Ich bin wegen so etwas erst ins Heim gekommen. Da es mir aber gut geht, ich keine Schäden, abgesehen von dem Heimaufenthalt und meine somit verkorkste Kindheit, davon getragen habe, verzeihe ich ihnen. Sie, mein Vater und meine Stiefmutter, waren jung und unerfahren und wussten sich nicht anders zu helfen, sage ich mir immer. Ist zwar keine Entschuldigung dafür, aber es ist nun mal so. Ich war der Älteste von 4 Kindern und auch immer der Trottel, der an allem Schuld war, für alles den Kopf hinhalten und alles machen musste. Eltern verstanden sich auch nicht immer und so kam der Vater öfters abends nicht nach Hause, pfuschte irgendwo und/oder war in der Kneipe, um den Stress aus dem Weg zu gehen. So lastete alles auf der Stiefmutter, die ganz sicher sehr oft dabei überfordert war, so dass die bzw. der Große eben oft mit ran musste. Also auf die Kleinen aufpassen, ihnen die Flasche geben, windeln, Windeln auswaschen usw. Ich musste auch jeden Sonnabend die Treppe wischen, egal ob ich Geburtstag hatte oder nicht, egal ob der Besuch da war oder nicht. Da ich auch ein kleiner Mäkelhannes war, saß ich auch manchmal Stunden am Essen, was immer mehr im Mund wurde und trocken wie die Sau war. Nun kommt noch dazu, dass ich natürlich auch nur Blödsinn im Kopf hatte und diesen auch bis zum Abwinken gemacht hatte. Ist natürlich keine Berechtigung für Prügel. Aber die gab es dann eben mal. Mal mit dem Latsch, mal mit nen Gürtel oder eben alles, was Stiefmutter so greifen konnte. So schauten eines Tages Striemen am Hals raus, was in der Schule bemerkt wurde. Also ab in Sekretariat und ausziehen. Naja, der ganze Rücken und Arsch waren voll damit. Laut Akte war das nicht zum ersten Mal und so kam ich direkt nach dem Krankenhaus ins Heim. Ein Jahr in ein Normales, dann 4 Jahre in ein Spezi.
Mein Vater hatte sich aber IMMER rührend um mich gekümmert, während ich im Heim war. Er und seine Eltern haben mich immer besucht und ich war in den Ferien auch immer bei ihnen. Nach 4 Jahren kam ich dann endlich zu meinen Großeltern, was sie und auch mein Vater bereits während der gesamten Heimzeit versucht hatten. Großeltern sind nun tot und zum Vater habe ich ganz normalen Kontakt. Es ist ja nun mal mein Vater. Meine leibliche Mutter kenne ich nicht, sie hat mich bereits mit einem Jahr in Stich gelassen und vor Gericht auf die Frage, warum sie mich nicht im Krankenhaus besucht habe, geantwortet "Ich dachte der macht sowieso nicht mehr lange.". Nach 30 Jahren stellte sie Kontakt her und wollte mir mein Leben vorschreiben, was ich 30 Jahre auch ganz gut OHNE sie hinbekommen habe oder auch musste.
Meine Stiefmutter besuchte ich dies Jahr das erste Mal, seit etlichen Jahren, weil ja dort noch 2 Halbbrüder sind. Ich habe ihr verziehen und dies auch nicht zur Sprache gebracht. Ich verzeihe ihr und auch mein Vater. Alles andere bringt für mich nichts.
Ich verzeihe zum Teil auch meiner leiblichen Mutter (sie war jung und dumm), werde aber nie versteh, warum sie JETZT so reagiert. Sie ist also doch noch wie früher, sieht nichts ein und es hat sich auch alles bewahrheitet, was ich von Vaters Seite Familie über sie hörte. Soll sie bleiben, wo der Pfeffer wächst. Ich habe sie nun mittlerweile über 40 Jahre nicht gehabt und brauche sie auch weiterhin nicht.
Vater und seine Eltern ist alles Schick, obwohl letztere ja nun schon nicht mehr unter uns weilen. Also habe ich vom Prinzip nur noch den Vater. Und da versuche ich bis zuletzt ein gutes Verhältnis aufrecht zu erhalten, schon allein, weil er immer da war und sich stets bemühte. Er ist und bleibt mein Vater.
Meine Kinder haben natürlich auch mal eine leichte Ohrfeige bekommen, wenn sie bereits Versuche unternahmen, mir gegenüber frech zu werden. Das war aber im frühesten Kindesalter und hat seine Wirkung über Jahre gehabt. ich brauchte immer nur einmal etwas sagen und sie haben gespurt. Meine besser Hälfte hat sich da sehr oft den Mund fusselig geredet, weil sie eben auch nicht so konsequent war, wie ich. Ich habe immer alles so durchgezogen, wie ich es beim ersten Mal angekündigt habe. Frau ist da immer wieder weich geworden, was sich natürlich im Verhältnis zwischen ihr und den Kindern auswirkte. Sie war zwar somit immer die lebe Mutti und ich der letzte Arsch. Ganz so schlimm sicher nicht, aber immer dann, wenn es nicht nach den Willen der Kinder ging.
Gewalt gab es vielleicht in der Form von psychischen Stress. Ich suchte mir immer altes Spielzeug, was sie nicht so dringend brauchten, was nicht so teuer war, ihnen aber schon am Herzen lag und zerstörte dies mit Vorankündigung, wenn sie versuchten Spiele mit mir oder uns zu spielen. Auch das zeigte Wirkung, ist auch gemein, aber immerhin besser, als Prügel.
Die letzte Ohrfeige, die ich der großen mal im Alter von 15 oder 16 gab, war wo sie mit Kippe zur Schule ging. ich beobachtete das schon mehrere Tage, dass sie sich unmittelbar nach verlassen des Hauses eine Kippe anzündete. Den Tag ging ich hinterher und stellte sie sie zur Rede. Irgendwie gab es da eine sehr dämliche und freche Antwort, so dass es wie ein Reflex war. Es tat mir einerseits doch irgendwie leid, aber andererseits, fand ich es richtig und finde es auch heute noch richtig. denn eine Backpfeiffe hat noch niemanden geschadet und dient eigentlich nur zum Erschrecken, um zu sagen, dass Kind hier ganz deutlich eine Grenze überschreitet und wach werden sollte.
Mit dem Rauchen hatte ich das so gehandhabt, dass ich es eh nicht ganz verbieten kann. Ich kann aber schon verbieten, dass dies bis zum 18. Lebensjahr zu Hause, in unmittelbarer Nähe, also vor meinen und den Augen der Familienmitglieder, wie Oma, Opa usw. geschieht. Und das zog ich auch durch. Denn bis 18 bin ich für sie verantwortlich, danach sie selbst. So kann sie mir hinterher nie nachsagen, dass sie Lungenkrebs hat, weil sie rauchen durfte.
Ansonsten gab es nie Gewalt bei uns. Ich versuchte dies immer mit psychologischen Tricks zu bewerkstelligen und nutzte dazu auch einige Methoden aus dem Heim, die ich für nützlich hielt. Das waren zum Beispiel bei Störung der Nachtruhe oder auch Lügen, mal ne viertel oder halbe Stunde im Flur stehen, wo wir sie auch sehen könnten. Das war zum Beispiel bei Lügerei auch mal ganz lustig, wo sie alle beide nebeneinander standen und die Kleine zur Großen immer flüsterte, sag jetzt, dass du das warst und sie dabei immer antippte. Dies Problem bestand aber nur, als sie sich noch beide ein Zimmer teilten. Als sie jeder ihr eigenes Zimmer hatten, wurden derartige Probleme automatisch weniger.
Ich muss auch sagen, ich würde es immer wieder genau so tun.
Nun habe ich allerdings eine neue Familie, mit nicht eigenen Kindern, die dann doch schon älter wie 5 sind. was bis dahin versäumt wurde, wird schwieriger. Ich versuche hier bisher nur mit Reden, Erpressung, Kompromisse, mit eigen Waffen schlagen usw. Und vor allem auch mit Konsequenz! Mal klappt es ganz gut, mal geht es in die Hose. Ist auch etwas schwieriger mit ADHS und so. Ein Kind ist nun beim Kindesvater und mit dem anderen Kind wird es schon werden. Ich bin da ganz guter Dinger. Für das Kind ist es ja auch nicht gerade leicht. Nicht nur ich muss mich an das Kind gewöhnen, sondern auch das Kind an mich. Ganz wichtig ist aber dabei, dass die Mutti mitmachen sollte, was nicht immer gelingt ...