Werner hat sich seit längeren eine Decke umgewickelt, es herrschen schließlich nicht gerade hochsommerliche Temperaturen, Die zwei, also Werner und die Bärbel sind ein goldiges Ehepaar. Sie sind immer zusammen und ein Jeder paßt auf den Anderen auf. Ich denke, daß sie eine Ehe führen, um die sie fast Jeder beineiden könnte, incl. ich.
Man wird allmählich müde, der Bier- und Saftabsatz verläuft immer schleppender und bricht dann ganz zusammen. Ich denke, der Getränkelieferant hat ein lausiges Geschäft gemacht und beim
nächsten Treffen wird er sicher gerade dann seinen Betriebsausflug machen. Man häkelt und räkelt sich, steht gemächlich auf, jedenfalls diejenigen, die sitzen und ab und zu meint man, ein Knacken und Knirschen zu hören, was sicher auf etwas schwächelnde Knochensubstanz bei Einigen zurückzuführen ist. Gegen 23 Uhr tritt man feierlich den Heimweg an. Die meisten per Auto und einige unausgelastete Verwegene zu Fuß. Ich weiß nicht mehr, mit wem ich zurückgefahren bin, jedenfalls haben wir uns total verfahren, also muß es Selina gewesen sein. Allerdings regnet es in Strömen, so sei es ihr verziehen. Das Fußgängercorps ist natürlich längst vor uns angekommen. Auf irgendwelche Fragen oder Kommentare reagieren wir schweigend.
Jedenfalls schaffen wir es, ziemlich viel später im Haus Nr. 9 anzukommen. Da sind bereits schon Einige versammelt und begrüßen uns lauthals mit: Na, auch schon da? Verlaufen? Man kennt diese Sprüche und man weiß, daß einem da eine gewisse unfähige Orientierungsschwäche zur Last gelegt wird. Am besten drauf antworten, man hätte noch die Dorfkirche oder das Rotlichtviertel besichtigt. Ob das nun einer glaubt oder nicht, kann einem egal sein, es ist immerhin im Bereich des Möglichen.
Ein gar lustig Völkchen hat sich versammelt. Thorsten mit der obligatorischen Bierflasche in der Hand. Seine Gemahlin, die Chrissi hat auch eine in der Hand, liegt aber auf dem Sofa und belegt somit 4 Sitzplätze, die man sitzungsmäßig abschreiben muß. Ich sehe heute noch das Bild vor mir: Wie gesagt, in der einen Hand die Flasche, in der anderen Jana, die gehörig schwächelt aber mit noch hellwachen Äuglein, weil es könnte sich ja was tun, das sie nicht versäumen will. Könnte ja sein, daß plötzlich Jemand einen Ball hervorzaubert, (Ecke hätte das gemacht ), und den ausversehensin die ganze Gläserpracht reinschmeißt. Jw1Hal,( dieser Name! ) und fast gleichlautende Begleiterin halten sich beide gesittet zurück und halten vornehm und standesgemäß ihre Gläser in richtigem Abstand von sich und nippen ab und zu dran, sie mehr, er weniger. Aber JW gehört immerhin der Forumsführungsclique an und da muß man ein Vorbild sein. Seine Freundin gehört nicht dazu, sondern wie wir nur zum Fußtrott, da darf sie sich ruhig ein wenig gehen lassen. Selina gehört aber auch zum Führungsstab, na ja, keine Regel ohne Ausnahme.
Elke,die dem Kaffee und Säften verfallen ist, braucht natürlich am meisten Geschirr, Kaffeetrinker sind ziemlich geschirrintensiv, Biertrinker fast gar nicht und wenn man dann noch aus der Flaschetrinkt, so sind sie die eigentlichen Umweltfanatiker. Klaus, der Liebe, weiß, daß ich ab und zu gerne mal ein Glas Grappa trinke und daher hat er so ein Fläschlein mitgebracht. Der denkt wirklich an alles, allerdings hat er nicht daran gedacht, daß plötzlich diese Kumpeline auch diesem relativ unweiblichen Tropfen fröhnt. Er hätte mind. drei Flaschen besorgen müssen. Klaus fragt in gastgeberlicherManier, wer einen Grappa wolle. Fast jeder hebt die hand, Kumpeline beide Hände. Chrissi hat auch Blut geleckt und läßt Jana die Hand heben, weil ihre Hände, also die ihrer Mama, schon belegt sind, in der einen das Bier, in der anderen ihr Krötchen ( Krötchen ist bei uns ein Kosewort für ein goldiges und süßes Kind, wobei allerdings „Mistkrötchen“ nur bedingt goldig und süß ist ) Jana weiß gar nicht, warum sie die Hand heben soll, aber sie tut's, weil sie ein guterzogenes Kind ist. Weiterhin läßt Klaus verkünden, daß er noch ne Flasche Bailys mithätte. Das tut er ganz leise, hinter verhohlener Hand, wobei diese Hand so verhohlen ist, daß das Jeder mitkriegt. Chrissi, obwohl sie liegt, kreischt, au ja, davon wolle sie auch einen. Jetzt hat sie natürlich absolut keine Hand mehr frei. Bier, Bailys und Jana? Eins muß weg, das Los fällt auf's Töchterlein, das sie mit gekonnter Beinarbeit Richtung Fußzehen schiebt. Da kann sie weiterschlafen, was sie auch tut, aber immer mit einem wachsamen Äugchen. Es gibt Situationen, wo Kinder ihren Eltern nicht über'n Weg trauen. Jetzt kommen auch noch Firemoon , Seppel und Danny. Ich glaube, die haben Klausens dezentes Geflüster bzgl. des Bailys bis in ihre Hütte gehört. Diese irisch- schottischeMixtinktur kommt gut an, weil man sieht nur noch leere Gläser, sich emporhebend dahin, wo man sie wieder füllt. Man meint fast, einen gläsernen Wald zu sehen, mit funkelnden Spitzen an knöchernen Ästen. Selina tut mir leid, weil sie diesen Whiskymatsch besonders gerne trinkt. Sie darf nur ausschenken, aber sich nicht einschenken, weil sonst könnte der Nachschub ausgehen, was er aber dann auch tut. Beim nächsten Treffen bringe ich ihr, nur ihr, so ein Gebräu mit und vielleicht noch ein Fläschlein Ouzo. Das darf dann kein Anderer wissen, weil sonst muß sie das wieder nur ausschenken, aber sich nicht einschenken. ( So, habe jetzt gerade gegoogelt: Es muß ja eigentlich heißen: Aus- oder einschÄnken, weil es von Schank, Schankwirt und so kommt. Es hat nichts mit „schenken“ bzw. mit „Geschenk“ zu tun ) aber das ändere ich ich jetzt nicht mehr.
Chrissi gluckst fröhlich vor sich hin und meint: Hicks...noch einen. Kumpelie scheint dieser Traubentrester noch mehr zu schmecken, weil sie hält gleich zwei Gläser hin und erst beim Zwölften meint die, jetzt mal halblang, sie habe den Bailys noch nicht probiert. Thorsten hat ne neue Bierflasche in der Hand, macht sie auf und sagt: Aaaaah. Das erweckt den Eindruck, als wenn es sein ersten Bier aller Zeiten wäre. Er ist ja auch einer von den oberen Zehntausenden der Forumsführung. Aber Seppel, der ja nicht blöde ist, sieht das alles und wird ihm demnächst die Leviten lesen, weil er genau beobachtet hat, wie er, also Thorsten, in der Grillhütte schon zugelangt hat.Chrissi hat schon wieder Durst und Kumpeline meint, daß der Grappaaber besser als der Bailys sei, welcher allerdings schon alle ist,also der Grappa.
Danny, der für mich eigentlich immer ein symphatisches Kerlchen ist, seit ich ihn kenne, mal von seiner unmöglichen sächsischen Ausspracheabgesehen, ist immer lustig und er trinkt das, was da ist. Er ist nicht wählerisch und lacht immer, was mir so gut an ihm gefällt, weil man kann nicht auf sächsisch lachen. Lachen ist international, es verbindet.
Firemoon ist auch so ne Schluckspechtin, die zwar ihr volles Glas immerkritisch betrachtet, sich aber dann sagt, rein mit, es kann nur nochbesser kommen. Ach ja, Micky, die Ulknudel, ich weiß gar nicht mehr, was die geschlabbert hat. Aber sie ist voll drauf, da braucht's keinen Alko. Sie hat uns dermaßen zum Lachen gebracht, daß z.B. Chrissi meinte, herrlich, da muß ich noch einen trinken. Expo und Anke waren leider nicht dabei.....schade, verdammt schade.
Irgendwann gehen wir alle ins Bett, ich weiß nur noch, daß ich Sonntagmorgen in meinem Bett aufgewacht bin. Der Grillplatz muß noch aufgeräumt und gerichtet werden. Dazu haben wir uns alle, insbesondere ich, dazu verpflichtet. Nächstes Jahr verpflichte ich mich zu gar nichts mehr, noch nicht mal zum Brötchen holen. Ich kriege meinen Hintern nicht hoch und warte auf ein Wunder, eine Fee, die urplötzlich mit ihrem Zauberbesen den Platz des gestrigen nächtlichen Treibens sozusagen überwischt und alles ist getan. Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, nämlich in Gestalt eines gewissen Manfredo. Der hat doch tatsächlich ganz alleine die Grillbude aufgeräumt, hat zusammengesammelt, sortiert, gesäubert, gestapelt. Als ich oben hinkomme, gibt’s für mich und Andere so gut, wie nichts mehr zu tun, gerade jetzt, wo ich Lust dazu hätte. Ich pfeife auf die Lust und kann nur sagen: Manfredo, du bist einfach Spitze! Wenn du beim nächsten Treffen wieder dabei bist, ich würde dir gerne was mitbringen.Vielleicht ein kleiner Wunsch nur?
DerAbschied geht erstaunlicherweise recht schnell vonstatten, ein Gruppenphoto wird gemacht. Das war's. Ein wunderbares Wochenende ist vorbei, aber nicht vergessen. Es gibt Dinge im Leben, die
unvergeßlich sind. Ich möchte mich von vielen noch verabschieden, aber sie sind nicht mehr da, weg, wie ein Traum, wenn man aufwacht.
Es war ein wunderschöner Traum, ich würde gerne die Fortsetzung träumen...