Jugendwerkhof Gerswalde Neues Leben / 1955-89

    Es gibt 31 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von anho1971.

      Jugendwerkhof Gerswalde Neues Leben / 1955-89

      Dorfmitte 17
      Neubrandenburg

      Wenn Du in dieser Einrichtung warst, kannst Du hier alles posten,
      an was Du Dich erinnerst


      Hinweis:

      Der Forengeist beinhaltet mehrere Accounts von ehemaligen Teammitgliedern,
      die uns vor langer Zeit verlassen haben und welche viele Erstbeiträge von den Heimen erstellten.

      Es ist somit also ein reiner Systemaccount,
      hinter dem keine reale Person steht, die auf Beiträge oder PN´s antworten kann.

      Seht also bitte davon ab, dem Forengeist zu schreiben, da ihr keine Antwort erhalten werdet.
      Auch ich war hier, meinen Beitrag schreibe ich gerade und stelle ihn dann hier mit rein. meine Zeit war von August 1981 bis 11. August 1984. Ich habe an diesen Werkhof gute und auch schlechte Zeiten erlebt. Jeder ist sich selbst der nächste gewesen. Ich konnte durch die Lehre die ich dort machte einiges für´s Leben gewinnen. Erlernt habe ich den Beruf eines Haus- und Hofschlossers. Im LIW Prenzlau haben wir in der Demontage bis hin zur Endabnahme und Spritzerei gearbeitet. Daher habe ich sehr viel über Motoren kennengelernt und auch gewinnen können. Ich kann mich sehr gut an diese Zeiten erinnen, wie oben schon geschrieben stelle ich meinen Beitrag später mit rein.
      Die liebsten Grüße schreibt Euch Euer Micha aus Dresden
      28 jahre habe ich gebraucht - mehrere abgebrochene anläufe - bis ich mich im sommer 2011 dazu durchringen konnte, noch einmal nach gerswalde zu fahren.
      habe meine familie mitgenommen, frau und sohn - weil ich alleine wohl keinen schritt in meine "vergangenheit" geschafft hätte.
      vom ehemaligen karl-marx-stadt / jetzt chemnitz war es immerhin nicht gerade der nächste weg in dieses dorf im ehemaligen "bezirk neubrandenburg".

      die letzten kilometer landstrasse waren schon "emotional angespannt" bis dahin, der weg dann durchs tor, zur "anmeldung" im barackenflachbau rechts rief dann schlagartig alle erinnerungen, die ich seit 1983 in mir vergraben hatte, wieder hoch.
      und ja - ich gebs zu, ich hab die ersten minuten geheult und auch während meines rundganges in der immer noch "vertrauten umgebung" überkamen mich erinnerungen, die mir doch immer mal das atmen schwer gemacht haben.
      auch meine ausbildung war die eines "schlosserhelfers", im damals üblichen SV-buch unter der berufskennziffer 24100 abgelegt (haus- und hofschlosser = diese berufsbezeichnung gab es gar nicht!)
      "offiziell" nannte sich dieser "ausbildungsberuf" landmaschinen- und traktorenschlosserhelfer mit teilfacharbeiter-abschluss, bedingt durch "nur" eineinhalb jahre lehrzeit.
      so sagts mir mein "teilfacharbeiterbrief" aus damaliger zeit.
      meine lehrmeister waren der herr bierhals und der herr zecher, die einzigen zwei menschen, an die ich innerhalb meiner heim- und jugendwerkhofjahre eine relativ positive erinnerung habe - als menschen, weil die die einzigen waren, die mir zutrauten, später zurecht zu kommen und in mir potential erkannten, das ichs zu was bringen könnte und mich entsprechend unterstützt haben.
      beide leben ebenfalls nicht mehr.
      ich habe leider 28 jahre zu lange gebraucht, um mich bei beiden bedanken zu können.

      ich habe ebenfalls im LIW prenzlau als "lehrling" gearbeitet, meine erinnerungen allerdings fördern eher "billige hilfsarbeiten" statt wirkliche "ausbildungstätigkeiten" zu tage.

      als ich mit meiner familie - nach ankunft im nun heute "jugendheim neues leben" (so stehts wirklich heute überm eingang! man hat nur einige buchstaben im alten schmiedeeisernen rundbogen getauscht!!!) heißenden ehemaligen jugendwerkhof - begann, meine "runde" zu drehen da, die stationen meines aufenthaltes abzulaufen, den baum im (heute nennt man es "park") zu suchen, in den ich als 15jähriger meine initialen geritzt hatte, wollte die gänsehaut, die sich auf dem körper breitgemacht hat, einfach nicht verschwinden.
      ich hatte gehofft, noch einmal einem meiner erzieher zu begegnen - herrn schottke - um ihm in die augen zu blicken und ihn und seine damaligen ansichten über mich lügen zu strafen.
      denn dieser mann war stets bemüht, mir zu erklären, das ich ein leben lang "zweite garnitur", "aus mir nicht werden wird", "im knast ende" und noch weitere aufbauende nettigkeiten, die er für mich übrig hatte während meines aufenthalts in gerswalde.

      leider ist dieser mann verstorben und so lief mein "besuch" nach 28 jahren nicht ganz zu meiner zufriedenheit, denn dieses lange vor mir hergeschobene, erhoffte gespräch konnte nicht mehr stattfinden.
      ich hätte ihm zu gern erklärt, das ich heute familie habe, beruflich erfolgreich bin, als selbständiger meine eigene firma führe und mir aus der zeit im jugendwerkhof eigentlich nur eines fürs leben mitgenommen habe - andere menschen zu achten, statt zu verachten.
      an mehr bzw. andere namen von "erziehern" aus dieser zeit kann ich mich keider nicht mehr erinnern, dafür geistern in mir aber noch namen ehemaliger zeitgleich weggesperrter aus meiner zeit in gerswalde.

      ich kann die "vorzüge", die der threadstarter michael bürger für sich als "fürs leben positiv beeinflusst" benennt, nicht nachvollziehen.
      meine erinnerungen sind andere.
      arrest gleich zur "einweisung" - 10 tage am stück - nur weil ich mir (angeordnet von diesem herrn schottke) von einem zukünftigen "gruppenmitglied" nicht die haare mit einer fingernagelschere kurzschneiden lassen wollte und dagegen rebelliert hatte ...
      leibesvisitation früh halb 6 bei meiner ankunft nach 3h fahrt inklusive duschens mit dem schlauch und kaltem wasser - nackt vor 3 erziehern und einer erzieherin ...
      wegnahme meiner persönlichen bekleidung und herausgabe von "ersatz" aus der "kleiderkammer" ...
      wiederholter arrest, weil ich "anordnungen", die offensichtlich nur dem zwecke dienten, uns große kinder - denn nichts anderes waren wir als jugendliche ja noch - zu "disziplinieren", in frage stellte hinsichtlich ihres sinnes und zwecks. ....
      essensentzug, wenn man die "nachtruhe" durch leise unterhaltungen "gestört" hatte, am nächsten tag. dann gings auch mal ohne gefüllte "brotbüchse" zum arbeiten nach prenzlau ...
      an anderes mag ich mich schon wieder gar nicht mehr erinnern, denn dann keimt in mir wieder diese ohnmächtige wut vergangener zeiten auf ...
      und noch so einiges andere mehr, was sich in diesen anderhalb jahren so gesammelt hatte.

      mir hat der "aufenthalt" im jugendwerkhof auch später bis zur wende immer wieder steine in den weg gelegt.
      egal, in welcher firma/betrieb/etc. man arbeiten wollte, egal, welche tätigkeit man sich vorstellte - spätestens in den sogenannten "kaderabteilungen" wurde dann offensichtlich, das man trotz leistung, arbeitzeuglichem leumund der letzten firma IMMER mit der ersten seite seiner "kaderakte" auch den dick unten rechts prangenden stempel "jugendwerkhof neues leben gerswalde" mit sich herumschleppte und somit sofort schief angeschaut und als minderwertiger als andere angesehen wurde.
      sehr viele menschen in der damaligen DDR, die selbst kaum etwas wussten über die heime und werkhöfe und ihre phantasie darüber nur mit gerüchten nähren konnten, sahen einen "exinsassen" gleichbedeutend mit einem an, der im knast gewesen sein musste ... und demzufolge bestimmt "was ganz schlimmes getan" hatte.
      und wer "da" herkam, der konnte doch nichts taugen!

      dieses jahr nun sind es 29 jahre, die mich von meiner entlassung 1983 trennen und ich habe für mich mit diesem kapitel immer noch nicht abschliessen können, ob ichs je werde, weiß ich auch nicht.
      aber eins weiß ich - insgesamt "positive erinnerungen" werde ich wohl nie verbinden mit meiner zeit in gerswalde.

      es grüßt michael *edit* / chemnitz
      von 20.03.1982 - 23.09.1983 im JWH gerswalde

      hier noch ein paar "impressionen" aus vergangenen tagen ... manches hat sich kaum verändert bis heute!

      der "eingangsbereich" - wirklich "verändert" hat sich heute nur die beschriftung des bogens ...




      die ehemalige "verwaltung" - in der alles begann ...




      die alte schlosserei im werkhof ...



      eine alte ansicht (aus einem dort stehenden schaukasten mit wenigen informationen über die damalige "nutzung als jugendwerkhof")
      man hat heute übrigens teilweise informationen aus vergangener zeit "beschönigt" ...



      nach der wende saniert und nicht mehr grau in grau - das "schloß" derer "von barnim" (45 enteignet) und dann jahrzehnte lang jugendwerkhof,
      heute befinden sich darin u.a. "wohngruppen" des "jugendheimes" ...


      und wer von den dagewesenen erinnert sich nicht an die "alte burg", die wir per hand in "arbeitseinsätzen" damals begannen, von schutt und geröll freizulegen!




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      Meine Zeit in Gerswalde.....

      Ich bin der Andreas und war von 1986-1988 im JWH Gerswalde! Was kann ich über meine ZEit dort berichten? Als erstes möchte ich sagen, nachdem ich endlich meine Akten in den Händen halte, das es überhaupt keinen Grund gab, mich in solch eine Institution einzuweisen, aber das war halt alles Willkür! Ich möchte trotz allem dem JWH, später Jugendheim danken, das ich nach meiner Zeit bei der NVA die Chance erhalten habe, 1990-1992 meinen Facharbeiter als Betriebsschlosser zu absolvieren, da ich damals nur einen Teilfacharbeiter hatte. Besonderen Dank verdienen die Lehrmeister, die es geschafft haben mit doch recht bescheidenen Mitteln uns eine gute Ausbildung zu ermöglichen, danke dafür!
      Ich möchte hier aber auch nicht vergessen, das es zu DDR Zeiten Erzieher gab, die ihre Position auf übelste Weise missbraucht haben, das heißt, Jugendliche bzw. kindliche Jugendliche zu knechten, zu brechen und zu demütigen. Namen nenne ich hier nicht, das ist nicht in meinem Sinne, ich hoffe diese Herren leben mit einem schlechten Gewissen!! Ich habe einige Jugendliche gesehen, kennengelernt, die nach Torgau kamen und gebrochen zurückkamen, dank dieser Willkür! Man hatte doch nur Sehnsucht nach dem zu Hause, aus dem man ohne triftige Gründe heraus geholt wurde, gerade deswegen haben viele von uns versucht dem Werkhof zu entkommen, doch das war schon Grund genug, in eine Zelle gesperrt zu werden und bei weiteren Verstößen, egal welcher Art, nach Torgau zu kommen....zum Glück ist mir das erspart geblieben. Da ich eh schon vorher seit meinem dritten Lebensjahr in Heimen war, wußte ich um die Hirarchie und wie ich mich zu verhalten hatte, wenigstens in den ersten Wochen. Anderen Jugendlichen fiel es nicht so leicht, da sie vorher nie in einem Heim oder so waren und genau diese hatten es schwer, sich einzuleben und bekamen auch die Hirarchie am eigenen Leib zu spüren und das mit Wissen so einiger Erzieher, das nannte man Selbsterziehung!!!!! ha,ha....! Sicher, es mag Jugendliche gegeben haben, die es verdient hatten dort zu sein, doch das gro, wie man heute weiß, war der Willkür des Staates ausgesetzt bzw. der Jugendhilfe, die unserer roten Margot Honecker unterstand.Viele sind heute psychisch und physisch labil durch das Erlebte und man kann es ihnen auch nicht verdenken, allein schon bei der Einfahrt in den Werkhof das Schild zu sehen bzw. zu lesen.: JUGENDWERKHOF "NEUES LEBEN"!! Was für ein Hohn, welches neue Leben denn?
      Ich persönlich will nicht entschädigt werden oder ähnliches, aber ich möchte auch nicht vergessen, im Namen aller die sowas erlebt haben und noch schlimmeres! Mfg Andreas *edit* :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:


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      Gerswalde Suckow Groß-Fredenwalde Klein-Fredenwalde

      Hallo Michael,
      um so mehr ich mich zurück erinnere desto mehr könnte ich mich über die Art und Weise wie wir aus unseren Familien gerissen wurden nur auf vage Vermtutungen über die damaligen Jugendämter aufregen was heute 30 Jahre danach nix mehr bringt.
      Finde es bewundernswert wie Du damit umgehst, wäre niemals nur auf den Gedanken gekommen dahin zurück zu fahren.
      Zuviel Schmerz über die verlorene Kindheit .
      Hätte dann ne Rundfahrt machen müssen von Gerswalde nach Suckow und dann nach Groß-Fredenwalde daß wäre einfach für meinereiner zuviel.
      Aber dennoch bin ich überrascht das jetzt soviele über Ihr Unrecht sprechen, obwohl es weh tut.
      Sicherlich erinnerst Du Dich an die sogenannten Außenstellen, wo die Insassen im Betonwerk Wilmersdorf oder im Kuhstall Fredenwalde arbeiten mussten.
      In Wilmersdorf musste ich im drei-Schichtsystem arbeiten mit 16 Jahren,
      wo wir die neueste Errungenschaft der DDR DSB Dichten Silikat-Beton herstellten.
      Das hies Stahl schneiden schweissen und in verschiedene Formen legen und mit Beton füllen bis zum Beton fast alles Handarbeit.Zwischendurch immer die Attacke der Erzieher, wenn man im JWH ankam und fertig von der Arbeit war.
      In Groß-Fredenwalde war es nicht ganz so schlimm da hatten wir nur mit 80 Kg Futter-Säcken zu tun und mit 20 Liter-Kannen die wir ,weil
      Sozialistische-Brigade, um die Wette melken mussten.
      Das hieß, 4.00 Uhr im Kuhstall was man nur hinbekam wenn mann an der Kühlwanne kalte Milch vom Vortag trank, fazit Übermüdung und Stress machten einen fertig man wollte ja nicht schlecht sein. Zwischendurch Attacke der Erzieher.
      Nachmittags dasselbe Kuhkacke räumen mit Karre, danach füttern mit Silage natürlich volle Karre und dann einstreuen.
      Vorher wieder 20 Liter Kannen, das heisst die waren zwar nicht ganz voll aber mit 16-17 Jahren zwei solcher Kannen und das bei 16 Kühen ist irre aber wir haben es gemacht weil wir es nicht anders wussten.
      Heute Rücken kaputt und Rente ne, geht noch 6 stunden am Tag.
      So die Versicherungsanstalt.
      Traurig aber wahr, ich hoffe für alle die das mit machen mussten das es eine LINDERUNG gibt, denn eine Entschädigung kann keiner aufwiegen.
      Auch wenn Deutschland immernoch für andere Verbrechen bezahlt.
      Sorry wenn Schreibfehler aber ich bin total aufgeregt.
      Karsten aus Leipzig
      Es sind die Begegnungen mit MENSCHEN,
      die das Leben heute lebenswert machen !

      vor fast 40 Jahren...

      vor fast 40 Jahren...,
      ja liebe Leute, die Zeit vergeht aber die Errinnerungen bleiben.
      ...meine Zeit war 1974 bis 1976
      ...Lehre " Teilfacharbeiter als Getriebedemontierer" und Billigarbeiter im LIW Prenzlau.

      ...ansonsten lest oben was "der Chemnitzer" geschrieben hat, genau so war es!

      vielen Dank für die Bilder. Ich sah die Bilder und es war als ob es erst gestern war.

      liebe grüsse eines ehemaligen
      Lutz_S
      JWH Gerswalde
      Gruppe 1 Erdgeschoss gleich links unten wenn mann ins Hauptgebäude eintritt.
      "Eines der grossen Geheimnisse des Lebens ist,
      das nur das was wir für Andere tun,
      der Mühe wirklich wert ist."
      (Luis Ceran)
      @Chemnitzer


      Deinen Beitrag habe ich soeben gelesen. Mir ging es 10 Jahre vor dir ebenso. Aus deinem Beitrag entnehme ich, dass du in der Gruppe "Einheit" im Erdgeschoss warst, wenn ich mich recht erinnere. Ich war in der Gruppe "Freundschaft" im ersten Stock. Meine Erzieher hießen: Herr Pawlowski - war ok, Herr Ruddloff - ging, Herr Kischio - war ein A****, und Frau Friedrich. Die Verwaltung befand sich zu meiner Zeit gegenüber unserer Zimmer. Desweiteren habe ich den Arrestraum auch öfters besuchen müssen. Bei mir war ein Hocker noch festbetoniert. Vielleicht könnten wir uns auch außerhalb dieses Portals einmal kontaktieren (Bitte per PN melden), da ich in der Nähe wohne.

      Andreas57 schrieb:

      @Chemnitzer


      Deinen Beitrag habe ich soeben gelesen. Mir ging es 10 Jahre vor dir ebenso. Aus deinem Beitrag entnehme ich, dass du in der Gruppe "Einheit" im Erdgeschoss warst, wenn ich mich recht erinnere. Ich war in der Gruppe "Freundschaft" im ersten Stock. Meine Erzieher hießen: Herr Pawlowski - war ok, Herr Ruddloff - ging, Herr Kischio - war ein A****, und Frau Friedrich. Die Verwaltung befand sich zu meiner Zeit gegenüber unserer Zimmer. Desweiteren habe ich den Arrestraum auch öfters besuchen müssen. Bei mir war ein Hocker noch festbetoniert. Vielleicht könnten wir uns auch außerhalb dieses Portals einmal kontaktieren (Bitte per PN melden), da ich in der Nähe wohne.

      Hallo @Andreas,
      mit viel Freude las ich heute Abend Deinen Beitrag, weil ich feststellte das wir zur selben Zeit in Gerswalde waren.
      An die Erzieher Herr Pawlowski und Herr Rudloff habe ich auch gute Erinnerungen, Herr Kischio und Frau Friderich sagen mir heute nichts mehr warscheinlich habe ich viel vom Negativen verdrängt.
      Die Lehrmeister´waren Herr Kallinowski in der Heimeigenen Schlosserei und Herr Bierhals später im LIW Prenzlau.
      ...zum Arrest fällt mir noch ein das nicht nur der sehr flache Hocker einzementiert war, sondern auch die Bettpritsche frühmorgens an die Wand hoch geklappt und festgeschraubt wurde, es gab auch kein Fenster wo mann rausschauen konnte, sondern nur Glassteine die Licht in den Raum liesen.

      viele Grüße
      Lutz
      "Eines der grossen Geheimnisse des Lebens ist,
      das nur das was wir für Andere tun,
      der Mühe wirklich wert ist."
      (Luis Ceran)
      Hallo Lutz,
      vielen Dank für deine Antwort. Als Lehrmeister zu meiner Zeit waren noch Kliwa (der Schmied), Zecher (der Pfeifenraucher mit Prestige gefüllt), ein kurpulenter Dreher, dessen Name mir entfallen ist und dann kam noch ein großer kräftiger älterer Lehrmeister (Name kenn ich auch nicht). In der Schlosserei haben wir Büchsen gedreht für das Kabeltrommelwerk Oberspree, sowie Kokskörbe hergestellt. Die Richtarbeiten für die Kokskörbe waren eine Qual. Desweiteren wurden auch Verlängerungen für "Wassererdventile" hergestellt und getaucht. Ich war anfangs in der Gärtnerei bei Herrn Schulz. War relativ schön in der Gärtnerei. Es gab noch eine Malerbrigade. In welcher Gruppe warst du? :)
      Hi Andreas,
      ...ja genau "Zecher" das war glaube ich der Chef der Schlosserei der Pfeifenraucher (da fällt mir gleich wieder der Taback ein den wir geraucht haben, kannst dich bestimmt erinnern hauptsächlich "Grus" 250 gr für 60 pfennige und "schwarzen Krauser".
      Schau die Bilder weiter oben, das Schlossereigebäude und die überdachung gegenüber ohne den Zaun davor, genau so habe ich das in Erinnerung.
      Der Zecher wohnte glaube ich im Schlossereigebäude und der große ältere den du angesprochen hast hies denke ich mal Kallinowski war ein guter Dreher ( hat mal gezeigt wie mann eine Kugel drehen kann) und wohnte im gleichen Haus wo die Mädchen untergebracht waren.
      Der Direktor hies Buckowski und wurde später (nach deiner Zeit ) aus dem Amt entfernt weil er einige Mädchen mit dem versprechen "der vorzeitigen Entlassung" zu Sex genötigt hat.
      Kabeltrommelbuchsen, sägen, entgraten schweissen. Ja genau und Kokskörbe war ne scheiss arbeit aber als schweisser bekam mann extra milch jeden tag ( die Normen konnte mann trotzdem nicht schaffen).
      An "Wassererdventile" habe ich keine erinnerung aber an die elekt. Eisensäge vor der Schlosserei unter der Überdachung im Eisenlager habe ich sehr lebhafte erinnerungen weil ich mir fast den Mittelfinger abgequetscht habe. Das brachte eine Woche Krankenzimmer da kein Arzt geholt wurde ist der finger schief zusammen gewachsen ( eine sichtbare Erinnerung die ich jeden Tag vor augen habe ).
      Das krankenzimmer war glaube ich im 1. Stock mittig zwischen recht der station 2 und links der Heimverwaltung.
      Ich war in den ersten Wochen oben auf Station später und bis zur Entlassung unten gleich links wenn man ins Hauptgebäude eintritt, rechts war eine breite Durchgangstür zweiflüglich mit viel Glas. Dahinter war gleich links die Arrestzelle und rechts ein Erzieherzimmer.
      weiter hinten links der Mädchenspeisesaal und daneben der für uns Jungen am Ende der Abwaschraum.
      im keller die Treppe runter war die Küche und die sanitärräume Duschen)
      Was anderes als Schlosser war ich in meiner Zeit nicht.
      Jetzt wo ich das nieder schreibe werden die Bilder die ich fast 40 Jahre verdrengt hatte wieder Lebendig und mir fallen wieder viele Einzelheiten ein und das tiefe Gefühl des Heimweh's und der damaligen Wut kommt mir wieder in Erinnerung.

      das war es für heute
      grüsse Lutz
      "Eines der grossen Geheimnisse des Lebens ist,
      das nur das was wir für Andere tun,
      der Mühe wirklich wert ist."
      (Luis Ceran)
      Hallo Lutz und alle anderen, die es interessiert,
      auch für mich ist dieses Desaster 40 Jahre her. Das schlimmste im nachhinein war für mich, dass niemand offen für persönliche Probleme war. Keiner war da, der einem Ratschläge für's normale alltägliche Leben gegeben hat. Da mein Elternhaus nicht das beste war hat mich die Entfernung von diesem nicht so sehr gestört. Traurig war, dass es keine großen Freundschaften gab. Man hat versucht "mit dem Rücken an der Wand" diese Zeit zu überstehen.

      Zur Schlosserei. Diese Verlängerungen für die "Wassererdventile", die ich meinte, waren Eisenstangen mit jeweils angedrehten Vierkant welcher an (ich glaube die hießen Polikondrehmaschinen) gefertigt wurden. Ich besitze noch ein Foto von einem Mädchen, welches in diese Maschine mit ihren Haaren hineingeraten ist. Ihr wurde dabei die Kopfhaut abgerissen. Von da an wurden die Maschinen mit Sicherheitsschaltern versehen.
      Diese Verlängerungen wurden hinter der Schlosserei in der sogenannten "Tauchstation" farbbehandelt. Dafür gab es auch extra Milch.

      Die Sanitärräume bestanden aus einem Spintraum, einem Waschraum mit 4 "Waschpilzen" (große hygienische Sauerei) und einem kleinen Raum mit ca. 8 Duschen in Reihe.
      Speiseraum war für 3 Gruppen. Eine Mädchen- und 2 Jungsgruppen. Wir hatten meiner Erinnerung nach immer zur selben Zeit die Mahlzeiten eingenommen. Aller 3 Tage gab es Früh Butter zum Brot, ansonsten nur "trockene" Marmeladenstullen.
      Das Krankenzimmer sagt mir gar nichts - war nie dort, obwohl ich mir in Prenzlau meinen linken kleinen Finger in der Demontage zerschlagen habe - heute noch steif.


      Ein Erzieher ist mir jetzt auch wieder eingefallen, namens Höffner, glaube ich zumindest. Seine Frau war auch Erzieherin bei den Mädchen. Sein Spitzname war Klempo, da er mal Klempner werden wollte - durfte aber keiner hören!


      Zu Herrn Buckowski soviel. Mit ihm war ich mal angeln. Sein Vorgänger hatte ein Verhältnis mit der Erzieherin eurer Gruppe und wurde daraufhin entlassen. Da war ein ganz schöner "Tumult" - Uns erziehen wollen aber keine Vorbildwirkung haben.




      Mir fällt aber bestimmt noch einiges ein :D
      Ich wünsche allen noch einen schönen Abend!
      :)
      kleines "update" von mir, damit keiner denken mag, mich gäbe es hier nicht mehr ...
      was soll ich sagen - lutz, andreas, die beiden haben auch noch ein paar "erinnerungen" wiederbelebt, die ich verschollen glaubte.
      kokskörbe herstellen ... jaaa, daran erinnere ich mich lebhaft!
      an die alten, lauten schweißtransformatoren, der geruch der sich beschissen verarbeiten lassenden KB-elektroden, die mehr "rotzten" als dass man ne ordentliche schweißnaht hinbrachte ... die besseren Ti-elektroden gabs immer nur, wenn wieder einmal material geliefert wurde.
      zu meiner zeit haben wir auch holzpaletten gebaut, in massen.
      das, was man heute unter "europaletten" kennt!
      erst wurden einige "lehren" aus metall gefertigt, in die man später dann die holzbohlen und holzklötzer einlegte zum vernageln - musste ja alles sein korrektes maß haben.

      das der zecher "prestige" geraucht hat, war mir nicht mal mehr in erinnerung geblieben, nur, das ihm an einer hand mehrer finger fehlten, die er wohl irgendwann mal einer kreissäge hinterlassen hatte ...
      diese frau "rottluff", die ist heute noch in dieser einrichtung tätig, eine der letzten überbleibsel quasi aus vergangener zeit.

      ich bin derzeit immer noch dabei, meine vergangenheit "aufzuarbeiten" - nach einem ganz persönlichen familiären desaster kam ja damals alles hoch bei mir, was jahrelang vergessen war.
      was der eigentliche auslöser war, kann ich heute immer noch nicht sagen.
      ich bin seit nun mehr fast anderthalb jahren krankgeschrieben, anfangs mit diagnostiziertem "burn out", zu dem dann, als meine mutter starb und mir meine vielen aufgekommenen fragen zu meiner kindheit nicht mehr beantworten konnte, dazu, dass ich - was ich nie gedacht hätte - anfing, unter depressionen zu leiden und mental ganz schön am ende war.
      da sowas ohne hilfe nicht zu packen ist, habe ich mir welche gesucht und auch wenns mancher "lustig" finden mag in meinem freundeskreis - ich hab jetzt nen psychologen, der sich all das anhören muss, was jahrelang abgedeckelt als erinnerung verdrängt, vor sich hinschlummerte.
      ich kanns nur jedem raten, den seine vergangenheit einholt - sucht euch ebenfalls hilfe.
      weil es "hilft".
      mit der zeit habe ich begonnen, ordnung in mein gedankliches chaos bringen zu können.
      gut auch, dass man endlich jemandem erzählen kann, was war und man nicht sofort schief angeschaut wird.
      jetzt, nach fast 30 jahren, fällt das wohl - wenns erst einmal raus ist - eh leichter, darüber zu reden ... wenn man jemanden hat, der zuhören kann.

      ihr seht, ich arbeite immer noch an mir und freue mich, hier doch bei einigen genau das bestätigt zu bekommen aus deren erlebtem, was ich teils selbst für mich nicht mehr richtig zuordnen konnte.
      danke an euch, weil mir das hilft, vergangenes besser sortiert zu bekommen.

      @ andreas ... ich war der gruppe, die rechts im ersten stock zu finden war!
      leider durfte man, als ich mich endlich zu dieser "rückkehr" nach gerswalde durchgerungen hatte, nicht ins nun "schloß" genannte werkhofgebäude, da dort gebaut und saniert wurde.
      somit konnte ich meine räumlichen erinnerungen nicht wirklich wieder herbeirufen.
      ich muss gestehen, dass mein gedächtnis mir immer noch oft nen streich spielt, wenns darum geht, "gruppennamen" aus meiner spezialkinderheimzeit und der zeit im werkhof unter einen hut zu bringen.
      oftmals erinnere ich mich nicht wirklich dran, wie genau nun welche gruppe in welcher einrichtung hieß ... schlimm eigentlich, aber das sagt mir, das wohl der "verdrängungsmechanismus" immer noch aktiv ist.
      das angebot zum persönlichen kontakt nehme ich gern an, muss nur sehen, wie ichs zeitlich einmal hinbekomme.
      auch wenn ich mich hier nur in größeren abständen sehen lasse, werde ich mich auf jeden fall einmal melden.

      lasst es euch gut gehen, bis wieder einmal!
      muss jetzt erstmal wieder ein paar erinnerungen "verarbeiten" - komischerweise war ich immer ein "harter hund" und wundere mich nun über mich selbst, das mir meine vergangenheit doch solche schwierigkeiten bereitet bei deren bewältigung.

      in diesem sinne!
      lieben gruß, micha

      JWH Gerswalde

      Ich suche ehemalige Jugendliche welche mit mir 1966 - 1968 im JWH Gerswalde waren . Wie zb. Erwin Cuzschera aus Boizenburg, Klaus Rakow aus Wismar und Wolfgang Rack aus Berlin.

      Viele Grüße Udo *edit*


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      Was mich nicht umbringt - macht mich nur härter

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      Gerswalde von 85-87

      Hallo,
      Auch ich war von 85-87 in Gerswalde.Nachdem ich eure Beiträge gelesen hab,kommt immer mehr wieder hoch.Habe fast alles verdrängt.War ja nun wirklich ne harte Zeit.zumal ich auch als Schlosserin arbeiten musste in Accord.Und was st heut?Rente beantragt schon seit 2 Jahren und kommen immer wieder Absagen.
      Auch ich durfte die Zelle öfters besuchen,und das wegen Kleinigkeiten.Seit das mit dem Fonds losgegangen ist,wird man damit belastet ob man will oder nicht.also wenn welche um die zeit auch dort war,dann meldet euch doch bitte,würde mich freuen wenn da noch jemand ist.
      Lg Simone
      hallo simmi, :)

      man mach dir mal keine sorgen wegen schreibfehler. JEDER hier macht mehr oder weniger schreibfehler, ich natürlich auch. der inhalt macht es aus und die art und weise, wie man mit seinem gegenüber kommuniziert. ;) deine gefühle kann ich völlig nachvollziehen, bin ich doch seit 3 jahren im heimforum (war vorher in einem anderen forum) und setz mich gezielt seit einigen monaten auch in der praxis mit meiner vergangenheit auseinander. das hat auswirkungen auf meine gesundheit, welche gerade massiv reagiert. es blieb ja alles viele jahrzehnte in meinem inneren verborgen, weil ich mir allein die schuld gab an meiner biografie. seit ich weiß mich trifft die geringste schuld, geht es mir gut und schlecht zugleich. klingt komisch, lässt sich auch für mich schlecht in worte fassen. ist so ähnlich wie >himmel hoch jauchzend, zu tode betrübt< sein.

      wegen deiner rente lass dich nicht unterkriegen, die machen da gern ärger. immer wider bohren. bist du in therapeutischer behandlung? vielleicht kann ein guter therapeut dir behilflich sein, nicht nur deine vergangenheit aufzuarbeiten. ich wünsch dir ganz viel glück und heiß dich hier im forum sehr herzlich willkommen. :thumbup: :applaus: :party:

      liebe grüße vom zicklein
      :herz: "Einen Menschen lieben,heißt einzuwilligen,mit ihm alt zu werden." :herz:

      Albert Camus(1913-1960) frz.Erzähler und Dramatiker
      Hallo zicklein,
      Danke für deine Worte.Ich bin in keiner Behandlung.Ich habe gedacht,das ich eigentlich bis letztes Jahr damit gut zurecht gekommen bin.Leider wurde alles wieder aufgewühlt seit das mit den Fonds los ging.Ich kann einfach nicht verstehen,wie sich fremde Leute mit deinem früheres Leben damit auseinander setzen müssen.Und dann wird man nicht verstanden.
      Irgendwas läuft doch da schief!
      Aber ich habe lernen müssen stark zu sein.Ich bin hier ins Forum gekommen weil ich hoffe jemand vielleicht zu finden der mich noch kennt.Ich habe soviel verdrängt das ich kaum noch was weiss.Als ich die Bilder hier von Gerswalde sah,kommen einige Dinge wieder hoch.
      Da bin ich ja mal gespannt wie es mit meiner Rente ausgeht.Ist traurig genug wenn man sowas mit 41 Jahren beantragen muss.
      Lg Simone