Wie kamt ihr nach dem Heim mit eurem Leben klar?

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      Mangelndes Sebstvertrauen

      Hallo Lutz,

      deine Worte sind ehrlich und sicherlich auch hiflreich. Nach dem Gespräch in München wurde so einiges wieder hochgespült, was schon lange vergessen geglaubt. Danach ging es mir wirklich nicht so berauschend. Ich hab mich davon wieder erholt und meine Gedanken sind mehr mit der Gegenwart beschäftigt.......und das finde ich auch gut so. Dank meiner Frau und meinem Job kann ich wieder selbstbewußt auftreten.
      Genau das was ich meine.
      Du hast eine gute Frau als Stützpfeiler in deinem Leben und hast einen Job, der dir offensichtlich Spass macht, oder wo du dich zumindest wohl fühlst und kannst wieder selbstbewusst auftreten.
      So wenige Dinge reichen schon aus, um sich wieder wohl zu fühlen und selbstbewusst durchs Leben zu gehen. Wichtig ist eben, sich nicht selber zu bemitleiden und jammern, sondern selber aktiv werden.
      Sicherlich waren deine Sitzungen damals auch ein Schlüssel dazu.
      Dacor @Fledermaus
      Ich bin sehr froh darüber, das ich diese ganzen Dinge im Heim gelernt habe und machen musste. Es hat mir später die totale Unabhängigkeit gebracht.
      Viel später habe ich dann mal eine Gebäudereinigung betrieben. Die Grundlagen dafür habe ich auf jedem Fall im Heim gelernt. Alles musste akkurat blitzblank sauber sein, Klamotten und Bett auf falte gelegt sein etc.
      Mit diesen hohen Standards war ich dann mit meiner Gebäudereinigung auch sehr erfolgreich und habe mich in sachen Qualität gut von den Mitbewerbern abgrenzen können.
      Wie man sieht, war also nicht alles schlecht an einem Heimaufenthalt.
      Ich sehe das insgesamt gut durchwachsen.Es gab viel Schlechtes aber eben auch viel Gutes. Und man war gut daran, das beste daraus zu nutzen.
      Hi Lutz, ich hab mir deine Beiträge gut durch gelesen und fand sie inhaltlich sehr gut. Trotzdem bin ich der Meinung, das jeder Mensch anders ist und anders auf das Durchlebte reagiert. Es wäre schlimm wenn alle Menschen gleich wären. Deine Beiträge sind aufbauend und doch versteht einer der schlimmeres erlebt hat deinen Optimisums nicht. Manche kämpfen ein Leben lang immer wieder aufs Neue. Ich kenne einige die nichtmal Beziehungsfähig sind und sich von ihrer Frau getrennt haben weil sie ein Kind bekam und Angst hatten dem Kind oder der Frau weh zu tun (schlagen). Umso schöner finde ich es auch wenn jemand nach der Entlassung aus dem Heim sein Leben in den Griff bekam. Klar war es nicht immer leicht und doch wenn man zurück schaut, hat man schon soviel geschafft. Ist zwar sehr verallgemeinert von mir geschrieben, aber es waren ja auch sehr viele Heimkinder Ost wie West. Ich wünsch mir nur das viele ihre Vergangenheit gut aufarbeiten um endlich fröhlicher durchs Leben gehen. Das Leben ist viel zu kurz wie man häufig sieht.
      Wer jedes Wort auf die "Goldwaage" legt, bekommt seelisches Übergewicht.
      -Fred Ammon-

      Wirklich weise ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann!
      -Unbekannt- Indianerweisheit
      Hallo Jan, an meine Entlassung mit 3 ¼ Jahren kann ich mich so nicht mehr erinnern, nur das meine Adoptivmutti gesagt hat es war so als wenn sie mich aus dem Kindergarten geholt hätten. Sie sagten nur Karola deine Mama kommt dich holen. Ich bin gleich hin und aß zum Mittag eine Erwachsene Portion von meinem Vati.
      Danach hieß es 9 Monate top Zeit bis ihr leiblicher Sohn geboren wurde danach wieder Abschiebung zu den Omas und den Stempel Heimkind nicht unser Kind auf der Stirn – war ja auch ein anstrengendes Kind. Auch so musste ich das machen was Eltern – Schule oder oben stehende sagten. Mit der 8 Klasse raus naja da durfte ich wenigstens „Fleischer“ lernen und brauchte nicht in die Tuchfabrik gehen. Berufsschulzeit war für mich die schönste Zeit da wir nur zwei Mädchen waren hatten wir unsere 15 Jungs im Griff und setzten uns durch. Obwohl Kontrollen von oben immer im Hintergrund waren.
      So richtiges Selbstvertrauen habe ich bis heute nicht – denke öfters ich bin an allem Schuld oder bekomme nichts Richtiges auf die Reihe. Zudem bemerke ich immer häufiger dass ich gerade in Stress Situationen die typischen Symptome der „Heimkinder“ an den Tag lege.
      • Wie hin und her schaukeln
      • Haare heraus ziehen und knappern an den Nägeln
      • Oder auch das heiße duschen
      Zudem denke ich auch öfters um mich einfach zu spüren - das ich mich am liebsten wieder ritzen möchte – es bleibt dann nur bei einem richtigen extremen kratzen. Aber keine Angst das habe ich bis jetzt noch sehr gut im Griff darauf achten schon meine 6 Kids. Denn für sie muss ich stark sein und für meine beiden kleinen Enkelkinder bleibe ich stark und beiße mich über jede Hindernisse durch.
      Denke dann positiv – man kann die Zeit nicht mehr zurück drehen – wir haben nur das eine Leben und das möchte ich gerade jetzt genießen. Verletzt wurden wir genug jetzt kommt das schöne Leben nur für uns – wir haben es alle verdient damit die Wunden etwas durchsichtiger werden – vergessen werden wir alle nicht – aber wir können alle etwas ruhiger leben mit all unseren Macken – Fehlern und anderer Sch…..
      Nach meiner Vergangenheit möchte ich nicht mehr suchen nach vielen Enttäuschungen. Viele Heime sind auch schon weggerissen und nach Torgau habe ich noch nicht die Kraft hinzufahren. Vielleicht später mal.

      :) :) :)
      Kämpfen bedeutet auch immer - man wird stärker und wäckst mit sich - man sollte niemals aufgeben auch wenn es noch so hart kommt am ende ist immer ein Licht.
      @Angie90

      Angi90 schrieb:

      Hi Lutz, ich hab mir deine Beiträge gut durch gelesen und fand sie inhaltlich sehr gut. Trotzdem bin ich der Meinung, das jeder Mensch anders ist und anders auf das Durchlebte reagiert. Es wäre schlimm wenn alle Menschen gleich wären. Deine Beiträge sind aufbauend und doch versteht einer der schlimmeres erlebt hat deinen Optimisums nicht. Manche kämpfen ein Leben lang immer wieder aufs Neue.

      Ich bin ganz bei dir, ABER, wenn ich keinen positiven Vorrausblick habe, und der darf auf Grund eines allgemeinen Selbsterhaltungstriebes im Regelfall NUR optimistisch sein,...dann habe ich mich bereits aufgegeben, und kann auf keinen Fall erwarten, das sich irgendetwas positiv entwickelt, wenn ich selber nicht versuche, aktiv und positiven Ansatz, dem gewünschten Ziel näher zu kommen, also vor allen mental gesehen.

      Sich selbst aufgeben ist im Allgemeinen sicher keine sinnvolle Option, zumal, wenn bestimmte Situationen als negativ erkannt, und man mit diesen Situationen überhaupt nicht zufrieden ist.
      Da bietet sich ein bischen gesunder und realistischer Optimismus an, um neue, bessere Ziele für sich zu definieren und einen Plan zu machen, wie man diese besseren Ziele sicher erreichen kann.

      Und weil die Menschen eben unterschiedlich sind, ist auch der eigene Optimismus, bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt.
      Gerade als ehemaliges Heimkind musste man sich in vielen Situationen der täglichen Abläufe behaupten und durchsetzen, um seine eigenen Ziele zu ereichen. Auch für mich war das eine gute Schule.
      Gelernt habe ich in den ganzen Jahren in Heimen, was ich mir selber nicht erkämpfe, werde ich ganz sicher nie bekommen.
      Und genau so läuft auch das tgl Leben in den westlichen Systemen, also für uns alle.
      Wer dort aufhört, an sich selber zu glauben, und nicht (mehr) bereit ist, zumindest für seine eigenen Ziele zu kämpfen, hat nur noch wenig Chancen.
      Dazu muss man sich natürlich auch zusammen reissen, auch wenn es mal unbequem erscheint, und selber aktiv werden, mit gesunden Optimismus an sich, oder einer unzufrieden stellenden Situation, zielgerichtet arbeiten.

      Wer psychologisch nicht (mehr) in der Lage ist, soetwas allein zu bewältigen, MUSS sich dann Hilfe suchen.
      Das kann im Bekanntenkreis bei vertrauten Personen sein, oder aber auch professionelle Hilfe, mit der man dann gemeinsam an eine Aufgabe zur Situationsveränderung heran geht.

      Klingt sicher alles sehr geschwollen, aber ich bin überzeugt davon, wenn man sich das ganze absolut nüchtern und faktisch betrachtet, daß das genau so läuft.

      :thumbup:
      Hallo Lutz,
      stimme ich dir zu was du so schreibst, zum Teil weist du ich bin ein Optimist trotzdem habe ich Jahrelang Kämpfen müssen bis jetzt noch.
      Ich habe mich immer gewundert warum das andere Menschen die Missbraucht und Gewalt, Medikamente Missbrauch und Vernachlässigt wurden.
      Trotzdem später einen tollen Beruf, Familie, viel Geld haben und gebildet sind.
      Sie holten später vieles nach, habe ich mich gefragt. Wie geht so was?
      Kam nicht drauf, aber jetzt weil ich nachfragte, weil ich es einfach nicht verstanden habe.
      Wenn ein Baby von der Mutter schon schlechte Erbanlagen und die Mutter in der Schwangerschaft trank oder Drogen oder Raucht wird das Kind schon zum größtenteils sehr stark geschädigt bei vielen Babys.
      Die anderen Babys kommen gesund auf die Welt, die wurden später Missbraucht, vernachlässigt und Gewalt zugefügt, aber der innere Kern von Baby war gesund.
      Wenn das gesunde Baby dass später Missbrauchte Kind von der Familie raus genommen wurde.
      Hat es eine bessere Chance, wie das kranke Baby, dass vor der Geburt geschädigt wurde.
      Nicht nur das Heim hat geschädigt sondern auch bei manchen die Eltern während der Schwangerschaft wie das Baby heran wuchs und zur Welt kam.
      Deswegen habe ich jetzt ein wenig mehr verstanden dass nicht jeder Optimistisch sein kann und nicht so ein wunderbares leben haben kann.
      Aber zur mir ich bin nicht gebildet aber schlau, das bringt auch zu was!
      Jeder hat was in vorran treibt in sich, so sehe ich es. Das leben geht trotzdem weiter ob man das leben gelebt hat oder nicht!
      Viele Grüße
      Fledermaus
      PS. Deutsch nicht meine Stärke! ;)
      Hallo Lutz,
      genauso sehe ich das auch. Aber trotzdem, wer wirklich schwach ist, der kann nicht nach rechts und links sehen. Die sehen nur durch einen Tunnel. Das ist wie bei blinden Menschen, sag ihn mal die sollen nach rechts und links sehen, das würde nie funktionieren. Dazu kommt noch, das sie selbst nicht merken das sie Hilfe brauchen. Oder wollen auch keine Hilfe, dann ist es eh zu spät.
      Wer jedes Wort auf die "Goldwaage" legt, bekommt seelisches Übergewicht.
      -Fred Ammon-

      Wirklich weise ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann!
      -Unbekannt- Indianerweisheit

      jw1hal schrieb:

      Hallo,

      Das Thema gab es bereits vor Jahren schon mal hier und hier. ich möchte es aber ganz neu aufgreifen und bin gespannt, was dabei heraus kommt.

      Wie war es genau bei eurer Entlassung aus dem Heim?
      Wie war der Abschied?
      Habt ihr noch Kontakt?

      Wie wurdet ihr zu Hause und/oder in der Gesellschaft aufgenommen?
      Hattet ihr einen Stempel "Heimkind" auf der Stirn oder spielte die Vergangenheit überhaupt keine Rolle?
      Seit ihr draußen klar gekommen?

      Auf eure Antworten bin ich sehr gespannt.

      Das ist ein sehr interessantes Thema, wofür man sich schon ein stückchen Zeit nehmen muss.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „JW1HAL“ () aus folgendem Grund: Antwort von Zitat getrennt

      Na klar wurde man mit Misstrauen auf der Arbeit in der Nachbarschaft begegnet.
      Der Lehrjunge von der LPG Viehzucht. Fing gleich an rum zu spinnen. Bis es mir dann gereicht hat.
      Ich hab den Bengel dann einmal durchgeschüttelt. Weil er ein Zuträger für den Lehrmeister war.
      Ich hab nur gesagt wir brauchen keinen Anscheisser. Diese Arbeit wurde mir vom Referat Jugendhilfe zu gewiesen. Ich bin dort nicht mehr arbeiten gegangen weil mir die Arbeit nicht zu sagte.
      Im JWH hab ich dann meine Lehre als Tischler abgeschlossen. Da nach hab ich dann im Waggonbau In Vetschau gearbeitet. Ich hatte das Glück noch eine Lehre als Werkzeug Schlosser ab zu schließen. Ich denke über die Vergangenheit nicht mehr nach. Weil ich lebe im Heute und nicht im Gestern.
      Die Wahrheit bringt einem an seinem Ziel.
      .

      Die Heimentlassung war für mich eine Verletzung. Wie ich ja schon schrieb, verbrachte ich ein Teil meiner Kindheit in mehreren Heimen, wo es nur Gewalt, Macht und Prügel gab. In dem letzten Heim in Langenberg fand ich dann so etwas wie Geborgenheit, das glaubte ich jedenfalls. Etwa 4 Monate vor meiner Entlassung spürte ich nur Verachtung. Die Erzieherin, die uns kinder schon mal in die Arme nahm, hat mich von heute auf morgen mit Missachtung bestraft, sie sprach nicht mehr mit mir und nörgelte an mich nur rum.
      Da niemand wusste, wohin mit mir, brachte mich dann diese Erzieherin nach Bethel zu einer Ausbildungsstelle zur Kinderpflegerin. Die Fahrt dort hin war lautlos und schmerzhaft. Der Abschied kühl und nichts sagend. Ich war allein und weinte nur.
      Kontakte hatte ich durch Foren wieder gefunden, die allerdings jetzt nicht mehr vorhanden sind, es haben sich alle wieder zurück gezogen.

      Nach meiner Heimentlassung konnte und wollte ich nicht mehr zu meinem Vater nach Hause. Also wo sollte ich hin, es war ja niemand für mich da. Ich fand dann eine Stelle als Hausmädchen und wollte mein eigenes Leben leben. Aber wieder holte mich dort die Vergangenheit ein. Aus der Traum vom eigenes Leben. Ich musste dort von morgens 7 Uhr bis zum Abend arbeiten, Freizeit oder mal wo anders meine Zeit verbringen war nicht möglich. Wie auch, ich hatte ja keine Freunde. Das ältere Ehepaar für das ich arbeitete, besaß 2 Villen nebeneinander, ein für ein Geschäft das sie führten und eine zum Wohnen. Meine Unterkunft aber bestand nur aus einem winzigen Raum, in dem sich ein Bett, ein Kleiderschrank und ein Stuhl befand.

      Nach etwa 2 Monaten hielt ich es aber dort nicht mehr aus und wandte mich heimlich an das Jugendamt (damals war es noch 21 Jahre). Die Reaktion darauf der Arbeitgeber war dem entsprechend. Ich wurde als faul und schlampig bezeichnet. Obwohl das Jugendamt das Sorgerecht über mich hatte, tauchte dann mein Vater dort auf und befahl mir die Kündigung rückgängig zu machen. Aber Gott sei Dank half mich das Amt dann da raus, da aber wieder niemand wusste wohin mit mir, denn ich brauchte ja eine Arbeit mit Unterkunft, verbrachte ich ein Jahr bei meinem Bruder und seiner Familie. Er und seine Frau gingen arbeiten und ich versorgte dann ihre beiden Kinder, damals 2 und 4 Jahre alt.
      Dann fand ich eine Arbeit mit eigenem Zimmer und nun dachte ich fängt mein eigenes Leben an. Aber ich hatte immer Probleme, mein Vater tauchte wieder auf den Arbeitsstellen auf, machte Ärger und wollte Geld, ich wurde zwar nicht gekündigt, aber ich fühlte mich so allein mit allem und weinte viel.
      Ich könnte jetzt noch vieles schreiben über das wie es mir nach der Heimzeit erging, nur soviel: Weder auf den Arbeitsstellen oder Ausbildungsstellen habe ich nie erzählt, das ich in Kinderheimen war, auch in meinem Bekanntenkreis wissen das nur sehr wenige und dabei soll es auch bleiben.

      Das alles hatte mich so fertig gemacht, das ich an fing Tabletten zu schlucken, eine nach der anderen. Dann fand man mich durch diese Tabletten im Rausch und ich verbrachte ein halbes Jahr in einer stationären Klinik und anschließend 10 Monate in einer Tagesklinik. Dort hat man mir sehr geholfen, ich wurde stabiler und kam besser klar, ich lernte dort auch die Vergangenheit ruhen zu lassen, zwar kommen öfter mal Erinnerungen hoch, bisher habe ich es aber geschafft sie unter Kontrolle zu haben, und so soll es auch weiter hin sein.
      Immer wenn über eine Sache Gras gewachsen ist,
      kommt ein Esel und frisst es wieder runter.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „trullaplu“ ()

      Dein Beitrag ist klasse ja ehrlich. Na logisch denkt man ab und zu mal an das vergangene leben nach. Du bist wieder ein Beispiel zu zeigen wenn man was ändern will geht das. Ich weiß auch das es viel Kraft und Energie vorhanden sein muss um die Geschichte von Damals zu verarbeiten. Ich hab auch Jahre gebraucht. Ich kann nur jedes Heimkind ans Herz legen. Mann muss von sich aus Kämpfen das beste aus seinem Leben zu machen. Mich wollte man mit Tabletten vollstopfen. Und mir eine Betreuung zu Seite stellen. Weil ich dies bezüglich immer unter druck stand. Es war nicht einfach vor Gericht zu beweisen das ich klar im Kopf bin. Dank meines Sozialen Umfelds und meiner Ehrenamtlichen Arbeit. Zwecks Drogen etc.
      Die Wahrheit bringt einem an seinem Ziel.
      .
      Ja, es lohnt sich über die eigene Vergangenheit nach zu denken!
      Besonders wenn man eine 'ungewöhnliche' Vergangenheit hatte.

      Wie war es bei mir?
      Ich wurde mit 3 Monaten in ein Krankenhaus eingeliefert mit schweren Schnittverletzungen durch meinen 5 Jahre älteren Halbbruder.
      Der Hintergrund war Verwahrlosung durch unsere Mutter. Der Vater war bei der Bundeswehr...
      Meinen Halbbruder hat er nach der Bundeswehr zu sich geholt, mich ließ er dort bei den Nonnen zurück. Ich war ja nicht sein Sohn..., kein Interesse.

      "Wie war es genau bei eurer Entlassung aus dem Heim?"
      Mit 5 Jahren wurde ich adoptiert, zu meiner Halbschwester in die Familie. Mein großer Traum ging in Erfüllung.
      "Erwachsene" die Interesse an mir hatten, soweit es in ihren Möglichkeiten stand...

      Ich habe mich nie in dieses Heim zurück gedacht, war nur froh dort weg zu sein.

      "Wie war der Abschied?"
      Emotionslos, wie zu erwarten war...

      "Habt ihr noch Kontakt?"
      nein, wozu auch!
      Lieber zman 4711 es gibt halt im Leben höhen und tiefen. Dein weg ist schau nach vorne und nicht zurück. Nur so kannst du dich auf dein Eigenes leben Orientieren. Ich selber hatte keine gute Kindheit im Heim. Das was ich erleben musste wünsche ich nicht mal meinem ärgsten Feind. Ich hab Jahre gebraucht um mich zu Öffnen.
      Also lebe dein Leben und genieße es. Sei es mit der Familie oder mit richtige Freunde nur so kommt weiter im leben. Denn innerlichen schmerzt der einem das leben lang verfolgt kann man nur so in eine Schublade schieben. Ich meine Vergessen kann man den Abschnitt der vergangen zeit nicht. Also es Grüßt dich Herbert 1960
      Die Wahrheit bringt einem an seinem Ziel.
      .
      Danke, im Grunde lebe ich auch so. Leider kommen ab und an diese Erinnerungen hoch. Die "schaue" ich mir dann, und versuche sie neu zu bewerten.
      Das gelingt zwar nicht immer, aber meist kann ich danach neue Gedanken denken die ich vorher nicht hatte. Das Leben fällt mir dann leichter.
      Ab und an werde ich mal in das Forum schauen, mal sehen was sich so tut...
      Das habe ich auch getan und mir das Thema letzte Nacht durchgelesen und siehe da - ein wichtiges Thema gefunden habe. :hutab:

      Wie das bei der Entlassung war? Einen Abend zuvor verabschiedete sich meine „Lieblingserzieherin“ auf ihre völlig einzigartige Art von mir mit Worten wie, ich habe hier nur schwer reingepaßt, weil ich mich nicht anpassen könne oder wolle. Ich müßte das noch lernen usw. Diese Schulmeisterei von ihr, wie ich das auch dieses Mal wieder haßte. OK. Die war eh streng aber wir waren schwererziehbar. Dann war das wohl nötig, ebenso wie der Abschied. Ich war natürlich froh, nun gehen zu können, selbstständig die lange Heimreise von 200 km antreten zu können, als 13 Jähriger, ein wenig durch die Fahrt das Gefühl zu haben, frei zu sein. Die Fahrkarte hatte ich schon, aber die fahrt nach Hause war dann auch schön. Kontakt zum Heim hatte ich nie wieder und bis auf zwei Versuche Ehemaliger aus meiner Gruppe, mit mir zu Hause Kontakt aufzunehmen, 1, 2 Jahre in der Ferienzeit nach der Entlassung, stand Michael vor meiner Tür und fragte mich, ob ich nicht mit ihm noch mal das Heim besuchen würde wollen. Ich konnte mich nicht durchringen und sagte ab. Danach sahen wir uns nie wieder. Ein Anderer suchte mich in Berlin auch, fand mich jedoch nicht. Dafür fand er mich vor 12 Jahren auf imheim.de und mit ihm hatte ich dann selbstverständlich vieles zu bequasseln.

      Was die Aufnahme zu Hause anging, in der Schule usw. ich hatte absolut mangelndes Selbstvertrauen und der Makel, ein Heimkind gewesen zu sein, lief mir hinterher. In der Schulklasse und Nachbarschaft sprach sich das schnell herum. Eine Nachbarin äußerste vielleicht 1 Jahr später, dass sie mich im Heim ruhig noch länger hätte behalten sollen, weil mir Erziehung fehle und ich über den Rasen lief…. Ein anderes Mal war es ein Klassenkamerad, der mich damit vor drei anderen Jungs aufzog, in einem Heim für Schwererziehbare gewesen zu sein. Der wollte wissen, wie es da so gewesen ist, ob sie uns geschlagen haben und provozierte förmlich eine Schlägerei, doch ich beherrschte mich jedoch. Nur zu gern hätte ich ihm aber eine Abreibung verpaßt. Immerhin mein Stiefvater züchtigte mich nach dem ich raus kam, nicht mehr, wenn man mal von einer Ohrfeige absieht.

      Das mit dem Stempel aufgedrückt bekommen haben, verfolgte mich bis ich in die Lehre kam. Erst dort wußte das niemand, denn die Ausbildung fand 350 km weit weg von meiner Heimat statt. Ich lebte und lernte dort in einem sehr einfach eingerichteten
      Internat, das nicht besser als ein paar Jahre zuvor das Heim ausgestattet war. Nur dass ich im Heim komfortabel nur ein Dreibettzimmer hatte und im Internat eines mit 14 Jungen und wir 16, 17, 18 Jahre alt waren. Erst in dieser Umgebung fühlte ich mich wohler und verlor allmählich mein mangelndes Selbstverstrauen. Doch eigentlich erst dann, als ich begann, mich mit Dingen zu befassen, für die sich kein 18 Jähriger nach der Schulzeit befaßt haben mag, Dinge zu lernen, die ich lernen wollte und die mein Selbstvertrauen stärkten. Auch ein beruflicher Umstieg ab 20 trug dazu bei. Spätestens dann war Ruhe mit dem, was mich tief prägte. Nur war die Ruhe trügerisch, denn ich brauchte immer wieder das Alleinsein. Ich konnte auch nur schwer mit Mädchen Kontakt aufnehmen. Ging selten gut. Vielleicht lag es an den Erzieherinnen im Heim und an der ständigen übertriebenen Liebe und Vereinnahmung seitens meiner Mutter und ich konnte lange und bis vor 15 Jahren vielleicht mit Nähe nicht umgehen. Selbst Umarmungen waren unmöglich, wenn man von der die man liebt, absieht. Tja. so war das halt, ein langer Weg und so oft es ging, wollte ich immer nur fort, weit weg, so weit wie möglich und jede Reise bedeutete ein Stück frei-sein. Nur leider hätte ich all das, was ich in Form von mangelndem Selbstwertgefühl zu lange nicht hatte, gern doch schon viel früher gehabt. Ich hätte mehr aus mir machen können, wenn da nicht immer wieder auch die innere Bremse gewesen wäre. Die gibt es seit einigen Jahren so zwar nicht mehr, nur hätte sie viel früher nicht dort blockieren dürfen, wo ich sie am meisten haßte.
      Es ist nicht das Ziel des Lebens, auf Seiten der Mehrheit zu stehen, sondern man muss versuchen, nicht im großen Heer der Verrückten zu landen. Mark Aurel

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      Ja, wie kam man zurecht?
      Entlassung mit 17,5 Jahren zurück ins intakte Elternhaus. Das war im August 1972. Im September dann eine Lehre begonnen und in dem Betrieb bin ich dann bis 1988 geblieben.
      Von meiner Vergangenheit wusste nur der Kaderleiter. Seit dem stand ich bis auf ein paar ganz kurze Unterbrechungen und einer erneuten Ausbildung immer in Arbeit.
      Was habe ich gelernt aus meinem Aufenthalt im Heim/Jugendwerkhof?
      Gesundes Misstrauen allem und allen gegenüber aufzubauen. Nein eigentlich nicht aufbauen, es ist sofort da. Mich hat der Aufenthalt dort eher gestärkt, meine Rechte nach der Entlassung sofort durchzusetzen.
      Mich von NIEMANDEM mehr unter Druck setzen zu lassen. Und ich habe mich nie wieder verbogen, nur um anderen Leuten zu gefallen.
      Das war vorher nicht so, da wollte man zur Gruppe dazu gehören und hat Dinge getan, die oftmals nicht richtig durchdacht waren.
      Nach 2009 habe ich ganz offen über diese Zeit und die Vergangenheit in meinem Umfeld gesprochen und stieß eigentlich nie auf Ablehnung. Meist waren die Zuhörer sogar entsetzt, was man mit uns Jugendlichen zu der damaligen Zeit angestellt hat, nur weil wir ANDERS dachten.
      Gute frage,wie kam ich zurecht nach neun Jahre Aufenthalt im Heim.An einzelne Dinge kann ich mich noch
      sehr gut erinnern.Ich war 18 als ich aus dem Heim weg wollte und da man erst mit 20 volljährig war,kümmerten sich Onkel und Tante beim Jugendamt für mich um eine Entlassung.Mein Wunsch war in eine Familie mit Kindern und mit Familienanschluß.Dauerte auch nicht lange und ich bekam die Nachricht das in Hildesheim in einer Arztfamilie die langjährige Hausangestellte aus Altersgründen aufhören mußte.Kurz vor meinem Geburtstag im Oktober nahm ich mit der Familie Kontakt auf.Nun ging alles sehr schnell.Ich packte meine wenigen Sachen und fuhr nach Hildesheim.
      Vom Bahnhof holte mich Elisabeth und ihr Papa ab.Ich sehr schüchtern aber das hatte sich schnell gelegt denn
      als wir bei ihnen zu Hause waren erwarteten mich noch drei Kinder die mich lieb in ihre Arme nahmen.Dann kam die Mama von den Kindern zu mir und ich merkte hier bin ich richtig.Ach und im Dezember kam noch ein Fünferl dazu.Es gefiehl mir so gut und ich blieb 9Jahre dort.Dann ist der Zeitpunkt gekommen das es an der Zeit war mal einen Freund kennen zu lernen.Nebenbei,das Heim hatte ich lange aus meinem Kopf gestrichen hatte ja so viel andere Dinge im Kopf.Tja ich hatte Freundinen und wir gingen na? Ja zum Kolping und da lernte ich meinen jetzigen Mann kennen.Wir haben zwei Erwachsene Kinder und zwei Enkel die wir von Herzen lieben und verwöhnen.
      Vielleicht schaffen wir in 4Jahren unsere goldene Hochzeit,so Gott will.

      PS Ich habe immer noch netten Kontakt mit der Familie.Die Mutter der Kinder ist heute 90Jahre alt.Leider ist sie im letzten Jahr sehr krank geworden und lebt nun in einem Seniorenheim.Sie war für mich wie eine Mutter und ist es auch jetzt noch.
      Das oben Geschriebene ist auch nur geschönt und ich hab gestern auch nur einen Teil gepostet. Der Teil, der Düstere, den kann man hier kaum noch mal posten. Immer bleibt etwas, das dich ewig schon begleitet, wenn es dich mal wieder überkommt, dann tust du dumme Sachen, die man nicht tun sollte. Es ist wie Sucht; aus der du nicht heraus kommst, mit der man lebt und gelernt haben muss, mit ihr zu leben. Spüren wollen, dass man wirklich lebt. Es ist Selbstdisziplin, die einen seit der Heimzeit begleitet und die Tiefen, der Schmerz, die Suche nach Perfektion, nicht geschafft zu haben, was man hätte schaffen können und müssen. Das begleitet einen und das schon ewig. Zufriedenheit sieht anders aus. Vielleicht stellt man sie auch nur zur Schau. Ich weiss es wirklich nicht aber es gibt Licht und Schatten.
      Es ist nicht das Ziel des Lebens, auf Seiten der Mehrheit zu stehen, sondern man muss versuchen, nicht im großen Heer der Verrückten zu landen. Mark Aurel

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