Wie war der Tagesablauf bei dir im Heim?

    Es gibt 26 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kumpeline.

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      conan schrieb:

      Unterschied zwischen "So, wir gehen jetzt gemeinsam zum Waschen" oder "Guten Morgen, Antreten zum Waschen"


      Der Unterschied besteht darin, dass man den eigenen Namen singen oder auch erst einmal über die Bitte des gemeinsamen Waschens Diskutieren könne oder aber es vielleicht auch doch nur eine Anweisung ist, die eben ohne wenn und aber befolgt werden muss. Wenn man sich über die Wortwahl schon ins Höschen macht, na dann gute Nacht ...

      @Leser
      Ich finde übrigens nicht, dass es in diesem Alter schon eine Vorbereitung zur NVA war. Das war dann später bei der GST. Es war meiner Meinung nach einfach nur das beste Mittel, wie man die Truppe gut in Griff hatte. Es waren absolut klare Regeln, die ohne wenn und aber jeder verstand. Auch die, die lieber ihren Namen singen ...

      Und Henry Bonbon Fabrik kenne ich natürlich. Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern, dort was Süsses bekommen zu haben oder auch nur mal drinnen gewesen zu sein. Vielleicht war ich da krank oder hab´s einfach vergessen ...

      Wer lesen kann ist klar im Vorteil!

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      Jan wird das wissen, es gab den sogenannten Schüler vom Dienst (SvD). Diese Rolle musste jeder ab und an mal übernehmen. Das bedeutete, dass jemand dazu bestimmt wurde, die Gruppe zu leiten. Ganz besonders, als es darum ging, wenn Erzieherinnen auch mal nicht anwesend waren, vermutlich weil sie die Beine hochlegten oder keine Lust hatten. :rolleyes:

      Es bedeutete, dass der SvD die Mitschüler-Kinder ermahnen mußte, wenn sie gerade irgend etwas taten, was sie zu dem Zeitpunkt nicht tun sollten/durften, bspw. in der Reihe miteinander quatschen/reden/sprechen. Dann wurde er darauf hingewiesen, zunächst. Später konnte es bedeuten, dass er diesem Schüler-Kind einen Punkteintrag einbrachte. Dieser Punkt landete abends in einem speziellen Gruppenbenotungsheft, nach Namen sortiert. Es konnte auch sein, dass jemand völlig aus der Reihe tanzte und man gezwungen war, jemanden zur Ordnung zu rufen und natürlich musste dieser SvD dem/der diensthabenden Erzieher/in Meldung machen, also auch irgendwie wie später in der Army. Ganz besonders bescheuert waren Disziplinierungsmaßnahmen, die ein SvD zu begleiten hatte, wenn es mal wieder hieß, Antreten zum Appell und vor allem dieses auf dem Sportplatz in der Freizeit in Reih und Glied marschieren müssen und mit dem Sportzeug bekleidet sogar draußen vor dem Heim auf der Landstraße. Jeder, der dort dann mal vorbeikam, sah, dass wir irgendwas ausgefressen haben müssen, sonst würde man ja nicht draußen vor dem Heim marschieren müssen. Das hab ich mind. 3 x selbst so erlebt. Der SvD musste das leiten, so kein Erzieher den Blödsinn leitete. So weit bis hierhin.

      Der zweite Teil war eben der, dass man auch Noten vergeben musste, die dann durch Erzieh. hübsch ins Heft eingetragen wurden. Da standen dann am Abend Punkte und je nach dem, wurde abgerechnet. Die Anzahl der Punkte brachte dir dann oft auch sofort Strafarbeiten ein bis hin zum Wochenendausgehverbot. Kino- oder Badeverbot. Ja, das konnte sogar bedeutet haben, keinen Besuch empfangen dürfen im schlimmsten Falle.

      In dem anderen Heimforum postete ich das vor Jahren schon einmal, wie sehr ich diesen Job SvD haßte! Ich KONNTE und WOLLTE niemanden benoten, diese eine ganze Woche lang. Nie wieder machte ich das, wohl auch, weil ich nicht willens war, ließ man davon ab, dass ich erneut SvD wurde. Man kam unweigerlich in Zwiespalt und im Alter zwischen 11-13 fühlte ich mich dafür zu unreif und überhaupt nicht geeignet. Ich weiß nicht, ob man mich jetzt versteht, weshalb das Punktetheater bei mir so ankommt, wie ich es beschrieb, aber eigentlich sollte mir das wiederum auch egal sein. Nur, kann man das wirklich nach diesen Prägungen und Mustern mit denen wir schon früh aufwuchsen? Vielleicht aber auch war ich nur ein wenig zu sensibel, um das alles zu schlucken. :whistling:
      Es ist nicht das Ziel des Lebens, auf Seiten der Mehrheit zu stehen, sondern man muss versuchen, nicht im großen Heer der Verrückten zu landen. Mark Aurel

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von „Leser“ ()

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      @Leser
      Ich war gern SVD und habe ehrlich gesagt gar nicht mehr so recht auf den Schirm, was man da alles machte. Ich kann mich nicht an Benotungen und Punkte erinnern, was aber nicht heißt, dass es das nicht gab. Denn ein Heimkamerad hatte mir gegenüber mal geschildert, dass wir in der Gruppe auch ein Punktesystem hatten, an was ich mich aber nicht mehr erinnere. Für mich war der SVD nur die rechte Hand des Erziehers, der eben in Abwesenheit des Erziehers die Leitung übernahm oder eben auch sonst ein fache Dinge für den Erzieher übernahm.
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      Auch ich kann mich nicht beschweren,im Kinderheim Oberhausen hatten wir super gute Heimeltern,die immer fuer uns da waren,wenn wir sie brauchten! Nur unsere Kindertante Frau Neumann war etwas schwierig,wenn man nicht nach ihrer Pfeife tanzte guckte sie mich nicht mehr an!Sonst hatten wir Beide tolle Gespraeche,ueber den Krieg,ich war 12,Jahre alt !Und ob Kennidy noch lebt,es hiess,. nach dem Attentat haette man ihn versteckt und noch ueber andere Sachen!Eigentlich hatte ich in dem Alter,ueberhaupt keine Kenntnisse !!Witzig, Es war ein freies Heim,wir konnten ,wenn wir frueher Schule aus hatten die Verwandten besuchengehen!Natuerlich war es nicht erlaubt.Meine Kindertante,die nur 4Jahre aelter ist,nahm mich mit in einer Discothek,sie lernte dort Kindererzieherin,dass war natuerlich nicht erlaubt!Mit dieser Peron bin ich immer noch eng befreundet,Gott sei Dank!Sonst war alles gut!

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      Wenigstens liest sich das weniger stupide als wie ich es erlebt habe. Oberhausen, liegt das nicht im Ruhrpott? Da war ich noch nie.

      Du schreibst, freies Heim. Das hört sich gleich noch besser an. Gabs denn keine klaren gerelten Abläufe? Bei uns schien jedenfalls immer eine Stoppuhr mitgelaufen zu sein. Alles wurde kontrolliert, wenn man nicht gerade Freizeit hatte. Jeder musste sowieso spuren, sonst konnte das bedeuten, dass man ein Problem bekam, s.o.

      Ich will das mit dem Thema Selbsterziehung jetzt gar nicht so sehr ansprechen und das läse sich auch nicht so gut. Angedeutet hab ich es schon.

      Natürlich mussten wir alle funktionieren weil es eben bedeutete dass alle Nachteile gehabt hätten. Am einfachsten war da noch Einzelbestrafung. Andere blieben dann wenigstens verschont.

      Ich hoffe trotzdem, dadurch irgend etwas gelernt zu haben. Irgend was Positives.
      Es ist nicht das Ziel des Lebens, auf Seiten der Mehrheit zu stehen, sondern man muss versuchen, nicht im großen Heer der Verrückten zu landen. Mark Aurel

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      In meinem Heim habe ich mal einen Spruch gehört, der aus einem Märchen stammt: "Im FEenreich gibt es gute und böse Geschöpfe. Und wenn ein Wanderer das FEenreich durchwandert, dann können ihm die guten FEen immer mehr helfen, als die bösen schaden können."

      Wobei FE die offizielle Abkürzung für Fuersorgeerziehung ist.

      In dem Sinne hoffe ich natürlich auch, daß ich in irgendeiner Weise davon profitiere. Auch wenn ich insgesamt keine gute Erinnerung an diese Zeit habe.

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      Ich denke mal, dass die Wenigsten gute Erinnerungen an Fürsorgeheime haben. Und doch hat man vielleicht auch positives daraus ziehen können. Natürlich weiß ich es nicht, aber es ist mal so ein Gedanke von mir.
      Bei mir war es z.B. so, dass ich meinen Kindern nie das antun wollte, was ich selbst erlebt habe. Ja, und es hat gut geklappt. Meine Kinder haben sich ganz toll entwickelt, gehen ihren eigenen Weg, und ich bin mächtig stolz auf Beide <3 .
      Ich dachte nämlich aufgrund meiner Erlebnisse, das ich es nie schaffen könnte, Kinder zu erziehen.
      Ein geregelter Tagesablauf ist immer wichtig. Es kommt aber auch drauf an, wie dieser Tagesablauf vermittelt wird. Mit Gewalt, wie es ja bei mir sehr oft war, geht in meinen Augen überhaupt nicht.