Beiträge von Axel Li

    @conan Du musst wissen, dass das vormilit. Training nenn ich es mal für uns Jungen dazu diente, uns schon lange vor der Einziehung in die Armee (NVA) vorzubereiten. Für ältere Kinder und Jugendliche gab es spaeter dann die "Gesellschaft für Sport und Technik", wo es damit weiterging. Alles diente einem Ziel, uns auf den Frieden, oder doch dem Krieg? in jedem Fall der Verteidigung der Heimat als "sozialistische Persönlichkeiten" heranzubilden. ....

    Wir waren 16 oder 18 Jungen. Das nur mal nebenbei. Du hast schon recht, aber der gesamte Tagesablauf sah sehr viel trostloser aus als das morgendliche Aufstehen. Wenn wir nur mal an den Bettenbau vor den Frühstück vor dem Appell auf dem langen immer frisch durch uns gebohnerten Flur denken, wenn der nicht klappte...

    Den ganzen Tag zu beschreiben, ja, das konnte schon sehr nervig sein. @Pierre1976 hats super beschrieben. Das war schon irgendwie auch Zucht und Ordnung. Wie oft Kollektivstrafen erfolgten, wie viel Freizeit uns die kostete, wie oft man sinnlos Strafarbeiten verrichten mußte, es gab sogar noch Prügel, obwohl offiz. gar nicht mehr statthaft, wie mir auch andere bestätigten, die ich auf einem Besuch im Heim vor etwa 9 oder 10 Jahren zurückliegend wiedertraf. Ich habs selbst einmal erlebt. Das war zwar hart aber die Summe aller Arten von Zwang prägte, was uns widerfuhr. Dann schien aber zwischendurch auch nicht mal so selten die Sonne. Lichtblicke in grauer Vorzeit. Spass hatten wir selten. Zeit dafür gabs kaum. Es war schließlich ein Erziehungsheim, eben ein Spezialkinderheim und wir alle waren wohl sehr speziell.

    Sicher, wir waren unterschiedlichst wie Kinder sein können. Manche auch sehr schwierig zu erziehen. Manche gehörten dort nicht hinein, waren trotzdem dort.

    Mag mag das sehen wie man will. Strukturen brauchen Kinder immer. Da geb ich dir auch Recht, aber sie hätten in diesen sparsamen Zeiten auch weniger streng sein können. Wer weiß, weshalb man selbst so wurde, wie man ist.

    @JW1HAL Erinnerst du dich noch an die Henry Bonbon Fabrik nahe deinem Heim gleich praktisch um die Ecke? Da gab es für uns sogar mal was Süßes. ;)

    Ich sags mal so. In den späten 60igern bis frühen 70igern kannten die Erzieherinnen wohl selbst kaum was anderes, als uns zu disziplinieren. Mit einer Art vormilit. Drill kann man das nicht machen. Da das Zwang beinhaltete, und man sich unter Androhung von Strafe fügen musste, heisst das nicht, dass man das unbewusst gutheissen konnte, was sie mit uns machten. Mich "erzog" das nur zu Widerspenstigkeiten und Trotzreaktionen. Andere auch.

    Vor vllt. 12 Jahren erfuhr ich dadurch, als ich die Heimzeit begannn, aufzuarbeiten, dass in meinem Heim die höchste Erzieherfluktuation aller DDR Spezialkinderheime bestanden haben soll. Das wussten bereits Praktikanten bevor sie sich als Erzieher entscheiden sollten, wo sie tätig sein möchten. Das Heim galt als besonders rot ideologisch ausgerichtet. Weshalb nun wollten viele dort auch nicht lange arbeiten? Wahrscheinlich, weil sie mit den Methoden von Erziehung nicht einverstanden waren.

    Das ist tatsächlich so, im Alter von 11 bis 13, in dem Alter war ich dort - lernte man das schnell, sonst hatte man es schwer und das war es auch. Schwer auch, sich diesen Regeln zu fügen, diesen oktroyierten Abläufen, stupiden, sich täglich wiederholenden frustrierenden Geschehnissen, auch wenn es hier und dort Lichtblicke gab, empfand auch ich es, wie du schon geschrieben hast, in unserem Heim als eine Art Kinderkaserne mit eben diesen streng geregelten mir sinnlos erschienenen Tagesabläufen. Es war, als wenn man wie eine Marionette an einer Strippe hing, man kam da nicht raus, festgebunden.

    Der vormilitärische Drill, das Strafmarschieren müssen, wenn die Gruppe nicht spurte, war eine Art gruppendynamische Erpressung, denn wer nicht in der Gruppe mitspielte, wußte in etwa, wie die Konsequenzen aussehen würden.

    Was mir in den Jahren immer wieder auffel, war die Frage, woher all die Melancholie und Traurigkeit kam, die Suche vor allem danach, wie das alles dazu kam und dazu bedurfte es der Suche nach Ursachen, die sehr viel später begann und vor mindestens 10, 12 Jahren auch Erfolge zeitigte. Das war eigentlich alles, was blieb. Sie machten aus uns etwas. Ob es das war, was sie wollten, wie wir sein sollten oder ob sie uns später Chancen nahmen, so sein zu können, wie wir es wollten. Diesen Schlüssel habe ich nur noch immer nicht gefunden und wer die Frage stellt, weshalb sich immer mit der Vergangenheit beschäftigen - ich mache das eig kaum noch - dem sage ich auch jetzt, dort liegen die Wurzeln, die uns zu dem haben werden lassen, ob es uns paßte oder nicht. Wir sind, was sie aus uns gemacht haben.

    Ich habe heute dummerweise wieder meinen schreibenden Sonntag gehabt. Ob das gut war, ich hoffe es und ich hoffe auch, dass irgendwann einmal alles sein Ende findet.

    Vielleicht hat der Eine oder andere hier noch ein Paar Erinnerungen?

    Bei uns im Spezialkinderheim ging es immer millitärisch vor. der ganze Tagesablauf bestand aus Antreten und geschlossen im Gänsemarsch zur nächsten Aktivität, ganz egal, ob es Waschen, Frühstücken oder der Gang zur Schule war. Einer war der SVD (Schüler vom Dienst), der eben in dem Moment der Gruppenführer, die rechte Hand des Erziehers war. Also alles schon stark an die Armee gelehnt. Aber es funktionierte.

    Wie war es bei dir?

    Du weißt aber schon, dass ich nur in etwa 1.500 Metern Entfernung in dem anderen Spezialkinderheim im gleichen Ort wie du warst, war und wenn ja, hast du eine Ahnung, dass das sehr sehr ähnlich ablief, wie bei dir auch und dem @Pierre1976 mag ich mal ganz besonders danken, denn das, was er dort beschrieben hat, erinnert mich sehr genau daran, was wir das auch alles erlebten. Eine Uhr hatte ich nämlich auch. Kann man das alles schadlos überstanden haben? Diese Routine, dieser dröge Alltag, diese Disziplin? Kar, das hatte nach außen alles funktioniert, nur welchen Zielen diente es und was wurde dabei falsch gemacht und wem ist das vielleicht alles gar nicht so gut bekommen? :whistling:

    Ich weiß nur, dass ich mir sehr viel später, also erst, als das möglich war, Rolling Stones Platten gekauft habe, dabei hatte ich das Meiste eh schon auf Tonbandern gespeichert, doch das reichte natürlich nicht, um seine Idole zu hören. Bisher hörte ich die Bänder nur in schlechterer Stereo-Qualität. Die Platten, auch viele, die ich noch nicht auf Band hatte, hatten nun eine ungleich besere Qualität, die ich dann verrückterweise auch wieder auf Tonband, dieses Mal Kassetten umgeschnitten hatte, damit man sie auch unterwegs hören konnte. Natürlich hatte die Musik auch etwas damit zu tun, wie man nach dem Heim klar war, denn der Inhalt einer Reihe der songs reflektierte einen Teil der Kindheit und Jugend und nach der Entlassung lebte ich diese Musik, so wie Musik nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil meines Wesens blieb.

    Ansonsten gab es auch so einige Konflikte, die nach der Heimzeit sporadisch immer wieder einmal mitschwangen und das Leben einerseits leichter machten, andererseits aber auch in Konflikte gerieten ließ, die vielfach auch mit dem früheren familiären Umfeld und damals unbewältigter Konflikte zu tun hatten. Erst gestern musste ich dazu wieder einmal bei jemandem auf den Tisch hauen, denn Lügen ertragen, nie wieder! Manches wäre nie geschehen, wenn es Konflikte derer nicht gegeben hätte, die uns in die Welt setzten, sie uns einerseits fesselten, mit Liebe erdrückten, manipulierten und andere Teile von ihnen logen, sie sich die Welt schön redeten, dabei war vieles falsch und innerlich war man doch nie frei.

    Der Weg, sich seine vermeintliche Freiheit zu nehmen, der war lang und nie einfach. Für andere war das hart doch woher die eigene Härte kam, danach wurde nie gefragt. Am Ende, wenn alles immer nur verdrängt wurde, kommt doch alles auf den Tisch und dann ist es zu spät.

    Ich finde es immer wieder toll, woher du die Geduld nimmst, dich mit den Problemen Andererer auseinanderzusetzen und ihnen dabei hilfreich unter die Arme greifst. :hutab:

    Was mich bei solchen Dingen immer wieder nervt, ist die Ungleichbehandlung Anderer, wenn sie dann veschiedene Antworten innerhalb eines post komprimieren und dafür nur einmal die Möglichkeit bekommen, einen Strafpunkt oder, wenn es gut geht, auch mal positive Benotungen zu erhalten. Andere bemühen sich wirklich redlich und ernten wenig Lob, währenddessen jene, die nicht vernünftig gelernt haben, zu zitieren bspw., dann gleich mehrfach in der Gunst der user aufsteigen oder absteigen können. Diese Ungerechtigkeit ist total ungerecht. :whistling:

    Da hast du aber Glück gehabt. Berlin war schon immer etwas anders und weniger rigoros den Menschen gegenüber. Wahrscheinlich trug auch die Insellage der Stadt dazu bei. Ich bin gerade schon wieder dabei, zu ergründen, weswegen es dort so war, wie du beschreibst. Schließlich sind das doch schon mal positive Enblicke in sonst weniger positiv zu vermeldende aus dieser Zeit.

    Wenn ich mir vorstelle, dass ich in Ostberlin aufwuchs und in vielleicht nicht einmnal 5 km Luftlinie lebte, dann ist das schon wiederum alles sehr merkwürdig. Komischerweise kam auch ich nur 2 Jahre später in ein Heim, das nicht in Berlin ansässig war. Üblicherweise war es dort Usus, Kinder möglichst weit weg zu bringen, weg von ihrer Heimat, so dass auch nur wenig Gedanken einer Flucht aufkommen sollten.

    Bei mir hatte das den Vorteil. Ich durfte eine neue Mundart kennenlernen und erlernte sie sehr schnell, so dass man mich nach der Entlassung in der Heimat ausfragte, wo ich denn war und was das für ein Dialekt wäre usw. usf. Berliner waren ja schon immer sehr offen für Neues und reisefreudig auch. Weltoffen sind sie sowieso.

    Manchmal glaube ich, dass der Glaube, ein ganz bestimmter, so aufopfernd und zerstörerisch ist, dass er sogar Andere, die gar nicht gläubig sind, mit in den Abgrund reißen kann. Man stelle sich vor, es gäbe Politikerinnen, die getreu ihrem Glauben handeln, im Glauben daran, dass jeder Mensch gleich ist und jeder mit jedem in Frieden zusammenleben könne. Dieser Gott, über den ich spreche, ist einer, der seine Feinde lieben soll und wenn jene gar nicht zurücklieben und jemanden für seinen Glauben hassen, ihn deshalb umbringen, weil er anderen Göttern nachhängt oder gar nicht glaubt, wie muss man jene bezeichnen und wie nennt man jene, die sich freiwillig unter das Diktat ihrer Feinde begeben? Was für ein Volk ist das, das sich ohne zu murren, freiwillig und zukünftig in die Unterwerfung begibt? Weshalb tut ein Volk so etwas?

    Ich muss natürlich ehrlich sein und gestehen, eine kürzere Phase im Leben erlebt zu haben, da dacht ich mir, dass an Glauben und Kirche etwas gar nicht mal so schlecht sein kann. Das waren kurze Jahre vor der Wende. Damals begannen auch gerade polit. Umbrüche und Kirchen bekamen einen gewissen Stellenwert. Quasi als Mangel an Alternativen. Das ist heute nicht mehr der Fall, denn es gibt sie. Es war eine Phase der Suche. Eine Glaubenssuche?

    Verstehe. Da hatten wir es aber gut, denn wir mußten bei uns im Heim an gar nichts glauben, konnten also auch nicht vom Glauben abkommen. Ich habe auch noch 2 alte Fotos auf denen ich zu sehen bin, die damals im Heim aufgenommen wurden. Wenn ich die Kleidung sehe, dann fällt mir auch so Manches ein. Heute glaube ich, dass die Kleidung etwas ärmlich aussah. Zu kurze Hosen oder zu lange Beine. 8o

    ….Vielleicht sagte mir mein Unterbewußtsein damals schon,das an der damaligen Gesellschaft etwas nicht
    stimmen kann.wie ich Jahre später zu meinen Glauben fand,berichte ich im nächsten Beitrag.

    Womit du ganz bestimmt Recht hast. Ergänzend von mir, dass an der heutigen Gesellschaft ebenso etwas nicht stimmen kann. 8o

    Erst Versprechungen und dann nicht gehalten? Worauf nun schon seit Jahren gewartet wurde. Manch Eine/r wird zwischenzeitlich doch nicht etwa vom Glauben abgekommen sein? hmm

    Eine wahrlich traurige Geschichte,, die du voller verständlicher Emotionen gut beschrieben hast. Ich wollte, dein Gedächtnis zu haben, denn in dem Alter habe ich natürlich auch schon intensive Erinnerungen, doch noch nicht die vom ersten Tag. Das war später. Da fällt mir auch vieles ein. Sogar einen Tag vor dem ersten Tag, also der der Einweisung. Lang ists her. Ich war mit meinem Stiefvater auf dem Grundstück bzw war dort in der Nähe mit ein paar befreundeten Jungen am Kanal baden. Der Sommer ging gerade zu Ende und ich sagte ihnen dass ich jetzt ein paar Jahre nicht mehr hier sein werde. Auch nicht in den Ferien, weil ich morgen ins Heim muss. Sie staunten ziemlich und schienen schon gewusst zu haben, wie es dort so ist. Jahre später war ich mal wieder dort aber wir kannten uns kaum wieder. Eig sah ich sie dann nicht mehr. Ein Abschied am Tag vor dem grossen Tag.

    I schrieb ja schon, dass i etwa 7 Monate off war u zurück kam, in der Hoffnung dass es besser wird. Es wurde besser und trotzdem änderte sich nichts. Wir, die Menschen, waren u blieben die selben. Wir griffen an u wurden angegriffen. So viel verbale Gewalt wie dort hab ich nirgends erlebt u praktisch alle schauten zu, tolerierten, konnten nichts mehr tun, außer guggen u still schweigen. Ich hasste es so oft u trotzdem meldete ich mich immer wieder in den 10 J. an und ab. Eig war das alles nur noch krank.

    Na dann sag das doch gleich und woher sollen Fremde wissen, welche Meldungen du kennst, welche nicht und dann auch noch wissen, wie lange du sie kennst. :(

    Schön ist, dass ihr dort scheinbar, was man so hat als Fremder lesen dürfen, eine sehr liebe und gute Oberin hattet. Ich bin immer gern für positive Pressemitteilungen zu haben. Bitte mehr davon.

    Aus kirchl. Kreisen hört/e man viel zu lange viel zu wenig positive. :)

    Immerhin, nur einen Personalbogen und das ist doch schon mal ein Anfag für Erinnerungen. Wer mehr wissen will, wer dort gewirkt hat, was aus ihm/ihr geworden ist, blickt einfach mal in die Pressemeldungen. Es gibt so viele davon. Hier nur mal eine.

    [quote] Prälat Dr. Josef Schweiger würdigt Verdienste der langjährigen Oberin des Kinderzentrums St. Vincent

    Die Nachricht vom Tode Sr. M. Clemens Englisch hat bei der Katholischen Jugendfürsorge und ihrem Kinderzentrum St. Vincent tiefe Betroffenheit und Anteilnahme ausgelöst. Sie verstarb am 27. Februar 2010 im Schwesternheim St. Hildegard in Siegsdorf bei Adelholzen. ….

    http://kjf-regensburg.de/presse/pressem…ahr=2010&id=652

    Ich weiß, kenne beides auch aber beides is mir inzwischen so was von egal, denn der Wille ist nicht vorhanden und wo kein Wille, ist kein Weg. Egal. Vergessen and forgotten?

    Geschrieben habe ich dort tatsächlch viel, Jahre zuvor besonders, als man sich noch nicht bis fast aufs Messer anging. Das gab es leider auch, Drohungen und Versuche der Einschüchterug, wobei das alles keine Lapalien waren, auch wenn manch ein Acteur heute nicht mehr dort ist, ist nicht alles Vergessen and forgotten. :)

    Heutzutage wird man sogar von den Lehrern gezwungen die Schule zu schwänzen, einmal die Woche Freitags.

    Übrigens war das anscheinend dauerschwänzende grüne Klimagretelchen heute in der Reichshauptstadt und las uns Klimasündern ordentlich die Leviten. Die Kanzlerin in ihrem engsitzenden knallroten Blazer hat über sie in ihrer Pressekonferenz vor ihrem Urlaub auch gesprochen. :hutab: Nun ist sie ganz oben angekommen.

    Wenn ich mir das alles so vorstelle, unsereins kam auch für das Schule schwänzen ins Heim. Das stand klar beschrieben in den Einweisungsunterlagen. Weshalb jmd. schwänzte, danach fragte eigentlich niemand und heute muss man nur sagen, ich tue was fürs Klima und geh dafür nicht zur Schule. Je mehr dabei mitmachen desto weniger kann ihnen geschehen denn nur gemeinsam ist man stark, oder so. Klares gruppendynamisches Verhalten. Der Mensch ist eben doch ein Herdentier.