Kinderheim Aachen Maria im Tann

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      Kinderheim Aachen Maria im Tann

      Zentrum Für Kinder und Jugendhilfe

      Unterer Backertsweg 7
      52074 Aachen-Bildchen

      Wer hier gewesen ist,kann gerne seine Erfahrungen hier rein schreiben
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      Rettungsanker Kinderheim
      Heimleiter Stefan Küpper im Interview

      Kinder, die im Kinderheim leben, haben zumeist eine harte Zeit hinter sich, denn ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten konnten sich nicht mehr um sie kümmern - aus welchen Gründen auch immer. Stefan Küpper ist Leiter des Kinderzentrums "Maria im Tann" in Aachen und erläutert einiges zum Leben von Kindern im Kinderheim:

      ZDF: "Sehe ich aus wie ein Heimkind?", fragt Eileen im Film ihre Mitschüler. So, wie Eileen das formuliert, klingt es wie ein Makel. Wie lernen Kinder, damit umzugehen, dass sie keine "heile Welt" zu Hause hatten und im Heim leben?


      Stefan Küpper: So, wie Eileen das formuliert, kann man davon ausgehen, dass sie oft genug erlebt hat, dass Andere den Begriff "Heimkind" wie einen Makel benutzen. Und mit Sicherheit hat sie auch oft genug darunter gelitten. Das ist ein Problem, was manchmal die innere Befindlichkeit von Kindern, die im Heim leben, noch zusätzlich erschwert: Sie müssen nicht nur mit den Problemen ihrer Vorgeschichte und der zumindest vorübergehenden Trennung von ihrer Familie klar kommen, sondern zudem damit, dass sie sich als "Heimkinder abgestempelt" fühlen.
      Zitat
      „Wahrscheinlich die wichtigste Aufgabe, die die Heimerziehung zu leisten hat, ist der Aufbau und die Stabilisierung von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein.“
      Stefan Küpper

      Wahrscheinlich die wichtigste Aufgabe, die die Heimerziehung zu leisten hat, ist der Aufbau und die Stabilisierung von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, unabhängig von der Bearbeitung der oftmals traumatisierenden Erlebnissen und Erfahrungen vor der Heimunterbringung.

      ZDF: In den Medien erfährt man wenig über Kinderheime, und wenn, dann oft Schlechtes, Stichwort sind hier die Mißbrauchsfälle der 50er und 60er Jahre. Aber warum haben Kinderheime heute ein schlechtes Image?


      Küpper: Vielleicht liegt es daran, dass "schlechte Nachrichten" auf ein beträchtlich höheres Öffentlichkeitsinteresse stoßen. Das kann man - glaube ich gut an den Berichterstattungen über die schlimmen Missbrauchsfälle in den Erziehungsheimen der 50er und 60er Jahre sehen: Über die entsetzlichen Vorfälle von Entwürdigung, Missbrauch und Misshandlung wird -absolut zu Recht - sehr breit informiert. Die zahlenmäßig um ein vielfaches höheren "guten Heimkarrieren" finden dagegen so gut wie keine mediale Beachtung.

      ZDF: Wie viele Kinder leben eigentlich in Deutschland in Kinderheimen?


      Küpper: Die aktuelle Zahl von Kindern und Jugendlichen in der BRD, die in Heimerziehung betreut werden, liegt derzeit bei etwa 93.000 Kindern und Jugendlichen.


      ZDF: Im Film sieht man, dass sich die Kinder wohl fühlen und gut aufgehoben sind. Wie sieht das Alltagsleben im Heim aus?

      Küpper: Der Tagesablauf in unseren Wohngruppen sieht vom Grundprinzip her so aus wie in den meisten Haushalten: Jeder steht morgens so auf, dass er zur richtigen Zeit in den Kindergarten, in die Schule oder zur Arbeit kommt. Es gibt also keine feste Weckzeit für alle. Es gibt auch keine feste Mittagessenzeit, weil die Kinder und Jugendlichen zu unterschiedlichen Zeiten aus den öffentlichen Schulen nach Hause kommen. Die Nachmittage sind geprägt durch Schularbeiten, Termine wie Therapien, Förderangebote, Arztbesuche, Einkäufe, Teilnahme an Sportvereinen und vor allen Dingen Freizeit.


      Dies alles wird jeweils individuell für jedes einzelne Kind und jeden einzelnen Jugendlichen geregelt. Allerdings ist in den meisten Gruppen das Abendessen eine Gemeinschaftsveranstaltung, damit sich dann die ganze Gruppe begegnen kann und dabei auch die anstehenden Fragestellungen, Regelungen, Konfliktklärungen und andere Themen miteinander besprochen werden können. Die Kinder und Jugendlichen leben ungefähr zur Hälfte in Einzelzimmern, zur anderen Hälfte in Zweibettzimmern. Gelebt und gegessen wird in den jeweiligen Wohngruppen, in denen bis zu zehn Kinder und Jugendliche mit etwa sechs Erwachsenen (im Schichtdienst) zusammen leben.



      ZDF: Warum kommen die Kinder ins Heim? Wie kommt es dazu, dass die Eltern sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern können?


      Küpper: Vielfach liegt die Ursache für eine Heimunterbringung in schwerwiegenden Erkrankungen der Eltern. Dabei stehen vor allem psychische Erkrankungen im Vordergrund. Dazu kommen Faktoren wie Erziehungsunfähigkeit von Eltern, Gewaltsysteme in den Familien, sexuelle Gewalt, und dabei das Wegbrechen der Tragfähigkeit des familiären und großfamiliären Systems. Manchmal kommen auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus anderen Kontinenten ins Heim. Dabei betone ich immer wieder, dass die Ursache und Verantwortung für eine Heimunterbringung niemals in den Kindern selber liegt.


      ZDF: Was sind die größten Schwierigkeiten, die die Kinder haben?


      Küpper: Das Besondere an der Situation von Kindern und Jugendlichen, die zumindest für eine Zeit in einem Heim leben müssen, liegt vor allem darin, dass sie durch die Lebensumstände in ihrem vorherigen Umfeld nicht "auf ihre Kosten" und zu den Rechten und Chancen gekommen sind, die für alle Kinder gleichermaßen selbstverständlich sein müssten.


      Sie haben nicht die Zuwendung, die Förderung, die Aufmerksamkeit und die Lebensbedingungen bekommen, auf die Kinder ein Recht haben und die für ein gesundes Großwerden unbedingt notwendig sind. Dadurch sind sie in so grundlegenden Dingen wie Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, Vertrauen auf ihre eigene Kraft und Selbstwirksamkeit oftmals ganz tief verletzt.


      ZDF: Wenn Eltern die Kinder entzogen werden, kommen sie oft in Pflegefamilien unter. Nach welchen Kriterien wird da entschieden?
      Zitat
      „Die Entscheidung, welche "Hilfe zur Erziehung" ein Kind bekommen soll, wird gewöhnlich zwischen Jugendamt und Eltern beziehungsweise Sorgeberechtigten getroffen.“
      Stefan Küpper

      Küpper: Die Entscheidung, welche "Hilfe zur Erziehung" ein Kind bekommen soll, wird gewöhnlich zwischen Jugendamt und Eltern beziehungsweise Sorgeberechtigten getroffen. Dabei gibt es nicht generell die richtige oder die falsche Lösung, sondern immer nur die richtige oder falsche Lösung für die konkrete Situation des einzelnen Kindes. Wichtig ist, dass die Bedingungen so genau wie möglich auf das einzelne Kind abgestimmt werden. Vor diesem Hintergrund kann man auch nicht davon sprechen, dass generell Pflegefamilie oder generell Heim besser oder schlechter wären.


      ZDF: In den Beispielen im Film halten die Eltern der drei Kinder den Kontakt zu ihren Kindern. Ist das der Normalfall? Und wie sieht es mit weiteren Angehörigen, etwa Oma und Opa aus?


      Küpper: Dass Kinder und Jugendliche, die in unserem Heim leben, keinen Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie und den Verwandten haben, ist die Ausnahme. Wir gehen ja grundsätzlich zunächst davon aus, dass die Heimunterbringung nur zeitlich befristet ist und das Kind, wenn eben möglich, anschließend wieder in seine Familie zurück kehrt. Dafür achten wir darauf, dass der Kontakt zur Herkunftsfamilie weiter gepflegt wird, und wir arbeiten zudem auch mit den Familien an möglichen Veränderungen ihrer Lebenssituation, damit die Rückkehr der Kinder auch besser gelingt.


      ZDF: Werden die Kinder nachbetreut? Was passiert, wenn sie volljährig sind und ausziehen?

      Küpper: Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene, die nicht mehr in ihre Familie zurückkehren, sondern nach dem Heimaufenthalt in eine eigene Wohnung ziehen, werden gewöhnlich von uns in ihrer eigenen Wohnung noch einige Monate im Rahmen von sozialpädagogisch betreutem Wohnen betreut, damit der Wechsel in ein eigenständiges und selbst verantwortetest Leben besser gelingt. Und zudem halten viele auch ohne verankerte Betreuung einen lockeren Kontakt.

      Das Interview führte Uschi Hansen
      Hinweis:

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      die uns vor langer Zeit verlassen haben und welche viele Erstbeiträge von den Heimen erstellten.

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      37 Grad - Sendung vom 14.12.2010, 22:15 Uhr

      Dann musst Du ins Heim!
      Wenn Kinder ein neues Zuhause brauchen

      Dominik (12) hat die letzten drei Jahre im Kinderheim verbracht, gemeinsam mit seinem Bruder Kevin (10). Auch die 18-jährige Eileen lebt im Kinderheim "Maria im Tann" - seit acht Jahren. 37 Grad begleitet die drei Heimkinder im Zeitraum von einem Jahr. Alle versuchen mit dem, was ihnen bei ihren Eltern widerfahren ist, klarzukommen.

      37grad.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,1872,1020910_idDispatch:10177948,00.html?dr=1

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      Wer lesen kann ist klar im Vorteil!

      Stefan Küpper: So, wie Eileen das formuliert, kann man davon ausgehen, dass sie oft genug erlebt hat, dass Andere den Begriff "Heimkind" wie einen Makel benutzen. Und mit Sicherheit hat sie auch oft genug darunter gelitten. Das ist ein Problem, was manchmal die innere Befindlichkeit von Kindern, die im Heim leben, noch zusätzlich erschwert: Sie müssen nicht nur mit den Problemen ihrer Vorgeschichte und der zumindest vorübergehenden Trennung von ihrer Familie klar kommen, sondern zudem damit, dass sie sich als "Heimkinder abgestempelt" fühlen.
      Zitat
      „Wahrscheinlich die wichtigste Aufgabe, die die Heimerziehung zu leisten hat, ist der Aufbau und die Stabilisierung von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein.“
      Stefan Küpper

      Wahrscheinlich die wichtigste Aufgabe, die die Heimerziehung zu leisten hat, ist der Aufbau und die Stabilisierung von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, unabhängig von der Bearbeitung der oftmals traumatisierenden Erlebnissen und Erfahrungen vor der Heimunterbringung.



      In beiden Voksschulen, die ich besucht habe, wurden "Heimkinder" nicht nur von vielen Kindern aus
      Familien mit allerlei Gemeinheiten - und nicht nur verbal - bedacht.

      Ich erinnere mich an einen Lehrer, der sich nicht traute, eines der "Nicht-Heim-Kinder" auch nur schief
      anzuschauen; wohl aber seinen Frust -den Ausdruck kannte man damals wohl noch nicht - mit einem
      Bambusstock abzulassen, wobei ihm egal war, wo der oder die Schläge ihre Spuren hinterließ.

      Als später dann plötzlich im Kinderheim JHH die Nachricht in den Sommerferien eingetroffen ist, der
      Sch........ sei plötzlich verstorben tat es einen Jubelaufschrei, als wenn er abgesprochen gewesen wäre
      für einen exakt bestimmten Zeitpunkt. Uns ist ein Stein - nein, ein Gebirge vom Herzen gefallen.
      Dieser Mann war ein Sadist: Z. B. gab es da ein Gedicht zum Muttertag: "Wenn du noch eine Mutter hast,
      so danke Gott und sei zufrieden, nicht allen auf dem Erdenrund ist dieses große Glück beschieden. .......

      Wer wohl von dieser Klasse hat dieses Gedicht fast täglich in den 3 Wochen vor Muttertag komplett und
      mehrmals als Strafarbeit abschreiben müssen? Wer wurde bestraft, wenn wir es aufsagen mussten vor
      der Klasse und "es klappte nicht wie am Schnürchen"? Es waren immer nur die Heimkinder die da vorzüglich
      misshandelt wurden.

      War irgendetwas angeblich geklaut worden, waren es die Heimkinder. Beweis: Die "Stadtkinder" haben
      das ja nicht nötig.

      Gottlob hatten wir dann den Rest der Schulzeit (noch etwa 18 Monate) einen ganz anders strukturierten
      Klassenlehrer, der auch mit Erfolg die vielfältigen Vorurteile gegen uns nach und nach abgebaut hat.

      ZDF: In den Medien erfährt man wenig über Kinderheime, und wenn, dann oft Schlechtes, Stichwort sind hier die Mißbrauchsfälle der 50er und 60er Jahre. Aber warum haben Kinderheime heute ein schlechtes Image?

      Küpper: Vielleicht liegt es daran, dass "schlechte Nachrichten" auf ein beträchtlich höheres Öffentlichkeitsinteresse stoßen. Das kann man - glaube ich gut an den Berichterstattungen über die schlimmen Missbrauchsfälle in den Erziehungsheimen der 50er und 60er Jahre sehen: Über die entsetzlichen Vorfälle von Entwürdigung, Missbrauch und Misshandlung wird -absolut zu Recht - sehr breit informiert. Die zahlenmäßig um ein vielfaches höheren "guten Heimkarrieren" finden dagegen so gut wie keine mediale Beachtung.


      Mir persönlich ist bis dato noch keine einzige von den angeblich "vielfach höheren guten Heimkarrieren"
      begegnet. Es mag sie ja vereinzelt geben, wenn besondere Umstände dieses begünstigen.
      Der Rest ist

      Wenn man mich fragt, hat dieser Gesprächspartner des ZDF mit dem letzten Satz dieses Zitates seine Glaubwürdigkeit
      verspielt und seine wahre Einstellung offenbart: "Des Brot ich es, des Lied ich sing".

      Das Lied geht so:

      kinder-heim.de/index.php/Attachment/1116/