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Kinderheim Heilig-Kreuz in Donauwörth

Antworten im Thema: 9 » Der letzte Beitrag (28. April 2018, 04:44) ist von Martin MITCHELL.

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1

Dienstag, 22. Juni 2010, 20:18

Kinderheim Heilig-Kreuz in Donauwörth

:pump: Hallo, ich war im Kinderheim Heilig-Kreuz in Donauwörth von 1965-1975. Suche auf diesem Weg andere Weggefährten während dieser Zeit. Wäre schön, jemanden wiederzufinden.

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Mittwoch, 12. Oktober 2011, 14:18

Dazugehöriger Artikel im hpd-Newsletter

Deutschland Deine Kinder: http://hpd.de/node/11974

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »JW1HAL« (12. Oktober 2011, 19:11)
Grund: Link korrigiert


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JW1HAL (12.10.2011), heathergolgo (12.07.2012), WernerR (12.07.2012), Martin MITCHELL (25.04.2018)

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3

Donnerstag, 12. Juli 2012, 08:12

Liebe Marsha,

Deinen Artikel habe ich gelesen. Danke! Vieles erinnert mich an meine eigene Heimzeit. Fällt mir schwer darauf zu antworten, habe absolut feuchte Hände beim lesen bekommen.
Ja, es war Unrecht!!!!!!!!

Gruß Manuela

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4

Donnerstag, 12. Juli 2012, 08:26

Danke

Liebe Manuela :D Danke für dein Feedback ! Das erste "externe" Feedback zu meinem Artikel! Wow! Bin gleich ganz stolz! DANKE! :thumbup: :thumbsup:

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heathergolgo (12.07.2012), JW1HAL (12.07.2012), WernerR (12.07.2012), Martin MITCHELL (25.04.2018)

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Stier

5

Donnerstag, 12. Juli 2012, 15:03

Hallo Marsha,

ich habe mir jetzt auch mal den Artikel, der ja doch wohl über 4 Seiten geht, vollständig durchgelesen und bin erschüttert, was du da so durchmachen mustest.

Vielleicht melden sich ja doch noch ein paar mehr dazu.


Gruß jw1hal
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WernerR (12.07.2012), heathergolgo (13.07.2012), Martin MITCHELL (25.04.2018)

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Löwe

6

Mittwoch, 25. April 2018, 12:13

Kinderheim Heilig-Kreuz in Donauwörth

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Donauwörth, Kinderheim Heilig-Kreuz in Räumen des gleichnamigen Klosters

Dieses katholische Heim existierte dort auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1977.

Donauwörth ist eine Große Kreisstadt im schwäbischen Landkreis Donau-Ries und der Sitz des Landratsamts.
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben



Meinerseits schon mal vorsorglich beschlagwortet mit TAGS/LABELS: Judith Zacher, Bayerischer Rundfung, Bayerischen Rundfunk, Donauwörth, Kinderheim Donauwörth, sexuellen Missbrauch, Kinderheim Heilig Kreuz, Heilig-Kreuz, Misshandlungen, schweren Misshandlungen, Misshandlungen im Kinderheim, Donauwörther Kinderheim, Kinderheim kennt kaum jemand, Heim geschlossen, 1977, geschlossen 1977, 1977 geschlossen, Gewalt, perfides System, brutales System, körperlicher Gewalt, seelischer Gewalt, sexueller Gewalt, Gewalt dort geherrscht, Heimkinder, ehemalige Heimkinder, Runden Tisch, Missbrauch durch einen Priester, Priester, Augsburger Bischof Zdarsa, Bischof Zdarsa, Aufklärung, Arbeitsgruppe zur Aufklärung, ehemaliges Heimkind, Stefan Schmid, Privatministrant, Priester Max Auer, Messe dienen, sexuellen Übergriffen, befriedigen, Priester vergewaltigte ihn, das gehöre zur Kirche, gottgewollt, Missbrauchsbeauftragte, Bistum, Max Auer, Haushalterin, Cornelia Heiderich, Mädchen unsittlich berührt, brutalen Methoden, weltlichen Erzieherinnen, trinken gab es nur wenig, bekam kein Frühstück, auf Holzscheiten knien, Schläge, nachts geredet, ins Bett gemacht, Runder Tisch, Aufklärung vorantreiben, schrecklichen Erlebnisse, Peter Kosak, Pädagogische Stiftung Cassianeum, Heilig-Kreuz-Str. 19, 86609 Donauwörth, Stiftungsvorstand Peter Kosak, schwer betroffen, nehme die Vorwürfe sehr Ernst, Stiftung und das Bistum, Geschichte des Kinderheims, vollumfassend aufgeklärt, schweren Missbrauch, Bistum Augsburg, Bischof von Augsburg, umfassenden Bericht, breiten Öffentlichkeit zugänglich, ein dunkles Kapitel, Geschichte Donauwörths, endlich jeder wissen, was dort passiert ist, Marsha ehemaliges Heimkind, Susanne ehemaliges Heimkind, Schwestern, Missbrauchsopfer, psychische Gewalt, phyische Gewalt, zwei Schwestern, BR-Reporterin Judith Zacher, Kirchturm von Heilig Kreuz, ehemaligen Klosters Heilig Kreuz, furchtbare Dinge, Heim beim Kirchturm, Heilig-Kreuz-Kirche, Erziehungsmethoden, im Heim, den 1960er Jahren, den 1970er Jahren, üblichen Ohrfeigen, bei weitem überstiegen, Prügel mit dem Stock, Beichte, Heimleiter, Monsignore Max Auer, nächtelangem Knien, gezwungen, ins Bett nässte, durfte zwei Tage lang, nichts trinken, Marsha und Susanne, kamen 1965 ins Kinderheim, jahrelange Gewalt, Gewalt in dem Kinderheim, Donauwörther Heimkinder, haben sich gemeldet. Die Pädagogische Stiftung Cassianeum, die das Heim geleitet hatte, reagierte bestürzt und kündigte an, nach über 40 Jahren, Vergangenheit, große Fehler gemacht, Vorwürfe öffentlich, dokumentiert, einsehbar im Internet, Entschädigung, Entschädigung vom Bistum, wir sind erschüttert, Denkmal des Heimbegründers, Kinderheim-Gründer, fortschrittlicher Pädagoge, Ludwig Auer, Ludwig Auers Erziehungslehre, Erziehungsheim, Max Auer geleiteten, sadistische Enkel,
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Tigress (25.04.2018), Angi90 (29.04.2018)

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Löwe

7

Mittwoch, 25. April 2018, 12:19

Donauwörth, Kinderheim Heilig-Kreuz in Räumen des gleichnamigen Klosters

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Kinderheim Donauwörth

Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im ehemaligen Kinderheim Heilig Kreuz

QUELLE: BR.de - Bayerischer Rundfunk @ https://www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/kinderheim-donauwoerth-sexueller-missbrauch-100.html

Zitat

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Kinderheim Donauwörth

Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im ehemaligen Kinderheim Heilig Kreuz

Im Februar hat der BR von schweren Misshandlungen im ehemaligen Donauwörther Kinderheim Heilig Kreuz berichtet. 1977 wurde das Heim geschlossen. Nach und nach kommt ans Tageslicht, welch perfides, brutales System von körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt dort geherrscht hat. Nun trafen sich ehemalige Heimkinder zu einem Runden Tisch. Dabei geht es auch um sexuellen Missbrauch durch einen Priester. Der Augsburger Bischof Zdarsa selbst eine Arbeitsgruppe zur Aufklärung ins Leben gerufen.

Von: Judith Zacher

Stand: 25.04.2018 | Bildnachweis


Stefan Schmid musste als Privatministrant von Priester Max Auer täglich bei der Messe dienen. Davor oder danach kam es zu sexuellen Übergriffen. Schmid musste ihn befriedigen, oder aber der Priester vergewaltigte ihn. Erst als er im Bayerischen Rundfunk im Februar die Berichte über die Misshandlungen [ 1. ] im ehemaligen Donauwörther Kinderheim Heilig Kreuz hörte, wagte er es, sich an die Missbrauchsbeauftragte des Bistums zu wenden – so kam er zum Runden Tisch am Dienstagnachmittag.

"Mit wem hätte ich reden sollen, der Max Auer hat mir das so verkauft, dass das dazugehört, das gehöre zur Kirche und sei gottgewollt. Und es war ja niemand da, dem man sich hätte anvertrauen können. Was hätte man machen sollen? An wen hätte man sich wenden können, es war ja niemand da!"
Stefan Schmid, ehemaliges Heimkind

Vor sexuellen Übergriffen waren offenbar auch Frauen nicht gefeit, berichtet Cornelia Heiderich. Wenn die Haushälterin nicht da war, dann habe der Priester sie als kleines Mädchen unsittlich berührt, in seinem Privathaus. Andere berichten von den brutalen Methoden der weltlichen Erzieherinnen: Zu trinken gab es nur wenig, aus dem Wasserhahn zu trinken aber sei verboten gewesen. Wer erwischt wurde, bekam kein Frühstück, musste stundenlang auf Bügeln oder Holzscheiten an der Wand knien. Deshalb habe man aus der Kloschüssel getrunken. Nur das sei heimlich möglich gewesen. Schläge habe es auch gegeben, wenn man nachts geredet oder ins Bett gemacht hätte.

Runder Tisch soll Aufklärung vorantreiben

Die schrecklichen Erlebnisse, von denen die ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch berichten [ 2. ], machen auch Stiftungsvorstand Peter Kosak schwer betroffen. Er nehme die Vorwürfe sehr ernst. Die Stiftung und das Bistum wolle, dass die Geschichte des Kinderheims vollumfassend aufgeklärt werde. Weil es jetzt auch um schweren Missbrauch durch einen Priester geht, sei die Thematik auch an höchster Stelle im Bistum Augsburg angelangt.

"Wir haben es jetzt mit sexuellen Missbrauchs eines Priesters zu tun. Deswegen hat sich der Bischof von Augsburg entschieden, die Aufarbeitung direkt mit einer Arbeitsgruppe von ihm aus zu beauftragen."
Peter Kosak, Stiftungsvorstand Pädagogische Stiftung Cassianeum

Der Runde Tisch sei hier erst der Anfang gewesen. Ziel des Ganzen ist es, einen umfassenden Bericht zu verfassen, der dann auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Das Kinderheim Heilig Kreuz ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte Donauwörths. Aber zumindest soll endlich jeder wissen, was dort passiert ist. Genau das war der Wunsch der beiden Schwestern, die durch ihre Offenheit eine Aufarbeitung und Berichterstattung erst möglich gemacht haben.

"Es hat sich gelohnt. Aber für mich war es ein langer Kampf, alle die dazu gekommen sind, hatten es einfacher. Aber bis dahin war es schon anstrengend. Ich bin fast ein bisschen erschöpft, muss ich sagen, aber – auch glücklich."
Marsha, ehemaliges Heimkind
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[ 1. https://www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/missbrauchsopfer-aus-donauwoerth-kehren-wieder-zurueck-100.html ]
[ 2. https://www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/misshandlungen-im-kinderheim-in-donauwoerth-100.html ]
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mortadella12 (25.04.2018), Tigress (25.04.2018), Angi90 (29.04.2018)

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Löwe

8

Donnerstag, 26. April 2018, 01:56

Donauwörth, Kinderheim Heilig-Kreuz in Räumen des gleichnamigen Klosters

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VOR SECHSEINHALB JAHREN SCHON WURDE DIESBEZÜGLICH SEHR DETAILIERT BERICHTET:

Kinderheim Heilig Kreuz unter dem Deckmäntelchen der christlichen Nächstenliebe“ – „misshandelt - diesmal im Namen der christlichen Nächstenliebe

QUELLE: hpd - Humanistischer Pressedienst @ https://hpd.de/node/11974?nopaging=1

Zitat

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[ FOTO: Marsha im Kommunationskleid ]

Deutschland Deine Kinder

19. September 2011

FREIBURG/BERLIN. (hpd) Denn sie wussten, was sie tun. Das Kinderheim "Heilig Kreuz" - ein dunkles Kapitel der Pädagogischen Stiftung Cassianeum in Donauwörth. Marsha ist eine 51jährige, lebhafte, selbstbewusste und fröhliche Frau. Nie würde man beim ersten Eindruck vermuten, dass sie unter so schweren Depressionen, Ängsten und körperlichen Beeinträchtigungen leidet, dass sie keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen kann.

Der Grund hierfür führt zurück in ihre Kindheit und Jugend, die sie größtenteils in einem katholischen Kinderheim verbracht und erlebte, wovor man sie schützen wollte. Die traumatische Zeit in dem Heim prägt auch heute noch ihr Leben. Wer übernimmt Verantwortung? Auf Nachfragen folgen Schweigen oder viele Worte, Bedauern und Gebete.

[ FOTO des berüchtigten Heims von damals ]

Marshas „Heimkarriere“ begann 1965. Wegen „sozialer Missstände“ wurde das damals fünfjährige Mädchen nach Donauwörth in das katholische Kinderheim Heilig Kreuz gebracht. Es galt, sie und ihre Geschwister vor weiteren Gefahren für Leib und Seele in den Schutz staatlicher Obhut zu geben. Das Kinderheim Heilig Kreuz sollte der geeignete Raum sein, so war der Entscheid des Jugendamtes. Heilig Kreuz gehört zur Pädagogischen Stiftung Cassianeum. Für eine Stiftung nach dem öffentlichen Recht gibt es eine zuständige Aufsichtsbehörde. Das war und ist auch heute noch das Bischöfliche Ordinariat Augsburg. Begründer der Stiftung war Ludwig Auer, ein katholischer Volkspädagoge. 1916 eröffnete unter seiner Leitung die Pädagogische Stiftung Cassianeum, ein "Erziehungsheim". Diese Tradition wird heute in Form des Tageskindergartens weitergeführt. Das Heim selbst wurde 1977 aufgelöst. Es stand zu diesem Zeitpunkt unter der Leitung des Direktors und Monsignore Max Auer, dem Enkel des Begründers.

Kommen wir zu Marsha: Damals, so erzählt sie, hat kein Außenstehender etwas von dem, was im Heim geschah, bemerkt oder wissen wollen. Die Kinder wurden vom Katholischen Pfarrer und Monsignore Max Auer und einigen der Erzieherinnen, ganz besonders der Heimleiterin „Tante V“, körperlich und seelisch misshandelt. Das geschah für die Außenstehenden unbemerkt, denn Herr Max Auer war ein angesehener Mann in Donauwörth, der Auer Verlag war damals einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Möglicherweise wollte auch niemand etwas „bemerken“, obwohl die Kinder wegen der sichtbaren Striemen an den Beinen vom Sportunterricht befreit waren oder auch im Sommer Strumpfhosen oder lange Unterhosen tragen mussten.

In den Jahren, in denen Marsha dort ‚zuhause‘ war, fanden in der Pädagogischen Stiftung Cassianeum Donauwörth religionspädagogische Fachtagungen statt. Das dunkle Kapitel der Pädagogischen Stiftung hat offensichtlich bis heute die Öffentlichkeit nicht erreicht. Marsha wollte die Öffentlichkeit erreichen und nahm 2010 mit einem Redakteur der Donauwörther Zeitung Kontakt auf. Sie wollte über die damaligen Zustände und Drangsalierungen im Kinderheim Heilig Kreuz berichten. Es war niemand – auch nicht das Bistum Augsburg – an einer Veröffentlichung interessiert und das finden wir erstaunlich. Auch auf der stiftungseigenen Homepage ist kein Wort von Ereignissen zu lesen, die bekannt geworden wären und in die Nähe der Landschaft Heimerziehung in den frühen Jahren der jungen Bundesrepublik Deutschland oder sexuelle Gewalt an Kindern führt. [ Siehe @
http://www.paedagogische-stiftung-cassianeum.de/ ]

Zur Verantwortung: Bischof in Augsburg wurde 1963 Josef Stimpfle und er blieb es bis zu seinem altersbedingten Rücktritt 1992. In seiner Funktion als Aufsichtsperson über die Stiftung besuchte er die Stiftung und das Kinderheim in regelmäßigen Abständen. Hierfür wurden die Räumlichkeiten und die Kinder „auf Hochglanz“ gebracht, um das schöne Bild zu wahren, so berichtet Marsha.

Sie will erzählen, was ihr im Kinderheim Heilig Kreuz unter dem Deckmäntelchen der christlichen Nächstenliebe angetan wurde und dort ihr Leben wie das vieler Betroffener nachhaltig beeinflusst hat. Hier beginnt ihr Bericht:

Du hast erzählt, Du siehst dich manchmal mit dem Argument konfrontiert: „Das war eben früher so, Schläge gab es zu dieser Zeit doch überall!“ Worin liegt der Hauptunterschied zu der Gewalt, die es auch häufig in Familien gab und dem, was Du erlebt hast?

Kinder wurden damals aufgrund von Missständen in der Familie oder der „Gefahr der Verwahrlosung“ durch die staatliche Fürsorge aus dem familiären Umfeld herausgenommen. Die Kinder sollten vor weiteren „Schädigungen“ geschützt werden. Und genau dieser Schutz wurde uns nicht gewährt! Stattdessen wurden wir, die Schwächsten der Gesellschaft misshandelt - diesmal im Namen der christlichen Nächstenliebe. Durch die „Staatliche Fürsorge“ wurden wir auf vielfältige Art erneut traumatisiert und für unser weiteres Leben schwer beschädigt. Das war ein ganz klarer Verstoß gegen die Menschenrechte und die Menschenwürde.

Im Gegensatz zur Familie gab es für uns Heimkinder keinerlei Rückzugsmöglichkeit, keinen Ort, keinen Menschen, an den wir uns vertrauensvoll hätten wenden können. Wir waren den Launen des Direktors und einigen seiner Erfüllungsgehilfinnen, besonders der Heimleiterin ausgeliefert. Ständige und willkürliche Kollektivstrafen waren üblich.

Gewalt gab es mehr, als man bei vollem Verstand ertragen kann. Ich bin davon überzeugt, dass dies für meine seit vielen Jahren anhaltende chronische Schmerzerkrankung Ursache ist. Ständig die körperliche Anspannung, die Angst, grundlos eine Ohrfeige, einen Schlag auf den Rücken, eine Kopfnuss oder Tritte von Erzieherinnen und anderen Kindern zu bekommen, macht einen fertig. Man ist nur noch in Habachtstellung, man gewöhnt sich eine anhaltende körperliche Anspannung an vor dem, was sich plötzlich, unerwartet und willkürlich aus dem Hinterhalt auf dem Kopf, dem Rücken, dem Gesäß entlädt. Es war sehr beängstigend, bedrohlich. Man wusste nicht, wer Freund oder Feind war. Schon als Kind litt ich häufig unter unerklärlichen Kopf- und Bauchschmerzen.

Vermutlich kommen Äußerungen der Verharmlosung und erneuten Diskriminierung der Heimkinder von jenen, die auch damals davon nichts wissen wollten oder/und uns Heimkinder schon immer als „Randerscheinung“ betrachteten, als Menschen zweiter Klasse. Für viele sind wir auch heute noch minderwertig. Der Neid auf die Zuwendung und möglicherweise finanzielle Entschädigungen, die uns zuteil kommen könnten, spielt meiner Meinung nach eine ganz erhebliche Rolle.

Erinnerst Du Dich an einzelne Gewalttaten durch Erzieher/Innen, was konkret hast du erlebt?

Erst einmal möchte ich betonen, dass nicht alle Erzieherinnen gewalttätig waren. Aber, im Bett galt Redeverbot, der nächtliche Toilettengang war verboten. Uns Kleinen, also den Zwei bis Sechsjährigen, drohte man mit dem Schwarzen Mann und dem Bösen Wolf, der unter dem Bett auf uns lauert und uns holen würde, sobald wir das Bett verließen. Bettnässen war die Folge. Bettnässen wiederum wurde mit Trinkverbot über einen Tag sowie Schlägen bestraft.

„Bettschwätzer“ mussten zur Strafe nachts einige Stunden mit erhobenen Armen auf einem Holzkleiderbügel knien. Wer währenddessen „schwächelte“, wurde an den Haaren hochgezogen, bekam eine heftige „Watsch‘n“ von hinten, die oft heftige Ohrenschmerzen verursachte. Oder die Strafaktion endete mit einem Schlag auf den Hinterkopf, durch diesen schlug der Kopf an den Schrank oder an die Wand.

Die Beichte nahm uns der Direktor Max Auer persönlich ab. Das war Pflicht. Er war Priester. Das 6. Gebot für uns Kinder lautete: „Du darfst nicht Unkeuschheit treiben“ Herr Auer fragte im Beichtstuhl: „Hat jemand sein Didi in dein Pipi gesteckt?“ „Hast Du Dein Pfuili berührt?“ „Hat jemand Dein Pipi angefasst?“ Das war sein Lieblingsgebot.

Wer nichts zu beichten hatte, dem wurden Sünden eingeredet. „Lüg nicht!“ zischte er im Beichtstuhl. Oft folgte die Buße direkt nach der Beichte im Wohnhaus des Direktors: sechs Stockschläge mit dem Rohrstock auf das nackte Gesäß. Es kam auch vor, dass Kinder den Stock selbst suchen und mitbringen mussten. „Einen, der ordentlich pfeift“, sagte der Direktor.

Die Folge der Schläge waren Striemen. Manchmal bluteten sie auch. Das war sehr schmerzhaft. Das Muster der Strumpfhose, die Bettwäsche, das Nachthemd bereitete Schmerzen an den Beinen. Man konnte nicht richtig sitzen, das Liegen nachts im Bett war schmerzhaft. Eigentlich war man immer damit beschäftigt, eine Position zu finden, die den Schmerz vermeiden half. Ich konnte meinen eigenen Körper manchmal nicht mehr ertragen. Manchmal fühle ich heute noch diese Schmerzen bis hinunter zur Kniekehle.

Kinder, die Trinkverbot hatten, versuchten heimlich Wasser zu trinken. Alfons wurde erwischt, die Erzieherin schlug ihm von hinten mit der Hand auf seinen Hinterkopf, während er vom Wasserhahn trank. Alfons blutete aus dem Mund, ein Schneidezahn wackelte nach dem Schlag. Ein Mädchen trank aus Verzweiflung vor Durst nachts aus der Kloschüssel. Hier war der Ort, an dem sie sich sicher fühlte. Doch auch sie wurde erwischt und bekam Prügel.

Die Zwei- bis Sechsjährigen mussten mittags „Kopfauflegen“. Mittagsschlaf im Sitzen. Einmal habe ich es gewagt, den Kopf zu heben. Mein Kopf wurde zur Strafe an den Haaren hochgerissen und mit einem heftigen Schlag auf den Tisch geknallt. Oft wurden ehemalige Heimkinder geholt, um auf uns aufzupassen.

Der Spaziergang der „Kleinen“ fand im Gänsemarsch statt. Wir hielten uns alle an einem Seil fest. Wer aus der Reihe tanzte, bekam von der Nonne mit der Kordel, die an der Kutte befestigt war, einen Schlag auf die Beine. Im Winter, wenn die Haut kalt war, schmerzte es ganz besonders schlimm.

Essensverweigerer bekamen „Tatzen“ mit dem Kochlöffel auf den Handrücken, auf den Kopf oder den Mund, um das Zuführen von oft fettem, ungenießbarem Fleisch voranzutreiben. Das Fleisch war oft so fettig, dass es lange am Gaumen klebte.

Wer sich übergeben musste, durfte das eigene Erbrochene wieder zu sich nehmen. Ja, Erbrochenes musste wieder gegessen werden. Ich erinnere mich daran, dass ich einmal nachts viele Stunden vor meinem kalten stinkenden Erbrochenen saß. Ich weiß heute nicht mehr, ob ich es gegessen habe.

[ FOTO: Marsha mit ihrem Bruder ]

Ich erlebte viele Gewalttaten nicht nur am eigenen Leib sondern mit an anderen Kindern. Mein damals dreijähriger Bruder Eugen wurde von zwei älteren Heimkindern festgehalten, während ein Dritter meinem kleinen Bruder mit der Faust ins Gesicht schlug – und das nicht nur einmal und auch im Beisein des Direktors Max Auer. Mein Bruder rief nach mir um Hilfe. Ich war damals sechs Jahre alt. Das war eines der schlimmsten Erlebnisse für mich während meiner Heimzeit. Ich konnte meinem kleinen Bruder nicht helfen, ich hatte auch schreckliche Angst. 1980 verunglückte mein Bruder tödlich.

Habt ihr Erwachsenen davon erzählt?

Das hätten wir uns nicht getraut! Man wusste nicht, wer Freund ist oder Feind. Herr Max Auer hatte gute Kontakte zu Lehrern in der städtischen Schule, die wir besuchten. Mit 15 Jahren, nach der Umsiedlung in ein geschlossenes Heim, weit weg von meinen Geschwistern, wollte ich den Direktor wegen der Misshandlungen anzeigen. Man riet mir, die Sache „auf sich beruhen“ zu lassen.

Wurde Dir sexuell Gewalt angetan?

Ja. Mit fünf und elf Jahren. Beide waren ebenfalls Heimkinder. Der erste wurde nachts auf frischer Tat ertappt und durfte das Heim auch nach seiner Entlassung weiterhin besuchen. Vor kurzem habe ich erfahren, dass er während seiner Besuche wiederholt nicht nur an mir sondern auch an anderen Kindern sexuelle Gewalt ausgeübt hat.

Sexuelle Übergriffe gab es häufig. Es waren schlimme Erlebnisse, die ich größtenteils verdrängte. Aber, ich war damit nicht allein. Wir waren viele und doch war jeder allein. Niemand von uns hätte sich getraut, anderen davon zu erzählen, denn wir wussten ja, dass es „Sünde“ war, für die wir dann vom Direktor mit Stockschlägen und anderen Strafen belegt würden.

[ FOTO: Marsha mit Bruder und anderem Heimkind ]

Musstet ihr Kinder im Heim Arbeit verrichten?

Ja, wir Heimkinder ersetzten überwiegend Reinigungspersonal und Küchenhilfen. Während wir unseren Küchendienst verrichteten, genossen die „Angestellten“ im Angestelltenzimmer nebenan leckeres Essen. Für die Erzieherinnen wurde separat gekocht. Die Angestellten hatten grundsätzlich andere Mahlzeiten als wir Kinder. Unsere Pflicht zur Arbeit ging weit über das hinaus, was an Mithilfe im Haushalt üblich war. Waren Fußböden nicht nach den Vorstellungen der Erzieherin geputzt, wurde das Schmutzwasser wieder ausgeleert, man musste von vorn beginnen.

Für die ortsansässige Molkerei pflückten wir Kinder Eimerweise Johannisbeeren zur Joghurt-Herstellung. Für das Beerenpflücken haben wir einmal von der Molkerei Joghurt bekommen, den wir in der Heimküche abgeben mussten. Heimkinder wurden auch in der Druckerei zum Einlegen von Broschüren in die Zeitschrift „Monika“ eingesetzt. Entgelt für Dienstleistungen mussten beim Direktor abgegeben werden.

Gab es untereinander auch Gewalt?

Gewalt untereinander war im Beisein und mit dem Wissen der Erzieherinnen und des Direktors geduldet und beinahe an der Tagesordnung. Kinder schlugen sich die Köpfe gegenseitig auf den harten Steinboden im Waschraum, Fäuste landeten in Gesichtern, es wurde gebissen, getreten, bis zur Ohnmacht auf den Brustkorb gedrückt usw.

Unter den Augen anderer Heimkinder wurde ich im Waschraum brutal zusammengeschlagen, bis ich aus Mund und Nase blutete. Niemand half mir. Entlassene Mädchen und Buben wurden oft zur Aufsicht über die Kleinen angestellt, so wurde selbst erlebte Gewalt wieder nach unten weitergegeben. Es gab keinen Schutz durch die Erzieherinnen. Wir Kleinen waren den älteren Heimkindern schutzlos ausgeliefert. Ich war eher schüchtern und zurückhaltend und häufig beliebtes Opfer. Die Gewalt untereinander war vermutlich eine geduldete Erziehungsmaßnahme, um dem Personalmangel entgegenzusteuern.

Es gab auch sexuelle Kontakte zwischen Heimkindern und Erzieherinnen. Ein „Paar“ wurde ertappt. Die Folge war, dass der Junge blutig geprügelt wurde und in ein geschlossenes Heim eingewiesen wurde.

Hattest Du dennoch auch Freunde im Heim?

Im Kinderheim und in der Schule hatte ich lange Zeit keine Freunde. Ich war Außenseiterin, fühlte mich nie dazugehörig sondern eher aussätzig, hässlich und nicht liebenswert. Ich wurde nicht in „Banden“ aufgenommen. Ich fühlte mich immer einsam und verlassen. Manchmal habe ich vor Scham und Angst, wegen meinem krausen Haar ausgelacht zu werden, die Schule geschwänzt. Nur zu meinem großen Bruder, er ist 5 Jahre älter als ich, hatte ich ein sehr gutes Verhältnis. Auch nach seiner Entlassung, ich war 10 Jahre alt, hat er sich immer sehr liebevoll um mich gekümmert. Er war immer für mich da.

[ FOTO: Weinachten 1966 ]

Gab es trotz allem auch Erwachsene, denen du vertrauen konntest?

Im Jahr 1973 nahm mich manchmal eine Lehrerin am Wochenende mit nach Hause, nach München. Das war schön. Von den Missständen im Heim habe ich auch ihr nichts erzählt. Es hätte mir sowieso niemand geglaubt.

1977, zwei Jahre nach der Umsiedlung in ein anderes Heim, hatte ich ein vertrauensvolles Verhältnis zu einer Ärztin. Kurz bevor ich nach Freiburg kam, nahm sie sich das Leben. Das war sehr schlimm für mich. Wieder einmal hatte ich eine Bezugsperson verloren.

Haben die zuständigen Behörden bzw. hat das Jugendamt nichts von den Missständen im Heim bemerkt oder etwas dagegen getan?

Zuständig war der Landeswohlfahrtsverband Stuttgart. Ich kann mich an keine Besuche oder Kontrollen durch Behörden erinnern. Eine Ehemalige erinnert sich, dass sie weggesperrt wurde, als ein Besuch des Jugendamts geplant war. Von einer anderen Ehemaligen erfuhr ich kürzlich, dass wir einen Hungerstreik planten, um beim Besuch des Jugendamtes auf die Missstände aufmerksam zu machen. Der Direktor sagte diesen Besuch kurzfristig ab. Das Jugendamt erhielt jährlich einen Entwicklungsbericht von jedem von uns.

Eines beschäftigt mich doch sehr: Obwohl bei uns zuhause weiterhin nichts in Ordnung war, genehmigte das Jugendamt Ferienaufenthalte zuhause. Hier erlebte ich wieder Missbrauch und Gewalt durch meinen Stiefvater. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es nach Ferienaufenthalten irgendwelche Gespräche gab, bzw. ich nehme an, dass das Jugendamt die Verhältnisse meiner Eltern zuhause nicht überprüft hat. Hier haben die Behörden die Aufsichtspflicht verletzt und total versagt.

Die Behörden bzw. Jugendämter sind ebenfalls für das, was geschehen ist, und wie es mir und anderen heute geht, verantwortlich. Heute bin ich selbst für mich verantwortlich. Ich hatte es verdammt schwer! Nach jahrelangen Kämpfen kann ich heute einfach nicht mehr.

Was ist mit deinen Eltern? Hast du Kontakt zu ihnen und haben sie sich jemals dazu geäußert, dass sie sich nicht um euch kümmern konnten?

Der Kontakt zu meinen Eltern war immer da wenn auch mit Unterbrechungen. Mein Stiefvater starb 1973 an Leberzirrhose. Das war eine enorme Entlastung für mich.

Mit meiner Mutter habe ich mich seit meinem 15. Lebensjahr heftig auseinandergesetzt, habe nie ein Blatt vor den Mund genommen. Klar hat meine Mutter uns Vieles erzählt, wieso, weshalb warum. Doch es gibt immer noch Fragezeichen. Ich möchte nicht mehr darüber erzählen. Ich habe heute zu meiner Mutter ein gutes Verhältnis – mal mehr, mal weniger.

Du hast das Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth 1975 verlassen. Hast du früher als jetzt daran gedacht, dich zu deinen Erlebnissen zu äußern?

Ja, gleich nach der Umsiedlung in das geschlossenes Heim nach Waldkirch wollte ich den Direktor des Kinderheims, Herrn Monsignore Max Auer, wegen der Misshandlungen anzeigen. Mir wurde abgeraten, zumal niemand der anderen Betroffenen mehr „von dem Dreck“ etwas wissen wollte. In den Folgejahren habe ich Ärzten und Therapeuten von diesen Missständen erzählt. Hilfe hat mir niemand angeboten. Keiner hat es für notwendig gehalten, mich über das Opferentschädigungsgesetz aufzuklären bzw. mich bei einer Anzeige zu unterstützen. Es gibt Aktenvermerke über meine Äußerungen zu den Misshandlungen im Kinderheim. Konsequenzen hatte dies für die Täter nicht. Wenn mich nur ein Erwachsener ernst genommen hätte, wären diese Straftaten nicht verjährt gewesen...

Bist Du im Besitz Deiner Heim- und Jugendamts-Akten?
Möchtest Du darüber erzählen, wie Du sie bekommen hast?

Im Februar 2011 habe ich beim damals für uns zuständigen Jugendamt in Schwäbisch Hall angerufen und nachgefragt. Erst hieß es "Nichts mehr da". Einer Mitarbeiterin hat diese Anfrage keine Ruhe gelassen, so hat sie im Archiv wiederholt gestöbert und tatsächlich, nach 45 Jahren die Familienakte gefunden! Für mich war von großem Interesse, weshalb wir ins Heim kamen, wie war der Ablauf durch das Jugendamt usw. Ich Habe vieles bisher unbekannte über meine Familie erfahren. Es war z.T. ein Schock, aber auch sehr hilfreich und notwendig zur Bewältigung der Geschichte aus meiner Herkunftsfamilie.

Außer Arztberichten aus Klinikaufenthalten habe ich keine weiteren Akten. Aus der Zeit im Kinderheim selbst habe ich drei Entwicklungsberichte. So habe ich erfahren, dass ich in der 3. Klasse eine der besten der Klasse war! Ich war 9 Jahre alt und in der 3. Klasse als es einen Einbruch durch ein sehr traumatisiserendes Erlebnis für mich gab, über das ich noch nie gesprochen habe und es auch in Zukunft nicht sprechen werde.

Mein starker Eigenwille wird betont, der nicht nur mir sondern auch meinen Geschwistern zu schaffen macht. Also den starken Eigenwillen hatte ich schon immer, das freut mich sehr.
Ich wollte unbedingt erfahren, weshalb ich nach Waldkirch in das geschlossene Heim "verlegt" wurde und das 6 Wochen vor dem Schulabschluss. Doch angeblich befindet sich hierüber nichts in meinen Akten! Das glaube ich nicht. Aber ich weiß ja aus Behandlungsakten, dass einer der Gründe "Aufsässigkeit" und andere "Verhaltensauffälligkeiten" waren. Deshalb kam ich also in ein geschlossenes Heim und wurde "weggesperrt".

Wie geht es dir heute?

Durch die Berichte in den Medien in den vergangenen zwei Jahren habe ich mich wieder verstärkt in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt. Verdrängtes tauchte verstärkt wieder auf, ich erinnerte mich. Meine Traumata sind eigentlich ständig präsent, lassen sich nicht löschen. Sie haben mich ein Leben lang im (Würge-)Griff, nehmen mir manchmal die Luft zum Atmen und ersticken mich regelrecht.

Heute, mit 51 Jahren bin ich auf Dauer wegen meiner Depressionen voll erwerbsgemindert. Seit 35 Jahren bin ich engmaschig in psychotherapeutischer Behandlung. Die Vergangenheit holt mich immer wieder ein, manchmal habe ich noch Albträume, wache mit Herzklopfen auf. Ich leide unter einem chronischen Schmerzsyndrom. Seit zehn Jahren hält mich ein Antidepressivum am Leben.

Was erhoffst du dir von der Veröffentlichung deiner Erlebnisse im Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth?

Ich wünsche mir, dass die Missstände aus dem Kinderheim bekannt werden. Es war Unrecht! Aus meiner Sicht ein Verbrechen. Es war Menschenrechtsverletzung.

Ich möchte Erzieherinnen, die Heimleiterin, die Bevölkerung von Donauwörth, mit diesem dunklen Kapitel, mit der Schwarzen Pädagogik in der Pädagogischen Stiftung, mit der Wahrheit konfrontieren.
Erst wenn diese leidvollen Erfahrungen veröffentlicht sind, bin ich nicht mehr das Opfer. Solange es vertuscht und ignoriert wird, bin ich das Heimkind, dem niemand glaubt.
Ich will nicht mehr Opfer sein! Das war ich zu oft. In der Herkunftsfamilie, im Heim, auch im Beruf. Es muss ein Ende haben!

Danke, Marsha.

––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Marsha ist ein Pseudonym, der richtige Name ist der Redaktion bekannt.

Dem
hpd liegen weitere erschütternde Berichte ehemaliger Heimkinder vor. In Regensburg positioniert sich dieser Tage die Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch. Es ist kein Ende abzusehen. Marsha hat zehn Jahre Kindheit und Jugend in der katholischen Einrichtung Donauwörth zubringen müssen. Sie ist damit nicht allein. Seit Beginn der Recherche hat sich ein weiteres Opfer der Erziehungsmethoden des Kinderheimes Heilig Kreuz Donauwörth gemeldet. Es ist wieder eine Frau.

Das Bischöfliche Ordinariat Augsburg war zu der Zeit, die Marsha hier beschreibt unwiderrufen die „zuständige Aufsichtsbehörde“. Wir erfahren von deren grundsätzlichem Bedauern zur Frage der Verantwortung und, dass es richtig sei, dass das Erziehungsheim in Donauwörth sich in der Trägerschaft der pädagogischen Stiftung Cassianeum befand. Diese, 1910 gegründet als kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts, sei aber rechtlich selbständig. Die Diözese Augsburg übe über die Pädagogische Stiftung Cassianeum lediglich die Stiftungsaufsicht aus: ihre Verantwortung beschränke sich auf Aufsichts- oder Organisationsverschulden. Wenn ein Priester der Diözese Augsburg zu einem Täter geworden sei, würden die Grundsätze der Deutschen Bischofskonferenz zur Anerkennung des Leids sinngemäß angewandt werden.

Vertretungsberechtigte Person ist laut dortiger Homepage Professor Dr. Schiedermair.

Um Kontakt mit ihm aufzunehmen führt unsere Recherche in die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. Dort ist Dr. Werner Schiedermair Honorarprofessor an der Sprach- und Literaturwissenschaftlichen Fakultät/Kunstgeschichte. Ebenso ist er ausgewiesen als Ministerialrat i. R., München, seit 1996 Mitglied des Vorstandes Schwäbische Forschungsgemeinschaft e.V., Sitz Universität Augsburg also sehr honorabel.

Wer trägt die Verantwortung? Marsha doch wohl wirklich nicht.

Wir fragten nach und baten die vertretungsberechtige Stelle, Professor Dr. Schiedermair, um seine Stellungnahme. Sie fiel mager aus und kann nicht das letzte Wort bleiben.

Sehr geehrte Frau Ignatius,
zu Ihrer E-Mail vom 26.07.2011 sei angemerkt, dass Anschuldigungen, die die Führung des 1975 aufgelösten Kinderheims betreffen, bisher mir nicht bekannt geworden sind. Max Auer, den Sie erwähnen, verstarb 1980. Unterlagen, die eine Überprüfung der von Ihnen mitgeteilten Behauptung erlauben würden, sind nicht vorhanden.
Mit freundlichen Grüßen
Professor Dr. Werner Schiedermair


Unsere Antwort auf diese Darstellung korrigierte diese Aussage:

Die Misshandlungsvorwürfe gegen das Kinderheim Heilig Kreuz sind jedoch nicht neu. Sie sind beim „Runden Tisch Heimerziehung“ [ 2009/2010 in Berlin ] bereits bekannt und registriert. Von ehemaligen Heimkindern, die im Kinderheim Heilig Kreuz untergebracht waren, wurden bereits Anträge auf Opferentschädigung gestellt. (…)
Wichtiger wäre es jetzt für die Betroffenen, auf Anerkennung und Ernstnahme von Seiten des Cassianeums zu treffen. Ich möchte Ihnen, vor der Veröffentlichung unseres Artikels, hierzu die Möglichkeit geben und bitte Sie, sich bis zum Montag den 16.8. zu äußern.


Eine Antwort darauf ist bis jetzt nicht erfolgt.

[
Datum: 19.09.2011 ]

Anna Ignatius, Evelin Frerk

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UND HIER JETZT NOCH EINMAL DIE QUELLENANGABE FÜR DIESEN ARTIKEL: hpd - Humanistischer Pressedienst @ https://hpd.de/node/11974?nopaging=1
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Löwe

9

Freitag, 27. April 2018, 00:29

Donauwörth, Kinderheim Heilig-Kreuz in Räumen des gleichnamigen Klosters

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QUELLE: SZ.de - Süddeutsche Zeitung @ http://www.sueddeutsche.de/bayern/donauwoerth-gewaltvorwuerfe-gegen-katholisches-kinderheim-in-donauwoerth-1.3878231 :

Zitat

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22. Februar 2018, 19:06 Uhr

Kirche

Gewaltvorwürfe gegen katholisches Kinderheim in Donauwörth

[ FOTO: Im ehemaligen Kloster Heilig Kreuz in Donauwörth war von 1916 bis 1977 ein Kinderheim untergebracht. Schutz fanden die Kinder dort offenbar nicht. (Foto: imago) ]

● In einem früheren Kinderheim der katholischen Kirche in Donauwörth soll es Misshandlungen gegeben haben.

● Obwohl das Bistum einigen Betroffenen bereits 2011 eine Entschädigung zahlte, kommen die Vorwürfe erst jetzt an die Öffentlichkeit.

● Die Methoden, von denen die Opfer berichten, erinnern an die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen.

Von Andreas Glas und Johann Osel

Die katholische Kirche ist erneut mit Fällen von brutalen Erziehungsmethoden und Misshandlungen in einem früheren Kinderheim konfrontiert. In Donauwörth, im ehemaligen Kloster Heilig Kreuz, soll es in den Sechziger- und Siebzigerjahren zu willkürlichen Bestrafungen und Gewalt gekommen sein. Zwei Schwestern, die 1965 mit drei Geschwistern in das Heim kamen, berichten von wahllosem Sadismus - "aus dem Beichtstuhl raus und gleich auf den Stuhl und mit dem Rohrstock auf das nackte Hinterteil", sagt eine Betroffene. Zudem soll es sexuelle Übergriffe durch ältere Burschen im Heim gegeben haben. Der Bayerische Rundfunk hat das Martyrium der Frauen am Mittwoch an die Öffentlichkeit gebracht. Nur 24 Stunden später haben sich bereits zwei weitere Betroffene beim Bistum Augsburg gemeldet.

Die Vorfälle bringen das Bistum in Erklärungsnot. Zwar erfuhr es bereits im März 2011 von den Vorwürfen der Schwestern, befand diese für glaubwürdig und zahlte ihnen nur einen Monat später eine Entschädigung. Doch die Öffentlichkeit informierte das Bistum sieben Jahre lang nicht. Auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung teilt das Bistum mit, dass in dieser Zeit sogar ein drittes Opfer eine Entschädigung erhielt. Hoffte man, dass die Vorfälle keine Wellen schlagen? Dass sich mögliche weitere Opfer nicht zu Forderungen ermuntert fühlen? Solche Vorwürfe hatte es auch in Regensburg gegeben, wo die Aufklärung des Missbrauchs und der Misshandlungen bei den Domspatzen zunächst zögerlich verlief - und erst Fahrt aufnahm, nachdem sich Opfer an die Medien wandten.

Dass das Bistum sieben Jahre lang stillhielt, rechtfertigt ein Sprecher damit, dass einer der drei entschädigten Betroffenen gebeten habe, "der Öffentlichkeit keine Angaben zu den Zahlungen zu machen. Der Opferschutz und die Persönlichkeitsrechte haben deshalb eine Aufarbeitung dieser Fälle erschwert". Kam dem Bistum nicht in den Sinn, dass es weitere Opfer gegeben haben könnte? Immerhin dürften zwischen 1916 und 1977, als das Heim bestand, Hunderte Kinder dort gewohnt haben. Dass die Kirche die Zahlungen geheim hielt und mit dem Argument "Opferschutz" argumentiert, klingt auch deshalb fragwürdig, weil die Schwestern im BR-Bericht betonen, dass die Misshandlungen endlich an die Öffentlichkeit kommen müssten.

Eigentlich zum Schutz vor ihrem prügelnden Vater waren die Schwestern aus ihrer Familie genommen worden. Im Heim aber erwartete sie offenbar das Gegenteil von Schutz. Damals war körperliche Züchtigung erlaubt; erst 1980 schaffte der Landtag die Prügelstrafe offiziell ab. Allerdings, so die Schwestern, habe die Gewalt im Heim auch damals übliche Erziehungsmethoden "weit überstiegen". Schläge ins Gesicht, bis die Lippe platzte; Zwang, Erbrochenes aufzuessen; stundenlanges nächtliches Knien auf Bügeln; und immer wieder Prügel. Zentrale Figur der Anschuldigungen ist der Pfarrer Max Auer. Er war der Enkel des Lehrers und Verlegers Ludwig Auer, der 1914 gestorben war und die Pädagogische Stiftung Cassianeum, die spätere Heimbetreiberin, hinterließ. Heute trägt diese etwa einen Kindergarten und finanziert religionspädagogische Forschung.

Hört man den Frauen zu, erkennt man weitere Parallelen zum Missbrauch bei den Domspatzen. Freilich stehen 547 Opfern in Regensburg bislang wenige Fälle in Donauwörth gegenüber - doch manche Erziehungsmethoden gleichen sich, erinnern an Foltermethoden. Ein Frau berichtet, sie sei einen Tag lang in einen dunklen Keller gesperrt worden. Ein Hausmeister, der sie schreien hörte, habe sie nicht befreit, sondern mit einem Wasserschlauch bespritzt und im Keller sitzenlassen. Auch in Regensburg berichtete ein Zögling, er habe "stundenlang barfuß und nur in Unterhose bekleidet im dunklen Waschsaal stehen" müssen.

Außerdem, sagen die Frauen, sei es nachts in Donauwörth verboten gewesen, auf die Toilette zu gehen. Wer ins Bett machte, sei - wie in Regensburg - bestraft worden. Als die Erzieherin das feuchte Bett gesehen habe, "gab es zwei Tage nichts zu trinken", sagt eine der Frauen. Regeln wurden offenbar aufgestellt, um weitere Bestrafungen erst möglich zu machen. Nach außen - auch eine Parallele zu Regensburg - war die Heimleitung offenbar bemüht, die Gewalt zu verbergen. Wenn der Bischof Josef Stimpfle zu Besuch kam, sei eine heile Welt inszeniert worden. "Wir waren aufgeputzt, es wurde gesungen."


Die Fälle sind strafrechtlich verjährt

Als sich die beiden Frauen 2011 beim Bistum und der Stiftung Cassianeum meldeten, hatte die Kirche gerade begonnen, auf Fälle von Misshandlungen in ihren Einrichtungen zu reagieren. 2010 war etwa eine Telefon-Hotline vorgestellt worden. Damit wollte man sich "den Erwartungen ehemaliger Heimkinder stellen und sie bei der Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichten nach Kräften unterstützen", hieß es in einer Mitteilung der Bischofskonferenz. Die Kirche beteiligte sich am Fonds Heimerziehung. Den Kontakt zur Donauwörther Stiftung haben laut BR auch die Schwestern gesucht - und wurden zunächst abgewiesen.

Nach dem Bericht teilte Peter Kosak vom Stiftungsvorstand mit: "Was die von körperlichen und seelischen Misshandlungen betroffenen Frauen geschildert haben, hat mich zutiefst bewegt und auch beschämt." Er selbst sei seit Kurzem im Amt - dass die Stiftung überhaupt ein Kinderheim betrieben hat, sei ihm erst durch die Medienanfrage bekannt geworden. Von der Stiftung 2011 angebotene Gespräche seien nicht zustande gekommen. Gleichwohl hätten sich die Frauen an den diözesanen Missbrauchsbeauftragten gewandt.

Die Fälle sind strafrechtlich verjährt. Die Schwestern, 58 und 60 Jahre alt, leiden unter postraumatischen Belastungsstörungen. Ihr Wunsch: Die Sache soll bekannt werden, es sei "traurig, dass diese Zeit so ausradiert ist". Weder im Cassianeum noch im Stadtarchiv fände sich Material zum Heim, so Kosak. Er kündigte an, den Bistumshistoriker zu beauftragen - Betroffene, Ex-Heimbewohner und Zeitzeugen sollen sich melden. Die Stiftung erhoffe sich eine gründliche Aufarbeitung und Dokumentation der Zusammenhänge - diese würden dann entsprechend veröffentlicht.

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Löwe

10

Samstag, 28. April 2018, 04:44

Donauwörth, Kinderheim Heilig-Kreuz in Räumen des gleichnamigen Klosters

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Wenn man auf der Homepage der „Pädagogischen Stiftung Cassianeum“ @ http://www.paedagogische-stiftung-cassianeum.de/ ein klein wenig runter scrollt, sind jetzt, erstmalig seit dem 21.04.2018, bzw. seit dem 25.04.2018, folgende Texte dort zu lesen:

Zitat

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BISTUM AUGSBURG
BISCHÖFLICHES ORDINAT

GENERALVIKARIAT
ZENTRALE DIENSTE
ABTEILUNG KOMMUNIKATION

Telefon:  0821 3166-8320
Telefax:  0821 3166-8329
E-Mail:  presse@bistum-augsburg.de


Augsburg, 25.04.2018

Ihr Ansprechpartner:
Dr. Karl-Georg Michel

Aufarbeitung: Erstes Gespräch mit Betroffenen der Missbrauchsfälle im Kinderheim Cassianeum

Augsburg/Donauwörth ( 25.04.2018  ). Im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen hat gestern ein erstes Treffen mit früheren Bewohnerinnen und Bewohnern des Kinderheims der Pädagogischen Stiftung Cassianeum in Donauwörth stattgefunden. Im Februar hatten mehrere Fälle körperlicher Gewalt, die sich bis in die frühen 1970er Jahre im ehemaligen Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth zugetragen haben, für öffentlichen Gesprächsstoff gesorgt. Die Verantwortlichen der Stiftung, in deren Trägerschaft sich das seit den 1970er Jahren geschlossene Heim befand, haben unmittelbar nach der Berichterstattung über die Vorfälle eine umfassende Aufklärung zugesagt. Es gab daraufhin bereits Kontakte mit Betroffenen. Gestern Nachmittag fand nun auch eine erste Begegnung mit den Betroffenen statt. Der Einladung der Stiftung sind neun Personen gefolgt. Zunächst waren drei Fälle bekannt, nach der Berichterstattung sowie einem öffentlichen Aufruf der Stiftung hatten sich neun weitere Personen gemeldet. In einem Fall wurde dabei auch schwere sexuelle Gewalt angezeigt, die vom früheren, bereits vor Jahrzehnten verstorbenen Heimleiter Prälat Max Auer begangen wurde.

„Die Berichte von den körperlichen und seelischen Qualen der Betroffenen machen uns fassungslos“, betonte Stiftungsvorstand Peter Kosak, der erst seit 1. Dezember 2017 Vorstand der Stiftung ist, während der Veranstaltung. Es sei ihm und der Stiftung ein großes Anliegen, mit den Geschädigten in einen Dialog zu treten. Sofern es ihnen überhaupt möglich sei, bitte er die Betroffenen um Entschuldigung für das Leid, das ihnen damals im Kinderheim widerfahren ist. Sein innigster Wunsch sei es, mit den nun beginnenden Gesprächen auch zur Heilung der tiefen Wunden beizutragen, die ihre Zeit im Kinderheim hinterlassen haben.

Er habe erst durch die Medienrecherchen von den damaligen Vorgängen erfahren. Frühere Heimbewohnerinnen berichteten in erschütternden Beiträgen von ihren schlimmen Erlebnissen und den gravierenden Folgebelastungen.

Vor allem als Zuhörer waren gestern neben Herrn Kosak der Vorsitzende des Stiftungsrats, Hubert Lepperdinger, die Missbrauchsbeauftragte der Diözese Augsburg, Rechtsanwältin Brigitte Ketterle-Faber, sowie die Psychologin Helga Kramer-Niederhauser anwesend. Auch der ehemalige Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht Augsburg Manfred Prexl nahm an der Begegnung teil. Er koordiniert im Auftrag des Diözesanbischofs die Aufarbeitung und Dokumentation der damaligen Vorkommnisse. Die Geschädigten erhielten im Verlauf des Treffens Informationen zu Ansprechpartnern sowie zur Aufarbeitung ihrer Erlebnisse im Heim bis hin zur Gewährung von Leistungen in Anerkennung des erfahrenen Leids. Im weiteren Verlauf der Begegnung, die von großer Ernsthaftigkeit, aber auch zunehmendem Vertrauen geprägt war, wurde zudem der Wunsch laut, das Geschehene zu dokumentieren und so auch öffentlich zu würdigen.

„Ich hoffe, dass die Veranstaltung als erster hilfreicher Schritt im Umgang mit einem sehr belastenden Kapitel der Vergangenheit empfunden wurde“, blickt Peter Kosak zurück. „Aber ich bin mir bewusst, dass es nun auch weitergehen muss. Selbstverständlich werden wir die Ergebnisse unserer Gespräche zu gegebener Zeit entsprechend dokumentieren“, kündigt er an. Es sei ihm ein großes Anliegen, dieses so dunkle Kapitel des Kinderheims aufzuarbeiten. Er bedanke sich seitens der Stiftung zudem sehr für die intensive Unterstützung, die er dabei durch die Diözese Augsburg erhalte.

Der Fall Cassianeum habe mittlerweile eine Dimension erreicht, betont hierzu Generalvikar Harald Heinrich, die Bischof Dr. Konrad Zdarsa dazu veranlasst habe, Herrn Prexl mit der Koordinierung der Aufarbeitung zu beauftragen. „Die Schilderungen der Betroffenen erschüttern mich zutiefst, sie machen mich sprachlos. Wir sind ihnen eine Aufarbeitung schuldig“, unterstreicht der Generalvikar. Dies umso mehr, nachdem eine solche zunächst versäumt worden sei.

Briefanschrift: Postfach 11 03 49 – 86028 Augsburg – Haus-/Paketanschrift: Kornhausgasse 2 – 86152 Augsburg

Tel.: (Vermittlung) 0821 3166-0 – Sprechzeiten: nach Vereinbarung

http://www.bistum-augsburg.de

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Pressemitteilung „Kinderheim Cassianeum“

Donauwörth ( 21.02.2018 ) Der Vorstand der Pädagogischen Stiftung Cassianeum reagiert mit großer Betroffenheit auf die Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks zur Geschichte des Cassianeums. In dem zur Stiftung gehörenden Kinderheim, das schon in den 1970er Jahre geschlossen wurde, hat es Fälle physischer und psychischer Gewalt gegeben. „Was die von körperlichen und seelischen Misshandlungen betroffenen Frauen geschildert haben, hat mich zutiefst bewegt und auch beschämt“, betont Peter Kosak im Namen des Vorstands der Stiftung. „Ihnen gehört deshalb mein Mitgefühl und auch meine Anteilnahme.“ Er könne auch deren persönliches Interesse an einer Aufarbeitung der Vorkommnisse sehr gut nachempfinden, so Kosak weiter. „In der Tat hat es bei Bekanntwerden der Fälle bereits seitens des Cassianeums mehrmals Versuche gegeben, mit den Frauen in Kontakt zu treten und mit ihnen über ihre Erfahrungen zu sprechen.“ Diese angebotenen Gespräche seien jedoch nicht zustande gekommen. Er könne im Nachhinein sogar gut verstehen, wie schwer es für die Frauen gewesen wäre, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Deshalb ist es bisher dabei geblieben, dass die betroffenen Frauen sich an die diözesanen Missbrauchsbeauftragten gewandt und Leistungen in Anerkennung des Leids, das ihnen dort zugefügt wurde, erhalten haben.

„Ich bin seit zwei Monaten Vorstand unserer Stiftung und somit erst seit wenigen Wochen im Amt. Dass unsere Stiftung überhaupt einmal ein solches Kinderheim betrieben hat, wurde mir persönlich erst durch die Anfrage des Bayerischen Rundfunks bekannt“, betont Kosak. „Zu meinem großen Erstaunen musste ich zudem feststellen, dass es über dieses im Jahr 1977 geschlossene Heim weder im Cassianeum noch im Stadtarchiv Donauwörth bis auf einige wenige Informationen keinerlei Archivbestände mehr gibt.“ Er sehe es deshalb als eine wichtige und vorrangige Aufgabe an, soweit dies nach so langer Zeit überhaupt noch möglich sei, die Geschehnisse von damals aufzuarbeiten. „Wir werden damit den Bistumshistoriker mit seinen Mitarbeitern beauftragen, der uns dabei mit der nötigen Expertise und Distanz unterstützen kann.“ Er erhoffe sich davon eine gründliche Aufarbeitung und Dokumentation der Zusammenhänge. Diese würden dann auch entsprechend veröffentlicht. Zugleich habe er die dringende Bitte an weitere Betroffene, sich entweder bei der Missbrauchsbeauftragten der Diözese Augsburg oder direkt bei der Stiftung zu melden. Wichtig wäre es ihm aber auch, mit früheren Heimbewohnern oder Zeitzeugen von damals in Kontakt treten zu können.

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