand der Anzahl der Löffel genau, wann alle Tische fertig mit dem Essen waren.
Haben sich alle Tische bedankt, stand der Heimleiter auf um ein Dankesgebet zu sprechen.
Nach dem Gebet versammelten sich alle Kinder vorne um den Heimleiter drum rum.
Er sprach ein paar Worte, was sich an dem Tag wichtiges ereignet hatte und begrüßte die Neuankömmlinge. An diesem Tag war ich der einzige „Neue“
Da eines der Kinder auch Geburtstag hatte, sangen alle ein Geburtstagslied.
Zum Abschluss gab jedes Kind dem Heimleiter die Hand, wünschte, und bekam, einen Gute-Nacht-Gruß.
In den Gemeinschaftsräumen der einzelnen Gruppen war nun „Freizeit“ angesagt.
ich saß bedrückt, immer noch niedergeschlagen und ängstlich in der Ecke und verfolgte das Geschehen. Keiner nahm Notiz von mir, was mir in dem Moment sehr angenehm war.
Dann kam die grauenvolle Nacht.
Nein, keiner hat mir was angetan. Aber ich heulte die ganze Nacht durch. Ich wollte wieder nach Hause. Nach Hause zu meiner Mutter, meinen Brüdern, und zu meinem Tyrannen.
Was erwartet mich Morgen, von wem werde ich verdroschen, unterdrückt, gedemütigt?
Wie geht es weiter, wie lange muss ich hier bleiben?
Eine tiefe Trauer umgab mich, derer ich mich voll hingab.
Irgendwann musste ich dann doch eingeschlafen sein, denn die Erzieherin riss uns am nächsten Morgen aus dem Schlaf.

Damals wollte ich einfach wieder nach Hause, zum Ort der Pein der Schmerzen und der Unterdrückung.
Heute weiß ich, dass es besser war im Heim zu bleiben.
Signatur von »Wesley« Life is unfair. Kill yourself or get over it.

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Dienstag, 28. November 2017, 19:31

Wahnsinn, wie detailliert sich Manche an diesen Tag, der ja nun doch schon etliche Jahrzehnte her ist, erinnern. Ich kann noch so grübeln, ich kann mich einfach an NICHTS erinnern.


Wer hat noch so tolle und detaillierte Erinnerungen?
Aber auch nicht so detaillierte Erinnerungen sind willkommen.

Traut euch, schreibt wie es war. Es ist einfach toll, so etwas zu lesen.

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Stier

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Mittwoch, 29. November 2017, 02:20

Meine Zeit im Heim

Klar kann ich mich an die Heimeinweisung /en erinnern.

Da ich/wir die ersten 8 Schuljahre direkt gegenüber der Schule wohnten, war ja das
Fehlen/Schwänzen ziemlich unmöglich, da ja immer gleich ein Klassenkamerad/in
geschickt wurde, konnte ich mir das Abschminken,ohne das es meine Mutter erfuhr,dass ich
nicht zum Unterricht ging.
Danach zogen wir in einen anderen Stadtteil von Nürnberg, weil die Wohnung zu groß für uns geworden war,
da zwei meiner Brüder ausgezogen sind.Jetzt waren wir noch zu viert.Meine ältere Schwester, meine jüngere Schwester und meine Mutter und ich.
Die neue und für mich fremde Umgebung,besser gesagt die andere Schule mitsamt den Mitschülern
machte mir überhaupt keine Spaß.Also schwänzte ich ziemlich oft die Schule.
Die blauen Briefe von der Schule angelte ich aus dem Briefkasten.
Da erfuhr dann meine Mutter, die ja wieder arbeiten ging zunächst nichts davon.
Bis zu dem Zeitpunkt, wo sich das Jugendamt bei uns meldete.
Also musste ich wieder in die ungeliebte Schule gehen.
Hielt aber nicht sehr lange an. dass ich dahin ging.
Wieder Termin beim JA...Da fiel das erste Mal das Wort "Erziehungsheim", falls ich wiederholt nicht
hinging. Na ja..waren eh nur noch ein paar Wochen bis die 9.Klasse herum war.
Habe mich entschlossen bis zum Ende des Schuljahres hinzugehen.
Okay...jetzt war die Schulzeit vorbei...was machste danach?stellte ich mir die Frage.

Wollte dann Dekorateur werde....Und siehe da - wurde auch vom ersten Dekorateur genommen,
bei dem ich mich vorgestellt hatte.
Anfangs ganz easy....wurde einem Gesellen zugeteilt .Der war ein "Pfundskerl" ....
Mit diesem fuhr ich dann in ganz Franken herum um die Schaufenster der Radio- und Fernsehgeschäfte
neu auszustatten.Und auch für Messen und sonstiges war ich mit ihm unterwegs.

Dann wurde der Geselle krank und ich musste in der Werkstatt Styroporbuchstaben mit einer
Styroporsäge ausschneiden.War ein heißer Draht und wenn man nicht aufpasste war der Buchstabe pfutsch.

Das passierte mir einige Male...Dann lernte ich meinen Chef kennen.
Der hat mich zusammengestaucht mit den miesesten Beleidigungen die er drauf hatte.
Ich gab ein paar Widerworte und da hat er mir dermaßen eine geschmiert ....das ich meine Sachen
gepackt habe und gegangen bin.
Bedeutete . dass ich jetzt ohne Lehrstelle war...denn dahin wollte ich nicht mehr.
Er hat sich zwar entschuldigt ...nahm ich nicht an und erzählte es dem für mich zuständigen
Herrn vom JA.
Anzeige sollte ich keine machen...hätte eh keine Chance ...vor Gericht.
Okay jetzt musste ich zumindest einmal in der Woche zur Berufsschule....
Hatte da aber noch weniger Lust drauf ....also schwänzte ich erneut.

Da kam im März 1972 der Tag der 1. Einweisung...
Meine Mutter war aus gesundheitlichen Gründen zu einer 6 wöchigen Kur in Unterfranken.

Es klingelte ....dachte es wäre meine kleine Schwester, die aus der Schule heimkam.
Irrtum meinerseits...Zwei Herren vom JA standen vor der Tür und verschafften sich Einlass.
Der Herr vom JA der für mich zuständig war, sagte das ich mich anziehen solle und einige Sachen zum Wechseln einpacken solle, da für mich die Frist abgelaufen ist und ich ins Heim müsse.
Das machte ich ...was sollte ich auch sonst tun.
Die Fahrt dauerte nicht lange ...schon waren wir in dem Kinder und Jugendheim.
Wurde zur Heimleitung gebracht ...die Formalitäten erledigt und kam dann in die geschlossene Abteilung
des Heimes.
Zwischendurch musste ich noch zur Heimleitung...Da erklärte mir der Heimleiter, dass ich nur bis zu dem Zeitpunkt in Nürnberg bleiben werde bis in Freistatt ein Platz für mich frei werden würde.
War mir ja nur ein Begriff , dass es im Moor ist und nicht besonders da sein sollte.
Ein anderer Junge von der geschlossenen Gruppe war mal dagewesen oder kannte einen , der mal dagewesen war.
Das weiß ich nicht mehr genau...
Jedenfalls , als ich letztens den Film darüber im TV gesehen habe wurde mir bewusst , dass ich ein riesiges Glück hatte , dass ich nicht dahin verfrachtet wurde,

Da war ich dann bis zum 19.04.1972....ein Mittwoch...Tag des Abschiedes aus Nürnberg.
Die zwei Herren vom JA kamen mich abholen.
Wurde mir eine Tag vorher schon angekündigt, dass ich meine Sachen packen solle.
War ca.07.30h ...
Ich dann mit runter zum Auto...und dann ging die Fahrt los....
Im Wagen wurde mir dann gesagt wohin die Reise geht...Nach Hessen in die Nähe von Kassel...
Noch nähere Bezeichnung war dann Melsungen....Kannte ich eh nicht.
Nach über dreieinhalb Stunden Fahrt waren wir dann am Ziel angekommen...
Mannomann..war das für meine Begriffe riesig dort.
Übergabemodalitäten wurden abgewickelt und dann verabschiedete sich die beiden Herren vom JA
mit den an mich gerichteten Worten , dass ich diese Chance wahrnehmen solle....sonst wäre der " Zug" für mich abgefahren.

Ein anderer Junge wurde beauftragt mich in die Gruppe zu bringen, der ich von der Verwaltung zugeteilt wurde.
Da war ich dann und wurde dem Erzieher vorgestellt , der diese Gruppe leitete.
Mir wurde von ihm ein Zimmer gezeigt in dem 2 Stockbetten und vier Spinde vorhanden waren.
Mir wurde ein freies Bett zugeteilt , dass ich dann beziehen sollte...bekam noch ein Schloss für den Spind,
damit ich meine wenigen Habseligkeiten verstauen konnte.
Mit Klamotten und meiner Wäsche wurde ich noch zur Schneiderei begleitet...Da wurde dann meine Wäschenummer eingenäht.Für mich die 53....
Schwupps war auch das erledigt und es war kurz vor 12 Uhr mittags...
Aus allen Werkstätten und strömten die anderen Heiminsassen herbei um in die Speisesäle zu gelangen.
Auch ich wurde zum Speisesaal gebracht , wo schon ca.30 Jungs an den Tischen saßen und das Mittagessen
zu verspeisen.Mir wurde ein Platz zugeteilt , wo nur zwei Jungs saßen.
Kurzes Hallo...und ich solle mir an der Theke vorne etwas zu Essen holen.
Was es gab sah ich ja....Erbseneintopf mit Wursteinlage....
Hatte eh Hunger und es schmeckte einwandfrei....Zwar nicht so gut , wie zuhause, dennoch gut.
Holte noch einen Nachschlag.....dann war ich satt...
Diejenigen, die für den Küchendienst eingeteilt waren, brachten das benutze Geschirr und die Transportgefäße
in den angrenzenden Küchenbereich im anderen Gebäude...
Jetzt war Mittagspause bis 13Uhr....Ich wurde erstmal gefragt, was ich zum Trinken möchte...
Einer hatte eine Liste dabei , in dem er vermerkte , wer was haben möchte.
Frage lautete ---Bier --Cola --Limo...
Ich entschied mich für ein Bier, dass ich dann auch abends bekam.
Anlass wurde mir dann auch bekanntgegeben...Der Leiter von dem Haus in dem ich untergebracht war,
hatte an diesem Tag Geburtstag und hat eine Runde ausgegeben.
Konnte ich mich dann abends bei ihm bedanken und ihm gratulieren, da ich ihm von meinem Gruppenleiter
vorgestellt wurde.
Zwischendurch durfte ich von 13 - 17Uhr in der Gärtnerei arbeiten....da blieb ich dann einige Monate bis ich meine
Lehrstelle antreten durfte.
Die anderen Jungs in der Gärtnerei stellten dann Fragen an mich...woher kommste ....warum biste hier.
und was man halt so fragt....Abends gegen 18Uhr gab es nach dem Waschen/ Duschen Abendbrot.
Zwei Sorten Wurst und Käse....zum Trinken gab es Früchtetee....den mochte ich zwar nicht, war aber auch nicht großartig am Herummeckern...warum auch...gab es ja nicht jeden Abend...
Nachdem Abendessen hat mich dann der Erzieher....wie sich später herausstellte...ein Prima-Kerl,
den anderen Mitinsassen vorgestellt....und mir dann die wichtigen Räumlichkeiten gezeigt.
Dann konnte man TV schauen....Tischtennis oder Karten oder sonstige Spiele benutzen , die in dem Spielraum vorhanden waren.
Für die kurze Zeit- die paar Stunden in denen ich mich jetzt in Rengshausen befand....hatte ich einen
passablen Gesamteindruck gewonnen und dachte für mich ....nicht so schlimm , wie man/ich es mir vorgestellt
hatte.
Ich unterhielt mich noch mit einigen Jungs und kam bestätigt , dass es hier schon passen würde...
wenn man sich an die Regeln hält...
Um 22 Uhr war dann Schlafenszeit....war eh müde...und schlief dann bald ein...
Wusste vorher ja nicht , dass ich knapp drei Jahre hier verbringen würde.

Wer weiß , was aus mir geworden wäre , hätte ich mich anders entschieden....
Insgesamt , war es ein tolle Zeit in Rengshausen.
Was ich hier für mein späteres Leben mitnehmen durfte ....
Ich sag einfach nur DANKE ....an alle die mich dahin begleitet haben und mich zum Teil mitgeformt haben.
dass ich nie auf die schiefe Bahn geriet und bis heute auf ein gutes Leben zurückblicken darf.
Ich möchte keinen Tag in Rengshausen missen....
Ich war ja nach meiner Heimzeit, die ja mit dem Gesellenbrief für mich beendet war ungefähr noch zehn Mal da zu Besuch...Sei es zum Jahresfest oder einfach nur so für ein Wochenende...

Aus dieser Zeit habe ich noch zwei Freude mit denen ich noch heute nach über 40 Jahren befreundet bin.
Kontakt mit ihnen habe ich bis heute...Telefonisch und auch gegenseitige besuche mindestens alle zwei Jahre.

Hatte noch anfangs die Begründung meines Heimaufenthaltes mit angeführt....
War nicht da Versagen meiner Mutter ...sondern der Verursacher war ich selber.

Mit meiner Mutter hatte ich bis zu ihrem Ableben vor über 11 Jahren ein inniges Verhältnis.

So das war es .....
auch mal zu berichten , dass es auch Heime gab ,wo nicht Gewalt und Missbrauch an der Tagesordnung waren,
weder vom Heimpersonal , noch von den Mitinsassen.

Klar gab es auch da Meinungsverschiedenheiten.....konnte man auch klären...ohne Gewalt.

Die besten Grüße von chazz17
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Wesley

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Mittwoch, 29. November 2017, 07:31

Hallo chazz17,
vielen Dank für deine ausführliche Schilderung Deiner Heimeinweisung.
Es ist schön für mich zu hören, dass ich nicht der einzige auf der Welt bin,
der von sich behauptet, dass der Heimaufenthalt (im Nachhinein betrachtet) mit unter das beste war was mir zu der Zeit passieren konnte.
Das große Thema „gute Heime schlechte Heime“ möcht ich an dieser Stelle nicht vertiefen, gehört nicht in diesen Thread.

Danke für Deine Offenheit.
Grüße
Wes
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Stier

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Mittwoch, 29. November 2017, 08:29

Hallo Wesley....

Danke für Deine Antwort...
Kann ja das Danke an Dich gerne erwidern...Danke Wesley...

Deine Schilderung war ja auch ziemlich umfangreich und offen dargestellt.

Auf das Thema " gute und schlechte Heime" gehe ich ja auch nicht weiter ein.

Ich kann ja auch nur von dem Heim berichten , in dem ich untergebracht war.
Und über die riesige Thematik der "Qualität" von Heimen ist ja schon so viel
geschrieben und berichtet worden........

Dir noch weiterhin eine gute Zeit wünscht chazz17.
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Krebs

12

Mittwoch, 29. November 2017, 11:12

Einweisung ins Kinderheim

Ja Leute zu diesen Thema kann ich auch nichts sagen,

weil ich es nicht mehr weiß :thumbdown:

Nur dass ich in Güntersberge 19.61 eingeschult worden bin.

Gruß Jacky 2012

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Stier

13

Mittwoch, 29. November 2017, 13:10

@chazz17
Sehr viel Lesestoff ... wie bei vielen meiner Beiträge. Aber sehr schön zu lesen. Auch hier bin ich sehr über die detaillierte Wiedergabe begeistert. Da frage ich mich, wie man das alles noch weiß, weil ich ja absolut gar keine Erinnerungen daran habe.

Und wie auch Wesley schon bemerkte, finde ich es auch nicht schlecht, auch mal positive Eindrücke zu lesen. Und das geht ja auch darüber hinaus, bis hin zur Einsicht, dass man eben selbst Schuld an der Einweisung war. Dazu haben wir übrigens auch ein gesondertes Thema, was man wieder raus kramen könnte. Ob man denn dann immer selbst Schuld hatte, ist ja immer so eine Frage, die auch immer von der Sichtweise abhängig ist. Hat man denn immer Schuld? In sehr jungen Jahren ist es sicher immer eine Sache, wie man gelenkt und geleitet wird, begleitet von den näheren Umfeld. Es spielen immer mehrere Faktoren eine Rolle. Letztendlich liegt es sehr oft immer an einem selber, was man daraus macht. Manchmal ist es aber oft so, dass einem nicht viele Optionen übrig bleiben, so dass man diesen Weg gehen musste und auch immer wieder genau diesen Weg gehen würde. Aber auch das gehört alles nicht hier rein.

Hier geht es ausschließlich um den Tag der Heimeinweisung.

@Jacky2012
Die geht es ja wie mir und wie so etlichen anderen. Absolut keine Erinnerung. Selbst an den genauen oder auch ungenauen Tag würde ich mich nicht erinnern. Diesen kann ich nur aus den Akten entnehmen.

So weiß ich daraus eben, dass ich am Montag, den 07.05.1973 in das Kinderheim Halle Rosa Luxenburg Dauerheim für Säuglinge und Kleinkinder kam, am Mittwoch, den 08.10.1980 in das Kinderheim Krosigk Martha Brautzsch und am Freitag, den 28.08.1981 in das Spezialkinderheim Eilenburg Ernst Thälmann kam. Sind ja alles komische Wochentage. Montag, Mittwoch und Freitag. Hab ich eben mal nach geschaut ...

An das erste Heim hab ich eh keine Erinnerung, da ich da erst 2 Jahre war. manche Leute erinnern sich auch daran, ich leider nicht.
An das zweite Heim, kann ich mich nur wage erinnern, dass ich aus dem Unterricht geholt wurde, weil man etwas am Hals sah, was da nicht hin gehörte. So begutachte man mich genauer vermutlich im Zimmer vom Direktor. Von dort aus ging es dann vermutlich sofort ins Krankenhaus, wo ich sicher ein paar wenige Tage verbrachte. Und vermutlich kam ich dann direkt von dort aus ins Heim. Ich müsste nochmal in den Akten schauen, ob ich dazu was finde. Vielleicht war ich auch wieder zu Hause und meine Eltern mussten mich selbst dahin bringen. ich weiß es nicht.

Aber ist schon sehr interessant das Thema.

Weiter so.

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Tigress

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14

Dienstag, 12. Dezember 2017, 18:16

Obwohl ich erst im Alter von 14 Jahren ins Heim kam kann ich mich trotzdem nicht an die Fahrt ins 1. Heim erinnern.
Auch der erste Tag im 2. Heim => keine Erinnerung.
Vielleicht war ich durch dieses vielfache "herumreichen" von einer Pflegefamilie zur nächsten, emotional schon so distanziert von all dem, dass ich alles nur noch "über mich ergehen ließ"

Aber an die Fahrt mit dem Fahrer und einer jungen Frau vom Jugendamt nach Passau ins 3. Heim erinnere ich mich, denn ich wollte unterwegs unbedingt ausbüchsen.
Wußte ich doch, wohin man mich bringen wollte => ins Erziehungsheim Donauhof in Passau.
Immer wieder versuchte ich der jungen Frau zu erklären, dass ich "ganz dringend mal müsse", der Fahrer hielt auf der Landstraße an, die Frau stieg aus und meinte sie würde mit mir ins Gebüsch gehen wegen meiner Notdurft. Man hätte sie schließlich vorgewarnt, dass ich so etwas wie eine "Ausbrecherkönigin sei und diesbezüglich um keine Ausrede verlegen", sie ließ mich nicht aus den Augen und wir fuhren weiter. Meine Zeit für eine Flucht und vor allem eine Gelegenheit dazu wurde immer geringer, also überlegte ich mir, dass ich bei Ankunft am Heim => raus aus dem Auto und ab durch die Mitte und rennen, rennen, rennen.
Tja, ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich in Passau direkt von "einer Horde Nonnen" umringt in Empfang genommen werde und eine Flucht somit unmöglich war.
Ich kann mich nicht erinnern jemals vorher in meinem Leben so große Angst gehabt zu haben, wie ich sie vor dem Donauhof in Passau hatte.
Ich traute mich nicht einmal im Bett zu schlafen, ich legte mich auf den Fußboden unter das Bett und wollte bereits in der ersten Nacht flüchten. Meine Gruppe war im 2. Stock, vor dem Schlafraum war ein Flachdach und ich kletterte aus dem Fenster auf dieses Flachdach und wollte dann von diesem Dach springen. Leider war nicht genug Platz zwischen dem Dach und einer angrenzenden Felsenwand welche ich vorher nicht gesehen hatte, leider hatte ich meinen Anorak bereits nach unten fallen lassen um im dunkeln schätzen zu können wieviel Platz da überhaupt ist usw.
Am nächsten morgen wurden wir von Nonnen zur Heimeigenen Schule geführt und ich wollte mir schnell meinen Anorak holen, ich machte nur 2 oder 3 Schritte nach rechts, da packte mich schon jemand mit festem Griff in den Nacken und hielt mich fest und fragte mich, wohin ich denn wolle. Dass mein Fluchtversuch bereits aufgeflogen war, das war mir noch nicht bewußt.
Zur Strafe für meinen Fluchtversuch sollte ich im Bügelzimmer Nonnenkutten bügeln, dagegen verwehrte ich mich mit ziemlich unfreundlichen Worten (sie sollen dies gefälligst selbst tun), ich wurde mehrfach aufgefordert zu bügeln, meine Antwort blieb gleich unfreundlich. Also wurde ich auf den Speicher in ein Isolierzimmer gebracht und verbrachte dort die nächsten vermutlich 10 Tage in Einzelisolierung.
Schweigend kam 3x täglich eine sehr alte und gebrechliche Nonne um mir die Mahlzeiten zu bringen, 1x täglich wurde der Notdurfteimer geleert, Fenster aus Glasbausteinen oben rechts ließ sich einer an einer Kette auf Kipp ziehen für Frischluft, ein Tisch, 2 Betten, ein Stuhl, Lichtschalter außerhalb des Zimmers auf dem Gang, an ein Waschbecken kann ich mich nicht erinnern => habe irgendwie immer eine Waschschüssel vor meinem inneren Auge, nichts zu lesen, keine Unterhaltung oder Musik => NICHTS
nach 10 Tagen dort oben bin ich wohl etwas durchgedreht und habe die alte Nonne bedroht, als sie mir das Abendessen brachte => sie lief kreischend davon und vergaß das Zimmer zu verschliessen, ich habe mich selber derart über mein eigenes Verhalten und das der Nonne erschrocken, dass ich wie erstarrt im Zimmer stehen blieb, statt es zu verlassen. Dann kamen 5 oder 6 Nonnen gleichzeitig auf mich zu, wenigstens hatte eine davon die Ruhe weg und wohl auch das sagen, denn sie hielt die anderen von mir weg und ließ mich zur Ruhe kommen. Dann setzte sie sich zu mir auf das Bett, eine Nonne kam mit Starkbier angerannt, dieses gab man mir zu trinken, dann brachte man mich auf meine Gruppe zurück.
In den kommenden zwei Tagen führte ich lange Gespräche mit der weltlichen Erzieherin und wir schmiedeten gemeinsam einen Fluchtplan für mich, sie half mir am Fluchttag auch indem sie die anderen Mädchen davon abhielt mich zu verfolgen.
Die Erzieherin sagte mir damals, dass ich nach ihrer Meinung, nicht in dieses Heim gehöre, deshalb half sie mir bei meiner Flucht.
Ob es nun gut oder schlecht war von Passau zu flüchten => ich kann es nicht sagen, denn wo ich danach bis zu meiner Volljährigkeit meine Aufenthalte hatte war es keinen Deut besser als in Passau.
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Donnerstag, 14. Dezember 2017, 15:40

Mein erster Tag im Heim.

Ich komme aus NRW.Wir wohnten zu der Zeit in Niedersachsen.In Niedersachsen wurdest du Gerichtlich in ein Heim Eingewiesen.Meine Mutter war Witwe und gewisse Leute Meinten,das mein Bruder und ich,Verwahrlosten,was aber nicht zutraf.Am Nachmittag des 12.03.1947 kam eine Fürsorgerin und holte mich ab.Wir kamen am Abend in die Stadt an
und da kein Bus zum Kloster das ein Erziehungsheim war mehr fuhr.Musste die ganze Nacht auf einen Stuhl auf der Polizeiwache verbringen.Ich muss noch Erwähnen,das 1947der Schlimmste Winter mit hoch Schnee gewesen ist.Ich sehe es noch immer vor meine Augen,als ich über die Kanalbrücke ging und vor das Portal des Klosters stand.Dann gab es die Aufnahme Vormalietäten und die Tür ging zu und ich war Eingeschlossen in der Abteilung.Mittags kamen die schon dasein Jungen und die Frage wieso und Warum.Für mich,der ich die Freiheit schätzte,begann die Hölle meines Lebens,die ich zwei Jahre später wider Verlassen habe um bei einen Bauer unter zu kommen.Dieses alle,hat sich tief in mir Eingebrannt.

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