Ich danke Eichkater auch für das Papier, das mir so auch nicht bekannt war, wenngleich wir es doch lange wußten, weswegen es diese Spezialkinderheime gab und was dort weshalb geschehen ist. Natürlich ging es darum, Kinder aus Familien oder dem, was davon übrig war, dort herauszunehmen, wo dem System Menschen entglitten, der Staat keine Kontrolle mehr über Kinder hatte. Es reichten Auffälligkeiten wie Schule schwänzen u. drgl. aus. Ich könnte ja schreiben, dass mein Stiefvater, der zweite, Nichtwähler war, und das hatte sicher auch Einfluß gehabt, denn er dokumentierte damit Ablehnung des Systems. Heute spielt nicht wählen gehen keine Rolle. Damals reichte es schon aus, denn es wurde registriert - wie alles andere auch. Denn im Haus wußte man genau, wer wählen oder nicht wählen ging. Dafür gab es Leute, die schön darauf aufpassten und am Wahltag ans Wählen gehen extra "erinnerten".
Dass das Spezialheimsystem zu verurteilen ist, weil es uns im Sinne einer Ideologie kollektiv umerziehen wollte, eigentlich ein Unding und dass wir als Individuen darunter litten, lag auf der Hand. Nun kann man ja sagen, ok. Alles nicht so schlimm. Wir haben es überstanden und irgendwie wurde aus uns ja doch etwas. Denoch lag ganz klar der politische Wille der Verantwortlichen im Vordergrund, aus uns angepasste Individuen zu machen, die uns durch Umerziehung auf Linie bringen wollten. Notfalls eben auch mit Gewalt.
Der Weg war das Ziel. Um uns ging es gar nicht, sondern um ihre Ziele der Verwirklichung des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft mit entsprechend angepassten Menschen.
Dabei kamen die meisten von uns aus völlig unterschiedlichen Gründen ins Heim und die gerade erst erschienene Studie über die Spezialkinderheime der DDR belegt es auch. Ich habe sie ins Forum gestellt. Reagiert hat darauf erstaunlicherweise bisher niemand.
Grüße
Axel L.