Besuch im Martinistift

    Es gibt 27 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von manndick.

      Ein geben und nehmen dat stimmt,für die Arbeit gab es Wöchentlich Stifts Dollars das waren Silberne Münzen.
      Jede Münze hatte einen Wert von 50 Pfennig und es wurde nach Noten bezahlt zwischen 1. und 6. ich Kann mich nicht erinnern das mal einer aus meiner Gruppe eine eins Bekommen hat, Drei D- Mark, meistens hatte ich eine zwei, Ein Pack Tabak Blättchen und drei vier lose Zigaretten, mehr gab es für das Geld nicht.
      Es kann nur einen geben, nur der BVB. :thumbsup:
      Stifte hatten wir auch. Nur keine Dollars. Im Osten gab es kein Westgeld, jedoch Betragensnoten im Heim, die nie mit Geld entlohnt wurden. Diese Noten dienten nur der Disziplinierung.
      Geraucht wurde nur von Älteren. Uns Jüngere bis 14 waren Glimmstengel völlig fremd und ich sah dort nie einen, so dass man nicht in Versuchung gekommen ist, schon als Stift zu rauchen. So hatte diese Zeit im Nichtstift auch etwas Gutes.
      Bevor ich ausschweifend werde, mach ich mich vom Acker und auf in die Pampa.

      Freundliche Grüsse an die Martins- oder Martinistiftler. Es klingt schon irgend wie auch wie ein Filmtitel, passend zur bald vorweihnachtlichen vorfreudigen Zeit. ;)
      Es ist nicht das Ziel des Lebens, auf Seiten der Mehrheit zu stehen, sondern man muss versuchen, nicht im großen Heer der Verrückten zu landen. Mark Aurel
      Stifts Dollars gab es zu meiner Zeit nicht mehr. Wir bekamen auf der geschlossenen Gruppe jeden Sonntag 5,- DM Taschengeld plus einen Bonus von 2,- DM wenn wir uns die ganze Woche nichts zu Schulden kommen ließen. Wenn doch, dann gab es nicht nur diesen Bonus nicht, sondern auch noch einen Abzug bei den 5,- DM. Da gab es so eine Art Strafkatalog. Zum Beispiel ein Verstoß gegen die Tischregeln beim Essen (rumgequatsche bzw. rumgealbere) kostete 50 Pfennig Abzug, oder Arbeitsverweigerung gleich 2,- DM Abzug.

      Von dem Taschengeld konnten wir uns anschließend Dinge kaufen, die unser Erzieher (Herr Trompeter) in einer Art Shop anbot. Das war überwiegend Tabak und Blättchen, oder aber auch Süßigkeiten. Ein Päckchen Tabak kostete 3,50 DM (die holte Hr. Trompeter immer aus Holland, da sie dort günstiger waren :) ) und ein Paket Blättchen gab es für 50 Pfennig. Da musste man sich als Raucher schon in der Woche zusammenreißen, um mindestens die 4,- DM für ein Päckchen Tabak und ein Paket Blättchen zusammen zu bekommen... :saint:

      Aktive Zigaretten konnte man sich nicht leisten, aber es gab ein Erzieher-Ehepaar mit dem Namen Knapp (von uns immer die Knappschaft genannt). Und am Wochenende hat Herr Knapp immer mit uns Bridge gespielt, wobei der jeweilige Gewinner eine Filterzigarette von ihm bekam ( er rauchte Stuyvesant). Da spielten wir einige Runden am Tag, so dass am Ende immer jeder 1-3 Zigaretten gewonnen hatte. Er selbst spielte so, dass er immer verlor. 8o

      Geraucht hat auf unserer Gruppe fast jeder (ich glaube, es waren von 12 Jungs nur 1 oder 2, die nicht geraucht haben). Es war auch egal, wie alt man war. Der jüngste bei uns war 13 und auch der durfte Tabak kaufen und rauchen. Das hat man damals nicht so eng gesehen... :)
      Zu meiner Zeit kostete ein Pack Tabak Batavia 1Mark 60 und Blättchen 30 Pfennig.
      Es gab sogar im Altbau unten im Eingang einen Zigarettenautomat Da hat mein Vater als er zu Besuch war mir ein Paar schachteln gezogen. :thumbsup:
      Der Automat war ja für uns Tabu,man durfte sich nicht erwischen lassen. :thumbup:
      Es kann nur einen geben, nur der BVB. :thumbsup:
      Halten wir also auch hier für`s Protokoll fest. So manche Heime und heimähnliche Einrichtungen, in denen wir widerwillens untergebracht wurden, ließen es zu, dass wir Kinder damals an das Rauchen herangeführt werden konnten. Somit klage ich diese Einrichtungen an, dass sie uns quasi in Versuchung brachten und oder auch nichts dagegen unternahmen, uns vom Rauchen abzuhalten. Eine ordentliche Entschädigung wäre auch hier angebracht wobei ich nur von mir aus sprechen und schreiben kann, denn in meinem Heim war das unmöglich. Man ließ es offenbar zurecht auch nicht zu, uns damit unmittelbar in Berührung kommen zu lassen. Sehr schön, wer weiß, ob man nicht selbst ein Raucher hätte werden können. :/

      Wobei ich sagen muss, dass ich vor meiner Heimeinweisung bereits Kontakt mit dem einen und anderen Glimmstengel hatte bzw. damit durch jemanden in Berührung kam. Der Altrocker Eric Burdon besang das einst in den Sechziger Jahren in einem seiner Songs - "When I was Young" gemeinsam mit den ANIMALS. In einer Textzeile darinnen heißt es, "I smoked my first cigarette at ten...." wobei er völlg recht hatte. Ich war 10 und kam mit dem Zeugs in Kontakt. Kontaktlos damit ging es dann ins Heim. Ganz ganz selten nur hatte ich dann mal in meinem Leben wieder Kontakt mit einer Zigarette, aber das war dann so etwas von selten, dass ich froh bin, kein Raucher nie geworden zu sein. Das war doch mal etwas Positives. Eine Entschädigung ist dann also auch nicht nötig. 8o
      Es ist nicht das Ziel des Lebens, auf Seiten der Mehrheit zu stehen, sondern man muss versuchen, nicht im großen Heer der Verrückten zu landen. Mark Aurel

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Leser“ ()

      Leser, wenn du wüsstest, wie viel Spaß, daß damals gemacht hat. Ich habe mit 9 Jahren meine 1.Zigarette geraucht, mit 3 anderen Kindern auf einem winzigen Klo. Eine Schachtel Zigaretten kostete damals 2,-DM. Ich war dann auch mit 12 Jahren schon abhängig und rauche auch heute noch. Das Problem ist, in dem Kinderheim war es streng verboten, ich könnte sie dafür gar nicht verantwortlich machen. Leider macht Kindern eben gerade das Verbotene besonders viel Spaß.
      Ich war ehrlich gesagt froh, dass ich anschließend in einem Heim war, wo Rauchen nicht mehr bestraft wurde. Die vielen Strafen machen ein Kinderheimleben auch nicht gerade leichter. Irgendwann liegt es auch an einem selbst, ob man damit aufhört oder nicht. Ich habs leider nie länger als 3 Wochen geschafft.

      Leser schrieb:

      So manche Heime und heimähnliche Einrichtungen, in denen wir widerwillens untergebracht wurden, ließen es zu, dass wir Kinder damals an das Rauchen herangeführt werden konnten.


      An´s Rauchen herangeführt würde ich nun nicht gerade sagen. Ich könnte mich an niemanden erinneren, der erst im Martinistift mit dem Rauchen angefangen hat. Die Kinder und Jugendlichen, die geraucht haben sind also alle schon als Raucher dort eingewiesen worden.

      Ich selbst zum Beispiel habe mit 12/13 Jahren angefangen zu rauchen. In´s Stift bin ich aber erst mit 15, kurz vor meinem 16. Geburtstag gekommen.

      Inzwischen rauche ich nicht mehr, was aber eher an gesundheitlichen Gründen liegt. Im Frühjahr 2017 stellte man bei mir eine schwere, irreparabele Lungenerkrankung fest und im Sommer 2018 hatte ich dann auch noch einen Niereninfarkt mit Komplettverlust der rechten Niere und die linke Niere hat dabei auch Schaden genommen.

      Ich wage zwar zu bezweifeln, dass das alles vom rauchen kam, aber es hat mit Sicherheit einiges dazu beigetragen.