Hallo Hennyle,
erst einmal "Herzlich Willkommen" hier bei uns in der Regenbogenstadt.
Sollte es wirklich so schlimm in unseren Heim gewesen sein? Du bist jetzt der Zweite oder Dritte, von dem ich so etwas lesen muss, obwohl ich nicht solche Erfahrungen gemacht habe. Von denen, von den ich das schon mal las, die waren auch nach meiner Zeit dort, genau wie du. Was ich aber nicht verstehe, du schreibst, du bist als Einziger raus, also nach Hause gekommen und die anderen sind in den Jugendwerkhof gewandert. In deinem Profil sah ich, dass du bis 89 da warst. Da war doch die Wende. Sind die dann für 2 Monate nochmal in den Jugendwerkhof gekommen? Wäre ja möglich, da das neue Schuljahr ja immer Anfang September anfing und die Wende erst am 9. November war.
Auf jeden Fall kann ich von solchen schlimmen Erfahrungen nicht reden, denn ich bekam zum Beispiel keine Prügel! Gut, es ging schon millitärisch vor, man musste sich wegen jeden Scheiß anstellen bzw. antreten und es ging dann immer geschlossen irgendwo hin. Auch waren die unteren Fenster, welche gut hinter einer Hecke versteckt waren, vergittet. Abgeschlossen war auch überall, die Fenster hatten keine Griffe, wir mussten dazu immer einen Löffel nehmen. Und das Heimgelände war auch umzäunt. Da die Schule mit auf dem Heimgelände war, gab es ja auch kein Grund raus zu gehen.
Vielleicht werde ich mal irgendwann anfangen, etwas zu schreiben, an was ich mich noch so erinnern kann, was den Tagesablauf betrifft. Viel ist es nicht, da ich mich nicht so sehr daran erinnere.
Auf jeden Fall war es eine durchwachsene Zeit. Ich hatte Heimweh, obwohl ich wegen Prügel ins Heim kam. Trotzdem vermisste ich zum Beispiel meine Halbgeschwister. Ich glaube, ich liebte sie auch. Ich kann mich schwach erinnern, dass ich oft deswegen geheult habe, gerade dann, wenn ich eben als 10-13-Jähriger wegen irgendwas bestraft wurde oder mich eben einfach allein, hilflos und verloeren fühlte.
Es ging in meinen persönlichen Augen sicherlich nicht alles Gerecht zu, gerade wenn man aus der Gemeinschaft heraus, vielleicht für etwas bestraft wurde, für das man nichts konnte oder was eben nicht so schlimm war. Aber was solls, es gab auch Kinder, die nicht im Heim waren. Die wurden sicherlich auch für die ein oder andere Sache zu Recht oder auch zu Unrecht bestraft.
Auch mit dem täglichen Ablauf, den millitärischen Trill, konnte ich mich gut anfreunden. Ich empfinde es noch heute als nicht besonders schlimm und als eine Maßnahme, wie man einfach eine gewisse Ordnung in die Gruppe bringt. Sicherlich gibt es immer andere Möglichkeiten! Aber geschadet hat es mir nicht! Ich finde, man muss ja nicht alles schlecht reden, was anders, wie "normal" ist.
Zu meiner Erzieherin hatte ich ein strenges aber auch ein sehr gutes Verhältnis, so dass ich heute noch, bis auf ein paar Unterbrechungen, den Kontakt gehalten habe. Ich kann mich absolut nicht an Prügel erinnern. Vielleicht habe ich mal eine Ohrfeige bekommen, an die ich mich aber nicht erinnern kann. Ich weiß es nicht. Wenn ich aber verprügel worden bin, hätte ich es sicherlich gewusst.
Nun bist du der Nächste, der so etwas Schlimmes berichtet, wo ich dann doch so langsam in Grübeln komme, ob es nach meiner Zeit wirklich schlimmer geworden ist. Vielleicht kannst du ja mal Genaueres aus deiner Heimzeit berichten.
Gruß Jan