Wie umgehen im Zeitalter von Corona mit psychischen Erkrankungen

      Wie umgehen im Zeitalter von Corona mit psychischen Erkrankungen

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      Ich bin nicht allein zu Hause, ich habe ja meine Depression

      von Kathrin Weßling

      Corona führt zur Isolation, der Alltag bricht weg: Für psychisch kranke Menschen wie unsere Autorin ist das besonders hart. Was sie belastet – und was ihr hilft.

      Schon morgens fünf neue Eilmeldungen auf dem Telefon. Corona, Corona, Corona, Corona, Corona. Tote, Krise, Panik, noch mehr Tote, Ausgangssperre. Am liebsten würde ich einfach liegen bleiben und irgendeine Serie gucken. [………]

      Wenn die Struktur wegbricht Das fängt schon damit an, dass die Struktur, die uns die Außenwelt vorgibt, wegfällt. [………]

      Auch ich kenne Zeiten, in denen Verpflichtungen im Außen das einzige sind, was mich vor dem kompletten Absturz in die Dunkelheit bewahrt. In der Therapie lernen Depressive und andere psychisch Kranke immer auch, wie wichtig Struktur und feste Termine sind. Wie wichtig es ist, immer zur gleichen Zeit schlafen zu gehen, aufzustehen, einzukaufen, zur Arbeit zu fahren, Freunde zu treffen. Und all das ist plötzlich weg. [………]

      Natürlich ist jede Erkrankung anders, jeder erlebt andere Symptome, Probleme. 5,3 Millionen Erwachsene erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer Depression. Zwei Depressive haben zwar das gleiche Leiden. Trotzdem empfinden sie mitunter komplett unterschiedlich und die Krankheit kann sehr unterschiedlich wirken. Das sage ich, weil so ein Text wie dieser niemals den Anspruch erheben kann, für alle zu gelten. [………]

      zeit.de/zeit-magazin/leben/202…ng-ausgangssperre/seite-2


      Viele müssen nun erst einmal neu lernen, sich unter rasant verändernden schwierigen Bedingungen neu zu finden. Um so krasser triftt es jene, die vorbelastet sind, denen im Alltag vieles nicht anzumerken war und jetzt, wo sich gefestigte Strukturen auflösen, die den Menschen Halt gaben und sie sehen müssen, was jetzt mit ihnen wird, wenn sie zum Beispiel ins Home Office abwandern müssen, wäre das noch das Harmloseste. Hingegen darf man jetzt schon davon ausgehen, dass, wie soeben irgendwo gelesen, Berechnungen davon ausgehen, dass in unserem Land vorübergehend an eine Mill. Menschen ihre Jobs verlieren könnten. Was wird das mit den Menschen machen und gerade mit jenen, um die es hier im Thema geht? Mir macht das Sorgen, denn wo bleiben diese Menschen mit ihren Problemen?
      Es ist nicht das Ziel des Lebens, auf Seiten der Mehrheit zu stehen, sondern man muss versuchen, nicht im großen Heer der Verrückten zu landen. Mark Aurel

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