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Montag, 6. Februar 2012, 03:30

Ängste, Panikattacken, Abwehrhaltungen - wo sie herkommen und wie man damit umgeht

Ergänzend zu diesem Beitrag von mir möchte ich noch weiterführend beschreiben, wie ich diese Ängste erlebe und was sie für mich für eine tiefgreifende Bedeutung bzw. Ursache haben.
Ich fand es besser, dazu ein neues Thema zu eröffnen.
Ich persönlich leide ja an so einigen Defiziten die mir das Leben im Alltag erschweren und ich wusste lange nicht woher sie kommen.
Mitbekommen dass da irgendwas mit mir nicht stimmt habe ich das bereits als ich so um 18/19 war. (bin Jahrgang 69, also knapp 43 Jahre alt)
Ich war ein paar Monate aus dem Jugendwerkhof raus und hatte - wie jeder andere in der DDR auch - eine Arbeit, und zwar im Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb, genauergenommen in deren Holzfabrik als Maschinenarbeiter und bin desöfteren Gabelstapler und Kräne aller Art gefahren.
Die Arbeitszeit begann stets 6:45 Uhr, der Betrieb befand sich ca. 15km entfernt auf einem Dorf, und es fuhr täglich um kurz nach 6 der Betriebsbus, um alle einzusammeln aus der Stadt.
Es fing an als ich das erste Mal verschlafen hatte. Ich wachte auf, sah auf den Wecker und bekam Angst, richtige Todesangst. Ich lief in der Wohnung auf und ab, ging dreimal aufs Clo bevor ich mich sammeln konnte, anziehen, und mich entschloss mit meinem Fahrrad loszufahren.
Während der Fahrt dahin hatte ich nur ein Gefühl: ANGST!
Jeder normale Mensch hätte zur damaligen Zeit gesagt, scheiss drauf, dann kommste eben zu spät. Bei mir war das anders. Das Gefühl, vom Meister angeblufft zu werden wegen des Zuspätkommens, war unsagbar schlimm.
Jeden Kilometer den ich näher an das Dorf kam, wurde die Angst grösser.
Als es dann soweit war, und ich vor ihm stand, konnte ich kaum reden. Als er damals dann sagte, ist ok, sollte nur nicht öfter vorkommen, war ich unendlich erleichtert. Wie ein zum Tode Verurteilter, bei dem kurz vorm Licht ausknispen das besondere Telefon klingelt, ein Richter anruft und Aufschub gewährt. So schlimm empfand ich das.
Als ich dann danach auch noch einige Male verschlief, holte ich mir jedesmal eine Krankmeldung, um nicht wieder in dieselbe Situation geraten zu müssen.
Während meinen Krankschreibungen war auch meinerseits keine Kontaktaufnahme zum Betrieb möglich, die Scheine schickte ich stets per Post.
Das war damals meine Vermeidungsstrategie.
Es war die Selbstverantwortung, die ich nie in der Lage war zu tragen.
Auch vor Konfliktsituationen hatte ich immer mächtig Bammel, da ich garnicht gewusst habe, wie ich sie lösen sollte. Es war mir einfach nicht gegeben.
Wäre ich damals nicht wegen meines Asthmas ausgemustert worden, bei der NVA wäre ich zugrunde gegangen, denke ich.
Das waren so die Anfangszeiten in denen ich meine Defizite langsam erkannte und versuchte, damit umzugehen.
Woher sowas kam, war mir schleierhaft. Es wäre mir seinerzeit nie in den Sinn gekommen, es als Erkrankung zu definieren.
Andere, die Situationen spielend meisterten, in denen ich total überfordert war, bezeichnete ich als Übermenschen. Ist auch heute teilweise noch so, dass ich psychisch gesunde Menschen als "nicht natürlich" ansehe.
Es gibt dazu auch ein Buch was das ganz gut auf etwas satirische Weise beschreibt.

"Irre - Wir behandeln die falschen. Unser Problem sind die Normalen"

Das Problem, dass ich zB nicht woanders pennen kann als zuhause, sei es in Krankenhäusern, Hotels, irgendwelchen Bungalows an der Ostsee oder gar in irgendwelchen Massenabsteigen wie Herbergen oder dergleichen, ist das ausgeliefert sein und der damit stattfindende Kontrollverlust meinerseits.
Ich könnte auch nicht ne Nacht mal beim Kumpel schlafen oder so, es sei denn ich bin brechevoll. Ich müsste mich ja fügen, könnte nicht ich selbst sein. ich hätte keine Kontrolle mehr, da ich ja von anderen abhängig wäre.
Das sind - so denke ich - Folgen des Aufenthalts in den verschiedenen Durchgangsheimen und im Jugendwerkhof, in dem ich insgesamt 32 Monate verbracht habe.
Man musste dort bleiben ohne Wenn und Aber. Für mich war das die Hölle, aber was war dann die nächste Stufe wenn man ein paarmal ausbüchst? Soweit hab ich es alleine aus Angst nie kommen lassen. Also war ich dem JWH faktisch ausgeliefert.
Auch schickten mich meine Eltern bzw später mein Vater ständig ins Ferienlager, wo es mir auch sehr schlecht ging.
In Trassenheide an der Ostsee sind da so einige unangenehme Dinge passiert, über die ich bis heute noch nicht reden mag.
Alles was man als Kind erlebt, prägt sich irgendwo in der Seele ein, auch wenn man wie ich 25 Jahre alles verdrängt und garnicht weiss woher die eigenen Probleme im Verhalten kommen, man vergisst sie nicht.
Genausowenig könnte ich im Kreis einer Gruppe sitzen und etwas über mich erzählen, wie das so bei den Bewerbungstrainingsmaßnahmen üblich ist, die einem das Arbeitsamt manchmal aufdrückt.
Ich würde schweissgebadet etwas dahinstammeln. Aber ich glaube, das können viele nicht.
Unter Menschen habe ich panische Angst, sie wirken bedrohlich auf mich. Das mag daran liegen, dass mir Menschen während meiner Entwicklungsphase schlimme Dinge angetan haben, anstatt mich behütet aufwachsen zu lassen. Meine Eltern haben da einen grossen Anteil dran.
Alle Krankheiten haben irgendwo ihre Ursachen, bei Lungenkrebs ist es meist das Rauchen, manchmal auch nicht, bei Angst- und Verhaltensstörungen liegen die Gründe dafür fast immer im frühen Kindesalter.
Ich habe zB einen engeren Bekannten, der kann weder Bus noch Bahn fahren noch ist er in der Lage bei jemandem ins Auto zu steigen.
Der Grund dafür ist folgender: Sein Vater hat ihn, als er gerade mal 6 Jahre alt war, im damaligen Vergnügungspark in Berlin-Plänterwald in die Achterbahn gesteckt ohne ihm zu sagen, dass das Ding auch losfährt. Er verlor als 6jähriger völlig die Kontrolle, denn er konnte das Ding ja nicht anhalten.
Er ist seitdem nie wieder irgendwo bei irgendjemand oder in irgendwas eingestiegen.
Das sollte hier auch keine Leidensgeschichte werden, denn ich habe das Leid der Welt nicht für mich alleine, es leiden ein paar Tausend Menschen alleine in Deutschland an seelischen Erkrankungen und Angstzuständen. Viele glauben die Gründe nicht zu kennen.
Wie es Erwachsenen geht, die ihre Kindheit in einem Krieg verbracht haben, will ich garnicht erst wissen.
Das sollte hier nur vielleicht hilfreich für den einen oder anderen sein, der glücklicherweise nicht an einer Angsterkrankung leidet und der vieles nicht nachvollziehen oder nachempfinden kann.
Man stelle sich eine ganz besonders schlimme Situation vor, bei der man grosse Angst und Panik erleidet. Nehmen wir mal an, man wird bei einer Safari plötzlich von einem Tier angegriffen. Jetzt stelle man sich diesen Angstzustand permanent vor, 24h am Tag, 7x die Woche. So sieht mein Tag aus.........
Wenn es an der Tür klingelt: Panik
Wenn das Telefon klingelt und es erscheint eine Nummer die ich nicht kenne: Panik
Wenn meine Kinder Scheisse bauen und es kommt jemand um sich zu beschweren: Panik
Wenn mich meine Frau zur Elternversammlung in der Schule schicken würde: Panik
Atmen kann ich eigentlich nur wenn ich für mich alleine bin.
Richtige Freunde habe ich nicht, da ich zu niemandem ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann.
Leute die mir ihre Freundschaft anbieten, versetzen mich in Angst und Schrecken. Ich bin dann in der Pflicht, ich muss Leuten etwas beweisen. So sind meine Gefühle dabei.
Und das liegt nun nicht an den Leuten sondern an mir.
Zur Möglichkeit der Therapie sei gesagt, dass ich da dran bin. Von einem Therapeuten musste ich mich leider trennen, da sein Therapieverständnis ein anderes als das meine war.
Die Wartezeiten bei guten Therapeuten sind leider übel.

usw usf

Wie gesagt ich bin nicht der einzige Mensch der schlimme Dinge erlebt hat und an solchen Defiziten leidet.
Und die Zahl der an Borderline erkrankten Rentenantragsteller wird immer grösser......
Das ist halt nur so meine eigene Erfahrung mit meiner Persönlichkeitsstörung. Nicht mehr und nicht weniger.
Wie ich damit umgehe? Nun, ich rede offen darüber. Das ist vorerst alles, was ich denke tun zu können. Fortschritte kommen allmählich beim Verarbeiten.
Also seht es bitte völlig wertfrei anderem Leid gegenüber.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »geostationär« (6. Februar 2012, 04:10)


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Stier

2

Montag, 6. Februar 2012, 04:13

Ohhh, ohh, jetzt bin ich aber geschockt. Du hast es sehr schön erklärt, so dass es nachvollziebar ist und sogar ich es in dieser Hinsicht verstehe.
Auf einer anderen Hinsicht, nämlich, dass ich mich nicht wirklich da hinein versetzen kann, verstehe ichs wiederum nicht.

Es sind gewisse Dinge, die ich auch in ganz abgeschwächter Form von mir selbst kenne, ich jedoch nur ganz selten eine Panik bekomme. Nämlich nur dann, wenn mir etwas ganz super wichtig ist. Zum Beispiel, was du erwähntest, mit dem zu spät kommen. Wäre ich solo und hätte nen Date mit ner schnuckligen Dame, würde ich wohl auch Panik bekommen, wenn ich mich zum Date verspäte, weil es nicht so läuft, wie ich wollte, weil ich vielleicht verschlafen habe, das Date nun zu platzen droht und mir das eben besonders wichtig ist und ich wohl dadurch die Chance meines Lebens verpasse, die ich nie wieder bekomme.

Aber ansonsten sind mir Verspätungen völlig gleichgültig. Ich komme sehr gerne zu spät zu Terminen, wo die Pünktlichkeit für mich nicht besonders wichtig ist, wie zum beispiel beim Zahnarzt, weil ich da eh immer, trotz Termin bis zu einer Stunde warten muss.

Was das mit den schlimmen Kindheitserlebnissen betrifft, habe ich wohl keine oder ganz schwache Probleme. Ich kann mich zum Beispiel an sehr wenig an meine Kindheit erinnern und farge mich wieso? Ich las in meiner Jugendamtakte, dass ich auch von meinen Vater wegen belanglosen Gründen stark geschlagen wurde und liebe ihn aber heute noch, weil er zur Heimzeit immer da war! Warum liebe ich ihn? Warum verstoße ich ihn nicht?

Ich wurde vor einiger Zeit im Taxi überfallen und habe jetzt keine Angst mehr! Warum ist das so? Andere würden sofort aufhören mit der Sch...e und was anderes machen oder in schwere Depressionen verfallen. Ich habe so 2-4 Wochen nach dem Überfall immer die ZV zugemacht und wenn möglich einsame Halteplätze vermieden. Ich bin immer in die Innenstadt gefahren, wo ich nicht alleine bin. So wie ich alleine war, also wenn die Kollegen alle weg waren, habe ich mich veriegelt und alles genau beobachtet. Wenn ich mich doch mal etwas ausserhalb hingestellt habe, weil da in der nächsten Stunde eine Fahrt anlag, habe ich die Karre veriegelt und mein Kopf ging wie eine Rundumleuchte, bei jedem kleinsten Geräusch um so mehr, so dass es auch oft vorkam, dass ich dann doch wieder da abgehaun bin und mich wo anders hinstellte, wo ich nicht alleine war. Nach ein paar Wochen hat sich das allerdings gelegt. Ich nehme es nun locker und veriegle nur die Türen, wenn ich alleine bin. Ich nehme es sogar schon so locker, dass ich auch in aller Ruhe die Schlafposition einnehme und unbesorgt ein Nickerchen mache. Vor dem Überfall hatte ich im Sommer sogar die Fenster oder auch die Türen offen, wenn es sehr heiß war. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt noch machen würde. Aber ich denke, mit der Zeit schon. Bin ich zu leichtsinnig? Ist das unnormal? Sollte ich vorsichtiger sein? Das würde ich wohl als übertrieben halten ...

Was ich nicht verstehe Geo, ist das mit einer Unterkunft. Wenn du ganz allein, in einer Ferienwohnung oder einem Hotelzimmer bist, dann bist du doch für dich alleine und dein eigener Herr, also nicht auf andere angewiesen. na gut, du bist auf das Hotelpersonal angewiesen, es ist eine fremde Umgebung, die du nicht kennst und eine Flucht könnte schwierig sein. Hier war auch mal ein User (Name möchte ich nicht nennen), der hatte auch mit der Flucht Probleme. Wenn er irgendwo hinkommt, müssen alle Türen offen stehen, da er sonst Panik bekommt, weil er nicht fliehen kann.

Allgemein finde ich das alles schon erstaunlich und höchstinteressant, was es so alles gibt. Das ist ernst gemeint, ohne Ironie oder abwertende Gedanken. Denn es ist ganz einfach. Wenn man nur mit der Thematik konfrontiert, es einem aber an Hand von vorstellbaren Beispielen NICHT erklärt wird, kann man es nicht mal annähernd verstehen oder zumindestens versuchen zu verstehen, weil einem das ganz einfach zu hoch ist und man sich das schlicht und einfach nicht vorstellen kann.

Von daher bedanke ich mich sehr für deinen Beitrag.

Gruß Jan
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Montag, 6. Februar 2012, 05:08

Du hast es sehr schön erklärt, so dass es nachvollziebar ist und sogar ich es in dieser Hinsicht verstehe.

Das ist ja mein Ziel, NICHT-Betroffenen, die vielleicht an so einem Thema interessiert sind, mit Beispielen mal nahezulegen wie soetwas aussehen kann.
Mir hilft das auch bei der Aufarbeitung.

Zum Beispiel, was du erwähntest, mit dem zu spät kommen. Wäre ich solo und hätte nen Date mit ner schnuckligen Dame, würde ich wohl auch Panik bekommen, wenn ich mich zum Date verspäte, weil es nicht so läuft, wie ich wollte, weil ich vielleicht verschlafen habe, das Date nun zu platzen droht und mir das eben besonders wichtig ist und ich wohl dadurch die Chance meines Lebens verpasse, die ich nie wieder bekomme.

Das ist etwas anderes. Du hast Angst die Chance deines Lebens zu verpassen. Solche Ängste sind normal und gesund. Ich würde in so eine Situation garnicht erst kommen, weil ich menschenscheu bin und mich niemals aus freien Stücken auf so ein Date einlassen würde.
Sicher habe ich auf irgendeine Art und Weise auch meine Frau kennengelernt, aber da wir beide aus zerütteten Familienverhältnissen stammten und vorm ersten Kennenlernen auch viel telefoniert hatten, war das nicht ganz so schlimm. Wir waren beide gleichwertig.
Bei mir ist es reine Erwartungsangst. Wenn du nicht weisst was die Konsequenz für dein Zuspätkommen (zum Beispiel) ist und es soweit geht, dass du es nicht mehr ertragen kannst.
Man könnte es mit realen Todesängsten vergleichen. Es ist wirklich nicht einfach zu beschreiben, und vieles kann selbst ich noch nicht in Worte fassen was da in mir passiert.
Nehmen wir mal eine aktuelle Sachlage die mich gerade betrifft: Ich bin ja zur Zeit auf Wohnungssuche. In Berlin gibt es ja zig große Wohnungsbaugesellschaften.
Schon alleine die Termine bei denen ich dort persönlich vorstellig werden muss um die Sachlage zu erklären und um eine Wohnung zu bitten, sind für mich eine teuflische Angelegenheit.
Ich will was, ich bitte um etwas. Wie kann ich nur! Und der Kloß im hals wird grösser und grösser.....
Das hat auch viel damit zu tun, dass ich früher nie etwas durfte. ich musste immer nur. Und ich erinnere mich an alles.

Ich las in meiner Jugendamtakte, dass ich auch von meinen Vater wegen belanglosen Gründen stark geschlagen wurde und liebe ihn aber heute noch, weil er zur Heimzeit immer da war! Warum liebe ich ihn? Warum verstoße ich ihn nicht?

Dafür kann es im grunde nur eine Erklärung geben. Du schützt ihn. Du bist in der Situation, in der du es nicht ertragen könntest dir einzugestehen er habe dir etwas schlimmes angetan. Das habe ich auch lange gemacht. Google mal nach Alice Miller. Sie beschreibt derartige Sachen ganz gut. Dort werden seelische Verletzungen, gerade, wenn sie von den eigenen Eltern stammen, auf professionelle Art laiengerecht erläutert und was ihre Folgen sind. Ich lese dort immerwieder mal.
Das könnte im übrigen auch erklären warum du keine Erinnerungen daran hast. Du verdrängst es.
das ist natürlich nur eine Vermutung, aber sehr naheliegend.

Was ich nicht verstehe Geo, ist das mit einer Unterkunft. Wenn du ganz allein, in einer Ferienwohnung oder einem Hotelzimmer bist, dann bist du doch für dich alleine und dein eigener Herr, also nicht auf andere angewiesen. na gut, du bist auf das Hotelpersonal angewiesen, es ist eine fremde Umgebung, die du nicht kennst und eine Flucht könnte schwierig sein.

Es ist alleine das Gefühl, sich nicht sicher zu fühlen, ausgeliefert zu sein und nicht die absolute Kontrolle zu haben. Die brauche ich, um den Tag überstehen zu können.
Das kann ich nur in meinen eigenen 4 Wänden. Ich brauche immer einen Ausweg und eine Fluchtmöglichkeit.
Schon alleine wenn eine Putzfrau ins Hotelzimmer kommen würde, ich würde das garnicht aushalten können.
Selbst, wenn fremde da sind ist das für mich der reinste Horror. Ich muss mich verstellen. Mich anders geben als sonst.
Neulich brachte zB meine Tochter eine Freundin mit nachhause, sie turnten durch die ganze Wohnung. Für mich was das sehr schlimm.
Bestimmte Verhaltensweisen, die Frau und Kinder von mir gewohnt sind musste ich sofort unterlassen, da vieles was ich mache ja auch nicht normal ist.
Dazu gehören auch eine Vielzahl von Zwängen.

Allgemein finde ich das alles schon erstaunlich und höchstinteressant, was es so alles gibt. Das ist ernst gemeint, ohne Ironie oder abwertende Gedanken.

Das würde ich dir auch niemals anlasten, ich schätze dich hier als guten Schreiberling und Querdenker!

Das mit dem Überfall ist der Hammer..... nur fällt mir dazu jetzt grad nix ein.....

So nun überkommt mich aber die Müdigkeit und ich werde ein paar Stunden schlafen :) ich war um 4 schon müde :)
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Stier

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Montag, 6. Februar 2012, 06:08

Ich danke dir auch für diese Antwort, möchte jetzt im Moment ersteinmal nicht weiter darauf eingehen und verfolge mal den weiteren Verlauf.

Ich sage nur soviel dazu, dass ich es eben teilweise ganz gut verstehe, wie das so ist, jedoch nicht verstehen kann, dass man das nicht ablegen kann. Also so wie mit meinen Überfall. Schlimmes Ereigniss => Zeit vergeht => nach und nach wird alles wieder schön. Genau das ist es, was ich nicht verstehe, wieso man da ewig dran zu knabbern hat und das einfach nicht ablegen oder eben dahingehend verarbeiten kann, dass man mit bestimmten Tricks trotzdem sein Leben so lebt wie andere es auch machen. Zum Vergleich vielleicht die Stotterer, die haben bestimmte Tricks und Techniken, die Stotterei auszutricksen ...

Danke auch für den Tipp mit Alice Miller, ich bin aber mal ganz ehrlich, möchte ich da gar nicht lesen. Ich werde mal irgendwann, vielleicht jetzt gleich noch, vielleicht nachher oder auch viel viel später oder gar nicht. Ich habe das Gefühl, dass die Schläge oder auch Mißhandlungen, wie das Jugendamt es beschreibt, was ja nicht von ungefähr, sondern ordentlich ärztlich dokumentiert ist, prozentual weniger wiegen, wie all die guten Dinge, die mich mit meinem Vater verbinden. Ich sehe es eher als Dummheit, als zu jung, zu unreif, als unfähigkeit und hilflose Überforderung, seitens meines Vaters. Obwohl die Stiefmutter meinem Gefühl nach, viel schlimmer war, wobei ich aber nun auch nicht wirklich beurteilen kann, wer von beiden mehr geschlagen/mißhandelt hat. Ich vergebe den Beiden, wie ich auch meiner leiblichen Mutter vergebe, dass sie mich bereits als Einjähriger aufgegeben hat und vor Gericht sinngemäß sagte "Ich dachte der macht sowieso nicht mehr lange!". Aber dafür mache ich vielleicht mal ein extra Thema auf ...
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Montag, 6. Februar 2012, 13:34

geostationär, ich kann Deine Ängste vollkommen nachvollziehen obwohl es bei mir nicht ganz so extrem ist, auf Grund dessen
bin ich bestimmt schon 30 Jahre nicht mehr in Urlaub gefahren.
Das Leben ist jeden Tag ein Kampf und manchmal ist man es leid so zu kämpfen, und damit meine ich nicht allein die Alltagssorgen die andere auch haben und man hat sich die Ängste ja nicht ausgesucht.
Signatur von »rehlein7« Die Zeit heilt keine Wunde,
man gewöhnt sich nur an den Schmerz!

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Montag, 6. Februar 2012, 13:50

Ängste, Panikattacken, Abwehrhaltungen.

Der Beitrag von "geostationär " und die Antworten von "W1HAL" sind für mich hoch interessant, denn ich finde in dem Beitrag, vieles wieder, was mich an mein eigenes Verhalten erinnert lässt. So z. Bsp. Alles was mit Ämtern zu tun hat oder mit der Schule, für die Kinder, konnte ich früher nicht erledigen, das musste meine Frau erledigen. In Abendschulen habe ich mich weiter gebildet und dabei natürlich auch meine Scheu vor Fremde einigermassen abgelegt, ohne zu Wissen, woher meine Ängste kamen? Ich muss dazu sagen, wir haben 1958 geheiratet, es war eine Zeit, da wurde noch nicht über das Thema - Heimerziehung und den Nachwirkungen geredet -.
Signatur von »alrosch« Die Sonne scheint für alle, für Böse und Gerechte.

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Montag, 6. Februar 2012, 20:21

Hab mir mal eben unter der Dusche Gedanken zu dem bisher geschriebenen gemacht, und möchte mal versuchen zu erklären, warum das bei manchen Menschen so extrem mit den Panikauslösern ist und bei manchen nicht.
Da ich mich ja seit einiger Zeit mit meinen Defiziten auseinandersetze und versuche Möglichkeiten zu finden sie - naja sagen wir mal vorsichtig - wenigstens zum Teil etwas lindern kann, bin ich schon zu so einigen Erkenntnissen gekommen.
Dazu muss ich etwas weiter ausholen.
Ich habe ja zB keine Probleme, mich in einen Zug zu setzen und weitere Strecken zu fahren, die Voraussetzung dafür ist dass ich möglichst alleine fahre. Zusammen mit der Familie und den nervenden Kindern ist das schon wieder eine andere Kiste.
Ich war ja letztes Jahr im Frühherbst irgendwann in der Gedenkstätte GJWH Torgau (obwohl ich selbst dort als Insasse nicht gewesen bin).
Einfach Sonntagmorgen spontan dazu entschlossen. Ich kann sowas von jetzt auf gleich.
Als ich in Torgau angekommen war, wusste ich nicht wirklich wo die Gedenkstätte ist, also nahm ich ein Taxi.
Da ich aber auch den Weg zurück zum Bahnhof nicht laufen wollte, war ich gezwungen den Taxifahrer um eine Karte zu bitten, damit ich ihn nach der Führung anrufen kann, dass er mich wieder zum Bahnhof bringt. Das war eine dermassen grosse Überwindung für mich, die Frage nach dem Kärtchen. Ich will etwas von jemandem, ich habe eine Bitte. Das geht ja mal garnicht! Ich habe nichts zu wollen. So verlief fast meine gesamte Kindheit.
Der Anruf bei dem Taxifahrer nach der Führung in der Gedenkstätte war eine noch grössere Hürde für mich. Ich habe in solchen Situationen dann immer das Gefühl, ich könnte jemanden bei irgendetwas stören.
So war das auch als ich noch klein war. Es hiess immer: Jetzt nicht! Lass mich in Ruhe! Völlige Ignoranz...... sowas beißt sich fest.
Das der Taxifahrer sich über so einen Anruf freuen könnte weil er damit Geld verdient ist mir in dem Moment völlig unbewusst und wird von mir weggedrängt.
Wenn man diese erlebten Dinge irgendwann nach ein paar Jahren in der Lage war zu verarbeiten, sei es in eigener Aufarbeitung, mittels professioneller Hilfe oder durch viele Gespräche mit Betroffenen oder Nichtbetroffenen, kann man sicher damit besser umgehen, findet Möglichkeiten die Wut und die Angst nicht mehr auf heutige Situationen und Menschen, die einem garnix getan haben, umzuleiten.
Denn genau nix anderes macht ein seelisch kranker Mensch. Er leitet alles um auf die Gegenwart.
Auch ist es wichtig, einen Weg aus den Konflikten mit seinen ehemaligen Peinigern herauszufinden und ihnen zu verzeihen.

Jan, so wie du schreibst denke ich dass das bei dir vielleicht so sein könnte, und du deswegen heute keine grösseren Probleme in deiner Lebenshaltung hast. Ich glaube dass du da gefühlsmässig keinen Boomerang mehr zu befürchten hast. Ganz sicher bin ich mir jedoch nicht.
Bei mir kam das Erinnern letztes Jahr im Sommer ganz plötzlich, und konnte plötzlich garnix mehr bewältigen.

alrosch, ich bin mir fast sicher, dass nicht alles was mich heute in Angst erstarren lässt, auf meiner Heimzeit zurückzuführen ist. Ich bin erst mit 13 ins Heim gekommen und mit 14 in den Jugendwerkhof, mit 16 gleich nochmal da ich mich nach meiner Erstentlassung "draussen" nicht anpassen konnte.
Die Sache, dass ich nicht woanders als zuhause übernachten kann, hat sicherlich damit etwas zu tun.
Nun gilt es für mich genau herauszufinden, welche Ängste woher kommen um damit vielleicht abschliessen zu können. Man verändert sich dann allmählich und von selbst.
Das ist ein jahrelanger Prozess bei den meisten.

Es gab Anfang der 90er auch eine Zeit, in der ich 5-6 Jahre mächtig viel gesoffen habe, um den Schmerz aus der Seele zu verbannen. Gelungen ist es mir damit nicht. Im Gegenteil.
Zum Alkoholiker bin ich nicht geworden, ich trinke heute mal ein Bier oder auch nicht, wie andere Menschen das vielleicht auch tun.

Im nächsten Beitrag vielleicht etwas mehr zum Thema Persönlichkeitsstörung und und Umgang innerhalb der Familie, wenn es interessiert.
Ich kann alles nur aus meiner Sichtweise schreiben. Wie andere Betroffene, die vielleicht viel schlimmere Sachen oder weniger schlimme Sachen erlebt haben, damit umgehen, weiss ich nicht.
Sicher ähnelt sich vieles.
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Skorpion

8

Montag, 6. Februar 2012, 21:00

Woher meine Ängste kommen weiß ich schon, die Platzangst rührt daher das ich viel zu oft im Heim in eine dunkle Abstellkammer eingesperrt wurde,als ich 4 Jahre alt war also bevor ich ins Heim kam wollte meine Mutter mit uns zwei jüngsten abhauen, sie enführte uns
ammüsierte sich in der Nacht und uns zwei Kinder, mein Bruder damals 2 Jahre und ich 4 Jahre alt sperrte sie die Nacht in ein abbruchreifes Haus ein wo wir mit Ratten und Mäusen spielten, morgens kam sie zerrte uns zum Bahnhof, meinem kleinen Bruder fließ schon der Kot zu den Hosen raus, und dann wollte sie mit uns nach Holland abhauen aber mein Vater passte uns ab und holte uns Heim und schickte sie zum Teufel, den Abend zuvor schlugen sie sich, wir Kinder sassen kauernd unterm Esstisch da zerschlug meine Mutter meinem Vater eine Bierflasche auf dem Kopf das er sofort ins Krankenhaus musste so ergriff sie die Gelegenheit und wollte mit uns abhauen.
Ich hasse heute das Gefühl ausgeliefert zu sein, wenn ich in einen Raum gehe der abgeschlossen wird, oder einen Zug wo die Türen zugehen und ich nicht selbst bestimmen kann wann ich die Türen wieder aufmachen will, ich hasse Halsketten, Rollkragenpullover da ich in meinem Leben all zu oft gewürgt wurde, ich vertraue keinem Menschen mehr es wird sowieso nur hinterm Rücken geredet und und ich brauch ein Umfeld wo ich mich auskenne und das mir vertraut ist, mit meiner Magersucht die ich hatte, weiß ich das es Selbstbestrafung war da ich kein liebes Kind und Jugendlicher war wollte ich mich als Teenager damit mit dem Tod bestrafen,
heute wenn ich die Teenager sehe weiß ich, dass ich auch ein normales Kind und Teenager war.
Signatur von »rehlein7« Die Zeit heilt keine Wunde,
man gewöhnt sich nur an den Schmerz!

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9

Montag, 6. Februar 2012, 22:05

das es Selbstbestrafung war da ich kein liebes Kind und Jugendlicher war wollte ich mich als Teenager damit mit dem Tod bestrafen,

Sowas nennt man auch Selbstgeißelung. Ich mache sowas auch, weitaus abgeschwächter allerdings. Ich kümmere mich nicht um mich. Tue mir nix gutes. Es ist mir egal was ich esse, also ob das gesund ist oder nicht meine ich.
Wenn ich ein gesundheitliches Problem habe, gehe ich solange nicht zum Arzt bis ich von meiner Frau hingetreten werde. Ich hatte neulich eine Gehörgangentzündung, ich habe bestimmt drei Wochen verstreichen lassen bevor ich etwas unternahm. Es war mir egal.

rehlein, deine Geschichte, auch wenn es nur ein kleiner Teil war, hat mich sehr berührt. Das ist schon hart, zu was Eltern manchmal fähig sind.
Eltern sollten nur die angagiertesten werden.
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