Erziehungsberichte / Erziehungsprogramme / Entlassungsberichte / Beurteilungen / Konkretisierungen

    Es gibt 10 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Angi90.

      Erziehungsberichte / Erziehungsprogramme / Entlassungsberichte / Beurteilungen / Konkretisierungen

      Hallo,

      ich habe mir heute wieder Mal meine Akten vor genommen und nach den genauen Daten der Heimeinweisungen gesucht. Dabei sind mir wieder viele Schriftstücke vor dir Augen gekommen, wo ich jetzt wieder stundenlang beschäftigt war.

      Die Erziehungsberichte / Erziehungsprogramme / Entlassungsberichte / Beurteilungen / Konkretisierungen möchte ich euch nun nicht vorenthalten.

      Die ersten Beiden gehen nicht besser, die sind schon so mies ... :(


      Ich beginne mal mit dem Entlassungsbericht des Dauerheimes für Säuglinge und Kleinkinder "Rosa Luxenburg" in Halle (Saale):



      Hier noch als Text:
      Entlassungsbericht
      -------------------

      Jan XXX, geb. am XXX war seit dem 07.05.1973 in unserer Einrichtung.
      Jan ist ein zartes Kleinkind in etwa altersgerechter Entwicklung. er ist ein ruhiges und ausgeglichenes Kind, das keinerlei Erziehungsschwierigkeiten macht. Gefühle äußert er spontan.
      Er zeigt Ansätze der Selbstbeherrschung.
      Seine Sprachentwicklung ist etwa altersgerecht. Der Wortschatz ist etwas klein, er spricht jedoch fast lautrein in nicht ganz grammatisch ausgebauten Sätzen. Bei Spazier- und Beobachtungsgängen zeigt er eine gute Beobachtungsgabe. Gesehenes und kleine Erlebnisse teilt er mit.
      Bei Spiel und Beschäftigung ist er ausdauernd und interessiert. Jan bezieht andere Kinder in sein Spiel ein und wird von anderen Kindern ins Spiel einbezogen. Er zeigt alle Ansätze des Rollenspiels. Die bei der Beschäftigung erforderten Ziele werden von ihm meist erreicht. Jan kennt die Grundfarben, wendet sie aber noch nicht sicher an. Er kann mit geringer Hilfe Überbegriffe bilden und einzelne Gegenstände Überbegriffen zuordnen. Er kann reißen, kleben, kneten, falten und mit Pinsel und Tusche umgehen. Er baut auf Instruktion Brücke Tor u.s.v.
      Er fädelt Perlen auf und legt Figuren nach Muster. Zu anderen Kindern ist er freundlich hilfsbereit und verträglich, auch zu den Erzieherinnen hat er einen ausgezeichneten Kontakt.
      Jan übernimmt kleine Aufträge gern und führt sie gewissenhaft aus. Auf Verbot und Gebot reagiert er meist einsichtig aber seinem Alter entsprechend nicht sehr nachhaltig. Er zeigt Ansätze der Selbstbeherrschung.
      Jan zieht sich mit geringer Unterstützung selbst an und aus, wäscht sich Gesicht und Hände und benutzt die Toilette nach Bedarf. Er verfügt über gute Tischsitten.
      Er bittet und dankt und beherrscht die Grußformen.

      Jan wurde jedes Wochenende vom Vater abgeholt und sauber und ordentlich ins Heim zurück gebracht. Heimkosten in Höhe von 42,50 M. wurden regelmäßig gezahlt.

      Eltern:

      Vater: XXX, Maurer
      Mutter: XXX, Frisöse
      Impfungen: Vollständig
      Überstandene Krankheiten: Dyspepsie, Bronchopneumonie

      Aufnahmebefund:
      Gewicht: 10,9 kg

      Blass aussehendes Kind mit ausreichend durchblutenden Schleimhäuten, kein organpathal.Bef., wirkt insgesamt retardiert

      Entlassungsbefund:
      Gewicht: 15,0 kg
      Länge: 97 cm
      Blass aussehendes Kind mit mangelhaft durchbluteten Schleimhäuten (Fe-Mangel möglich), Bor et Pulmo o.B., Ra: Gebiss vollständig, BB-Univ. Kinderklinik

      Er wurde am 30.08.1974 entlassen. Wohnung des Vaters XXX.

      Jan wird dem Kindergarten "Fritz Weineck" besuchen.
      Impfausweis und Versicherungskarte wurden den Vater bei der Entlassung ausgehändigt.


      Dauerheim für Säuglinge und
      Kleinkinder "Rosa Luxenburg"
      402 Halle(S.), Leninallee 221



      Das hier ist das Erziehungsprogramm vom Kinderheim "Martha Brautsch" in Krosigk:




      Das ist die Beurteilung vom Kinderheim "Martha Brautsch" in Krosigk:



      Hier noch als Text:
      Beurteilung des Schülers Jan
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      Jan ist seit Oktober in unseren Klassenkollektiv. Bis heute hat er kein Interesse gezeigt, sich diesem anzuschließen. Seine Klassenkameraden versuchten ständig, ihn in ihre Mitte aufzunehmen, doch vergebens. In den Pausen läuft und spielt er allein oder schließt sich nur Heimschülern an. Hier macht er grundsätzlich das Gegenteil von dem, was die Erzieher ihm sagen. Er prügelt sich, bleibt auf der Erde liegen und steht oft auf Ermahnungen der Erzieher nicht auf. Es kommt vor, dass er sogar den Erwachsenen "den Vogel" zeigt, die Zunge raus steckt oder sie auslacht. Wird zum Antreten gerufen, läuft er weg und verlässt oftmals noch den Schulhof.
      Hat er eine Auseinandersetzung mit einem Mitschüler, hat er es fertig gebracht, einzelnen Unterrichtsstunden fernzubleiben.
      Im Unterricht ist er sehr nervös und kann sich nicht konzentrieren. Hier spielt er nur. Irgendwelche Gegenstände (oft sind es nur einzelne Teile) hat er immer in seiner Tasche und beschäftigt sich damit. Er kann nicht eine Unterrichtsstunde ordentlich mitarbeiten. Bei schriftlichen Arbeiten braucht er sehr viel Zeit, weil er dabei ständig etwas anderes macht. Seine Arbeitsweise ist sehr langsam.
      Bei Hinweisen der Erwachsenen wird er bockig und tut oft das Gegenteil.
      Seine Leistungen sind gut bis befriedigend. Bei größerer Aufmerksamkeit und besserer Konzentration könnte er mehr leisten.


      Krosigk, den 05.05.1981



      F.d.R.d.A.
      Grüger



      Stempel
      --------
      Polytechnische Oberschule Plötz

      Teiloberschule Krosigk

      gez. Klassenlehrerin
      G.Chost



      Das hier ist der Konkretisierungsbericht, also die erste Einschätzung vom Spezialkinderheim "Ernst Thälmann" in Eilenburg:




      Das sind die Erziehungsberichte der 3 Jahre vom Spezialkinderheim "Ernst Thälmann" in Eilenburg:








      Vielleicht habt ihr auch solch lustige Berichte. :)


      Gruß Jan
      Wer lesen kann ist klar im Vorteil!

      Moin Jan,

      habe letzte Woche meine Heimakte in Kopie bekommen. Bin ganz erstaunt, wenn ich so in Deinen Auszügen lese. Waren wir kleinen heimkinder denn alle gleich? Oder dachten alle Heimangestellten und Lehrer gleich?Grob gesehen, habe ich hier Auszüge aus meiner Akte gelesen. Werde mal sehen, wie ich sie hier reinbekomme, bzw. Auszüge davon.

      Zur Zeit bin ich das alles noch am lesen, zum wievielten mal weiß ich schon nicht mehr, entdecke immer noch neues, wird wohl eine ganze Weile dauern, bis ich das alles unter die Füße bekommen habe. Lang vergessene Gegebenheiten kommen wieder hoch. Erinnerungen, die mir ganz schön zu schaffen machen. Erinnerungen, die mich keine Nacht ruhig schlafen lassen.

      Geht es Dir nicht auch so?

      Gruß carma

      Erziehungsberichte

      Hallo Jan, solche Berichte hab ich auch. Mir gefällt am besten "Sie hat einen starken Eigenwillen, der nicht nur den Geschwistern zu schaffen macht"... "sie ist eine schlechte Esserin und isst nur was ihr schmeckt"... "sie ist eine der besten in der Klasse"... "ein liebebedürftiges 7jähriges stilles Heimkind"... "bleibt hinter ihren intellektuellen Möglichkeiten zurück, nur eine Folgerung ist möglich: M. ist sehr faul!!!" .. :D
      Jan, solche Bericht gabs bei mir auch, schau mal in mein Profil. ^^ konnte es nicht besser ab fotografieren.
      Der Brief zu Weihnachten ans Jugendamt, war so ein Standardbrief, wurde uns vordiktiert, jedes Jahr der gleiche,da wollte man dem Jugendamt zeigen das alles im Heim Super ist.
      Auch wenn das Thema schon paar Jahre alt ist, möchte ich es einfach mal neu aufgreifen, weil sich ja noch nicht so viele User zu Wort gemeldet haben und ich das bereits geschriebene nicht unbedingt wiederholen möchte.

      Vielleicht ist es auch für dich ein interessantes Thema?
      Vielleicht hast du auch noch Akten da, aus denen du zitieren könntest.
      Vielleicht kannst du aber auch irgendwie anderes dazu beitragen?

      Ich bin gespannt, was da noch alles kommt.
      Also an meine erste Heimeinweisung kann ich mich nicht erinnern, da ich 3 Jahre alt war. Damals dachte ich das mein erstes Heim in Wickersdorf war. Erst durch die Einweisungsbeschlüsse vom Gericht habe ich erfahren, das ich schon mit 3 Jahren nach Münchenbernsdorf kam. Vom Kinderheim Wickersdorf hab ich keine so guten Erinnerungen. Ich wurde dort an einen Baum gebunden weil ich öfters ausgerissen bin. Ich wollte unbedingt zu meinen Vati. Dann weiß ich noch wie ich an einen Stuhl gebunden wurde und jeder durfte mir eine Backpfeife geben oder anspucken. Später kam ich nach Ranis. Dort wurde ich eingeschult. Der Aufenthalt war dort nur für ein Jahr. Danach kam ich nach Hainewalde was für mich die Hölle war. Eigentlich möchte man das alles einfach nur vergessen, leider klappt das nicht immer, da sich einiges im Leben ab und an ereignet was man schonmal erlebt hat. Dabei ertappe ich mich, das mir oftmals noch die Tränen kommen. Dann beschäftige ich mich mit miner Handarbeit weil mich das beruhigt. Von meinen Akten ist leider nicht viel übrig wenn ich bedenke, wie dick die mal war.
      Wer jedes Wort auf die "Goldwaage" legt, bekommt seelisches Übergewicht.
      -Fred Ammon-

      Wirklich weise ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann!
      -Unbekannt- Indianerweisheit
      Ich war ein aufgewecktes Kind mit Flausen im Kopf. Also wenn man mich hätte machen lassen, dann wäre ich ein Genie gewesen. In der einen Beurteilung stand drin, das ich einen Kugelschreiber von einer Erziehrin geklaut habe. Der Kugelschreiber war mit 4 Farbminen ausgestattet und ich hab das Teil auseinander gebaut, aber eher weil ich genau wissen wollte wie der Kugelschreiber funktioniert. Das war ein Verbrechen weil ich ihn geklaut habe. Ein anderes mal hab ich Kinder die in der Nacht geweint haben, angezogen und wollte sie alle zu meinen Vati bringen damit er die Kinder zu ihren Eltern bringen kann. Dann hab ich mal im Krankenzimmer die ganzen gelben Halstabletten gegessen damit ich wieder gesund werde. Wer kennt die noch? Dann hatte ich als Kind Tabletten gegen das Bettnässen bekommen. Ich wollte nie mehr ins Bett machen, also hab ich gleich alle auf einmal eingenommen. Leider hatte mir das nichts gebracht. Ich hatte es mit den Blinddarm und eine fette Tablettenvergiftung. nun ja, was soll ich sonst noch schreiben? Achja, ich bekam dann weil ich überall aktiv war, Beruhigungstabletten die wohl Luminaletten oder so hießen. Es hat ein Arzt damals die Dosierung von 3x2 Tabletten auf 6x 2 erhöht. Also suma sumarum, ich war ein böses Kind.
      Wer jedes Wort auf die "Goldwaage" legt, bekommt seelisches Übergewicht.
      -Fred Ammon-

      Wirklich weise ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann!
      -Unbekannt- Indianerweisheit
      Klar hab ich eins bis zwei Berichte, aber darüber musste ich auch schmunzeln. Die hattaen ja jeden Pups aufgeschrieben. Vor allen lese ich immer wieder, das ich nie müde war und nie schlafen wollte. Aber da hatten die wohl etwas mißverstanden. Meine Stiefmutter hatte mich immer in den Keller gesperrt. Die waren ja immer so eklig dunkel mit Kohlen und Einkellerungskartoffeln und nur so ein kleines Guckloch. Ich hatte eben Panik, wenn es dunkel wurde und wollte nie schlafen. Komisch war, das ich echt immer aufgedreht war. Die Erzieher waren zum Teil mit mir überfordert und in den Berichten hatten sich auch mehrere beschwert. Dann hatte ein Arzt ein Gutachten über mich geschrieben. Er war gegen eine Heimeinweisung. Mir würde nur die Mutterliebe fehlen. Ich glaub da ging keiner darauf ein.
      Wer jedes Wort auf die "Goldwaage" legt, bekommt seelisches Übergewicht.
      -Fred Ammon-

      Wirklich weise ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann!
      -Unbekannt- Indianerweisheit