Durchgangsheim(e)

    Es gibt 11 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Siggi.

      Durchgangsheim(e)

      Hallo,

      ich hätte da mal eine Frage zu den Durchgangsheimen.

      Waren die Durchgangsheime eigentlich NUR Durchgangsheime, also erfüllten sie nur den Zweck, Kinder kurzzeitig aufzunehmen oder waren das ganz normale Kinderheime, wo eben Kinder auch mal kurzfristig aufgenommen wurden, was ja wohl immer nur ein paar Tage war. Oder waren das auch mehrere Wochen oder Monate?

      Wieso hießen die eigentlich Durchgangsheime?
      Hießen die wirklich so?
      Wie lange war man so da drin?


      Gruß Jan
      Wer lesen kann ist klar im Vorteil!

      die durchgangsheime der DDR sollten als übergang für eine andere unterbringung ( JWH ) herhalten . der grundgedanke war dabei wohl eine aufendhaltsdauer von tagen bzw. einigen wochen . oftmals befanden sich die betroffenen aber bis zu 12 monaten im d-heim .ein d-heim war niemandsland . keine ärzte, keine schulbildung , kein kontakt zu den eltern , kein kontakt zum jugendamt .viele wurden dort ausgesetzt und vergessen .die bewachung und " erziehung " dort war sehr streng .ich selber war für 2 wochen in alt stralau und für 6 monate in bad-freienwalde . bad freienwalde war ein altes --nicht umgebautes DDR gefängnis .wir saßen 24 stunden hinter gittern und in gefängniszellen .zusätzlich gab es in der hauseigenen werkstatt von mo-sa. arbeit für alle ab ca. 12 jahren .AKKORD .prügel, hunger, zwangssport gehörten zum allgemeinen tagesablauf .

      WIR WAREN VON JEDEN KONTAKT NACH AUßEN ABGESCHOTTET .die gerichte in brandenburg sind aber der meinung das es ja ganz normale kinderheime wahren .

      wenn ich dann aber den bericht der ulrike poppe höre ( zuführerin in alt stralau ) die sagte das es die dunkelste zeit in ihren leben war . das sie dort nur 1 jahr durchgehalten hat . das es zu ihrer zeit während ihrer schicht ---7 SELBSTMORDVERSUCHE --gegeben hat kann ich nicht verstehen von welchen durchgangsheime unsere richter sprechen . Lg. Norda
      So sehe ich das auch Norda
      Ich war ungefähr 2 Monate in Demmin,aber könnte auch länger gewesen sein.
      Stimmt da war man wie abgeschnitten,man wartete jeden Tag darauf das man woanders hin kam.
      Die Transporte fanden dort immer Nachts statt.Und immer wenn Nachts die Tür aufgeschlossen wurde,
      dachte jeder oh jetzt bin ich dran. Und irgendwann war ich auch dran.
      Ich denke heute es wurden auf freie Plätze in den Werkhöfen gewartet.Deswegen hieß es Durchgangsheim!
      Es war die Hölle in Demmin,schlimmer als jeder Knast.
      Ich hasse diesen Ort und ich hasse eine gewisse Frau Stoltenow,die uns behandelt hat wie Tiere.
      Und genau die Person hat bis vor kurzer Zeit da immer noch gearbeitet.
      Toller Rechtsstaat. Wie kann man so was auf Jugendliche loslassen.
      Jetzt ist sie so alt und ich habe nur Mitleid und hoffe sie kann nicht richtig schlafen mir dem Gewissen was sie uns angetan hat.
      Ich verachte diese Person.
      Siggi.

      durchgangsheime

      norda schrieb:

      die durchgangsheime der DDR sollten als übergang für eine andere unterbringung ( JWH ) herhalten . der grundgedanke war dabei wohl eine aufendhaltsdauer von tagen bzw. einigen wochen . oftmals befanden sich die betroffenen aber bis zu 12 monaten im d-heim .ein d-heim war niemandsland . keine ärzte, keine schulbildung , kein kontakt zu den eltern , kein kontakt zum jugendamt .viele wurden dort ausgesetzt und vergessen .die bewachung und " erziehung " dort war sehr streng .ich selber war für 2 wochen in alt stralau und für 6 monate in bad-freienwalde . bad freienwalde war ein altes --nicht umgebautes DDR gefängnis .wir saßen 24 stunden hinter gittern und in gefängniszellen .zusätzlich gab es in der hauseigenen werkstatt von mo-sa. arbeit für alle ab ca. 12 jahren .AKKORD .prügel, hunger, zwangssport gehörten zum allgemeinen tagesablauf .

      WIR WAREN VON JEDEN KONTAKT NACH AUßEN ABGESCHOTTET .die gerichte in brandenburg sind aber der meinung das es ja ganz normale kinderheime wahren .

      wenn ich dann aber den bericht der ulrike poppe höre ( zuführerin in alt stralau ) die sagte das es die dunkelste zeit in ihren leben war . das sie dort nur 1 jahr durchgehalten hat . das es zu ihrer zeit während ihrer schicht ---7 SELBSTMORDVERSUCHE --gegeben hat kann ich nicht verstehen von welchen durchgangsheime unsere richter sprechen . Lg. Norda
      also nochmal zum thema.ich war,wie bereits am 23.01.2012 berichtet,auch in bad freienwalde.in diesem ehemaligen gefängnis.desweiteren war ich in den D-HEIMEN in potsdam,halle,leipzig und jetzigen chemnitz. und überall war das unrecht und die körperliche und seelische grausamkeit vorhanden.so einiges personal war zur wiedergutmachung dort abdegradiert,weil sie als parteigenosse/in scheiße gebaut hatte.z.b. wegen herbeiführung eines verkehrsunfalles unter alkoholeinfluß,und ähnlicher auffälligkeiten.diese mußten sich dann dort bewähren,obwohl sie nicht mal einen pädagogischen abschluß hatten.sie wurden nur ANGELERNT.auf grund des einschnittes in ihr wohlvertrautes harmonisches leben,fühlten sie sich ungerecht behandelt,und ließen ihre frust und ihre laune an den zöglingen aus.wer gegenteiliges behauptet,wie unmenschlich und wie entwürdigend es dort zuging,der lügt oder hatte wohl nie mit gewalt am eigenen leib zu tun gehabt.ich kenne aus eigenem erleben vorfälle,wo sich kinder aus seelischer qual und aus heimweh das leben nehmen wollten.worüber richten richter,die soetwas nie selbst erdulden und erleiden mußten.für jede körperverletzung wird man bestraft,und es gibt schmerzensgeld und opferentschädigung.für das,was früher den kindern angetan wurde,gibts nur hohn.wie menschenverachend ist das denn?????
      Die D-Heime waren alle irgendwo schlimm, jedes auf seine eigene bestialische Art und Weise. Ich habe mich dort immer verloren gefühlt. Wie, als wenn ich in eine andere Welt gekommen war. Das erste Mal in Berlin Alt-Stralau wars besonders schlimm. Für mich war das ein Schock mit den ganzen Gittern und Zellen, und strammstehen bei jeder Gelegenheit. Nicht reden dürfen beim essen und was weiss ich noch alles.
      Leider steht in meiner Jugendhilfe-Akte kein Wort darüber, dass ich je in einem D-Heim gewesen bin. Ist bei anderen wohl nicht anders.
      Ich danke schon mal für eure Berichte und möchte nochmal meine eigens gestellt Frage hervorheben.

      Waren die Durchgangsheime ausschließlich Durchgangsheime und hießen die auch so oder waren es ganz "normale" Kinderheime, in denen eine gesonderte Abteilung oder auch ein eigens nur dafür eingerichtetes Gebäude auf dem Heimgelände war?

      Gruß Jan
      Wer lesen kann ist klar im Vorteil!

      Hi Jan !

      Also in den D-Heimen in denen ick war Alt-Stralau und Halle Goldberg die waren meines Erachtens ausschließlich als Durchgangsheime ausgelegt. Wenn ick abgehauen war wurde ick über diese Stationen wieder zurück ins Heim oder in den JWH gebracht.

      Mfg

      Towi64
      Jeder Verwaltungsbezirk der DDR hatte eines davon, nach meinem Kenntnisstand. Sie waren, wie towi schon erwähnte, ausschliesslich Durchgangsheime. Es gab auf dem jeweiligen Gelände keine anderen Heimarten.

      Ferner gab es zwei Gruppen von Insassen:

      Einweiser - Die, die auf einen Platz im Spezialkinderheim bzw. JWH "warteten"
      Durchgänger - Die, die aus ihrem Heim bzw. JWH "entwichen" waren und von der VP aufgegriffen worden sind.
      Die hießen "Durchgangsheim XYZ"

      enzyklo.de sagt unter anderem:

      Durchgangsheim
      Heimtyp,der hauptsächlich zur notfallmässigen Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus erzieherischen und fürsorgerischen Gründen zur Abklärung weiterer Massnahmen sowie zum Vollzug von Untersuchungs-und Sicherheitshaft dient. [Jura]


      Ob das jetzt auf die Ost-Durchgangsheime bezogen ist, erschliesst sich mir gerade nicht, weil dort in der Präsenz gesprochen wird.

      geostationär schrieb:

      Die D-Heime waren alle irgendwo schlimm, jedes auf seine eigene bestialische Art und Weise. Ich habe mich dort immer verloren gefühlt. Wie, als wenn ich in eine andere Welt gekommen war. Das erste Mal in Berlin Alt-Stralau wars besonders schlimm. Für mich war das ein Schock mit den ganzen Gittern und Zellen, und strammstehen bei jeder Gelegenheit. Nicht reden dürfen beim essen und was weiss ich noch alles.
      Leider steht in meiner Jugendhilfe-Akte kein Wort darüber, dass ich je in einem D-Heim gewesen bin. Ist bei anderen wohl nicht anders.

      Ich komme gerade von der Arbeit und möchte morgen wenn ich ausgeschlafen habe antworten!
      Nur so viel dazu,stimmt genau was geo...... geschrieben hat.
      Siggi.

      Entschädigung für Kinderheim-Insassen

      März 16, 2012
      von Andreas Frost


      „Spezialheime waren Systemunrecht“


      Die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen weitet die Beratung von Opfern der DDR-Jugendhilfe ab Juli aus. Marita Pagels-Heineking plädiert für eine pauschale Entschädigung für Menschen, die in Spezialheime oder Jugendwerkhöfe eingewiesen wurden.



      Foto: Fotolia
      Schwerin (afro)

      Wer längere Zeit in Spezial-Kinderheimen oder im Jugendwerkhof der DDR untergebracht war, sollte Anrecht auf eine Entschädigung, gegebenenfalls eine Opferrente und Hilfe bei bleibenden Gesundheitsschäden haben. Das hat die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, Marita Pagels-Heineking gefordert. Was in den Spezialheimen mit den Kindern und Jugendlichen geschah, sei „Systemunrecht“ gewesen und müsse als solches ohne Prüfung von Einzelfällen anerkannt werden. „Die Bedingungen waren meist haftähnlich“, so Pagels-Heineking. Bislang werden nur Insassen des Jugendwerkhofs in Torgau ohne Prüfung des Einzelfalls rehabilitiert.

      Im Unterschied zu den zahlreichen normalen Kinderheimen der DDR wurden die Kinder und Jugendlichen in den Spezialheimen umerzogen und darauf gedrillt, im Sozialismus zu funktionieren. Dies werde von den Gerichten bislang oft verkannt. Anhand der Akten der DDR-Jugendämter würde meist eine Rehabilitierung verweigert, weil die dort vermerkten Gründe für die Heimeinweisung nachvollziehbar sind. „Die Frage ist aber nicht, was haben die Kinder angeblich gemacht, sondern wie sie behandelt wurden.“

      Entschädigungsfond mit 40 Millionen Euro geplant

      In der DDR gab es 401 Kinder- und 73 Spezialheime, davon 31 Jugendwerkhöfe. 1989 waren in den Heimen rund 18 000 Kinder und Jugendliche untergebracht, in den Spezialheimen waren es etwa 5500. Allein 27 der Spezialheime befanden sich in den drei Nordbezirken.

      Nach Auffassung von Pagels-Heineking sollen jedoch alle ehemaligen Heimkinder, egal ob sie in einem „normalen“ oder in einem „speziellen“ Heim waren, Hilfe aus dem geplanten Entschädigungsfonds bekommen, sofern sie dadurch bleibende Gesundheitsschäden erlitten haben. Der Bund und die ostdeutschen Länder bereiten derzeit einen Entschädigungsfonds mit rund 40 Millionen Euro vor, der jenem für misshandelte und missbrauchte Heimkinder in der alten Bundesrepublik ähnelt. Details sollen Ende März in Berlin vorgestellt werden. Aus dem Fonds müsste auch das Kinderheimwesen der DDR weiter erforscht werden, so die Landesbeauftragte. Dies würde auch zur gesellschaftlichen Anerkennung beitragen, dass vielen Kindern in den Spezialheimen Unrecht geschehen sei.

      Haarsträubende Augenzeugen-Berichte

      Fest steht, dass ihre Behörde ab Juli die Beratung ehemaliger Heimkinder ausweitet. Zwei zusätzliche Mitarbeiter sollen sich darum kümmern. Im letzten Jahr hätten sich bereits 120 Betroffene bei ihr gemeldet, berichtete Pagels-Heineking. „Die Berichte sind meist haarsträubend.“ Etwas ärger noch als in anderen Heimen ist es anscheinend im Durchgangsheim Demmin zugegangen. Die Heimakten sind aus ungeklärten Gründen verbrannt.

      Die Zahl der Mecklenburger und Vorpommer, die ihre Stasi-Akten einsehen wollen, ist unverändert hoch. Insgesamt 7484 Anträge wurden 2011 gestellt. Pagels-Heineking hat den Eindruck, dass sich immer mehr Familien mit ihrer DDR-Vergangenheit befassen. Die Kandidatur von Joachim Gauck, der von 1990 bis 2000 die Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin leitete, für das Amt des Bundespräsidenten, hat offenbar der Neugier auf die eigene Geschichte einen Extraschub versetzt. Die Zahl der Anträge auf Akteneinsicht ist laut Pagles-Heineking in den vergangenen Wochen auffällig gestiegen.

      Weitere Informationen gibt es auf der neu gestalteten Internetseite der Behörde: landesbeauftragter.de

      Quelle: nordkurier.de/cmlink/nordkurier/nachrichten/mv/spezialheime-waren-systemunrecht-1.403447

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