Missbrauchsopfern droht der Maulkorb - Seite 2 - Missbrauch in Heimen / JWHs und Entschädigungen - Treffpunkt ehemaliger Heimkinder | Regenbogenstadt

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Missbrauchsopfern droht der Maulkorb

Antworten im Thema: 70 » Der letzte Beitrag (13. April 2012, 16:09) ist von Ralf Aust.

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Samstag, 23. Juli 2011, 12:01

Sexueller Missbrauch Symbolische Anerkennung des Leids

Region, 21.07.2011, DerWesten

Paderborn/Soest. (rd) Das Erzbistum Paderborn hat die ersten Missbrauchsopfer entschädigt. 18 Betroffene haben 3000 bis 5000 Euro erhalten. Sie waren in den 1950er bis 1980er Jahren als Kinder und Jugendliche von Priestern und Ordensleuten sexuell missbraucht worden. Seit März haben sich 84 Opfer gemeldet, 38 Anträge auf Entschädigung sind seitdem gestellt worden.

Es sind Dramen. Unfassbar. Bedrückend. Die Vorfälle, die Manfred Frigger hört, lassen niemanden kalt. Auch den 64-Jährigen nicht. Er ist Beauftragter für Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. „Die Schicksale der Opfer gehen unter die Haut.“

5000 Euro erhält ein heute 50-Jähriger. Immer wieder war er in den 1970er Jahren im Siegener Raum vom Pfarrer missbraucht worden. In der Sakristei, im Pfarrhaus. „Der Priester war der Täter“, sagt Frigger, „er zahlt auch die Summe. Das ist mit Erzbischof Becker vereinbart worden.“

Bis heute ist das Opfer in therapeutischer Behandlung. Das Geld wollte er nicht einfach so, er wollte mit dem Missbrauchsbeauftragten über die Verbrechen von damals sprechen. „Mir hat er gesagt“, so Frigger, „es mache ihn zufrieden, für ihn schließe sich ein Kapitel. Ein Kapitel, in dem die Kirche zu ihrer Schuld stehe“.

Jahrzehntelang hatte das Opfer die Geschichte mit sich herumgetragen, mit niemandem gesprochen. „Ihm ging es nicht ums Geld. Er wollte die Last loswerden“, sagt Frigger.

Für den Missbrauchs-Beauftragten selbst bedeutet die Zahlung der Entschädigung eine symbolische Anerkennung des Leids: „Sie ist weder ein Freikauf von Verantwortung noch eine umfassende Entschädigung, vielmehr ist sie ein wichtiger Schritt bei der umfassenden Aufarbeitung des seelischen Prozesses.“

Ein 64-Jähriger, der heute im östlichen Ruhrgebiet lebt, wollte das Grab des Priesters sehen, der sich an ihm immer wieder vergangen hatte. Vor drei Jahren starb seine Frau. Nie hatte er mit ihr über die Taten gesprochen. Jetzt suchte er auf Vermittlung Friggers die Pfarrei im Sauerland auf, wo das Unsagbare passierte. Der heutige Pfarrer sprach mit ihm, zeigte ihm erneut die Räume. Frigger: „Wissen Sie, was gesagt hat: ‘Ich brauche kein Geld. Ich bin geheilt.’ Eine bewegende Geschichte.“

Ähnlich tragisch ist es einem heute 62-Jährigen ergangen. Er wuchs ohne Vater auf, seine Mutter verstieß ihn, er landete im Kinderheim. Die Familie eines Küsters nahm ihn am Wochenende zur Pflege auf. Wochenenden, die sein Leben bis heute prägen.

Der Küster missbrauchte ihn - an jedem Wochenende. Frigger: „Er wusste jeden Freitag, jetzt bin ich wieder dran.“ Der Küster ist lange tot, seine Taten hat er mit ins Grab genommen. „Ihn und seine Mutter hasst er bis heute. Beim Ausfüllen des Antrags war er unendlich froh, endlich darüber sprechen zu können.“

Das siebenseitige Antragsformular für die Entschädigung kritisiert der Verein ehemaliger Heimkinder heftig. Die Vorsitzende aus Soest, Monika Taschapek-Güntner: „Die Opfer sollen beschreiben, was ihnen wann wie oft mit wem zugestoßen ist.“

Es sei unzumutbar, Betroffene Jahrzehnte später bezüglich des schlimmen Geschehens nach Uhrzeiten zu Fragen: „Das geht gar nicht. Das schreckt ab.“


Quelle : Der Westen - Das Portal der WAZ Mediengruppe

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WernerR (04.08.2011)

alrosch

unregistriert

22

Donnerstag, 4. August 2011, 15:49

Missbrauchsopfern droht der Maulkorb

Es ist ja wirklich ein Lichtblick, dass die Kirche sich herab lässt und den Safe öffnet, für einige verletzte Heimkinder, die den Mut hatten und sich Öffneten. Die Ihre Scham überwunden haben und alles sich von der Seele geschrieben haben, viele sind noch nicht bereit, darüber zu Reden.

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WernerR (04.08.2011)

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23

Dienstag, 9. August 2011, 18:42

Frankfurter Rundschau › Wissenschaft
Heimkinder in West- und Ost-Berlin
"Von den Schlägen will ich gar nicht reden"

Im Berliner Abgeordnetenhaus ist der Abschlussbericht zur „Heimerziehung in Berlin - West 1945 - 1975, Ost 1945 -1989“ vorgestellt worden. Die Kernbotschaft: In beiden Stadthälften standen Schläge und auch sexuelle Übergriffe auf der Tagesordnung.
Liane Mueller-Knuth wollte aus dem Leben scheiden.
Liane Mueller-Knuth wollte aus dem Leben scheiden.
Foto: DAPD/B. Stadler

Mehr als fünf Jahrzehnte lang hat Liane Mueller-Knuth geschwiegen. Jetzt spricht die Frau mit den blonden Haaren erstmals öffentlich über ihre Zeit in einem Kinderheim in der DDR Ende der 50er-Jahre. Im Sankt Josefsheim in Birkenwerder bei Berlin, von Schwestern des Karmeliter-Ordens geführt, wurde sie demütigt, bei geringsten Vergehen in die Besenkammer eingesperrt, mit Schlägen bestraft und, wie sie sagt, auch sexuell missbraucht. Davon wolle sie eigentlich gar nicht reden, sagt die 63-jährige Frau und ringt um Fassung. „Und ich habe nie erfahren, wieso ich überhaupt dorthin gekommen bin.“ Denn ihre Mutter habe darüber nie gesprochen.

Liane Mueller-Knuth äußerte sich erst jetzt in der Berliner Senatsjugendverwaltung. Denn am Freitag wurde der Abschlussbericht zur „Heimerziehung in Berlin - West 1945 - 1975, Ost 1945 -1989“ vorgestellt, den das Abgeordnetenhaus im November 2010 in Auftrag gegeben hatte.

Die Kernbotschaft: In beiden Stadthälften waren Heimkinder im beschriebenen Zeitraum den Erziehern total ausgeliefert, der Alltag extrem reglementiert, die eingesetzten Erzieher gingen in der Regel lieblos mit den Kindern um. Drakonische Bestrafungsaktionen, Schläge und auch sexuelle Übergriffe waren an der Tagesordnung.

Aufgrund der miserablen Situation in West-Berlin rissen in den 60er-Jahren zwischen 25 und 70 Prozent der jungen Menschen aus ihren jeweiligen Heimen aus, wie Jürgen Gries, Sozialwissenschaftler von der Katholischen Hochschule für Soziallehre Berlin, herausgefunden hat. 50 Prozent der Heimmitarbeiter im Westteil der Stadt waren ohne jegliche Ausbildung, der Rest oft „unzureichend ausgebildet“.

Die Kinder wechselten häufig die Heime – aus Altersgründen oder weil nicht hinreichend diagnostiziert wurde, welche Hilfe die Kinder brauchten, wie Gries ausführt. Statt Hausaufgaben mussten Kinder oft auch Arbeiten verrichten. Gut 40 Prozent der Heime in West-Berlin waren staatlich, 60 Prozent von freien Trägern geleitet. Vielen Kindern, die zumeist aus der Unterschicht kamen, war gar nicht klar, wieso sie in ein Heim kamen. Bis 1961 wurden West-Berliner Kinder per Gerichtsbeschluss in ein Heim eingewiesen. Begründet wurde die Einweisung oft mit einer angeblich sittlichen oder charakterlichen Verwahrlosung.

Für Ost-Berliner Kinder gab es bis zu 2 500 Heimplätze sowie 1 150 Plätze in Spezialheimen und 900 Plätze in Jugendwerkhöfen, sagt Karsten Laudien von der Evangelischen Hochschule Berlin. Hier waren alle Heime bis auf zwei kirchliche Einrichtungen in staatlicher Hand, seit 1953 dem Ministerium für Volksbildung unterstellt. „Man ging in der DDR davon aus, dass soziale Probleme ein Probleme der kapitalistischen Welt sind“, sagt Laudien. Deshalb sah man Kinderheime als „Übergangsphänomen“. Doch das geschlossene System der autoritär geführten Kinderheime blieb bis zum Ende der DDR 1989 erhalten.

In West-Berlin kam es mit der Studentenrevolte 1968 zu einem Umdenken. Die von reformpädagogisch orientierten Studenten betriebene „Heimkampagne“, die auch von der späteren RAF-Terroristin Ulrike Meinhof unterstützt wurde, erreichte schließlich die weitgehende Auflösung der geschlossenen Heime.

In West-Berlin gab es fortan auch Jugendwohngemeinschaften und andere Formen der Unterbringung. Der Erzieherberuf wandelte sich komplett, selbst ehemalige Heimkinder wie Marianne Döring arbeiteten nun gerade aufgrund ihrer Erfahrungen mit viel Empathie als Erzieher.

Fürs Leben geprägt

Doch die Jahre im Heim hatten die betroffenen Menschen für ihr Leben geprägt. Liane Mueller-Knuth unternahm mehrere Selbstmordversuche, musste ihre Arbeit als Erzieherin aufgeben, arbeite zeitweise in der Gastronomie, zuletzt als Altenpflegerin. Viele Jahre war sie nahezu bindungsunfähig, Beziehungen gingen in die Brüche. Heute ist sie glücklich verheiratet.

„69 Jahre lang bin ich mit einem Minderwertigkeitskomplex und einer ausgeprägten Autoritätshörigkeit durchs Leben gelaufen“, sagt auch das ehemalige Heimkind Marianne Döring, die über ihre Erfahrung ein Buch geschrieben hat (“Winter im Herzen“). „Und wir alle haben Angst vor Altersarmut“, sagt Liane Mueller-Knuth, weil viele Heimkinder nicht lebenslang gearbeitet haben oder nur als gering Qualifizierte.

Die Berliner Regionalgruppe ehemaliger Heimkinder hofft deshalb auf einen Rentenausgleich. Und die ehemaligen DDR-Heimkinder hoffen auf eine noch immer ausstehende Entschädigung. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) kündigte an, dass – ähnlich wie bereits für die westlichen Bundesländer geschehen – „relativ zeitnah“ ein Entschädigungsfonds aufgelegt werden sollte.


Dieser Artikel ist vom 09.08.2011- Quelle Frankfurter Rundschau

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Dienstag, 9. August 2011, 19:25

Missbrauch und Kerkerhaft
Zwang und harte Strafen in DDR-Heimen bis '89

Bis in die 70er unterschieden sich die "Erziehungsmaßnahmen" von Ost- und Wetsdeutschland in Heimen kaum. Dann kam im Westen die Wende, die DDR blieb jedoch bis zum Ende bei ihren alten Methoden.

Essenszwang und Kerkerhaft: Der Alltag in Kinder- und Jugendheimen in West- und Ostberlin unterschied sich nach einer neuen Studie bis in die 1970er Jahre hinein kaum - trotz völlig unterschiedlicher politischer Systeme. Mit dem Rückblick auf die Heimerziehung in ganz Berlin liegt die erste Untersuchung vor, die Ost und West gemeinsam in den Blick nimmt. Für ein Gesamtbild über Heimerziehung in der DDR fehle es weiter an Studien, sagt der Sozialpädagoge und Mitautor Manfred.
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Woran lag es, dass viele Heimkinder von den 50er bis in die 70er Jahre in West- und Ost-Berlin gleichermaßen misshandelt wurden?

Kappeler: "Beide Systeme der Jugendhilfe haben dieselbe Geschichte. Sie fußt auf dem ersten großen Fürsorge-Erziehungsgesetz aus dem Jahr 1900. Damals wurde die sogenannte Verwahrlosten-Pädagogik festgeschrieben, die Besserung allein durch Zwang und harte Strafen vorsah. Diese Erziehung für Kinder und Jugendliche, die nicht den gesellschaftlichen Erwartungen entsprachen und fast alle aus der Unterschicht kamen, hat sich bruchlos bis in die NS-Zeit gehalten. Die Nazis haben mit ihren Jugendkonzentrationslagern dann nur noch eins draufgesetzt."

Gab es denn keinerlei Reformideen hin zu individueller Fürsorge?

Kappeler: "In der Weimarer Republik gab es Reformideen, aber das war eine Minderheitenposition. Nach 1945 wurde in beiden deutschen Staaten nicht die Möglichkeit ergriffen, sich an diesen positiven Ansätzen zu orientieren. In der DDR hat sich die tradierte repressive Pädagogik relativ schnell mit stalinistischen Erziehungsvorstellungen verbunden. In West und Ost ging es also unter völlig verschiedenen ideologischen Vorzeichen auf die gleiche Weise weiter. Aus den Erinnerungen ehemaliger Heimkinder der 50er und 60er Jahren kann man heute nicht rückschließen, in welchem Teil Deutschlands sie aufgewachsen sind. Ihre schrecklichen Erlebnisse bis hin zu sexuellem Missbrauch sind nahezu deckungsgleich. Es gibt nur einen Unterschied: In der Bundesrepublik gab es Anfang der 70er Jahre einen Wandel in Richtung Reform. In der DDR blieb das bis 1989 so."

Für den Westen gab es den Runden Tisch Heimerziehung, dessen Abschlussbericht Anfang Juli den Weg für Entschädigungen frei gemacht hat. Weshalb wurden die Heime der DDR in dieser großen Untersuchung nicht berücksichtigt?

Kappeler:"Nach der Wende 1989 wurde die Heimerziehung in der DDR in den Komplex Unrecht der SED-Diktatur einbezogen. Die Landgerichte haben die Aufgabe bekommen, für alle Geschädigten dieses Systems Rehabilitationsverfahren zu ermöglichen. Das hat dazu geführt, dass alle, die im Jugendwerkhof Torgau an der Elbe leben mussten, pauschal entschädigt worden sind. Denn in Torgau gab es nachweisbar systematische Menschenrechtsverletzungen. Damals wurde das als Signal verstanden, wie mit der Heimerziehung zu DDR-Zeiten umgegangen würde. Das war jedoch eine Fehleinschätzung"

Warum?

Kappeler: "Die Kammern haben danach nur rund zehn Prozent der Anträge ehemaliger Heimkinder anerkannt. Und zwar nur die, bei denen die Stasi bei der Heimunterbringung beteiligt war. Es ging also rein um politische Gründe, oft um Dissidenten oder Republikflüchtlinge. 90 Prozent der Anträge wurden abgelehnt. Nach massiver Kritik hat der Bundestag Anfang Juli den Beschluss gefasst, dass die Entschädigung von misshandelten Kindern und Jugendlichen aus Heimen der DDR nach dem gleichen Modell und den gleichen Maßstäben erfolgen muss wie in Westdeutschland. Das wird aber noch ein langer Weg, weil es noch keine systematische Untersuchung über das erlittene Unrecht in den Heimen der DDR gibt. Auch für Ost-Berlin kann die Studie erst ein Anfang sein."

(dpa, N24)

05.08.2011 16:39 Uhr


Quelle : N 24

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Dienstag, 9. August 2011, 19:27

Zwischen 1945 und 1975
Misshandelte Heimkinder sollen entschädigt werden
Samstag, 6. August 2011 08:36 - Von Ina Brzoska

Auch für DDR-Heimkinder, die misshandelt wurden, plant Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) eine finanzielle Entschädigung. Zudem soll in der Hauptstadt eine Beratungsstelle für Opfer eingerichtet werden.
Vorstellung der Studie "Heimerziehung in Berlin"
Foto: dapd/DAPD
Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) plant, auch ostdeutsche Heimkinder, die misshandelt wurden, zu entschädigen. In seinen Händen hält er ein Exemplar der Studie "Heimerziehung in Berlin - West 1954-1975, Ost 1945-1989"

Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) plant, auch ostdeutsche Opfer der Heimerziehung finanziell zu entschädigen. Dazu sollen „ähnlichen Instrumente“ zum Tragen kommen, wie diese bereits für Betroffene in den alten Bundesländer beschlossen seien, sagte er am Freitag.

Anlass für Zöllners Vorstoß ist die Vorstellung der Studie „Heimerziehung in Berlin – West 1954-1975, Ost 1945-1989“. Sie beleuchtet und vergleicht die Erziehungspraxis in Heimen während der deutschen Teilung. Vor allem was Einrichtungen in der DDR betrifft, näherten sich die Experten einem noch größtenteils unaufgearbeiteten Geschichtskapitel. Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder in Ostberliner Einrichtungen vergleichbare, grausame Erlebnisse geschildert haben, wie sie bisher aus Westberliner Kinderheimen bekannt geworden waren. Durch Stasi-Unterlagen, Erinnerungsliteratur und neue Medienberichte hätten sich neue Forschungsmöglichkeiten aufgetan, die nun genutzt wurden.

Die 256-Seiten-starke Studie vereint drastische Schilderungen in Betroffenen-Protokollen und wissenschaftliche Analysen von Psychologen, Pädagogen oder Politikwissenschaftlern. Anders als in den alten Bundesländern seien in Berlin die Mehrzahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen in öffentlichen Einrichtungen untergebracht gewesen, sagte der Berliner Soziologe Jürgen Gries. 800.000 Heimkinder gab es in Westdeutschland (1945-1975) und 120.000 in der DDR (1945-1989).
Isolation, Übergriffe, Schläge

Die Studie dokumentiert viele dramatische Fälle aus staatlichen und kirchlichen Einrichtungen. Von Essenszwang, Isolation, sexuellen Übergriffen, Redeverbot oder Schlägen ist die Rede. Laut Studie leiden bis heute fast alle Betroffene unter den psychischen Folgen der Misshandlungen. Genannt werden viele Einrichtungen, unter anderem das Kinderheim Königsheide, der Jugendwerkhof Schenkendorf bei Königs-Wusterhausen, das Paul-Wenzel-Heim in Wannsee oder das Haus Conradshöhe in Tegel.

„Die Zusammenstellung der Situation in Berliner Heimen in West und Ost ist erst der Beginn der Aufarbeitung“, sagte Zöllner. Der Bericht sei ein „erster Versuch der Annäherung“ an diese schwierige Thematik. Keineswegs erhebe er den Anspruch der „objektiven Gesamtaufarbeitung“. Der differenzierte Blick auf West und Ost sei wichtig. Es gebe eine „gemeinsame Überschrift“, aber doch sehr unterschiedliche Verhältnisse.
Auch ein Fonds für den Osten

Zöllner resümierte: Die gesellschaftliche Entwicklung in der Jugendhilfe in Ost und West verlief unterschiedlich, dennoch finde sich viel Vergleichbares, was erlittenes Leid und Unrecht des Einzelnen im Alltag der Heimerziehung angeht. Berlin will deshalb eine „Stelle zur Information, Beratung und Unterstützung ehemaliger Heimkinder“ einrichten. Die Erkenntnisse sollen bei der Entschädigung berücksichtigt werden. „Auch für den Osten bietet sich ein Fonds an“, sagte Zöllner.

Mehr zum Thema
Morgenpost Online

Heimkinder in Ost- und West-Berlin misshandelt
Missbrauchte DDR-Heimkinder werden entschädigt
Ehemalige Heimkinder bemängeln "Runden Tisch"

Für Westdeutsche Opfer wurde das Recht auf Entschädigung bereits auf den Weg gebracht. Am 7. Juli hat der Bundestag eine Entschädigungsmöglichkeit für ehemalige deutsche Heimkinder auf den Weg gebracht. Sie geht auf die Initiative ehemaliger Heimkinder zurück, die sich 2006 an den Petitionsausschuss des Bundestages gewandt hatten. Sie gilt für Kinder und Jugendliche, die im Westen zwischen 1949 und 1975 in kommunalen und kirchlichen Einrichtungen Unrecht und Misshandlung erlebt haben. Die Entschädigung soll über einen bundesweiten Fonds in Höhe von 120 Millionen Euro finanziert werden. Zöllner fordert, dass die Entschädigung für Betroffene aus dem Osten nach dem gleichen Modell und nach den gleichen Maßstäben erfolgen solle.

Der Staatssekretär im Familienministerium, Josef Hecken (CDU), hatte bereits angekündigt, dass die Gespräche zwischen der Regierung, den Ländern und den Kirchen vor dem Abschluss stünden. Bis Anfang 2012 werde man Regelungen zur Entschädigung getroffen haben. Zeitgleich werde die Regierung einen Gesetzentwurf einbringen, der die Nichtanrechnung der Entschädigung auf Sozialleistungen garantiere.


Quelle : Berliner Morgenpost

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Dienstag, 9. August 2011, 19:29

Mitteldeutschland
Prügel statt Liebe: Studie stellt Erinnerungen ostdeutscher Heimkinder vor
Ulrike von Leszczynski, dpa
Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hält am Freitag in Berlin eine Studie über Heimerziehung in Ost und West in der Hand. Foto: dpa Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hält am Freitag in Berlin eine Studie über Heimerziehung in Ost und West in der Hand.
Berlin. Die oft schrecklichen Erinnerungen an Kinderheime in der jungen Bundesrepublik sind bekannt. In einer neuen Studie für Berlin gerät auch Ostdeutschland näher in den Blick - mit überraschenden Ergebnissen.

Die quälenden Erinnerungen kriechen immer wieder hoch: nicht sprechen, nicht lachen, das eigene Erbrochene zur Strafe aufessen. Dann gibt es das beklemmende Gefühl des Eingesperrtseins, in der Besenkammer eines Kinderheims in der DDR. Liane Müller-Kurth kann darüber auch heute noch nur schwer sprechen, mit über 60 Jahren. „Ein Heimkind gewesen zu sein, ist eine Lebenslast", sagt sie. Trotzdem gibt sie Leid und Unrecht in einer neue Berliner Studie Gesicht und Stimme. Sie will für andere ehemalige Heimkinder sprechen, die an ihrer Biografie leiden - und aus Scham darüber schweigen.

Die neue Berliner Untersuchung - am Freitag vorgestellt - ist die erste, die Heimerziehung in West und Ost von 1945 bis Mitte der 70er Jahre parallel in den Blick nimmt. Bisher gab es bis auf den DDR-Jugendwerkhof in Torgau an der Elbe fast nur erschütternde Zeitzeugenberichte über die demütigende Erziehung in manchen Heimen der jungen Bundesrepublik. Die Aufarbeitung für die DDR fehlt noch.

Das Ergebnis dieser ersten Gegenüberstellung kann überraschen: In völlig unterschiedlichen politischen Systemen haben viele Berliner Kinder und Jugendliche bis in die 70er Jahre gleichermaßen unter unmenschlicher Heimerziehung gelitten. Danach gab es im Westen Reformen. Der Osten habe sich weiter an den grausamen Fürsorge- Richtlinien des späten 19. Jahrhundert orientiert, kombiniert mit stalinistischen Erziehungsidealen, sagt Mitautor Manfred Kappeler.

Der Berliner Blick nach West und Ost kann bei Entschädigungsansprüchen eine Rolle spielen. Denn bisher ist nur ein 120-Millionen-Euro-Fonds für ehemalige Heimkinder aus Westdeutschland festgeschrieben. In Ostdeutschland wurden nach 1989 fast nur Heimkinder entschädigt, die aus politischen Gründen - oft mit Beteiligung der Stasi - in ein Heim gekommen waren. „Für den Osten bietet sich ein Extra-Fonds an", sagt nun Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Die Studie könne nur ein Anfang sein.

800.000 Heimkinder soll es in Westdeutschland bis 1975 gegeben haben, rund 120.000 bis 1989 in der DDR. Rund zwei Drittel von ihnen waren Jungen. Längst nicht alle wurden misshandelt. Die Erinnerungen vieler Heimkinder aus West- und Ostberlin lesen sich allerdings schlimmer als Berichte aus Gefängnissen des 19. Jahrhunderts. „Im Knast hätte man Rechte gehabt", schreibt ein Mann im Rückblick.

Willkürlich wurden Kinder wie Verwaltungsobjekte in Heime gesteckt - meist ohne Sozialprognose, Erziehungsplan und Mitspracherecht. Als Gründe dienten in Ost wie West dehnbare Begriffe wie „Verwahrlosung" oder „Gefährdung". Manchmal steckten sogar die Eltern dahinter. Stiefväter zum Beispiel, die unliebsame Kinder loswerden wollten.

Die Sexualmoral der Zeit lastete vor allem auf Mädchen. „Da reichte manchmal schon ein kurzer Rock und eine Moped-Rundfahrt mit einem Jungen nach zehn Uhr abends für eine Heimeinweisung", berichtet Kappeler. Bei Jungen hätten es lange Haare und ein Faible für die Musik der Beatles sein können. In der DDR habe jede Jugendkultur als verdächtig gegolten, die außerhalb der FDJ stattfand.

Für Ost-Berlin habe das Heim automatisch Umerziehung bedeutet, analysiert Ethikprofessor Karsten Laudien. Pädagogik sei ein Mittel des Klassenkampfs gewesen, die Kollektiverziehung als einzig richtiger Weg erachtet worden - ganz gleich, welche sozialen Probleme Familien hatten. Der Heimalltag aber war im geteilten Berlin verblüffend ähnlich: Viele Kinder- und Jugendheime funktionierten wie Kasernen. Aufbegehren führte zu drakonischen Bestrafungen wie Bettfesseln, Zwangsjacken, Prügel und Kerker.

In vielen Heimen fehlte es an allem: an hilfreichen Kontrollen, gut ausgebildeten Erziehern, Bezugspersonen, guter Ausbildung - vor allem aber an Liebe. Ehemalige Heimkinder erinnern sich an ein Ausnutzen als Billig-Arbeitskräfte, an Isolation hinter Gittern, Kontaktverbote zu Eltern und Geschwistern. Viele quälte die Frage: Warum bin ich hier? Wer hat mir das angetan?

Manche Betroffene werden das nicht mehr erfahren. Oft wurden Akten in Ost und West schlampig oder gar nicht geführt, manchmal auch zurückgehalten. „Meine Mutter hat das alles mit ins Grab genommen", berichtet Liane Müller-Kurth. Das Unwissen quält sie.

Viele ehemalige Heimkinder klagen heute über Angstattacken und Traumata. Die meisten schafften es nicht, eine dauerhafte Partnerschaft aufzubauen. Mütter bedauern, dass sie ihren Kindern nicht liebevoll erzogen - aus Mangel an guten Vorbildern.

© LVZ-Online, 06.08.2011, 10:59 Uhr

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Dienstag, 9. August 2011, 19:31

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Aktuelles » Berlin
Ehemalige Heimkinder fordern Unterstützung und Rechtsbeistand
Viele der heute alten Menschen verfuegen nur ueber Renten in Hoehe von 500 bis 600 Euro © dapd
Berlin (dapd-bln). Frühere Heimkinder aus Berlin fordern eine parteiliche und rechtliche Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Entschädigung- und Rentenansprüche. Diese Unterstützung sei wichtig für ein selbstbestimmtes Leben im Alter, hieß es in einer Mitteilung der Berliner Regionalgruppe ehemaliger Heimkinder. Viele der heute alten Menschen verfügten nur über Renten in Höhe von 500 bis 600 Euro. Eine am Freitag von der Bildungsverwaltung veröffentlichte Studie ergibt, dass Heimkinder nach dem Zweiten Weltkrieg in beiden Teilen Berlins über Jahrzehnte hinweg psychisch und physisch misshandelt wurden.
dapd

Quelle : Berlin Online

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Dienstag, 9. August 2011, 19:53

Ehemalige Heimkinder fordern Unterstützung und Rechtsbeistand

Hallo Micky, habe deine eingestellten Berichte gelesen und stelle fest, es geht vorwärts. Ehemalige Heimkinder fordern Unterstützung und Rechtsbeistand, das ist nötig. Hier muss der Staat mal eingreifen und den EMHK. helfen, damit diese zu Ihrem Recht kommen.

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Dienstag, 9. August 2011, 20:05

Hallo Micky, ich danke dir auch für die Info damit hab ich nun ebenfalls was in der Hand, denn mein Heim ist aufgeführt. Ich nehme da den Senat bei Wort.

Was jedoch nicht stimmt Schenkendorf bei Königs_Wusterhausen hatte keinen Jugendwerkhof. Es gab im Ortsteil Krummensee ein Kinderheim, welches vor 1970 sich in Zeesen oder Neue Mühle befand, was heute direkt in Königs-Wusterhausen sich befindet.

Ich finde solche Beiträge wichtig, diese sollten jedoch auch den Tatsachen entsprechen, was der Autor jedoch wohl nicht richtig erforschte. Woher mein Wissen, ich lebte im Ort Schenkendorf und da gab es nur ein Kaserne der NVA und die LPG.

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Mittwoch, 10. August 2011, 09:47

Entschädigungen
Missbrauch in Heimen: 310 Fälle in Wien
09. August 2011 19:04

Artikelbild: Viele ehemalige Schützlinge der Wiener Jugendwohlfahrt leiden bis heute an den Folgen von Missbrauch. Bereit, darüber zu reden, sind derzeit wesentlich mehr Männer als Frauen. - Foto: Heribert Corn

Viele ehemalige Schützlinge der Wiener Jugendwohlfahrt leiden bis heute an den Folgen von Missbrauch. Bereit, darüber zu reden, sind derzeit wesentlich mehr Männer als Frauen.

Die Stadt Wien hat zwei Millionen Euro an Entschädigungszahlungen für ehemalige Heimkinder bereitgestellt. 1,6 Millionen wurden bereits ausbezahlt – Auch nach Ende der Frist melden sich weiterhin Betroffene

Wien - Über ein Jahr lang konnten sich ehemalige Schützlinge der Wiener Jugendwohlfahrt an den Operschutzverband Weißer Ring wenden. Für manche Missbrauchsopfer war das zu wenig Zeit. "Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich es endlich gewagt habe", sagt ein Betroffener zum Standard, "und als ich mich dann aufraffen konnte, hieß es, die Frist sei schon abgelaufen." Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung hat er möglicherweise trotzdem.

Denn laut Kinder- und Jugendstadtrat Christian Oxonitsch (SP) will die Stadt Wien auch jene Fälle prüfen, die nach dem 30. Juni einlangen. 310 Menschen, die in städtischen Kinderheimen physischer, psychischer oder sexueller Gewalt ausgesetzt waren, haben sich bisher gemeldet. Der älteste Fall stammt aus dem Jahr 1944. "Einige wollten zuerst anonym bleiben", sagt Marianne Gammer, Geschäftsführerin beim Weißen Ring, "und brauchten mehrere Anläufe, bis sie ihre Identität preisgaben."

Wie viele Menschen betroffen sein könnten, ist laut Jugendamt schwer zu beziffern - zumal man nicht einmal weiß, wie viele Kinder in den letzten 60 Jahren in städtischer Obhut waren. Genaue Zahlen gibt es erst ab den Siebzigern: 1970 waren es 1881, zehn Jahre später 2235. Dabei waren Buben meist in der Überzahl. Laut Gammer melden sich aber auch vor diesem Hintergrund überproportional viele Männer: "Es gibt einen deutlichen Überhang."

Systematische Aufarbeitung

Missbrauchsopfer, die in öffentlichen Heimen untergebracht waren, berichten laut Gammer meist von körperlicher und psychischer Gewalt. "Bei kirchlichen Einrichtungen geht es viel öfter um sexuellen Missbrauch." Allerdings habe auch in städtischen Einrichtungen sexualisierte Gewalt stattgefunden. Ein Großteil der Wiener Waisenhäuser, in denen es zu den Übergriffen kam, existiert nicht mehr. Statt wenigen großen gibt es heute viele kleine Betreuungseinrichtungen. Kleinkinder versucht man von Anfang an in Pflegefamilien unterzubringen. Eine Historikerkommission beschäftigt sich gerade im Auftrag der Stadt mit der Geschichte der Wiener Jugendwohlfahrt.

Bürgermeister Michael Häupl (SP) hat sich bereits öffentlich bei den Missbrauchsopfern entschuldigt. Nach einem Gemeinderatsbeschluss stellte die Stadt zwei Millionen Euro für Entschädigungszahlungen und Psychotherapien bereit, 1,6 Millionen wurden bereits ausgegeben.

Entschädigungen zwischen 5000 und 20.000 Euro

Wer wie viel Geld bekommt, entscheidet ein achtköpfiges Gremium aus Psychologen und Juristen nach Rücksprache mit der Stadt. Die Zahlungen bewegen sich zwischen 5000 und 20.000 Euro. "Mir geht es nicht ums Geld", sagt ein Betroffener, "sondern darum, dass die Geschichte der Heimkinder endlich aufgearbeitet wird - denn es laufen in Wien noch sehr viele Leute herum, die erlebt haben, was ich erlebt habe."

Bisher bewege sich die Aufarbeitung auf bürokratischer Ebene. "Es wird einem gesagt, wir beraten darüber, was dir zusteht, und geben dir dann Bescheid. Das ist genau das, was ich mein halbes Leben lang gehört habe. " (Martina Stemmer, DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2011)


Quelle : der Standard Panorama Wien

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WernerR (10.08.2011)

alrosch

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31

Donnerstag, 11. August 2011, 20:03

Entschädigungen Missbrauch in Heimen: 310 Fälle in Wien

Die EMHK in Östereich, sollen nur nicht aufgeben, sondern sich mutig melden. Es ist nur schade, das viele Frauen nicht den Mut aufbringen, über die Quelereien in den Heimen zu berichten. Aber ich nehme an, das diese EMHK heute verheiratet sind und in geortneten verhältnissen leben und in der Fam. nie über die Heimzeit gesprochen wurde? LG.

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WernerR (11.08.2011), zicklein (12.08.2011)

alrosch

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32

Freitag, 12. August 2011, 13:34

Entschädigungen Missbrauch in Heimen: 310 Fälle in Wien

Die EMHK in Östereich, sollen nur nicht aufgeben, sondern sich mutig melden. Es ist nur schade, das viele Frauen nicht den Mut aufbringen, über die Quelereien in den Heimen zu berichten. Aber ich nehme an, das diese EMHK heute verheiratet sind und in geortneten verhältnissen leben und in der Fam. nie über die Heimzeit gesprochen wurde? LG.

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WernerR (12.08.2011)

kittiara

unregistriert

33

Freitag, 12. August 2011, 17:16

Entschädigung für ehemalige Heimkinder

In der Berliner Morgenpost ( Wochenend - Extra ) stand heute folgender Artikel ( Heimkinder in Berlin misshandel ) Studie: In Ost und West dransalierten Erzieher über Jahrzehnte ihre Schützlinge

Nur ein kurzer Ausschnitt:



Prügel , Demütigungen Redeverbot sexueller Missbrauch: Viele Heimkinder in West und Ost Berlin laut einer Studie der Bildungsverwaltung nach dem Zweiten Weltkrieg einen ähnlichen schrecklichen Alltag erlebt. Die Untersuchung dokommentiert dramatische Fälle aus staatlichen und Kirschlichen Heimen Genannt werden etliche Einrictungen, unter andern das Kinderheim Königsheide, der Jugendwerkhof Schenkendorf bei Königs Wusterhausen, das Paul Wenzel Heim in Wannsee oder das Haus Conradshöhe in Tegel.. Bis heute leiden fast alle betroffene unter den psychischen Folgen der Misshandlungen.. Soweit der Artikel.. Was mich wundert bzw. freut das endlich das ehemalige Vorzeige Heim von Frau Margot Hornecker mit von der Partie ist, ich war auch von 1953- 1958 dort in diesen Kinderheim ich mußte erleben was sich dort abgespielt hat.. Ich war 1958 gerademal 12 Jahre niemand wollte wissen das ich damals durch meinen Stiefvater schwanger wurde, alle haben damals weggeschaut, niemand hat mir geholfen uud Beigestanden aber alle waren schnell dabei ,nachdem ich zur Abtreibung gezwungen wurde ,mich nach Radebeul in ein anderes Kinderheim abzuschieben.. Ich bin heute 64 Jahre seit 52 Jahren versuche ich mit mir und meiner Vergangenheit ins reine zu kommen bis heute habe ich es nicht geschafft... Ich kann nur sagen das ich bitte dafür bezahlt habe... Um meinen Seelenfrieden zu finden habe ich mir eine Webseite ersrtellen lassen .. Es beschreibt mein Leben, wie es wahr.. Ich möchte das diese Webseite vielen Menschen lesen.. Um endlich verstehen was wir Heimkinder durchgemacht haben l.g. Irmchen

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WernerR (12.08.2011)

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Sonntag, 14. August 2011, 15:42

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Ehemalige Heimkinder fordern Unterstützung und Rechtsbeistand
Ehemalige Heimkinder fordern Unterstützung und Rechtsbeistand
Viele der heute alten Menschen verfuegen nur ueber Renten in Hoehe von 500 bis 600 Euro © dapd
Berlin (dapd-bln). Frühere Heimkinder aus Berlin fordern eine parteiliche und rechtliche Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Entschädigung- und Rentenansprüche. Diese Unterstützung sei wichtig für ein selbstbestimmtes Leben im Alter, hieß es in einer Mitteilung der Berliner Regionalgruppe ehemaliger Heimkinder. Viele der heute alten Menschen verfügten nur über Renten in Höhe von 500 bis 600 Euro. Eine am Freitag von der Bildungsverwaltung veröffentlichte Studie ergibt, dass Heimkinder nach dem Zweiten Weltkrieg in beiden Teilen Berlins über Jahrzehnte hinweg psychisch und physisch misshandelt wurden.
dapd

Quelle : BerlinOnline

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WernerR (14.08.2011)

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Sonntag, 14. August 2011, 15:46

Frankfurter Rundschau › Wissenschaft
Heimkinder in West- und Ost-Berlin
"Von den Schlägen will ich gar nicht reden"

Im Berliner Abgeordnetenhaus ist der Abschlussbericht zur „Heimerziehung in Berlin - West 1945 - 1975, Ost 1945 -1989“ vorgestellt worden. Die Kernbotschaft: In beiden Stadthälften standen Schläge und auch sexuelle Übergriffe auf der Tagesordnung.
Liane Mueller-Knuth wollte aus dem Leben scheiden.
Liane Mueller-Knuth wollte aus dem Leben scheiden.
Foto: DAPD/B. Stadler

Mehr als fünf Jahrzehnte lang hat Liane Mueller-Knuth geschwiegen. Jetzt spricht die Frau mit den blonden Haaren erstmals öffentlich über ihre Zeit in einem Kinderheim in der DDR Ende der 50er-Jahre. Im Sankt Josefsheim in Birkenwerder bei Berlin, von Schwestern des Karmeliter-Ordens geführt, wurde sie demütigt, bei geringsten Vergehen in die Besenkammer eingesperrt, mit Schlägen bestraft und, wie sie sagt, auch sexuell missbraucht. Davon wolle sie eigentlich gar nicht reden, sagt die 63-jährige Frau und ringt um Fassung. „Und ich habe nie erfahren, wieso ich überhaupt dorthin gekommen bin.“ Denn ihre Mutter habe darüber nie gesprochen.

Liane Mueller-Knuth äußerte sich erst jetzt in der Berliner Senatsjugendverwaltung. Denn am Freitag wurde der Abschlussbericht zur „Heimerziehung in Berlin - West 1945 - 1975, Ost 1945 -1989“ vorgestellt, den das Abgeordnetenhaus im November 2010 in Auftrag gegeben hatte.

Die Kernbotschaft: In beiden Stadthälften waren Heimkinder im beschriebenen Zeitraum den Erziehern total ausgeliefert, der Alltag extrem reglementiert, die eingesetzten Erzieher gingen in der Regel lieblos mit den Kindern um. Drakonische Bestrafungsaktionen, Schläge und auch sexuelle Übergriffe waren an der Tagesordnung.

Aufgrund der miserablen Situation in West-Berlin rissen in den 60er-Jahren zwischen 25 und 70 Prozent der jungen Menschen aus ihren jeweiligen Heimen aus, wie Jürgen Gries, Sozialwissenschaftler von der Katholischen Hochschule für Soziallehre Berlin, herausgefunden hat. 50 Prozent der Heimmitarbeiter im Westteil der Stadt waren ohne jegliche Ausbildung, der Rest oft „unzureichend ausgebildet“.

Die Kinder wechselten häufig die Heime – aus Altersgründen oder weil nicht hinreichend diagnostiziert wurde, welche Hilfe die Kinder brauchten, wie Gries ausführt. Statt Hausaufgaben mussten Kinder oft auch Arbeiten verrichten. Gut 40 Prozent der Heime in West-Berlin waren staatlich, 60 Prozent von freien Trägern geleitet. Vielen Kindern, die zumeist aus der Unterschicht kamen, war gar nicht klar, wieso sie in ein Heim kamen. Bis 1961 wurden West-Berliner Kinder per Gerichtsbeschluss in ein Heim eingewiesen. Begründet wurde die Einweisung oft mit einer angeblich sittlichen oder charakterlichen Verwahrlosung.

Für Ost-Berliner Kinder gab es bis zu 2 500 Heimplätze sowie 1 150 Plätze in Spezialheimen und 900 Plätze in Jugendwerkhöfen, sagt Karsten Laudien von der Evangelischen Hochschule Berlin. Hier waren alle Heime bis auf zwei kirchliche Einrichtungen in staatlicher Hand, seit 1953 dem Ministerium für Volksbildung unterstellt. „Man ging in der DDR davon aus, dass soziale Probleme ein Probleme der kapitalistischen Welt sind“, sagt Laudien. Deshalb sah man Kinderheime als „Übergangsphänomen“. Doch das geschlossene System der autoritär geführten Kinderheime blieb bis zum Ende der DDR 1989 erhalten.

In West-Berlin kam es mit der Studentenrevolte 1968 zu einem Umdenken. Die von reformpädagogisch orientierten Studenten betriebene „Heimkampagne“, die auch von der späteren RAF-Terroristin Ulrike Meinhof unterstützt wurde, erreichte schließlich die weitgehende Auflösung der geschlossenen Heime.

In West-Berlin gab es fortan auch Jugendwohngemeinschaften und andere Formen der Unterbringung. Der Erzieherberuf wandelte sich komplett, selbst ehemalige Heimkinder wie Marianne Döring arbeiteten nun gerade aufgrund ihrer Erfahrungen mit viel Empathie als Erzieher.

Fürs Leben geprägt

Doch die Jahre im Heim hatten die betroffenen Menschen für ihr Leben geprägt. Liane Mueller-Knuth unternahm mehrere Selbstmordversuche, musste ihre Arbeit als Erzieherin aufgeben, arbeite zeitweise in der Gastronomie, zuletzt als Altenpflegerin. Viele Jahre war sie nahezu bindungsunfähig, Beziehungen gingen in die Brüche. Heute ist sie glücklich verheiratet.

„69 Jahre lang bin ich mit einem Minderwertigkeitskomplex und einer ausgeprägten Autoritätshörigkeit durchs Leben gelaufen“, sagt auch das ehemalige Heimkind Marianne Döring, die über ihre Erfahrung ein Buch geschrieben hat (“Winter im Herzen“). „Und wir alle haben Angst vor Altersarmut“, sagt Liane Mueller-Knuth, weil viele Heimkinder nicht lebenslang gearbeitet haben oder nur als gering Qualifizierte.

Die Berliner Regionalgruppe ehemaliger Heimkinder hofft deshalb auf einen Rentenausgleich. Und die ehemaligen DDR-Heimkinder hoffen auf eine noch immer ausstehende Entschädigung. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) kündigte an, dass – ähnlich wie bereits für die westlichen Bundesländer geschehen – „relativ zeitnah“ ein Entschädigungsfonds aufgelegt werden sollte.
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Quelle : Frankfurter Rundschau

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WernerR (14.08.2011)

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Sonntag, 14. August 2011, 15:49

Missbrauch und Kerkerhaft
Zwang und harte Strafen in DDR-Heimen bis '89

Bis in die 70er unterschieden sich die "Erziehungsmaßnahmen" von Ost- und Wetsdeutschland in Heimen kaum. Dann kam im Westen die Wende, die DDR blieb jedoch bis zum Ende bei ihren alten Methoden.

Essenszwang und Kerkerhaft: Der Alltag in Kinder- und Jugendheimen in West- und Ostberlin unterschied sich nach einer neuen Studie bis in die 1970er Jahre hinein kaum - trotz völlig unterschiedlicher politischer Systeme. Mit dem Rückblick auf die Heimerziehung in ganz Berlin liegt die erste Untersuchung vor, die Ost und West gemeinsam in den Blick nimmt. Für ein Gesamtbild über Heimerziehung in der DDR fehle es weiter an Studien, sagt der Sozialpädagoge und Mitautor Manfred.
Mehr zum Thema

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Kein Schmerzensgeld - Missbrauch im Beichtstuhl nicht zu beweisen

Woran lag es, dass viele Heimkinder von den 50er bis in die 70er Jahre in West- und Ost-Berlin gleichermaßen misshandelt wurden?

Kappeler: "Beide Systeme der Jugendhilfe haben dieselbe Geschichte. Sie fußt auf dem ersten großen Fürsorge-Erziehungsgesetz aus dem Jahr 1900. Damals wurde die sogenannte Verwahrlosten-Pädagogik festgeschrieben, die Besserung allein durch Zwang und harte Strafen vorsah. Diese Erziehung für Kinder und Jugendliche, die nicht den gesellschaftlichen Erwartungen entsprachen und fast alle aus der Unterschicht kamen, hat sich bruchlos bis in die NS-Zeit gehalten. Die Nazis haben mit ihren Jugendkonzentrationslagern dann nur noch eins draufgesetzt."

Gab es denn keinerlei Reformideen hin zu individueller Fürsorge?

Kappeler: "In der Weimarer Republik gab es Reformideen, aber das war eine Minderheitenposition. Nach 1945 wurde in beiden deutschen Staaten nicht die Möglichkeit ergriffen, sich an diesen positiven Ansätzen zu orientieren. In der DDR hat sich die tradierte repressive Pädagogik relativ schnell mit stalinistischen Erziehungsvorstellungen verbunden. In West und Ost ging es also unter völlig verschiedenen ideologischen Vorzeichen auf die gleiche Weise weiter. Aus den Erinnerungen ehemaliger Heimkinder der 50er und 60er Jahren kann man heute nicht rückschließen, in welchem Teil Deutschlands sie aufgewachsen sind. Ihre schrecklichen Erlebnisse bis hin zu sexuellem Missbrauch sind nahezu deckungsgleich. Es gibt nur einen Unterschied: In der Bundesrepublik gab es Anfang der 70er Jahre einen Wandel in Richtung Reform. In der DDR blieb das bis 1989 so."

Für den Westen gab es den Runden Tisch Heimerziehung, dessen Abschlussbericht Anfang Juli den Weg für Entschädigungen frei gemacht hat. Weshalb wurden die Heime der DDR in dieser großen Untersuchung nicht berücksichtigt?

Kappeler:"Nach der Wende 1989 wurde die Heimerziehung in der DDR in den Komplex Unrecht der SED-Diktatur einbezogen. Die Landgerichte haben die Aufgabe bekommen, für alle Geschädigten dieses Systems Rehabilitationsverfahren zu ermöglichen. Das hat dazu geführt, dass alle, die im Jugendwerkhof Torgau an der Elbe leben mussten, pauschal entschädigt worden sind. Denn in Torgau gab es nachweisbar systematische Menschenrechtsverletzungen. Damals wurde das als Signal verstanden, wie mit der Heimerziehung zu DDR-Zeiten umgegangen würde. Das war jedoch eine Fehleinschätzung"

Warum?

Kappeler: "Die Kammern haben danach nur rund zehn Prozent der Anträge ehemaliger Heimkinder anerkannt. Und zwar nur die, bei denen die Stasi bei der Heimunterbringung beteiligt war. Es ging also rein um politische Gründe, oft um Dissidenten oder Republikflüchtlinge. 90 Prozent der Anträge wurden abgelehnt. Nach massiver Kritik hat der Bundestag Anfang Juli den Beschluss gefasst, dass die Entschädigung von misshandelten Kindern und Jugendlichen aus Heimen der DDR nach dem gleichen Modell und den gleichen Maßstäben erfolgen muss wie in Westdeutschland. Das wird aber noch ein langer Weg, weil es noch keine systematische Untersuchung über das erlittene Unrecht in den Heimen der DDR gibt. Auch für Ost-Berlin kann die Studie erst ein Anfang sein."

(dpa, N24)


Quelle : N24

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Dienstag, 16. August 2011, 08:47

POLITIK 15.08.2011
Land Tirol will Missbrauchsopfer entschädigen
Das Land Tirol will jetzt jene Missbrauchsopfer entschädigen, die in privaten Einrichtungen untergebracht waren und vom Betreiber nicht entschädigt werden. Betroffene hatten kritisiert, dass es vom Land keine Entschädigung gebe.


Ehemaliges Kinderheim (Bild: ORF) Heim wurde vom Land finanziert
Es sind mutmaßliche Missbrauchsfälle in einem früheren, privaten Kinderheim in Innsbruck, die zuletzt für Diskussionen gesorgt haben.

Das Land Tirol stand zunächst auf dem Standpunkt, dass sich die Betroffenen an die Verantwortlichen bzw. die privaten Betreiber wenden müssten. Das private Heim wurde allerdings vom Land finanziert und die Kinder und Jugendlichen wurden von der Jugendwohlfahrt dort untergebracht.


Günther Platter (Bild: ORF) Land Tirol will einspringen
Am Montag verkündete Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), dass das Land in solchen Fällen einspringen werde: "Auch wenn es keine Landeseinrichtungen sind - wenn jetzt da und dort jene die Verantwortung gegenüber den Opfern nicht übernehmen und keine Entschädigungsleistungen machen, wie es die katholische Kirche in großartiger Weise macht, dann garantiere ich, dass das Land Tirol dann eintritt und diese Entschädigungen leistet. Das sind wir diesen Menschen schuldig", so Platter in seiner Rede bei den Landesfeierlichkeiten.

tirol.ORF.at
Das Land Tirol sieht sich mit Vorwürfen ehemaliger Heimkinder konfrontiert. In einem privaten aber vom Land finanzierten Heim seien sie misshandelt und missbraucht worden. Vom Land gebe es weder Entschädigung noch Therapien.
Land Tirol in der Kritik; 11.8.11
Hoher Frauentag: Land verleiht Ehrungen


Quelle : tirol ORF.at

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Mittwoch, 17. August 2011, 14:06

Ex-Heimkind will 1,6 Mio. Euro
OÖ: Jenö Molnar wurde 18 Jahre lang in Heimen grausam gequält. Nun fordert er Entschädigung für "institutionalisiertes Unrecht".

Letztes Update am 16.08.2011, 20:37

Jenö Molnar Jenö Molnar reichte seine Klage am Dienstag im Landesgericht Linz ein. Er hatte 18 Jahre seiner Kindheit in Heimen verbracht.
Eine lange Narbe ziert Jenö Molnars rechte Brustseite. Immer, wenn er sie sieht, muss er an den Vorfall vor 60 Jahren im Landeskinderheim Schloss Neuhaus denken. "Ich bin damals von der Erzieherin Schwester Margit bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen worden", erzählt Molnar.

Er war fünf Jahre alt, der Anlass nichtig: der Kleine hatte nur ihren Befehl, seinen Mittagsschlaf zu halten, missachtet und war aufrecht im Bett gestanden. "Man brachte mich ins Sterbezimmer, weil mich die Ärzte schon aufgegeben hatten - dort bin ich aber wieder aufgewacht."

6325 Tage musste Molnar in verschiedenen Heimen des Landes OÖ verbringen. Ein Lebensabschnitt, der für den fälschlicherweise als Vollwaisen geführten Buben (der KURIER berichtete) die Hölle bedeutete: Er wurde von älteren Kindern vergewaltigt und von Erziehern bei jeder Gelegenheit gedemütigt und schwerst misshandelt.
"Ich bin mehrfach halb tot geprügelt worden und habe nur mit Glück überlebt", behauptet der 65-Jährige. Während der gesamten Kindheit soll ihm auch kein Vormund zur Seite gestellt worden sein.

Die Vorfälle hat er auch Jahrzehnte später noch nicht verarbeitet. Der in Trier (Deutschland) lebende Ex-Zögling benötigt regelmäßig psychotherapeutische Unterstützung. "Die Traumatisierungen dauern bis heute an."

Click!
Klage

Am Dienstag reichte der Sohn eines US-Besatzungssoldaten und einer vor der Roten Armee aus Ungarn nach Oberösterreich geflüchteten Volksdeutschen eine Schadenersatz- und Schmerzensgeldklage ein. Molnar und sein Wiener Anwalt Gabriel Lansky fordern vom Land mehr als 1,6 Millionen Euro.

"Meine individuellen Menschenrechte sind jahrelang auf das Schwerste verletzt worden. Ich war das Opfer eines institutionell ausgeübten Unrechts", betont Molnar.
Ein Vorwurf, den ein Gutachten des Zeitgeschichtlers Horst Schreiber von der Uni Innsbruck untermauert.

Mit 18 Jahren wurde Molnar von der Landesfürsorge ohne Pass und Papiere einfach auf die Straße gesetzt. Als Staatenloser konnte er sich dann nur mit Schwarzarbeit über Wasser halten. "Ich habe Kohlen geschleppt und im Winter unter Brücken geschlafen, weil ich mir kein Zimmer leisten konnte."

Auch in Deutschland lebte er lange als U-Boot. Aus der Zeit fehlen ihm Beiträge für die Rentenversicherung, die er nun ersetzt haben möchte.



Quelle : Kurier

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Mittwoch, 17. August 2011, 14:09

Gewalt in Kinderheimen: Viele NS-Funktionäre als Erzieher
LINZ. Das Waisenkind, das nie eines war: Der jahrelang in Heimen missbrauchte Jenö Molnar brachte seine Entschädigungsklage gegen das Land Oberösterreich bei Gericht ein. Ein Gutachten zeigt die Verflechtungen des Jugendfürsorgesystems der Nachkriegszeit mit dem Nazi-Regime auf.

Wie berichtet, kam der heute 65-Jährige im Jahr 1947 als Sohn eines US-Soldaten und einer in Lambach lebenden Ungarin zur Welt und wurde den Eltern als Säugling abgenommen und in mehreren Kinderheimen in Oberösterreich untergebracht.

Dort wurde der Heranwachsende seinen Angaben zufolge massiv geschlagen und sexuell missbraucht. Nun begehrt Molnar eine Entschädigung vom Land Oberösterreich in der Höhe von rund 1,6 Millionen Euro. Das Land ließ die Frist für Vergleichsverhandlungen verstreichen, weswegen Molnar die Klage gestern beim Landesgericht Linz einbrachte.

Wichtiges Beweismaterial für die Klage liefert das Gutachten des Historikers Horst Schreiber, Lehrbeauftragter am Institut für Zeitgeschichte an der Uni Innsbruck. Schreiber setzte sich in seiner Expertise mit der Frage auseinander, ob die Gewalt in oberösterreichischen Erziehungsheimen Folge individuellen Versagens einzelner Pfleger oder „strukturelles Unrecht“ gewesen sei.

Die Conclusio des Historikers schließt sich der zweiten These an. Denn: Den gesetzlichen Rahmen für die Jugendwohlfahrt in Oberösterreich habe man nach dem Krieg nahezu 1:1 von den Nationalsozialisten übernommen.

Nach dem Krieg sei „eine Art Zwangsarbeit“ in den Heimen gang und gäbe gewesen. Im Heim in Linz-Wegscheid etwa errichteten die Zöglinge bis 1954 Zubauten. „Dabei waren sie nicht sozialversichert, ersparten dem Land durch die Übernahme nahezu aller Hilfsarbeiten eine Million Schilling“, heißt es in dem Gutachten.

Weggenommen wurden vor allem Kinder aus sozial unteren Schichten. Wegscheid, Schloss Leonstein und Schloss Neuhaus seien „sozial selektierende Straf- und Bewahranstalten“ gewesen. „In Wegscheid arbeiteten über Jahrzehnte ehemalige Soldaten, Nationalsozialisten, SS-Männer, Polizisten, Taxifahrer und in anderen Berufen Gescheiterte“, schreibt Schreiber. Eine Heimleiterin auf Schloss Leonstein – NSdAP-Mitglied und „Blockfrau“ der NS-Frauen – war bis 1967 dort tätig.

Die „geradezu sadistische Erziehungspraxis“ in den „hermetisch abgeriegelten“ Heimen hatte System und erkläre sich „nicht zuletzt durch die Nachwirkungen von NS-Erziehungsvorstellungen und nicht verarbeiteter Erfahrungen des Krieges“, heißt es in dem Gutachten.



Erst missbrauchtes Heimkind, dann „illegaler“ Staatenloser

Jenö Molnar kam 1946 als Sohn eines US-Soldaten und einer ungarischen Lehrerin in Lambach zur Welt. Gegen den Willen der Mutter wurde das Baby 1947 in staatliche Obhut gegeben. Bis zum 19. Lebensjahr verblieb Molnar in Erziehungsheimen, darunter Leonstein, Neuhaus und Wegscheid. Er berichtet von lebensbedrohlichen körperlichen Züchtigungen durch Erzieher und sexuelle Gewalt durch ältere Heimkinder. Dem Heimkind wurde stets gesagt, dass die Mutter tot sei. Als Molnar 1965 aus der Fürsorge „entlassen“ wurde, stand er ohne Pass auf der Straße, bestritt als Obdachloser mit Schwarzarbeit seinen Unterhalt. Bis 1980 heißt es in Aktenvermerken „Staatsangehörigkeit ungeklärt, vermutlich ungarisch“. Die oberösterreichische Staatsbürgerschaftsbehörde dürfte seinen Fall schlampig und stiefmütterlich behandelt haben.
1986 erfuhr der nach Deutschland umgezogene Molnar, dass die Mutter noch lebte, fuhr illegal über die Grenze nach Salzburg, um sie zu besuchen. Erst nach der Wende 1991 bekam er die ungarische Staatsbürgerschaft und damit eine Arbeitserlaubnis. Wer sein Vater war, ist nach wie vor ein Rätsel.


Quelle : OÖ Nachrichten
nachrichten.at

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Mittwoch, 17. August 2011, 14:15

Ziel der Beschwerdeführer, die in den 1950er- und 1960er-Jahren als Zöglinge in Kinderheimen und Jugendfürsorgeanstalten Demütigungen und Gewalt erlitten haben, bleibt es, dass ihre Leiden als Menschenrechtsverletzungen anerkannt werden. Dazu soll die Bundesrepublik auch verpflichtet werden, die Verjährung solcher Verstöße aufzuheben. Zudem wollen die Betroffenen unbezahlte Arbeit als Zwangsarbeit gewertet sehen. Unter dem Strich würden so die Chancen auf Entschädigungen nach Darstellung von Beverförden deutlich steigen.

Der Runde Tisch Heimerziehung (RTH) hatte die Begriffe „Menschenrechtsverletzungen“ und „Zwangsarbeit“ in seinen vom Bundestag übernommenen Empfehlungen dagegen gemieden. RTH und Bundestag sprechen sich zwar dafür aus, entgangene Rentenansprüche auszugleichen und Therapien zu bezahlen, pauschale Entschädigungen, wie sie nach einem Opferentschädigungsgesetz verpflichtend wären, soll es aber nicht geben. Die Ex-Heimkinder beharren aber auf mehr. Sie fordern 300 Euro Monatsrente oder 54000 Euro Einmalentschädigung.

Wofür so viel Geld? Das machte Gregor Ter Heide beim Gang nach Karlsruhe am Beispiel von Josef S., Jahrgang 1952, deutlich. S. durchlief der Verfassungsbeschwerde zufolge in zwei Osnabrücker Kinderheimen und bei einem Pflegevater im Emsland ein wahres Martyrium. Dazu gehörte, dass „der Pflegevater ihm die oberen vier Schneidezähne ausgeschlagen hat“ und dass S. ab dem 14. Lebensjahr täglich 14 Stunden auf dem Bauernhof seines Pflegevaters arbeiten musste. Fair entlohnt wurde er den Angaben zufolge nicht, sondern bekam „erst mit 30 Jahren ein kleines Taschengeld von 50 DM“.

Beverförden, der Hunderte solcher Fälle kennt, macht aus seiner Wut keinen Hehl. „Eigentlich müsste der Staat alle Opfer unbürokratisch entschädigen, wie es in anderen europäischen Ländern der Fall ist. Dass wir erst klagen müssen, ist ein Skandal.“
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Quelle : Neue OZ Osnabrücker Zeitung

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WernerR (17.08.2011)

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