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Missbrauchsopfern droht der Maulkorb

Antworten im Thema: 70 » Der letzte Beitrag (13. April 2012, 16:09) ist von Ralf Aust.

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Mittwoch, 17. August 2011, 14:17

Weitere Links Missbrauchsbeauftragte empfiehlt finanzielle Hilfen

Autor: Uwe Westdörp 13. Juli 2011 18:11 Uhr Mehr Artikel von diesem Autor

Appell an Bundestag
Ehemalige Heimkinder beklagen „Skandal“

Osnabrück/Berlin. Es geht um ungeklärte Todesfälle in Kinderheimen und hohe Sterblichkeit in Säuglingsheimen der 50er-, 60er- und 70er-Jahre: Der Bundestag, der bereits den Weg für einen Heimkinder-Fonds frei gemacht hat, muss das dunkle Kapitel Heimerziehung noch deutlich intensiver aufklären lassen, verlangen Betroffene.

„Wir fordern die Ausschüsse auf, mittels einer Anhörung die Versäumnisse des Runden Tisches Heimerziehung aufzuarbeiten“, heißt es in einem offenen Brief an die Abgeordneten des Bundestages, der unserer Zeitung vorliegt. Jürgen Beverförden, Sprecher von Opfern in Niedersachsen, kritisiert darin „das Verschweigen von vielen unaufgeklärten Todesfällen in den Heimen“. Und er fragt: „Was oder wer hat viele Heimkinder in den Selbstmord getrieben?“

Beverförden beklagt zudem eine seiner Ansicht nach mangelhafte Auseinandersetzung mit den Problemen in den Säuglingsheimen. Ein Experte, der dem Runden Tisch berichtet habe, sei weggemobbt worden.

Der Bundestag hatte in der vergangenen Woche grünes Licht für die Entschädigung ehemaliger Heimkinder gegeben, die zwischen 1949 und 1975 Opfer von Unrecht, Demütigungen und Misshandlungen geworden sind. Das Parlament stimmte für einen überfraktionellen Antrag, der sich an den Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung (RTH) orientiert. Danach sollen der Bund, die westdeutschen Länder und die Kirchen jeweils ein Drittel in einen 120-Millionen-Euro-Fonds einzahlen, damit Opfern mit Therapien und Rentennachzahlungen geholfen werden kann. Das Parlament forderte ferner, auch ehemalige DDR-Heimkinder auf ähnliche Weise zu unterstützen.

700000 bis 800000 Kinder und Jugendliche lebten bis Mitte der 70er-Jahre in den überwiegend von den Kirchen betriebenen Heimen der Bundesrepublik. Auf etwa 250000 bis 300000 wird die Zahl jener geschätzt, die in jener Zeit in Säuglingsheimen untergebracht waren, so der Sozialwissenschaftler Carlo Burschel. Er ist selbst ein Betroffener und forscht und publiziert seit vielen Jahren zum Thema Säuglingsheime.

Die Bedingungen in diesen Einrichtungen waren laut Burschel überwiegend sehr schlecht, manchmal sogar tödlich: „Verschiedene Quellen legen die Annahme nahe, dass es Hunderte von vermeidbaren Todesfällen gegeben hat, vor allem durch Pflegedefizite und Ausstattungsmängel. Aus dem Jahr 1962 gibt es den veröffentlichten Hinweis, dass die Sterblichkeit in Säuglingsheimen damals doppelt so hoch war wie bei Familienkindern.“

Burschel nennt es „skandalös, dass die extreme Vernachlässigung von Säuglingen immer noch nicht systematisch aufgearbeitet ist“. Er fordert, der Bundestag, der sich bereits mit den Kinderheimen befasst hat, müsse endlich auch die katastrophalen Lebensumstände in den Säuglingsheimen systematisch aufarbeiten lassen. Es gehe um eine seit Langem überfällige Aufklärung und so gar nicht um Entschädigung. Burschel: „Ich bin davon überzeugt, dass Hunderte von Kleinkindern in den Säuglingsheimen der Wirtschaftswunderzeit ohne Not zu Tode gepflegt wurden, trotz besseren Wissens.“ Um deren Andenken gehe es, auch gegen den Widerstand derer, „die mit den Säuglingsheimen dieser Zeit wahre Profit-Center betrieben haben“. Burschel meint damit vor allem die kirchlichen Träger, aber auch die freien Wohlfahrtsverbände und eine nicht geringe Zahl privater Träger solcher Heime.

Die katholische Kirche verstärkt derweil ihre Bemühungen, sexuellen Missbrauch von Minderjährigen in ihren Eirichtungen aufzuklären. Sie will dazu Personalakten seit 1945 wissenschaftlich und unabhängig aufarbeiten lassen. Die Kirche ermöglicht dazu erstmals kirchenfremden Fachleuten Zugang zu den Archiven.

Die Bischöfe wollten eine „ehrliche Aufklärung“ und „der Wahrheit auf die Spur kommen“, so der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann gestern in Bonn. Erste Ergebnisse sollen in gut einem Jahr vorliegen.

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Missbrauchsbeauftragte empfiehlt finanzielle Hilfen
Opfer sexuellen Missbrauchs können auf finanzielle Hilfen und Entschädigungen hoffen, auch wenn ihre Fälle schon lange verjährt sind

Quelle : OZ Zeitung Osnabrücker Zeitung

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WernerR (17.08.2011), detska (25.02.2012)

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Mittwoch, 17. August 2011, 14:34

nicht böse sein
aber glaubt denn wirklich einer allen ernstes,dass es hier jemals zu glaubwürdigen aufklährungen kommen wird?
und schon garnicht würde ich jemals einen bischof oder sowas ähnliches vertrauen
die kirche will es tod reden,mit einen scheinheiligen lächeln dazu
für mich sind eigentlich nicht mehr die represalien relevant
sondern,wie man heute damit umgeht,die kirche genauso wie die opfer

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Samstag, 20. August 2011, 12:19

Evangelische Kirche: Entschuldigung bei Heimkindern

In einer öffentlichen Veranstaltung wollen sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und ihr Diakonisches Werk bei ehemaligen Heimkindern für Misshandlungen entschuldigen.

Für die gesamte evangelische Kirche und die diakonischen Einrichtungen «möchten wir diese Bitte um Verzeihung nun öffentlich aussprechen», heißt es in einem am Freitag in Berlin veröffentlichten Einladungsschreiben des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider und des Diakonie-Präsidenten Johannes Stockmeier an Betroffene.

Am 11. September sollen in der Berliner Französischen Friedrichstadtkirche die Leiden der Opfer gewürdigt werden. Ein Gottesdienst ist allerdings nicht geplant. Bei der Veranstaltung sollen auch ehemalige Heimkinder zu Wort kommen. Daneben werden Vertreter der diakonischen Einrichtungen eingeladen, in denen es zu Misshandlungen gekommen war.

Rund 800.000 Kinder und Jugendliche lebten zwischen 1949 und Mitte der 70er Jahre in bundesdeutschen Heimen, etwa 500.000 von ihnen in kirchlichen Einrichtungen. Viele von ihnen wurden misshandelt und zu harter Arbeit gezwungen.

Der Bundestag beschloss Anfang Juli dieses Jahres finanzielle Hilfen für die Opfer und folgte damit der Empfehlung eines Runden Tisches. Mit den Zahlungen aus dem Fonds, der zu je einem Drittel vom Bund, den Ländern und den Kirchen finanziert wird, soll zu Anfang des kommenden Jahres begonnen werden. 100 Millionen Euro sind für direkte Hilfen vorgesehen, 20 Millionen Euro für Rentennachzahlungen.

Die Diakonie habe frühzeitig deutlich gemacht, dass sie sich ihrer Verantwortung stelle, sagte Sprecherin Ute Burbach-Tasso dem epd. So beteilige sich das Diakonische Werk an dem Hilfsfonds und unterstütze betroffene Menschen bei der Aufarbeitung des erlittenen Leids vor Ort. Neben der materiellen Hilfe sei es Diakonie und EKD auch immer um die Bitte um Entschuldigung gegangen.

Die katholische Kirche und der Caritas-Verband planen keine eigene Veranstaltung, um sich bei den Opfern zu entschuldigen. Aus der Caritas hieß es, im Fokus stehe jetzt die Entschädigung, die umgesetzt werden müsse.


Quelle : jesus.de

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Sonntag, 28. August 2011, 16:37

Politik
Sklavenarbeiter aller Länder vereinigt Euch
Donnerstag, den 25. August 2011 um 15:14 Uhr von karl nagel

Karl Heinz NagelGlockenbruchweg 39 a

34134 Kassel

25.08.2011

An den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages

Betr.: Entschädigung für ehemalige Zuchthäusler und Strafgefangene wegen durch physische Gewalt und durch Isolation erzwungene Zwangsarbeit für Betriebe der freien Wirtschaft.

Die Zuchthaus und Gefängnisse der Nachkriegszeit haben Gefangene in ihren Menschenrechten verletzt. Es sind Entschädigungsansprüche, Nachzahlungen von Rentenversicherungsansprüchen notwendig, wie sie in der ehemaligen DDR praktiziert wurden. Erforderlich sind deutliche Verbesserungen im Rentenrecht sowie die Einrichtung einer Stiftung, die sich der Betroffenen annimmt. Erforderlich ist auch die Abschaffung des Artikel 12, Absatz 3 GG der die Arbeitsausbeutung erst möglich macht, ähnlich der Zwangsgarbeiterausbeutung im Dritten Reich.

Meine Anfrage an alle Parteien des Deutschen Bundestages

Anfrage

Sehr geehrte Damen und Herren!
Wie Sie sicher wissen, wurden zur Zeit der Nazidiktatur 60 Prozent der Rüstungsgüter durch Zwangsarbeiter erstellt. In den Stadtverwaltungen, in der Landwirtschaft und in anderen Betrieben wurde in dieser Zeit mit Zwangsarbeiter gewirtschaftet, die wenn über mit einem Hungerlohn abgespeist wurden. Die rechtliche Basis für diese Art Ausbeutung wurde nach dem Krieg in das Grundgesetz, Artikel 12, Absagt 3 übernommen.

Sind Sie auch für den Erhalt der Zwangsarbeit?
Sind Sie für den Erhalt dieses Grundgesetzeintrages?



Ausgangslage

Die Zwangsarbeit ist Bestandteil der Verfassung. Die politische Interpretation des Artikels 12, Absatz 3 ergeht wie folgt:

CDU

Sehr geehrter Herr Nagel,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 21. August.

Wie Sie es bereits angesprochen haben, wurden während des 2. Weltkriegs im Deutschen Reich mehrere Millionen Menschen zu Zwangsarbeit und Sklaverei gezwungen. Unter der Herrschaft der NSDAP wurden dabei Menschen in ganz Europa aus ihrer Heimat verschleppt, vielfaches und grenzenloses Leid war die Folge.

Im Bewusstsein dieser Ereignisse wurde von der deutschen Bundesregierung gemeinsam mit Unternehmen der freien Wirtschaft die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ ins Leben gerufen mit dem Ziel den Opfern nationalsozialistischer Zwangsarbeit Ausgleichszahlungen bereit zu stellen.

Im Rahmen dieses Auszahlungsprogramms wurden 4,4 Mrd. Euro an über 1,66 Millionen Zwangsarbeiter in fast 100 Ländern ausgezahlt. Die verbliebenen Mittel dienen dazu die Auseinandersetzung mit der Geschichte der nationalsozialistischen Zwangsarbeit zu fördern und im europäischen Gedächtnis dauerhaft zu verankern.

Nicht zuletzt auch aufgrund der Erfahrungen aus der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft findet sich ein Verbot der Zwangsarbeit in Art. 12 Abs. 2 GG. Auch in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union wurde ein entsprechendes Verbot in Art. 5 Abs. 2 festgelegt.

Wie Sie ausgeführt haben, findet sich in Art. 12 Abs. 3 GG eine Einschränkung dieses Verbots im Hinblick auf Personen, welche sich in einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung befinden. Diese Regelung wurde durch die höchstrichterliche Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in der Vergangenheit nicht beanstandet.

Dabei wird auf den Resozialisierungsgedanken abgestellt, welchem im Strafvollzug in der Bundesrepublik Deutschland eine besondere Bedeutung zukommt. Dem Gefangenen soll dabei der Wert von regelmäßiger Arbeit für ein zukünftiges eigenverantwortliches und straffreies Leben vor Augen geführt werden.

Abschließend möchte ich noch feststellen, dass die Pflichtarbeit, welche heutzutage Gefangenen auferlegt werden kann, sich kaum mit der Zwangsarbeit während der nationalsozialistischen Herrschaft vergleichen lässt. Den Gefangenen in Deutschland garantiert das Grundgesetz eine menschenwürdige Behandlung, wohin gegen die Zwangsarbeit im Deutschen Reich während des Zweiten Weltkrieges unter menschenunwürdigen Bedingungen geschah, welche zahllose Menschen das Leben gekostet hat.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meiner Antwort weiterhelfen, bitte zögern Sie nicht die CDU jederzeit erneut zu kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Marius Amfalder

Team Bürgerservice der CDU Bundesgeschäftsstelle

FDP

Sehr geehrter Herr Nagel,

haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht vom 21. August 2011 an Herrn Dr. Guido Westerwelle.

Gern teilen wir Ihnen mit, dass Art. 12 Abs. 3 des Grundgesetzes nicht die rechtliche Basis für die Ausbeutung durch Zwangsarbeit ist. Ihnen persönlich alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Was sich hinter dem Zwang verbirgt unterliegt der kollektiven Verdrängung und rückt erst nach und nach ins gesellschaftliche Bewusstsein: ein Zwang der harten Hand bis hin zu schweren Menschenrechtsverletzungen.

Ehemalige Gefangene, die ihr Schweigen gebrochen haben, berichten über seelische und körperliche Misshandlungen. Sie beschreiben ausgeklügelte Strafsysteme mit Arrestzellen, berichten von lückenloser Überwachung rund um die Uhr, Absonderungen, lange Isolationen, interne Strafverfahren wegen Arbeitverweigerung, von Briefen, die zurückgehalten und zensiert wurden. Ihre Schulbildung wurde zu Gunsten von Arbeitseinsätzen für die freie Wirtschaft vernachlässigt, die geleistete Arbeit gar nicht oder nur mit geringsten Beträgen entlohnt, Beiträge für die Sozial- und Rentenversicherung wurden nicht gezahlt.

Die Methoden zielen ab auf die Gefügigmachung zur Erschließung von Arbeitskraft für die Freie Wirtschaft, als Billiglohnkraft. Methodisch unterscheiden sie sich nicht durch die Zwangsarbeit im Dritten Reich, auch wenn sie nicht in Gefahr der Vernichtung liefen, ist die Form der Arbeitsausbeutung ähnlich identisch.

Besonders zu betrachten ist hier auch, dass der deutsche Staat in dessen Gewaltverhältnis sich der Gefangene befindet, dessen Arbeitskraft an Firmen der freie Wirtschaft vermietete und diesen dann einen Wettbewerbsvorteil verschaffte.

Besonders hervorzuheben wäre hier der Zwang:

Eine freie Arbeitsauswahl besteht nicht. Methodisch wird die durch die richterliche Sanktion auf eine Lebensraum der unter der Quadratmeterzahl eines Polizeihundezwingers liegt, hervorgerufene soziale Deprivation und Isolation benutzt, um den Wunsch nach Arbeit zu erzeugen (Fluch vor der Einsamkeit). Bei Verweigerung werden Arbeitsverweigerungen mit verschärftem Arrest sanktioniert, also Essensentzug, Kontaktsperre, Schlafen auf Beton oder Holzpritschen, trocken Brot und Kaffee und alle drei Tage eine Matratze, Bibellesen. Bei fortgesetzter Arbeitsverweigerung mehrfach Bestrafung und oder Absonderung bis zum Willensbruch. Ziel ist also die Willensbrechung.

Die Interpretation des Artikel 12, Absatz 3 spricht heute davon, dass die Zwangsarbeit einen therapeutischen Ansatz erfolgt, sie Anerkennung erzeugen soll, die nicht notgedrungen materiellen Wert haben muss.

Dieses ist ein Verbrechen, ähnlich der Zeitarbeitsarbeit, wo Arbeitende für die gleiche Arbeit sehr unterschiedlichen Lohn bekommen. Eine Produktarbeit mit minderwertigem Lohn ist eine Sklavenarbeit. Sie hat im Kern überhaupt keine Anerkennungsindikatoren.

Antagonistisch

Der Absatz 3. Artikel 12 GG ist antagonistisch. In der Pädagogik und in der Psychologie ist längst gängige Praxis, dass Behandlung durch Zwang keine Aussicht auf Erfolg hat. Die Freiwilligkeit ist eine wichtige Voraussetzung für Lebensänderung. Die Politik und die Gesetzgebung will dem keine Rechnung tragen.

Wie Sie sicher wissen, wurden zur Zeit der Nazidiktatur 60 Prozent der Rüstungsgüter durch Zwangsarbeiter erstellt. In den Stadtverwaltungen, in der Landwirtschaft und in anderen Betrieben wurde in dieser Zeit mit Zwangsarbeiter gewirtschaftet, die wenn über mit einem Hungerlohn abgespeist wurden.

Die rechtliche Basis für diese Art Ausbeutung wurde nach dem Krieg in das Grundgesetz, Artikel 12, Absatz 3 übernommen. Die rechtliche Verwertung über die Arbeitspflicht hat also heute noch Bestand. Die Arbeitspflicht für Menschen in besonderem Gewaltverhältnis ist nach wie vor Bestandteil und die Form und Art des Zwangs ist nirgendwo definiert, also jederzeit änderbar.

Wir können also hier von moderner Sklavenarbeit sprechen, was von der CDU als menschlich interpretiert wird, weil die Zwangsarbeiter nicht ermordet werden. Der Kommentar der FDP sieht überhaupt keine Zwangsarbeit in der Nachkriegsdemokratie (obwohl sie wörtlich im Grundgesetz steht.) Die andern Parteien haben keine Stellung genommen und die Linke hat dies als kleine Anfrage im Bundestag bereits aktualisiert.

Die Sklavenarbeit definiert sich nicht durch die Tatsache, dass die Arbeiter sterben, sie definiert sich über das Ausbeuten von Arbeitskraft im Sinne einer Gewinnmaximierung. Dies ist bei der Gefängnisarbeit der Fall. Da es sich bei Gefangenen wie bei Sklaven auch um gesellschaftlich minderwertiges Personal handelt (stillschweigender Konsens) hat diese Form der Ausbeutung bis heute Bestand.

Im Hinblick auf eine aufgeklärte Gesellschaft beantrage ich daher, die ersatzlose Streichung des Artikel 12, Absatz 3 GG und fordere Entschädigungszahlung für die Betroffenen und Rentenversicherungsnachzahlungen und die Bildung eines Fonds wie bei den Heimkindern auch.

Karl Heinz Nagel


Quelle : Readers Edition

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Freitag, 9. September 2011, 10:06

Politik + Vermischtes
Offener Brief des VEH e.V. an Bundeskanzlerin Merkel
Donnerstag, den 8. September 2011 um 13:27 Uhr von Heidi Dettinger

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

der 22. September 2011 ist ein wichtiges Datum im Kalender ehemaliger Heimkinder ebenso wie ehemaliger Schüler und Schülerinnen katholischer Internate und zahlloser an­deren Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in die Hände von katholischen Priestern und Nonnen, Ordensleuten, Sozialarbeitern fielen:

Es ist der Tag, an dem die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland unüberseh­bar entscheiden kann und wird, ob das von der Politik propagierte Mitgefühl für unsere Lei­den wahrhaftig ist oder ob es – mitsamt des „Runden Tisches Heimerziehung der 50er und 60er Jahre“ und des „Runden Tisches sexueller Kindesmissbrauch“ - lediglich ein Mittel war, uns in relativer Sicherheit zu wiegen und in Wahrheit sämtliche gerechten Ansprüche auf Aufklärung der eklatanten Menschenrechtsverletzungen, Entschädigung und Entschul­digung hinauszuzögern und letztendlich im Papierkorb der Geschichte verschwinden zu lassen.

Wir bitten Sie eindringlich, Frau Bundeskanzlerin, Ihren Einfluss als führende Frau in unse­rem Land geltend zu machen und den Papst zu einer Öffnung sämtlicher Archive und Kir­chenbücher der Orden und Bistümer und des Vatikans zu bewegen.

In diesen Akten liegen die Beweise für unser Leiden. Liegen praktisch unsere Leben!

Wir brauchen, um in Frieden mit uns selbst leben zu können, eine möglichst lückenlose Aufklä­rung aller an uns begangenen Verbrechen, seien sie psychischer, physischer oder sexuel­ler Art!

Wir bitten Sie ebenso dringend, den Papst zu überzeugen, dass seine Kirche die zahllo­sen Opfer – die meisten von ihnen sind heute alte Menschen, die in tiefer Armut leben – angemessen entschädigen muss, selbst wenn dies auf Kosten des unermesslichen Reich­tums dieser Kirche geht. Und dass diese seine Kirche mit gutem Beispiel vorangehen muss und Bund, Länder und auch die evangelische Kirche auffordern muss, dass eine für die Überlebenden dieser innerkirchlichen Verbrechen vorgesehene Entschädigung auf kei­nen Fall eine neue Demütigung bedeutet, sondern wenigstens einigermaßen dem Verlust der Lebensqualität und des Lebenseinkommens Rechnung trägt.

Übermitteln Sie ihm, dass Sie sich mit uns solidarisch erklären und es nicht hinnehmbar finden, dass die Kirche weiterhin Kinderschänder schützt, ihre Taten vertuscht und es zu­lässt, dass es mit Hinweis auf „Verjährung“ nicht zu einem Strafprozess bzw. einer Scha­densersatzklage kommt.

Da wir keine Gelegenheit haben werden, den Papst persönlich zu sprechen, sagen Sie ihm bitte von uns: Unsere Qualen verjährt niemals! Geben Sie uns mit Ihrer Haltung den Glauben zurück: Den Glauben daran, dass dieses Land auch unseres ist.

Mit freundlichem Gruß

Für den Vorstand
Dirk Friedrich, 2. Vorsitzender
Heidi Dettinger, Schriftführerin


Quelle : Readers Edition

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Freitag, 9. September 2011, 10:09

Pinneberg
Awo will für misshandelte Heimkinder Entschädigung zahlen
08.09.2011, 06:00 Uhr

Die Opfer von Gewalt im ehemaligen Pinneberger Awo-Heim können auf finanzielle Entschädigung hoffen.

Quelle: Hamburger Abendblatt

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Suedpol

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Freitag, 9. September 2011, 22:25

aber glaubt denn wirklich einer allen ernstes,dass es hier jemals zu glaubwürdigen aufklährungen kommen wird?
NEIN! Mich stört ein wenig der Titel des Beitrages und wenn ich daran denke, wieviele je mißbraucht wurden, wieviele je gezwungen waren, zu schweigen und ihnen heute schon wieder ein Maulkorb verpaßt wird, sei es auch nur, dass sie nicht schreiben dürfen, was sie schreiben wollen, dann wird mir übel. Es darf einfach nicht sein, dass uns heute wieder die Zensur droht und wir zum Schweigen gebracht werden, möglicherweise durch jene, denen es früher geschehen ist.

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alrosch

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48

Dienstag, 11. Oktober 2011, 18:02

Missbrauchsopfern droht der Maulkorb

Ist klar, die Herren der Kirche, wollen nicht in der Öffentlichkeit negativ erscheinen.

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Samstag, 29. Oktober 2011, 11:38

100 Euro für Gewalt-Exzesse im Heim
Ein gequälter Heimzögling forschte seinen Peiniger aus. Er steht noch immer im Dienst der Kirche und fühlt sich unschuldig.




misshandlungsopfer Prügelopfer Wolfgang Helfreich: Er forschte seinen Peiniger aus
Die 13- und 14-jährigen Buben mussten jeden Morgen am Gang des Caritas-Heimes in Steyr-Gleink antreten. "Wir waren an die 30 Zöglinge. Dann begann das große Zittern", schildert der heute 53-jährige Wolfgang Helfreich seinen täglichen Albtraum der Jahre 1972 bis '74.



Der damalige Erzieher Pater Heinz L. nahm seine silberne Uhr vom Handgelenk und deutete auf eines der Heimkinder. "Dann führte er sein Opfer in die Dusche. Dort schlug er mit den Fäusten auf uns ein. Der Schlaghagel prasselte auf den ganzen Körper nieder." Helfreich erzählt auch von angeordneter Kinderarbeit: "Im Ort gibt es eine Kirche. Zu meiner Zeit wurde der Friedhof ausgebaut. Wir mussten, auf Befehl von L., die Gräber ausheben. Auch Knochen wurden von uns geborgen. Davon erholst du dich nie mehr. Wir waren doch nur junge Burschen."

Die immer in den Sommerferien angeordnete Kinderarbeit auf den Feldern und im Stall des benachbarten Großbauern (Name der Redaktion bekannt) klingt da beinahe nach Erholung. "Wir bekamen für die Sklavenarbeit eine Jause, die Verantwortlichen im Heim kassierten vom Bauern Spenden." Pater L. wurde plötzlich aus Steyr-Gleink abgezogen, der traumatisierte Zögling Helfreich fand nach seinem Leben im Heim einen Job bei einem Bäcker. Der junge Mann kam mit dem Gesetz in Konflikt, heiratete fünf Mal und ist über die Jahre genauso oft geschieden worden. Heute ist er die rechte Hand eines Wiener Marktfahrer-Unternehmers und Vater zweier Töchter.

Er wandte sich schließlich an die kirchliche Opferschutzkommission von Waltraud Klasnic und bekam 5000 Euro zugesprochen. Doch anstatt abschließen zu können, holte Helfreich seine Vergangenheit mit voller Vehemenz ein. Er forderte von der Kommission wegen der Kinderarbeit eine höhere Summe, die Kommission lehnte aber ab (das Schreiben liegt dem KURIER vor) . Dafür traf er am 28. Juni 2011 im Linzer Opferschutz-Büro seinen früheren Peiniger Pater L. zu einer Aussprache: "Ich war perplex, bewegungsunfähig. Die Gegenüberstellung fuhr mir bis ins Mark. Eigentlich wollte ich eine Entschuldigung. Aber plötzlich dachte ich an Rache."

Schließlich begann Helfreich zu recherchieren. Und er fand heraus, dass sein ehemaliger Erzieher nach wie vor im Dienst der römisch-katholischen Kirche steht. Heinz L., mittlerweile 70 Jahre alt, ist seit 1. Oktober 2009 Superior (Klostervorsteher) des Ordens Herz-Jesu-Missionare in Innsbruck. Am 28. September 2011 rief der Ex-Zögling seinen früheren Peiniger an und erzählte ihm von seinen psychischen Problemen.



Dieses Gespräch dürfte Superior L. nahe gegangen sein. Denn einen Tag später, am 29. September 2011, schickte er einen Brief am Wolfgang Helfreich. Darin bittet er sein damaliges Opfer um Vergebung. Helfreich: "Er legte allen Ernstes auch noch 100 Euro bei. Wie tickt dieser Mensch eigentlich?"

Der KURIER konfrontierte L. mit den Vorwürfen. Der Superior fühlt sich unschuldig: "Ich habe nie geschlagen. Und die Arbeit beim Bauern sah ich als Ferien-Zuckerl. Wenn man beschuldigt wird, dann ist man anscheinend schon schuldig."
Bischofskonferenz

Die Klasnic-Kommission setzte vergangene Woche in diesem Fall einen einzigartigen Schritt. Sprecher Herwig Hösele: "Wir verständigten die Bischofskonferenz. Denn der Name L. tauchte in mehreren Fällen auf." Für Prügelopfer Helfreich ist die Vergangenheit damit aber nicht abgeschlossen. "Bis Weihnachten gebe ich der Kommission Zeit, meiner finanziellen Forderung von 15.000 Euro nachzukommen. Dann werde ich die Entschädigung einklagen."

Quelle : Kurier Nachrichten

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Samstag, 29. Oktober 2011, 15:48

Ganz schön heftig, das zu lesen ...
Signatur von »jw1hal«
Wer lesen kann ist klar im Vorteil!


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Sonntag, 30. Oktober 2011, 08:56

Stuttgart - Opfer von Missbrauch in Erziehungsheimen im Südwesten dürfen auf Hilfe und Entschädigung hoffen. Diese können sie künftig bei regionalen Anlauf- und Beratungsstellen erhalten oder beantragen, erläuterte Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) in Stuttgart.

Diese zum 1. Januar 2012 einzurichtenden Stellen sollten zum einen Leistungsanträge Betroffener an einen neuen Fonds bearbeiten und bei der individuellen Bewältigung des körperlichen und/oder seelischen Missbrauchs helfen. An dem mit 120 Millionen Euro dotierten geplanten Fonds beteiligten sich der Bund, die evangelischen und katholischen Kirchen sowie elf westdeutsche Bundesländer zu je einem Drittel. Dabei entfällt auf den Südwesten ein Betrag von knapp 6,2 Millionen Euro über vier Jahre hinweg.

Anträge können von 2012 bis 2014 gestellt werden

Vom Fonds können die Opfer der Heimerziehung in den Jahren 1949 bis 1975 Leistungen erhalten, wenn ihre Rentenansprüche aufgrund nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge gemindert sind. Auch im Fall von Folgeschäden oder besonderem Hilfebedarf aufgrund der Heimerziehung können sie sich an den Fonds wenden. Entsprechende Anträge können von Anfang 2012 bis Ende 2014 gestellt werden. Etwa 100.000 Euro Mittel pro Jahr fließen aus dem Land in Personal- und Sachkosten für die Anlauf - und Beratungsstellen. Sie haben Lotsenfunktion und sollen bei der Einsicht in Akten, bei der Suche nach therapeutischen Einrichtungen und der Gründung von Gesprächsrunden ehemaliger Heimkinder helfen.

Derzeit wird noch diskutiert, ob Träger der Anlaufstellen der Kommunalverband für Jugend- und Soziales Baden-Württemberg oder ein Regierungspräsidium sein soll. „Vor einer endgültigen Festlegung wollen wir Vertreter der ehemaligen Heimkinder an dieser Entscheidung beteiligten“, erläuterte die Sozialdemokratin. Sie verwies darauf, dass die Kommunalen Landesverbände sich mit jeweils einem Drittel an den auf das Land entfallenden Kosten für den Fonds und die Beratungsstellen beteiligen wollen.

Altpeter: Nicht die schrecklichen Leiden ungeschehen machen

Neben kirchlichen Trägern gab es auch Heime kommunaler Träger, in die Kinder aus zerrütteten oder wegen Scheidung auseinandergebrochenen Familien kamen. Zur Zahl der Betroffenen konnte Altpeter keine genauen Angaben machen. Der Landtag habe bislang fünf Petitionen zum Thema behandelt, eine vom Landesverband „Verein ehemaliger Heimkinder“ für eine nicht bestimmbare Zahl an Betroffenen, die anderen vier jeweils von Einzelpersonen. Darüber hinaus seien nur wenige weitere Fälle bekannt.

Nach den Worten von Altpeter kann die nach so vielen Jahren gewährte Hilfe nicht die „schrecklichen Leiden der Kinder von damals ungeschehen machen“. Man könne den Betroffenen mit den Initiativen aber zeigen, dass „wir für die Geschehnisse von damals Mitverantwortung übernehmen“.


Quelle : Stuttgarter Zeitung

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Dienstag, 1. November 2011, 00:39

Kirchen arbeiten Schicksal der Heimkinder auf
"Da waren Sadisten am Werk" - vor 6 Stunden

Nürnberg - Die Erziehungsverbände der beiden großen Kirchen veranstalteten einen Fachtag zur Heimerziehung in den fünfziger und sechziger Jahren. Rund 120 Fachleute und Betroffene diskutierten über das Leid, das damals vielen Kindern in den Erziehungseinrichtungen der Kirchen sowie der Wohlfahrtsverbände Diakonie (evangelisch) und Caritas (katholisch) widerfahren war.

Bartholomäus Brieller, Vorsitzender des bayerischen Landesverbands katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe (LVkE) findet klare Worte: Was sich in den Erziehungsheimen der 50er und 60er Jahre abgespielt habe, „steht im krassen Kontrast zum christlichen Menschenbild“. Auch Christian Oerthel redet nicht um den heißen Brei herum: „Wie mit den Kindern umgegangen worden ist, war auch mit dem damaligen Recht nicht vereinbar“, sagt der Vorsitzende des Evangelischen Erziehungsverbands (EEV) in Bayern.

Richard Sucker hat 18 Jahre seines Lebens in Heimen zugebracht. Weil er ein uneheliches Kind war und die Mutter arbeiten ging, wurde der 1933 in Breslau geborene Sucker im Alter von eineinhalb Jahren seiner Mutter weggenommen. Er hat sie nie wiedergesehen. Sucker kam nach dem Krieg als Flüchtling nach Bayern und lebte dann noch sieben Jahre in Heimen der Rummelsberger Anstalten. Gerade in Naila habe er unerträgliches Leid erfahren, sagt der heute in Langwasser wohnende 78-Jährige: „Wir hatten genagelte Schuhe wie die Soldaten. Aber das Material war schlecht, und beim Laufen hat man Nägel verloren. Der Einrichtungsleiter hat uns für jeden verlorenen Nagel mit dem Ochsenziemer einen Schlag auf den nackten Hintern verpasst.“ „Da waren Sadisten am Werk“, kommentiert LVkE-Chef Brieller diese Vorgänge.

Hilfe fand Sucker nicht. Er meldete sich zwar, noch blutend, bei der Polizei, aber die ging davon aus, dass der Junge die Strafe schon zu Recht bekommen hat. Die versuchte Anzeige wiederum bestrafte der Heimleiter mit Dunkelhaft, Essensentzug und erneutem Prügeln.

Sonja D. (62) bekam zwar auch Ohrfeigen in ihrem Heim, sie litt aber eher unter seelischen Verletzungen, unter permanenten Demütigungen, unter den Vorhaltungen, nichts wert zu sein. „Ich bin zweimal weggelaufen. Da haben sie mich gesucht wie einen Schwerverbrecher.“ Im Heim wurde sie gezwungen, eine Lehre als Schneiderin zu machen, obwohl sie den Beruf nicht mochte. Für Sonja D. ist das Zwangsarbeit. Sucker ließen die Rummelsberger ordentlich schuften.

Einen wesentlichen Grund für die damaligen Verhältnisse sieht Brieller in der mangelhaften Vorbereitung der Mitarbeiter: „Das Personal war nur minimal pädagogisch geschult.“ Wenn dann 30 bis 40 Kinder in einem Schlafsaal zu beaufsichtigen waren, habe es sich oft nur mit Gewalt zu helfen gewusst. „Es war auch einfach zu wenig Geld im System.“

In den 1960er Jahren fand allmählich ein Umdenken statt; ab 1964 achtete eine staatliche Heimaufsicht auf die Zustände in den Einrichtungen, und beflügelt von der 68er Bewegung fand in den frühen 70er Jahren eine „Qualifizierungsoffensive“ (Oerthel) statt. Das vorhandene Personal wurde intensiv geschult, neue Kräfte durchliefen eine pädagogische Ausbildung. Heutzutage, sagt Oerthel, habe eine massive Grenzüberschreitung gegenüber Kindern die sofortige Entlassung zur Folge. Der EEV-Vorsitzende meint, dass durch die Reformen der 70er Jahre die strukturelle und pädagogische Aufarbeitung der Vorkommnisse gelungen sei. „Was nicht passiert ist, ist die biografische Aufarbeitung.“

Oerthel und Brieller sind daher sehr froh, dass im ersten Quartal 2012 in München im bayerischen Sozialministerium eine Anlaufstelle geschaffen wird, an die sich Betroffene wenden können. Zudem steht ein Topf von 120 Millionen Euro zur Aufarbeitung der Problematik zur Verfügung. Die Kirchen, die Diakonie und die Caritas haben insgesamt 40 Millionen hierzu beigesteuert, dieselbe Summe kommt von Bund und Ländern. Sonja D. hält den Topf für zu mickrig. Sucker möchte für die Arbeit, zu der er bei den Rummelsbergern gezwungen wurde, eine Entschädigung von 200000 Euro. „Aber mit keiner Summe der Welt kann man die geschundenen Seelen der Kinder heilen, die geschlagen und in Dunkelhaft gehalten wurden“, sagt Brieller.


Quelle : NZ Nürnberger Zeitung

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Mittwoch, 2. November 2011, 14:22

01.11.2011 | 18:10 | von Manfred Seeh (Die Presse)

Eine 52-Jährige schildert der "Presse" ihr Martyrium als Heimkind. Die Kirche habe ihr rasch geholfen und sie entschädigt - bei der Stadt Wien fühlt sie sich dagegen schlecht aufgehoben.

Trixi kämpft mit den Tränen. „Unauslöschliche Erinnerungen“ an „sadistische Quälereien, unglaubliche Schläge, sexuellen Missbrauch“ seien eine unsägliche Last. Eine Last für ein ganzes Leben. Trixi, so will die 52-jährige Personalberateringenannt werden, ist eines von, wie sie meint, „hunderten Opfern“ ehemaliger Kinderheime der Stadt Wien.

Aber nicht nur das. In den frühen 1960er-Jahren, bevor Trixi im ersten Stadt-Wien-Heim, in Pötzleinsdorf, landete, sei sie schon im Alter „von vier, fünf Jahren“ Opfer von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch geworden. In einem katholischem Kinderheim in Laxenburg. Die Täterinnen: Nonnen. Schwere Depressionen und schließlich ein Selbstmordversuch waren der Preis, den Trixi im Erwachsenenalter zahlen musste. Sie war schon Anfang vierzig, als sie endlich die Kraft fand, dem verzweifelten Verdrängen ein Ende zu setzen. Zweieinhalb Jahre Einzeltherapie folgten. Das half.

Viel später drangen erste Berichte von Opfern an die Öffentlichkeit. Es war der 21. Mai vorigen Jahres, als sich Trixi an die Wiener Jugendanwaltschaft wandte. Das Ganze würde lang dauern, beschied man der Hilfesuchenden dort. Erst im Herbst würde eine Opferkommission stehen. Monate vergingen. Der von Trixi ersehnte Anruf blieb aus.

14. September 2010: Trixi greift zum Hörer – ruft aber an diesem Tag nicht etwa bei der Stadt an. Sie besinnt sich nämlich, dass sie nicht nur im städtischen Heim in Pötzleinsdorf (1965 bis 1973) zum Opfer wurde – und später in der „Stadt des Kindes“, unter einer Heimleiterin (deren Name ist der Red. bekannt, Anm. ), die die Mädchen regelmäßig „kräftig“ geohrfeigt habe.

Zum Opfer wurde Trixi auch in einer katholischen Einrichtung. Daher wählt Trixi die Nummer der von der Kirche eingerichteten „Opferschutzanwaltschaft“ unter der Leitung der früheren steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic.

Eine überforderte Anlaufstelle wimmelt Trixi ab. Doch diesmal lässt sie nicht locker. Und mit einem Mal ist alles anders: Das Sekretariat von Kardinal Christoph Schönborn meldet sich bei ihr, entschuldigt sich, ebenso die Anlaufstelle. Ein ausführliches Gespräch mit einem, wie Trixi sagt, „empathischen Psychologen“ folgt.


Kirche: In vier Monaten zur Hilfe

Zwei Monate später bekommt die Frau Post: Die Klasnic-Kommission gewährt „finanzielle Hilfeleistung“ und verspricht die Übernahme der bisherigen Therapiekosten sowie die Bezahlung weiterer 50 Therapiestunden. Kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember, teilt die Kommission die Höhe der Entschädigung mit. Es ist „ein durchaus akzeptabler Betrag“ (das Opfer ersucht, die Summe nicht zu veröffentlichen). 20. Jänner 2011: Das Geld ist auf Trixis Konto, der (die Kirche betreffende) Fall ist abgeschlossen. „Binnen vier Monaten war alles positiv erledigt.“

Von der Stadt Wien ist dagegen nichts mehr zu hören. So führt das Opfer am 8. März 2011 ein zweites Gespräch in der Jugendanwaltschaft – mit einem, wie Trixi meint, „freundlichen Mitarbeiter“ der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“. Konkrete Zusagen bleiben aber aus. Im Juni hat die Frau den nächsten Termin – direkt beim „Weißen Ring“. Man habe nicht mit so vielen Opfern gerechnet, heißt es, und bietet 15.000 Euro Entschädigung: Deutlich weniger als die Kirche bezahlt hat. Trixi lehnt ab.

Am 4. Juli hat sie den nächsten Termin in der Opferschutzeinrichtung: 15.000 Euro seien doch genug Geld, woher soll man denn noch mehr nehmen? „Ich stelle mir das Doppelte vor“, sagt die 52-Jährige zur „Presse“. Sie wolle nicht in die Rolle der Verhandlerin gedrängt werden. „Ich muss mich nicht rechtfertigen. Ich bin das Opfer.“ Das Opfer von Prügelorgien. Von regelmäßigen sexuellen Übergriffen durch die Betreuerin H. im städtischen Heim in Pötzleinsdorf. Von folterähnlichen Bestrafungen im Fall des Bettnässens. Von nächtlicher Zwangsarbeit. Von Essensentzug. Von stundenlanger „Dunkelhaft“ im versperrten WC und so weiter und so fort.

An die Wiener Kommissionsmitglieder hat Trixi noch eine Frage: „Was wären Sie bereit zu zahlen, damit Ihre Kinder solches nicht erleben müssen?“ Wieder kämpft sie mit den Tränen, nimmt sich zusammen – und sagt: „Ich klage an.“

Quelle : Die Presse.com Panorama-Wien

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Donnerstag, 3. November 2011, 19:49

Nürnberg: Kirchen entschuldigen sich bei Heimkindern
Auch Betroffene waren anwesend bei Fachtagung - Prügel an der Tagesordnung - 02.11.11

NÜRNBERG - Für Misshandlungen, Demütigungen oder Ausbeutung durch Arbeit von Kindern in den 50er und 60er Jahren in Erziehungseinrichtungen haben sich die Spitzen der zuständigen Organisationen der beiden großen Kirchen entschuldigt. Gleichzeitig warnten sie davor, die heutigen Qualitätsstandards in diesem Bereich zu senken.
Das Leben der Krabbelbabys war in diesem evangelischen Kinderheim aus früherer Zeit noch vergleichsweise unbeschwert. Ältere Kinder und Jugendliche hatten häufig schwer zu leiden.

Christian Oerthel, Vorsitzender des Evangelischen Erziehungsverbandes (EEV), und Bartholomäus Brieller, Chef des Landesverbandes katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe (LVkE), zeigten sich auf einer gemeinsamen Fachtagung in Nürnberg erschüttert über die damaligen Taten. Es war die erste Veranstaltung dieser Art auf bayerischer Ebene. Auch Betroffene waren anwesend.

„Wir haben in aller Form unser Bedauern, unsere Scham und unsere Erschütterung über die damaligen Verhältnisse in den Heimen zum Ausdruck gebracht“, sagten die beiden Experten in Nürnberg. Das, was dort in der Vergangenheit passiert ist, mit Dunkelhaft für Nichtigkeiten, willkürlichen Schlägen, Essensentzug und Zerstörung der Persönlichkeit, stehe in ganz krassem Widerspruch zum christlichen Menschenbild und sei durch nichts zu entschuldigen. Nichts dürfe unter den Teppich gekehrt werden.



Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Prügel waren aber nach bisherigen Erkenntnissen praktisch an der Tagesordnung. „Jeder einzelne Fall ist einer zu viel. Die Menschen leben noch und leiden noch.“ Die beiden Kirchen sind bis heute mit Abstand die größten Träger solcher Einrichtungen.

Gegenwärtig werden dort rund 20000 Kinder und Jugendliche in den unterschiedlichsten Häusern betreut. „Die Wahrscheinlichkeit, dass heute noch so was Schreckliches wie früher passiert, geht gegen Null“, betonte Brieller.

Die Mitarbeiter seien besser ausgebildet, werden fachlich begleitet und die vorgeschriebenen Personalschlüssel seien ausreichend. Oerthel ergänzte: „Der Staat übt mit der Heimaufsicht ein strenges Wächteramt aus. Selbst eine Ohrfeige kann schärfste Konsequenzen für das Personal haben.“

Beide setzen sich dafür ein, die gegenwärtig „glückliche Situation“ durch Sparmaßnahmen nicht zu gefährden. Die Qualität dürfe im Interesse der Jugendlichen nicht leiden.
Zentrale Anlaufstelle

Als Folge des bundesweiten Runden Tisches Heimerziehung, der im Januar seinen Abschlussbericht vorlegte, wird ein Fonds eingerichtet. Bund, Länder und die beiden Kirchen zahlen zu gleichen Anteilen insgesamt 120 Millionen Euro ein. Aus diesem Topf sollen ehemalige Heimkinder entschädigt werden. Im kommenden Jahr wird für Bayern eine zentrale Anlaufstelle beim Sozialministerium für die Betroffenen eingerichtet.

An der Nürnberger Tagung nahmen auch zwei frühere Heimkinder teil, die als Jugendliche schwer gelitten haben. Die Entschuldigungen halten sie eher für „leere Worthülsen“, was sie fordern ist eine ausreichende finanzielle Entschädigung. Der Fonds reiche dafür bei weitem nicht aus.

Der heute 78-jährige Richard Sucker musste bis 1953 sieben Jahre lang in einem Heim der Rummelsberger in der Landwirtschaft schwer schuften. „Schläge mit dem Ochsenziemer bis aufs Blut waren an der Tagesordnung“, erzählte er, „ich will dafür nachträglich entschädigt werden.“

Unter körperlichen Züchtigungen litt die heute 62-jährige Sonja D. weniger. Sie war als junges Mädchen für dreieinhalb Jahre in einem Heim der Hensoltshöher Diakonissen untergebracht.

Sie berichtete vor allem von psychischen Misshandlungen: „Es hieß dauernd: Du bist nichts wert, du bist schlecht. Wir sollten innerlich gebrochen werden. Das hat mein weiteres Leben schwer beeinträchtigt.“

Quelle : Nürnberger Nachrichten

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Samstag, 5. November 2011, 11:56

Das harte Los der Verdingkinder
von Daniel Huber - Noch leben in der Schweiz tausende Menschen, die in ihrer Kindheit Opfer einer hartherzigen «Fürsorge» wurden. Der Film «Verdingbub» bringt jetzt neues Licht in dieses dunkle Kapitel.

Zum Video


Viele von ihnen wurden jeden Tag gedemütigt und beschimpft, manche wurden auch regelmässig geschlagen. Einige brachten sich um. Ausgebeutet wurden sie alle: die Verdingkinder.

Heute noch leben tausende von ihnen in der Schweiz. Sie alle haben am eigenen Leib erfahren müssen, was Schweizer Behörden viel zu lange unter «Fürsorge» verstanden. Vereinzelte Unglückliche ereilte dieses bittere Schicksal noch in den 70er-Jahren, wie der Historiker Thomas Huonker betont, der sich eingehend mit diesem unrühmlichen Kapitel der Schweizer Sozialgeschichte befasst hat. Nicht weniger als 100 000 Kinder wurden seiner Schätzung zufolge allein im 20. Jahrhundert verdingt.

«100 000 wahre Geschichten»

Am 3. November 2011 gelangt ein Film in die Kinos (siehe Infobox), der dieses dunkle Kapitel der jüngeren Schweizer Geschichte ausleuchtet. Es ist der erste Spielfilm, der die Lebensgeschichte eines Verdingkinds erzählt, und er nimmt Partei gegen «die Ungerechtigkeit» und «die Viehhaltung von Menschen». Protagonist ist der Waisenjunge Max, der vom Waisenhaus in eine Bauernfamilie kommt, wo es ihm schlecht ergeht. Sein Schicksal steht exemplarisch für das harte Los aller Verdingkinder – der Film von Regisseur Markus Imboden basiert «auf 100 000 wahren Geschichten», wie es auf der Film-Website heisst.

Die Praxis, Waisenkinder, Scheidungskinder oder solche, deren Eltern nicht für ihren Unterhalt aufkommen konnten, in einer fremden Familie zu platzieren, geht in der Schweiz bis ins Mittelalter zurück, schreibt Huonker. Bis vor hundert Jahren gab es sogar so genannte Verdingmärkte, auf denen die Kinder – beinahe wie auf einem Sklavenmarkt – versteigert wurden. Dabei bekamen jene Interessenten den Zuspruch, die von der Behörde am wenigsten Kostgeld für das aufzunehmende Kind verlangten. Jeremias Gotthelf hat eine solche Szene in seinem «Bauernspiegel» (1837) eingehend beschrieben.

Wie Leibeigene behandelt

Dieses Kostgeld, das die Behörde der Pflegefamilie ausrichtete, verringerte sich in dem Masse, wie die Kinder älter wurden – schliesslich stieg ihre Arbeitsleistung mit zunehmendem Alter. Allerdings mussten bei gewissen Arbeiten schon Drei- oder Vierjährige mit anpacken. Viele Landwirte – die meisten Verdingkinder kamen auf Bauernhöfe – behandelten die Kinder wie Leibeigene; in ihren Augen war es legitim, die Arbeitskraft der Kinder als Gegenleistung für Unterkunft, Essen und Kleider bis zum Letzten auszuschöpfen. Es waren in der Regel auch eher die weniger wohlhabenden Bauern, die Verdingkinder aufnahmen.

Kritik an den Misshandlungen und der Ausbeutung gab es durchaus, wie Historiker Huonker feststellt. Doch sie bewirkte wenig. Letztlich, so Huonker, war es die Mechanisierung der Landwirtschaft, die dem Verdingwesen die Grundlage entzog. Erst als die Bauernhöfe immer weniger Arbeitskräfte benötigten, nahm die Nachfrage nach der billigen Kinderarbeit ab. In der Schweiz setzte dieser Prozess jedoch erst relativ spät ein, denn hier dominierten landwirtschaftliche Kleinbetriebe, für die sich Maschinen lange nicht lohnten. Und es waren gerade diese kleinen Höfe, auf denen die meisten Verdingkinder lebten.

Unterernährt und traumatisiert

Auch nachdem die Verdingkinder in den 60er-Jahren aus der sozialen Landschaft der Schweiz verschwanden, dauerte es noch lange, bis sich das Bewusstsein für das an ihnen begangene Unrecht zu schärfen begann. Vor allem der «Beobachter» hat das Thema immer wieder an die Öffentlichkeit gebracht und sich für die Rehabilitierung und Entschädigung der Betroffenen eingesetzt. Verdingkinder wurden nämlich nicht nur durch die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse, die der Zwangsarbeit gleichkamen, benachteiligt: Manche wurden auch körperlich geschädigt, zum Beispiel durch Mangelernährung, andere wurden traumatisiert. Es kam auch vor, dass der Vormund das Sparbüchlein eines Mündels plünderte. Ihre Chancen auf eine gute Ausbildung waren zudem sehr gering, weil sie aufgrund der vielen und harten Arbeit in der Schule müde waren und auch keine Zeit für Hausaufgaben hatten.

So wurden denn aus vielen Verdingkindern Knechte und Mägde – obwohl es auch nicht wenige gab, die der Gesellschaft erst recht beweisen wollten, dass sie eben mehr taugten, als man ihnen weisgemacht hatte. «Viele Verdingkinder haben Karriere gemacht, wenn sie einmal aus dieser Mühle herauskamen», sagt Huonker. «Andere aber gingen zugrunde.»

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Samstag, 5. November 2011, 11:56

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Samstag, 5. November 2011, 16:43

Missbrauchsopfern droht der Maulkorb

Selber kenne ich kein Heimkind, das immer genug zu Essen und zu Trinken hatte, in seiner Jugendzeit? Fast alle Heimkinder haben an Unerernährung gelitten und waren Krankheiten gegenüber anfälliger. Noch heute, muss ich manchmal daran denken, wie weh doch der Hunger tun kann?

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Donnerstag, 23. Februar 2012, 18:46

"Systematischer Sadismus" bis in die 1990er Jahre

In den Wiener Heimen war Gewalt gegen Kinder offenbar bis in die 1990er Jahre üblich. Kinderpsychiater Berger spricht von einem "fast systematischen Sadismus".

In den Wiener Heimen war Gewalt gegen Kinder bis in die 1990er Jahre üblich. Das hat der Kinderpsychiater Ernst Berger im Ö1-Morgenjournal am Mittwoch berichtet. Er hat Gespräche mit zahlreichen Betroffenen geführt. Diese hätten von einem "fast systematischen Sadismus" erzählt, so Berger.

Der Psychiater hat 100 Gespräche ausgewertet. Laut Berger war darin häufig von entwürdigenden Situationen die Rede. Von sexueller Gewalt waren 40 der 100 Gesprächspartner betroffen, zum Teil durch Erzieher, aber auch durch Nonnen, die Wiener Heime führten.

Nur ein Drittel seiner Gesprächspartner habe es später zu einer stabilen Partnerschaft gebracht, schilderte Berger. Zwölf Prozent hätten später keine Partnerschaften, 55 Prozent instabile Partnerschaften gehabt. 27 Prozent sind laut dem Kinderpsychiater kriminell geworden.

Laut Berger hat sich die Situation Ende der 1990er Jahre verbessert, nachdem die Großheime geschlossen worden waren. Sie wurden im Zuge einer Reihe von Reformen aufgelöst. Betroffene, die in diesen Einrichtungen Missbrauch erleiden mussten, werden inzwischen auch von der Stadt entschädigt. Eine entsprechende Initiative wurde 2010 ins Leben gerufen.

Quelle : Kleine Zeitung

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Donnerstag, 23. Februar 2012, 18:50

22.02.2012 17:41 Uhr
Vertreter ostdeutscher Heimkinder fühlen sich ausgegrenzt

Berlin (dpa) Die Vertreter ehemaliger ostdeutscher Heimkinder fühlen sich von der Erarbeitung der Entschädigungsregelungen für sie ausgegrenzt. In einem Offenen Brief an die vom Bundesinnenministerium eingerichtete Arbeitsgruppe Heimerziehung Ost kritisierten sie am Mittwoch, dass sie bisher von dieser Arbeitsgruppe weder eingeladen noch angehört worden seien. "Die seit Anfang Januar 2012 vorliegenden Expertisen wurden uns nicht zur Verfügung gestellt. Auch sind wir aus den Beratungen der AG ausgeschlossen", heißt es in dem Brief. Die Arbeitsgruppe wolle jedoch schon am 26. März einen Abschlussbericht vorlegen.

Der Bundestag hatte im Juli 2011 beschlossen, dass die Entschädigungsregelung für misshandelte Heimkinder aus Westdeutschland auch auf ehemalige Insassen von DDR-Heimen übertragen werden soll. Für westdeutsche Heimkinder wurde ein Fonds in Höhe von 120 Millionen Euro aufgelegt. Ein Betrag für misshandelte ostdeutsche Heimkinder steht noch nicht fest. Darüber soll die Arbeitsgruppe beraten.

Es könne nicht angehen, dass die Betroffenen selbst an diesen Beratungen nicht teilnehmen dürften, sagte die Sprecherin des Arbeitskreises Betroffener der Heimerziehung der DDR, Isabel Simon, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Der Arbeitskreis habe sieben seiner Mitglieder in die Arbeitsgruppe des Bundes delegieren wollen. Das sei abgelehnt worden. Die ehemaligen ostdeutschen Heimkinder forderten dies aber weiterhin..

Quelle : Märkische Oderzeitung

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Freitag, 24. Februar 2012, 23:45

Missbrauchsopfern droht der Maulkorb

das war vorraus sehbar das die kirche und der regierung uns ein maulkorp verpassen also was nützt das wenn mann ein antrag auf endschädigung stelt wenn mit zweierlei maß gemessen wird ich selbst werde kein antrag machen weil meine peiniger schon tot oder die richtigen namen nicht kenne wo ich die so genannten" gartenabeiten " machen solte wo der erzieher mich hingeschickt bezieungsweise mit dem auto abgeholt wurde da die zeit schon fast 35-40 jahre zurück liegt kann man es schwer beweisen ich habe keine lust vor fremden menchen zu erzählen was ich als kind erlebt habe da kommt alles wieder hoch von der schweine die mir was angetan haben ich habe von geld so wie so nix ich bin immer in zwiespalt in der kiste zu gehen dann hört alles auf die alpträume die schmertzen und die immer wieder kommende gedanken meiner vergangenheit was endgültig vergessen möchte und will da ich aber am leben hänge trotz der vergangenheit werde ich es nicht machen meine freunde wissen zwar das ich kinderheim war aber von meiner vergangenheit habe ich noch keinen erzählt nur mein pc habe ich es aufgeschrieben bin aber noch nicht fertig da ich immer eine pause machen muß

wir müssen doch die regierung das geld lassen die müssen doch ihre deäten erhöhen können dann bekommen die ebend 1400 euro und dazu kommen 200 bis 400 euro noch da zu die armen politiger das sind die ärmsten reiche die reichen werden immer reicher die armen immer ärmer ich glaube die da oben haben auch dreck an stecken X( X(

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