Häufig ist es so im Leben, Fragen von Zweifeln darüber, ob etwas Geschehenes einfach so geschieht oder es nicht verschuldet ist und was es auslöst.
Meinen Recherchen in Bezug auf das, was mit mir schon früh als Kind nicht in Ordnung gewesen sein kann, nur eben so nicht erkannt wurde, heute gibt es dafür Bezeichnungen mit Klassifikationsgraden. Wenn man bereit ist, das herausfinden zu wollen, dann geht es nicht mehr nur um "Wieso, weshalb, warum". Es öffnet dir dein Innerstes. Es ist, als wenn du ein Brennglas benutzt, um verstehen zu lernen, wie das Eine zum Anderen kam. Ansichten können sich dann auch ändern, wenn das Wissen darüber vorhanden ist.
Aus der Psychologie ist bekannt, dass sich Kinder, die unter Stress aufwachsen und Probleme erleben, sich oft die Frage stellen, ob sie etwas falsch gemacht hätten. Heute weiß man das alles, Kinder geben sich meist die Schuld für alles Mögliche - die Frage nach dem, weshalb sich Eltern scheiden lassen ist die Populärste - stellen sie sich, ob es ihre Schuld ist. Bleiben sie bei einem Elternteil zurück, fehlt etwas Entscheidendes und es heißt, wieso fehlt X, Y? Wieso haben all die Anderen zwei Elternteile? Diese Fragen werden heute wie einst gestellt. Ob ich sie stellte, ich weiß es nicht, der Stress endete nicht, Defizite wuchsen und immer dann auch das mulmige Gefühl, was wird, wenn du das und das falsch machst.
Ist es deine Schuld gewesen, was zu Hause gerade wieder los war, als sich ein erster Stiefvater einnistete? Wieso war er da, wenn er dir nicht gut tat, aber irgend eine Funktion erfüllen sollte, wenn er doch selbst zuvor schon gescheitert ist? Ich bekam keine Antworten und blieb mit dem Makel, dass etwas fehlte und fehlenden Antworten, zurück. Wenn man etwas tat, hatte das Konsequenzen, die Ursachen hatten und immer die Frage nach der Schuld.
Das ist heute natürlich nicht mehr der Fall, denn wenn man das alles erst einmal im Selbststudium analysiert, nicht jetzt, sondern über längere Zeiträume, nebenbei, wie es gerade die Zeit erlaubt, relativiert sich Manches. Wissen ist mächtig. Es macht etwas mit Menschen.
Damals, daran anknüpfend, was mit Kl. geschehen ist, stand diese quälende Frage, weswegen ich schrieb, wir waren Schuld, denn es war vermeidbar, wenn wir die Gefahr geahnt hätten, jedoch, wir suchten Abenteuer und bekamen sie. Das war/ist völlig normal, sie zu suchen. Wir taten nichts Böses, zerstörten nichts, erlebten es. Mich verfolgte das ewig, denn WIR vier hatten es in der Hand, nicht in die düsteren, nach Metall und allem Möglichen riechenden Keller hinunterzusteigen. Wir wollten eben da hinunter!
"Mitgehangen, mitgefangen", heißt es und das ist der Kern des Ganzen. WIR hatten, natürlich, diese Riesenangst, dass uns das was Kl. geschah, ereilen könnte. Oft sah ich die Bilder in Träumen, dachte sogar daran, dass es besser gewesen wäre, wären wir nicht feige abgehauen, hätten Kl. nicht allein lassen dürfen, auch wenn wir dann gemeinsam mit ihm die Schläge hätten einstecken müssen. Vielleicht hätte man uns nicht geschlagen, weil wir nicht seine Söhne waren, sondern "nur" eben dieser Kl., mein bester Freund.
Eine Angst vor etwas haben stammt aus der Zeit der Säbelzahntiger, weswegen wir schon immer instnktiv, vor was auch immer, flüchteten. Das ist völlig normal und dient dem Selbstschutz. Nicht alles ist normal.
"Freunde halten zusammen, gehen durch dick und dünn". Fehlanzeige. Wir aber flüchteten und ich wollte, nicht sofort, sein Leid geteilt zu haben. Vielleicht müßte ich dann nicht all diese Zweifel gehabt haben, ob es richtig oder falsch war, dass wir ihn auf dem Hof allein ließen.
Das ist zwar eine dieser alten Geschichten, jedoch im Zusammenhang mit dem zu betrachten, weswegen man nie Ruhe findet und pausenlos aktiv ist. Selbst, wenn man irgendwo im Grünen ist, wird gedacht, analysiert. Der Kopf will nicht anders.
Die Welt ist schlecht. Wo ist all das Gute hin, wo ist es geblieben? Am Strand liegen, feine Sache, machte ich ganz selten, auf der Couch liegen, geht nicht, denn es sind immer wieder Trillionen Gedanken, die nicht weichen wollen. Wahrscheinlich ist das gut so, denn aufhören zu denken, wäre der sichere Tod und damit warte ich noch ein wenig. Fürs Umkehren ist es zu spät.
Axel Li