Kinderheim Bremen Haus Neuland

    Es gibt 1 Antwort in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Rainer.

      Kinderheim Bremen Haus Neuland

      Kinderheim Bremen Haus Neuland

      Haus Neuland
      Neuenlander Str. 105 - 107
      28201 Bremen
      Telefon: 0421/57277


      Hier kannst du alles posten, an was du dich aus deiner Heimzeit erinnerst, zum Beispiel wann du dort gewesen bist, was du dort so alles erlebt hast, an wen du dich noch erinnerst, wen du gerne wieder treffen möchtest oder zu wem du vielleicht noch Kontakt hast. Klicke dazu am Besten auf "Antworten"! Alles was du hier schreibst, kann dann auch über die Suchmaschinen gefunden werden. Einer muss wohl den Anfang machen, also trau dich! Denn somit könnte man auch dich finden!
      Ich war von August 1965 bis Mitte 1967 in Haus Neuland.
      Einige Namen wie Klaus-Volker Mahnke(n), Gunnar Schrader, Ludwig Duda, Earl sonstwas sind haften geblieben. Bei anderen habe ich die Gesichter vor Augen, kann sie aber nicht namentlich zuordnen.
      Von den "Erziehern": Fromberg und Modregger. Letzterer war mein "Erzieher", vorher als Küster in der Kirchengemeinde tätig, wo er dann wegen pädophiler Anwandlungen entlassen wurde. Dafür durfte er dann ja auch in einem Heim arbeiten.
      Heimleiter war damals ein Hr. Hauschild, ehem. Boxer, was er dann auch hin und wieder mal nter Beweis stellen musste.
      Ich hatte damals eine Heimzeitung aufgemacht. Im Sommer 67 kam ich von der Arbeit nach Hause, also ins Heim, und sah, wie sich einer unserer Jungs die Treppe heraufquälte. Als ich ihn fragte, was los sei, erzählte er mir von den wahnsinnigen Schmerzen im Unterleib. Ich sofort losgerannt ins Schülerheim, in dem auch die Erzieher wohnten. Kein Schwein angetroffen. Weiter zur Küche und zum Hausmeister. Niemand da. Dann zum Heimleiter, und auch er und seine Frau glänzten durch Abwesenheit. Wieder zurück ins Haus. Unten rechts hatten wir ein Zweibettzimmer mit Telefon. Aber das Telefon war mit einem Schloss versehen. Wieder hin zu dem Jungen und habe ihm gesagt, dass er gegenüber zur Tankstelle gehen müsste. Im Nachhinein eine riesengroße Idiotie von mir, da es besser gewesen wäre, ich hätte mich auf den Weg gemacht, um einen Notarzt kommen zu lassen. Desweiteren war es auch verdammt blöd von mir gewesen, den Jungen nicht dorthin zu begleiten. Naja, der junge hatte es aber zur Tankstelle geschafft, von wo man ihm den Notarzt holte. Er stand kurz vor einem Blinddarmdurchbruch.
      Natürlich war dies auch ein gefundenes Fressen für meine Heimzeitung. Diese wurde immer am "Schwarzen Brett" ausgehängt. Nachmittags, als ich von der Arbeit kam, war die Heimzeitung weg. Dafür hing dort ein DIN A4-Blatt vom Heimleiter: Rainer möchte sich für die falschen Angaben entschuldigen! Ich entfernte den Zettel und hing einen neuen auf: Rainer entschuldigt sich niemals für Tatsachen!
      Am nächsten Tag hieß es dann, dass ich meine Sachen packen könne. Begründung. für das Heim untragbar. Mit meinen beiden Koffern bin ich dann zur Arbeit gegangen und kamm auch prompt zu spät, worüber mein Seniorchef doch ziemlich erbost war, weil er das von mir nicht kannte. Ich habe ihm dann die Sachlage erklärt. Zwei Stunden später kam sein Sohn, der dann auch nochmals von mir hören wollte, was denn da vorgefallen sei. Juniorchef rief dann wohl beim Jugendamt an und muss dort einen riesen Terz veranstaltet haben. Er kam danach zu mir und teilte mir dann mit, dass ich nach Feierabend wieder ins Heim zurück sollte. Naja, wo hätte ich auch anders bleiben können. Also wieder die beiden Koffer zurück geschleppt. Im Heim wurde mir dann mitgeteilt, dass ich mich so schnell wie möglich um eine Bleibe kümmern sollte. In der Zwischenzeit hätte ich mich aber gefälligst so zu verhalten, wie man es erwartet.
      Mein Vorteil war wohl, dass ich schon meinen Einberufungsbescheid hatte, sonst hätte man mich wohl auch nach Freistatt verfrachtet.
      Aber ich hatte auch schnell eine neue Bleibe gefunden und war somit dem Zugriff des Heimes entzogen. Dafür bekam ich aber auch Hausverbot.
      Im Großen und Ganzen war es zu meiner Zeit erträglich. Hin und wieder gab es mal eine Hauerei, gab es Ausgangssperren (zum Teil unberechtigt, weil wir Jungs ja alle Lügner waren) oder auch Taschengeldsperre. Letztere hatte mich am allerwenigsten tangiert, da ich mir meine Überstunden, von denen weder Heimleiter noch Erzieher etwas wussten, separat auszahlen ließ. Juniorchef und seine Frau kannten ja die Umstände in dem Heim und hatten volles Verstandnis für mich.
      Ein Einzelzimmer (Arrestzelle) befand sich im Schülerhaus. Und einer unserer Jungs, Format eines Kleiderschrankes, durfte sich dort einmal beruhigen. Der Typ hatte doch glatt die Glasbausteine, Fenster gab es in dem Zimmer nicht, aus der Wand herausgehauen. Tja, mit dem hatte der Heimleiter sich nicht angelegt.
      Was mich am meisten dort angekotzt hatte, war die ach so zivisilierte und soziale Gesellschaft außerhalb des Heimes. Egal, zu wem man Kontakt bekam, wir wurden alle als kriminell abgestempelt. Denn wer in einem Heim war, musste ja kriminell sein.
      Aber auch die Justiz war so eingestellt.
      Gegenüber des Heimes war eine Kleingartenanlage. Als ich mal für einen Jungen sein Moped in die Werkstatt bringen sollte, habe ich dies gleich ausgenutzt, um den Weg zur Kornstraße ein paar mal auf und ab zu fahren. Als ich dann die letzte Runde drehte, kam mir eine Mehlmütze entgegen. Nun, das Moped durfte ich zur Werkstatt schieben, bekam dann aber eine Anzeige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis (obwohl ich mich auf ausgeschildertem Privatgelände befand). Als dann die Gerichtsverhandlung war, gab es zwei Wochen Jugendarrest. Der Richter hatte sich wohl auch gedacht, dass ich ja ein Heimkind war, an dem man ein Exempel statuieren müsste. Zwei Wochen Oslebshausen. So einen Dreckstall hatte ich noch nie gesehen!
      Das wirklich Positivste in der Zeit war ein junger Pädagoge, den wir mal bekamen. Der hatte sich wirklich mit uns auseinandergesetzt. Mit ihm hatten wir mal einen Tagesablauffilm gedreht, auch in unserer Wochenendtanzkneipe in Gröpelingen. Der Mann war echt eine Bereicherung. Aber so schnell wie er kam, war er auch wieder weg. War dem Heim wohl zu modern und liberal. Und so etwas durfte ja nicht sein.
      Aber wenn ich mir die Berichte Anderer ansehe, bin ich doch sehr glimpflich davon gekommen. Die Sauerei ist nur, dass Politiker und Kirche wie auch die Jugendämter die Ansicht vertreten, dass es nie Übergriffe, Gewaltexesse, Mißbrauch etc. gegeben hat, weil es ja damals ein Erziehungs- und Züchtigungsrecht gab. Und darauf berufen sich diese Drecksäcke.