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Der Tagesablauf in Mistlau

Antworten im Thema: 1 » Der letzte Beitrag (9. Oktober 2010, 19:17) ist von micky.

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Forengeist

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Steinbock

1

Samstag, 9. Oktober 2010, 15:10

Der Tagesablauf in Mistlau

An folgenden Tagesablauf kann ich mich erinnern:

6 Uhr aufstehen (auch am Wochenende),schrecklich!! Ich habe mir damals immer geschworen, dass ich sobald ich groß bin, nie wieder früh aufstehen werde.

Eine Praktikantin oder die Schwester kam in die Zimmer, machte das große Licht an und rief einmal: "Aufstehen!"

Alle Kinder mussten sich innerhalb von Sekunden auf die Bettkante setzen.(bei den Königskerzen nur im Bett aufsetzen). Dann wurde gemeinsam, oft noch mit geschlossenen Augen, das Gebet runtergeleiert.
(voll verpennt).

Das Gebet klang folgendermaßen:

Wie fröhlich bin ich aufgewacht,
wie hab ich geschlafen so sanft die Nacht (ich hab immer verstanden: Wie hab ich geschlafen hab Dank du Nacht)
hab Dank im Himmel oh Vater mein,
dass du hast wollen bei mir sein
behüte mich auch diesen Tag,
dass mir kein Leid geschehen mag (jaja!!)
Amen

Alle mussten in Windeseile aus dem Bett rausspringen, (Wenn man zu langsam war, hatte man schon das erste Mal am Tag Ärger), anziehen, Betten machen, kämmen, Zähneputzen (ab dem 6.Lebensjahr), Schlafzimmer fegen, (immer einer der darin schlief) und dann schnell zum Frühstück gehen.(Die Bettnässer mussten mit ihren nassen Bettlaken ins Bad und in der Wanne kalt baden. Jeder der ins Bad kam sah sie da sitzen. Das war jeden Morgen die gleiche Erniedrigung für sie, anschließend mussten sie in dem Wasser ihr Bettzeug selber auswaschen. Schläge hatten sie um diese Uhrzeit auf jeden Fall schon einmal bekommen, weil man damit ja das Bettnässen bekämpfen wollte?( )

Vor dem Frühstück mußte derjenige ,der das Amt "Essen aus der Großküche holen" hatte, mit einem 5l Plastikeimer in die Küche gehen und Haferflockensuppe holen, danach Jedem 2 Schöpfkellen austeilen. Dazu eine Scheibe Brot. (jeden 2. Tag gab es Brei)

6.30 Uhr
Vor dem Essen beten

Alle guten Gaben,
alles was wir haben,
kommt oh Gott von dir,
wir danken dir dafür
Amen

schnell die Suppe runterwürgen. Nicht viele Kinder mochten sie. Manche brachen jeden 2.Morgen und mussten das Gebrochene dann wieder aufessen. Die Schwester Erna (Schwester Irma tat das gleiche in ihrer Gruppe,. der Unterschied zu Schwester Erna war: Sie hatte keinen Rohrstock, sondern einen Handfeger, Kleiderbügel oder die Fliegenpatsche in der Hand. ), stand mit dem Rohrstock hinter dem Kind und sorgte dafür, dass das auch wieder gegessen wurde. Lore die Arme, musste eigentlich immer brechen, ihr war es vor dem Frühstück schon ganz schlecht wenn sie daran dachte.Sie weinte immer schon vorher. Ich glaube, sie war allergisch auf diese Milchsuppe. Wir litten alle mit ihr, konnten ihr aber nicht helfen. Wenn es Brei gab war sie sichtlich erleichtert und brauchte auch nicht länger zum Essen wie die Anderen.

6.50 Uhr Andacht

Ein Kind reißt ein Blatt vom Kallender ab, auf der die Tageslosung steht mit Erklärung und bringt sie der Schwester. Die liest es allen vor dazu auch die passenden Bibelstellen aus der Bibel.
Danach ein kurzes Lied und ein Gebet

Dankest dem Herrn,
denn er ist freundlich
und seine Güte währed ewiglich
Amen

Oh Mann, war das immer langweilig. Wir warteten eigentlich nur auf das Ende.


7.00Uhr Das Amt
Anschließend mußten wir unsere Ämter verrichten, die wir morgens, mittags und abends zu machen hatten.Und wehe wir machten das nicht korrekt, dann hatten wir schon zum 2. Mal am Tag Ärger. Natürlich haben wir es nicht oft geschafft keinen Ärger zu bekommen, denn was gut war bestimmten nicht wir, sondern die Schwester, oder die Praktikantin.
Wir hatten jeweils eine Woche lang das gleiche Amt
Immer im gleichen Wechsel musste einer von uns :

1.) Alle Schuhe putzen 20 Paar (und wehe man putzte über den Dreck drüber)
im Winter außerdem : alle Gummistifel in einem Eimerwaschen

2.) Tische putzen, Geschirr ins Bad bringen, Wohnzimmer fegen und blocken

3.) Die großen Holztreppen des Treppenhauses fegen und blocken

4.) Toiletten putzen

5.) Geschirr abwaschen für 20 Kinder
6.) Geschirr abtrocknen für 20 Kinder

7.) Flur fegen und bohnern

8.) Waschbecken und Badewanne putzen, danach Boden nass wischen

9.) Staubwischen

10.) Schwesternbad putzen

11.) Schwesternzimmer putzen

12. Mädchenzimmer fegen und bohnern

13.) Jungenzimmer fegen und bohnern


(ab dem 9 Lebensjahr, jüngere blieben noch verschont. )
Alle 2 Tage 5-7 10l-Eimer Kartoffeln in der Großküche schälen

einmal wöchentlich nachmittags: zusätzlich zu den normalen Ämtern

Montags (Waschtag)
14.) Stofftaschentücher von allen im Becken mit der Hand auswaschen (Pfui)

15.) Strümpfe von allen im Becken mit der Hand auswaschen (auch eklig) obwohl wir schon eine Waschmaschine im Waschkeller hatten

Dienstags
Wäsche aller 80 Kinder mit Schwester Maria aufhängen.

Mittwochs
Wäsche mangeln helfen in der Mangelstube

Donnerstags
Kaputte Wäsche stopfen und flicken

Freitags
war Großputztag, da wurden die Böden alle mit dem Schrubber geschrubbt, anschließend auf den Knien mit Bohnerwachs eingewachst und dann gebohnert bis es glänzte. Das war der anstrengendste Tag.

Samstags
Hof fegen, und Außengelände säubern

Sonntags Kirche und Kindergottesdienst

Alle 6 Wochen Betten beziehen, Fenster putzen, Schlafzimmer gründlich machen


Wer erinnert sich noch daran???
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WernerR (09.10.2010)

micky

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Zwillinge

2

Samstag, 9. Oktober 2010, 19:17

Hallo Christel,ich bin immer wieder erstaunt,das sich viele ehem.Heimkinder an fast alles Erinnern können.Leider habe ich kaum noch Erinnerungen an meine Heimzeit im SpezialkinderHeim Ernst-Schneller in Eilenburg.So geht es auch Marianne,die mir inzwischen eine ganz liebe Freundin geworden ist.Liebe Grüße Micky

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WernerR (09.10.2010)

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