Zur Show in der Friedenskirche in Berlin.
Als größter Heimkinderverein in Deutschland sind wir nicht einmal zu dieser merkwürdigen Veranstaltung eingeladen worden. Das erinnert uns fatal an die Auslesegeschichte, die man schon beim RTH an den Tag gelegt hatte.
Anscheinend sind nur solche Ehemalige willkommen, die auch ordentlich und brav den Mund halten können und ansonsten den Ablauf dieser "Entschuldigungsorgie" nicht stören wollen.
Wie man im Vorfeld "HörenSagen" hörte, wurden ehemalige Heimkinder gezielt eingeladen.
Dann, nach dem das geschehen ist, erklärte man die anwesende Öffentlichkeit zum Publikum. So etwas rockt ungemein! Es ist ja keine geschlossene Veranstaltung.
Man möchte ihnen Ehemalige empfehlen, die bis zum heutigen Tag ihren Schmerz hinaus brüllen, da er unerträglich ist. Diese Menschen, die man als Kinder und Jugendliche bis aufs Blut gequält hatte, aber als Umsatzbringer der Heimträger und deren Kirchen höchst willkommen waren. Diese Kinder die man mit Zwangsarbeit, Prügel und Verachtung für ihr späteres Leben erzog, sollen nun mit in den Chor der Evangelen einstimmen. Sich sagen lassen wie schrecklich doch all das gewesen ist.
Vielleicht auch noch wie es Frau Vollmer als evangelisches Kirchenmitglied und Vikarin so schön ausdrückte: Es war der Zeitgeist! – Ausgerechnet diese Kirche deren Mitglied Frau Vollmer ist, die alles, aber auch alles, im Schulterschluss mit den Nachfolgern der Täterorganisationen am RTH daransetzte zu verniedlichen und schön zu sprechen, stellt sich nun hin und will die Vergangenheit ad Akta schieben.
Nach wie vor stehen wir, der VEH, solchen theoretischen Lippenbekenntnissveranstaltungen höchst skeptisch gegenüber. Wenn sie dann auch noch an einem nicht gerade neutralen Ort stattfinden, ist bei einigen Heimkindern geradezu Widerwille angesagt. Sie stören sich daran, dass es in einer Kirche stattfindet.
Eine neutrale Alternative war anscheinend gar nicht vorgesehen. Ein sakraler Tatsch musste wohl her.
Da rollen im Gewölbe die gesprochenen, nach Verzeihung heischende Worte, anders. Da ist etwas hallendes, gar geistliches im Sinn oder Unsinn solch eines Vergangenheitsbewältigungstreffens.
Eine Ehrfurcht gebietende Veranstaltung soll es natürlich auch sein. Vielleicht auch eine Verklärung, ja eine Heimholung durch den heutigen Klerus, „der doch ganz anders als der damalige ist.“
Wie man sicherlich annehmen kann, sind viele Ehemalige – aus beiden Konfessionen – nach ihren fürchterlichen Erfahrungen und Erlebnissen ausgetreten. Nun sollen sie wieder in einer Kirche zusammen kommen, den Mund halten und zuhören was die Nachfolger der ehemaligen Täter da von sich geben.
Als sich die evangelische Kirche zu Beginn der im Versuch stecken gebliebenen Aufarbeitung der unglaublichen Menschenrechtsverbrechen an den Kindern und Jugendlichen ertappt sah, hagelt es eine Entschuldigung nach der anderen. Man mag sie nicht mehr hören. Und jetzt auch noch diese unsägliche, wohl krönende Veranstaltung, die allem Anschein nach einen Schlussstrich unter die – nicht mal im Ansatz aufgeklärte und aufgearbeitete Vergangenheit setzen soll.
Ein Hohn für all die Heimkinder, die sehr wohl noch einiges zu den Praktiken und dem was man ihnen angetan hat zu sagen hätten. Das reicht noch für das nächste Jahrzehnt!
Die Fragen die sie noch haben, scheinen immer mehr uninteressant zu werden.
Besonders die eine Frage: Wo sind die Heimakten geblieben?
Die evangelischen Kirchenoberen und ihre Talarangestellten scheinen da reihenweise einen Hörsturz nach dem anderen zu bekommen. Sie verweisen auf die staatlichen Jugendbehörden und haben nicht einmal, abgesehen von ein paar wenigen Fällen, ihre Hilfe bei der unterstützenden Suche angeboten.
Das ist wohl tätige Nächstenliebe auf Lutherisch!
Weiterhin fehlt die öffentliche und uneingeschränkte Bereitstellung von Archivmaterial, um die ungeheuerlichen Verbrechen die man unschuldigen Kindern und Jugendlichen angetan hat beim Namen zu nennen.
Hier und da werden Büchlein und Jubiläumsfestschriften gedruckt, in denen die furchtbaren und eklatanten Menschenrechtsverletzungen keinen Platz haben. Da lobt man sich über die Jahrzehnte hinweg und vergisst wohlweislich sich an die eigene praktizierte schwärzeste Pädagogik zu erinnern. Und wenn man sich dann noch an die 10 Gebote erinnert; von wegen ... kein falsches Zeugnis ablegen... dann weiß man über die Verlogenheit der Prediger im Namen des Herrn Bescheid.
Man wühlt wohl nicht gern im eigene Dreckhaufen. Es könnte ja schmutzige Finger geben.
Ab und an wird stolz von den evangelischen Kirchenchefs verkündet, dass Wissenschaftler, die zudem manchmal auch noch zur eigenen Fraktion gehören, Dokumentationen gefertigt haben. Diese seien zu loben! Vorausgesetzt, dass es denn auch mit der eigenen Sichtweise über eigene Wahrheit übereinstimmt.
Der VEH fordert als größter Heimkinderverein dazu auf mit den unsäglichen Lippenbekenntnissen aufzuhören und endlich Taten folgen zu lassen!
Viele Heimkinder leben am Existenzminimum. Ihnen helfen keine kirchlichen Veranstaltungen und keine kirchlichen Segnungen aus dem Handgelenk heraus.
Das angetane Unrecht ist, wenn überhaupt, nicht mit noch so schönen Worten gut zu machen.
Unsere ehemaligen Heimkinder erwarten eine umgehende unbürokratische Soforthilfe. Es muss Schluss sein mit den Verzögerungstaktiken! Wir fordern, wie bei den "Rettungsschirmen für marode Euroländer" – die ja auch nicht erst lange verhandelt wurden, sofortigen Vollzug in der Heimkinder-Soforthilfe.
Weiterhin mahnen wir ein tatsächliche Entschädigung an, die nicht aus dem geplanten 120 Millionenfonds stammt, da dieser Fonds eine, von uns eingeforderte Entschädigungsrente nicht entsprechen kann.
Wir betonen zum wiederholten Mal: Wir wollen eine Heimkinderentschädigungsrente in Höhe von monatlich 300 €, oder eine Einmalzahlung von 54.000 €. Nicht mehr und nicht weniger!
Der Vorstand des Vereins ehemaliger Heimkinder e. V.