Haus Hohe Tanne 1
98590 Mittelschmalkalden
Wenn Du in dieser Einrichtung warst, kannst Du hier alles posten,
an was Du Dich erinnerst
Haus Hohe Tanne 1
98590 Mittelschmalkalden
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an was Du Dich erinnerst
Ich habe den Aufenthalt von fünf Wochen im Jahr Oktober/November1977 noch in lebhafter Erinnerung.
Es ging vom Leipziger Marktplatz mit dem Bus bis Schmalkalden. Alle Kinder hatten ein Namensschild um den Hals.
Irgendwann auf der Fahrt, vermutlich, als es ein wenig hügelig wurde, fingen einige an, sich zu erbrechen. Das hatte anscheinend einen Ansteckungseffekt und roch erbärmlich. Ich bin nicht mehr ganz sicher, ob ich widerstehen konnte.
Das Haus befand sich meiner Erinnerung nach auf einem kleinen Hang oder Hügel rechts der Straße. Ich denke, es hatte zwei Stockwerke. Die Zimmer waren für zwei ausgelegt.
Der Raum, in dem gewöhnlich gegessen wurde, hatte eine Art Empore mit einem Geländer, also zwei Ebenen.
Es gab Spaziergänge, Fußbäder im Souterrain und das Bürsten der Haut, das man selber durchgeführt hat. Die Ellenbogen und Knie sollten ausgelassen werden.
Mit vier Jahren war ich noch nicht 100% trocken und habe ab und zu in die lange Unterhose uriniert. Ich erinnere mich an eine Situation, in der mich eine große Frau anherrschte, dass sie die Hose nicht sauber bekommen würde.
Heute würde ich als Chef des Hauses kommentieren, dass sie sich gefälligst etwas einfallen lassen soll
Chlorreiniger hätte man sicherlich besorgen können. Nach kurzer Recherche nenne ich Wofasept - kannte ich damals nicht.
Nun gut. Außerdem erinnere ich mich daran, dass mich das alternierende Frühstücksmenü vor erhebliche Herausforderung gestellt hatte: Jedesmal, wenn es Müsli gab, saß ich wie versteinert davor. Jeder Löffel löste Brechreiz aus. Hingegen war das Menü des nächsten Tages mit Puddingsuppe von mir beliebt.
Ein dunkelhäutiges Mädchen am Nachbartisch hatte genau das entgegengesetzte Problem. Sie saß starr vor der Puddingsuppe:)
Meiner Erinnerung nach haben wir nie ein Wort gesprochen, aber nach einigen Tagen tauschten wir jeweils unsere Rationen, sodass es für sie immer Müsli und für mich immer Puddingsuppe gab.
Besonders schwer war, dass ich Ende November meinen fünften Geburtstag in Abwesenheit meiner Eltern und Geschwister feiern sollte.
Mir war wirklich nicht nach Feiern zumute. Sicherlich haben sich alle größte Mühe gegeben, aber beim Auspacken des Pakets von zu Hause, gab es einfach Tränen.
Eines Tages kam ein befreundeter Mann einer der jungen Betreuerinnen zu Besuch. Ich muss übrigens erwähnen, dass die meisten der Frauen dort recht lieb waren.
Irgendwie war es Thema, dass er mit einem Renn- oder Sportwagen kommen würde und alle Kinde rannten zur Fensterfront in Richtung Straßenseite, um das Auto zu sehen.
Ich hatte darauf verzichtet, mich zu beteiligen, das Auto habe ich also nicht gesehen. Würde aber aus heutiger Perspektive sagen, dass es sich um einen Melkus gehandelt haben könnte.
Die Busfahrt zurück hatte ich ausgelassen, da mein Vater, der in der Gegend zu tun hatte, mich einen Tag vor Abfahrt mit seinem Betriebsauto, damals ein brauner Moskwitsch abgeholt hat. Mein Vater arbeitete beim Ferngasleitungsbau und hätte möglicherweise dort an einer Gasstation zu tun.
Wie es zu diesem Kuraufenthalt kam, ist mir unklar. Irgendwer hatte es an die Kinderärztin herangetragen, welche dann meine Mutter überredete, nicht so dumm zu sein und dieses Angebot anzunehmen. Sicherlich war das gut gemeint, aber dann hätte man lieber die Mutter in die Kur geschickt, um sich von ihren Aufgaben zu erholen.
Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass es wahrscheinlich nicht so klug ist, Kinder in dem Alter allein loszuschicken. Ich bin zwar äußerst autonom, aber auch beziehungsvermeidend. Das ist vermutlich eine Reaktion der Intelligenz, die sich so ohne weiteres nicht abschalten lässt. Schuldzuweisungen sind mir aber fremd.
Die Gegend um Schmalkalden aber ist auf jeden Fall einen Aufenthalt wert.
Vor ca. 20 Jahren machte ich mal zum zum Radfahren Station in Buttlar. Nach der Ankunft am Nachmittag fuhr ich mit dem Rad nach Schmalkalden und suchte nach dem Haus, konnte es aber nicht finden. Auch schon damals, immerhin auch schon 30 Jahre nach meinem Aufenthalt dort, kannte es keiner der Menschen, die ich fragte.
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