Das ist aber eben nur deine Sicht der Dinge, wie du es erlebt und empfunden hast. Auch gibt es eben nur den zeitlichen Rahmen wieder, indem du in dieser Einrichtung warst.
Andere Leute können das zu deiner Zeit ganz anders empfunden haben, schließlich war es kein Ferienlager.
Es gibt auch Leute, die waren zu anderen Zeiten dort. Auch diese könnten ganz andere Erfahrungen wie du gesammelt und es unterschiedlich empfunden haben.
Davor sollte man, wie das Thema so schön heißt, auch Respekt haben und es einfach auch mal akzeptieren, was andere Leute so von sich geben.
Auch wenn dir kein Fall bekannt ist, heißt das nicht zwangläufig, dass es sie nicht gibt. Hier in den Foren melden sich auch nur ein geringer Bruchteil der Ehemaligen.
Ich persönlich habe zum Beispiel in meiner Einrichtung auch keine so schlechten Erafhrungen gemacht. Ich habe ein Bett und etwas zu essen gehabt, wurde eingekleidet, auch wenn wir alle gleich herumliefen. Es gab auch Taschengeld, was immer einbehalten und zu bestimmten Anlässen verwendet wurde. Ich durfte zur Schule gehen und wurde im Kollektiv erzogen. Ich kann mich auch nicht erinnern mißbraucht oder geschlagen worden zu sein. Wenn ich es mal mit Kindern vergleiche, die nichts im Leben haben und auf der Straße leben oder von klein an schuften müssen, verprügelt und mißhandelt werden, ging es mir dort regelrecht gut. Ich konnte eine ziemlich "normale" Kindheit verbringen. Die Erziher waren meine Eltern und die Gruppe meine Geschwister. Es war so zu sagen meine Familie auf Zeit.
Die Kehrseite davon ist, dass es wohl doch keine so "normale" Kindheit war. Während dessen andere Kinder irgendwann die ersten Erfahrungen mit einer Freundin machten, verbrachte ich die Zeit im Heim, so ganz ohne Mädels. Während dessen andere Kinder "draußen" spielen durften, war ich an einem strengen und geregelten Tagesablauf gebunden und einfach nur eingesperrt, eingesperrt im Haus oder auch auf dem Heimgelände. Während andere Kinder Mutterliebe genossen, habe ich vielelicht mal ein paar nette Worte der Erzieherin gehabt. Während andere Kinder vielelicht mal mit ihren Vater etwas unternahmen, war ich in der Gruppe gefangen und musste immer mit ihnen zusammen alles unternehmen. Während andere Kinder ihre Omas und Opas hatten, die sie jederzeit besuchen konnten und auch von ihnen besucht wurden, auch mal ein paar Tage zusammen verbringen durften, war das im Heim ganz anders geregelt. Es gab Besuchstage und auch Urlaubsscheine, so ganz wie im Knast!
Man kann das Ganze nun so oder auch so sehen. Das sind die 2 Seiten der Medailie, für Leute wie mich, die eben nicht mißhandelt wurden, aber eben dort waren. Einige, wie ich zum Beispiel, sehen es als ganz normal und nicht weiter schlimm an. Es war eben so, es ist Geschichte und daran kann man nichts mehr ändern.
Andere haben dafür aber ein ganz anders Verständnis. Sie sehen es nicht so einfach, sie fühlten sich auch eingesperrt und haben heute noch damit zu kämpfen, können das nicht so einfach wegstecken. Das sollte man respektieren!
Ich habe auch schon von Leuten aus meiner Einrichtung gehört, die von Erziehern geschlagen wurden. Das kann ich zwar nicht ganz verstehen, weil ich es so nicht kenne, nehme es aber so als gegeben. Denn vorstellen könnte ich mir das schon, also möglich wäre so etwas immer. Ich war schließlich nicht dabei und so kann ich mich nicht hinstellen und das Gegenteil behaupten oder die Leute als Lügner hinstellen.
Auch wenn eines Tages Leute kommen werden, die behaupten, dass sie in meiner Einrichtung mißhandelt und/oder mißbraucht wurden, werde ich ihnen zuhören und dies in keinster Weise bezweifeln, sofern es nicht zu meiner Zeit passiert sein soll. Sollte es zu meiner Zeit passiert sein, würde ich dies zwar anzweifeln, könnte es aber nie ausschließen. Woher soll ich denn wissen, was hinter anderen Türen so passierte? Also auch das wäre möglich, auch wenn ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen könnte.
Man sollte also nicht ganz so pauschal sagen, dass es dies und das in den und den Einrichtungen nicht gab, wenn man das nicht 100%ig weiß, weil man ja nie die ganze Zeit da war und auch nie 100%ig alles mitbekommen haben kann.
Das vielleicht auch einige etwas hochpauschen, sei dahin gestellt. Schließlich weiß man da auch nicht, wo man die Grenze setzen sollte. Woher will man wissen, wer was und wie schlimm hochpauscht oder sich gänzlich erfundene Geschichten ausdenkt. Man kann den Leuten nur vor, aber nicht hinter die Stirn schauen und auch das nur wenn man sie sieht. Spätestens dann, wenn sich gewisse Leute so in Widersprüche verwickeln, weiß man, dass dort etwas nicht stimmt. Das aber immer wieder so zu betonen, dass es etliche Leute gibt, die so etwas machen, gerade dann, wenn jemand erst seine Erlebnisse berichtet hat, halte ich für nicht richtig, fast schon respektlos. Wenn ich mir vorstelle, ich komme frisch in ein Forum, hatte mit so etwas noch nie etwas zu tun, überwinde mich jetzt meine Erlebnisse zu schildern und bekomme dann zu lesen, dass es Leute gibt, die sich so etwas ausdenken und/oder hochpuschen, fühle ich mich doch sofort angesprochen, möchte am liebsten im Boden versinken und bin dann so enttäuscht von den Leuten und dem Forum. Ich wäre in erster Linie nicht nur von denen enttäuscht, die das schrieben, sondern von allen. Ich wäre dann wieder an dem Punkt, wo ich mir sage, es ist so wie früher, keiner glaubt mir!
Ich habe fertig ...