Beiträge von TP0805

    Meine Zeit dort: Februar 2014 bis August 2018

    Ich war von Februar 2014 bis August 2018 – also rund viereinhalb Jahre – in verschiedenen Gruppen bzw. Einrichtungen und habe dabei drei sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Leider überwiegen bei mir inzwischen deutlich die negativen Erinnerungen.

    Hedemünden – Wegschauen, obwohl etwas passiert ist

    An eine Situation aus meiner Zeit in Hedemünden erinnere ich mich bis heute sehr deutlich.

    Ich war damals noch ein Kind und bin im Haus hin und her gerannt. Ein Jugendlicher namens Enes stellte mir dabei einen IKEA-Tisch in den Weg. Ich bin dadurch mit meinem Knie mit voller Wucht gegen die Tischkante geschlagen.

    Was mich bis heute beschäftigt: Der zuständige Betreuer, Herr Hennings, hat in dieser Situation meiner Erinnerung nach überhaupt nicht eingegriffen.

    Heute habe ich an diesem Knie erhebliche Schmerzen. Bei mir wurde inzwischen ein Riss in der Kniescheibe festgestellt. Ob dieser Befund tatsächlich auf den damaligen Vorfall zurückzuführen ist, kann ich medizinisch nicht beurteilen. Für mich ist es jedoch eine Situation, die ich bis heute nicht vergessen habe – gerade weil ich damals als Kind darauf angewiesen war, dass Erwachsene eingreifen und mich schützen.

    Tannenkamp – Mobbing, körperliche Übergriffe und fehlender Schutz

    Auch im Haus Tannenkamp gab es immer wieder Situationen, in denen ich mich von anderen Jugendlichen gemobbt und körperlich angegangen gefühlt habe. Unter anderem erinnere ich mich an einen Jugendlichen namens Sascha.

    Besonders problematisch fand ich die Unterbringung meines Zimmers.

    Mir wurde ein Zimmer im Keller des Hauses gegeben. Dass das Zimmer selbst ausgebaut war, war für mich zunächst kein Problem. Das eigentliche Problem war jedoch, dass dieser Bereich gleichzeitig als Ein- und Ausgang von Jugendlichen genutzt wurde.

    Dadurch konnten andere Jugendliche aus meiner Sicht relativ unbemerkt in den Bereich meines Zimmers gelangen. Gerade wenn man ohnehin bereits Probleme mit Mobbing und körperlichen Auseinandersetzungen erlebt, halte ich eine solche Situation für äußerst problematisch.

    Ich hätte mir hier deutlich mehr Schutz und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage gewünscht, wie ich mich dort sicher fühlen kann.

    Dazu kamen Betreuer, bei denen ich mich nicht ausreichend unterstützt gefühlt habe. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, von Betreuern selbst abgewertet oder gemobbt zu werden. Gerade von Betreuungspersonal hätte ich etwas völlig anderes erwartet.

    Hemeln – ständige Kommentare über meinen Körper

    In Hemeln habe ich wiederum andere, aber ebenfalls sehr belastende Erfahrungen gemacht.

    Dort gab es Betreuer, die mich wegen meiner körperlichen Verfassung meiner Erinnerung nach immer wieder heruntergemacht haben.

    Das hat mich besonders getroffen, weil ich damals vier Tage in der Woche Sport gemacht habe und trotzdem das Gefühl vermittelt bekam, dass mein Körper nicht gut genug sei.

    Selbst beim Essen gab es immer wieder Kommentare. Wenn ich etwas gegessen habe oder Hunger hatte, wurde meiner Erinnerung nach etwas dazu gesagt. Gerade wenn man ohnehin häufiger Hunger hat, können solche Kommentare enorm belastend sein.

    Für mich hatte das irgendwann zur Folge, dass selbst etwas völlig Normales wie Essen mit negativen Gedanken und Kommentaren verbunden war.

    Februar 2014 bis August 2018 – drei Gruppen, drei unterschiedliche Erfahrungen

    Was ich nach rund viereinhalb Jahren besonders deutlich sagen kann:

    Betreuung steht und fällt mit den Menschen, die sie ausüben.

    Ich habe auch Betreuer kennengelernt, bei denen ich mich ernst genommen und respektiert gefühlt habe. Besonders positiv erinnere ich mich an:

    • Herrn Janke (Hedemünden)
    • Frau Weißbrenner (Tannenkamp)
    • Frau Mayer (Hemeln)
    • Frau Erinc (Tannenkamp)
    • Herrn Weigel (Tannenkamp)

    Mit diesen Personen gab es selbstverständlich auch einmal Streit oder Meinungsverschiedenheiten. Der entscheidende Unterschied war für mich jedoch, dass Konflikte mit ihnen normalerweise vernünftig und ohne unnötigen Druck gelöst werden konnten.

    Genau deshalb finde ich es umso enttäuschender, wenn andere Betreuer wegschauen, Bewohner nicht ernst nehmen oder durch ihr eigenes Verhalten zusätzlichen Druck erzeugen.

    Mein klarer Verbesserungsvorschlag

    Aus meiner Sicht muss der Schutz der Bewohner deutlich stärker in den Mittelpunkt gestellt werden.

    Wenn ein Jugendlicher gemobbt, bedroht oder körperlich angegangen wird, darf nicht einfach zugesehen werden. Es muss konsequent eingegriffen und anschließend nachvollziehbar aufgearbeitet werden.

    Das gilt selbstverständlich auch für das Verhalten von Betreuern. Betreuungspersonal sollte niemals selbst dazu beitragen, dass ein Bewohner sich gedemütigt, eingeschüchtert oder gemobbt fühlt. Beschwerden über Mitarbeiter müssen ernst genommen und möglichst unabhängig überprüft werden.

    Außerdem sollte bei der Zimmervergabe viel stärker darauf geachtet werden, ob ein Bewohner sich dort tatsächlich sicher fühlen kann. Ein Zimmer allein bereitzustellen reicht nicht aus, wenn andere Jugendliche jederzeit unbemerkt in diesen Bereich gelangen können.

    Auch Kommentare über Körper, Gewicht oder Essverhalten sollten meiner Meinung nach nur mit größter Vorsicht und fachlicher Begründung erfolgen. Ein Jugendlicher braucht Unterstützung und einen respektvollen Umgang – keine zusätzlichen Kommentare, die ihn noch weiter herunterziehen.

    Nach rund viereinhalb Jahren, drei verschiedenen Gruppen und sehr unterschiedlichen Erfahrungen bleibt bei mir vor allem eines hängen:

    Es geht besser. Ich habe selbst erlebt, dass es Betreuer gibt, die respektvoll, ruhig und menschlich mit einem umgehen. Genau dieser Umgang sollte der Maßstab sein – und nicht das Wegschauen, der Druck oder das Herabsetzen von Bewohnern.

    Meine Bewertung beruht auf meinen persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen aus der Zeit von Februar 2014 bis August 2018. Ich erwarte nicht, dass jede Person dieselben Erfahrungen gemacht hat. Aber ich finde, dass solche Erfahrungen ausgesprochen werden müssen, damit sie nicht einfach unter den Tisch fallen.