Warum wollen ehemalige Heimkinder sich wieder finden?

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      Warum wollen ehemalige Heimkinder sich wieder finden?

      Warum möchten sich ehemalige Heim Kinder austauschen. War es die gute alte Zeit? Es gibt Menschen die sagen, das die Vergangenheit vorbei ist und damit unwichtig. Was ist aber, wenn einem die Vergangenheit wieder einholt? Wie gehen unsere Kinder bzw. Partner damit um? Ist es eine Reise in die Vergangenheit, oder nur eine Stipvisite? Wie reagiert unsere Seele auf diese Reise "back in time"? Tut es gut und wenn ja warum? Was genau hat sich danach verändert? Es fühlt sich manchmal so an, als ob man eine alte Grabstätte besucht.Welcher Selbstzweck stand hinter der Nachkriegs Generation, uns ins Heim zu stecken? Wann ist es Schuld und wann "nur das Beste wollen". Wenn man einem Kind, Liebe, Geborgenheit verweigert als Mutter oder Vater, wird das Leben zur Qual. Es fühlt sich an, als on man abgetrieben wurde. Eines steht fest, etwas stirbt. Meine Eltern sollten vielleicht auf der Anklagebank sitzen wegen fahrlässiger Tötung. ;( :huh: ?( und unterlassener Hilfeleistung!
      If you are trying to change something change it but if you can't change it change your attitude.
      Ein sehr heikler Beitrag Michael. Ich kann nur von mir schreiben. Also ich war in einen Heim wo ich die Hölle durchlebt hatte. Es war sehr komisch, ich hatte ein mulmiges Gefühl im Bauch und zeitweise war mir schlecht. Die Fahrt dort hin kam mir wie eine Ewigkeit vor, ich war zum Tag der offenen Tür eingeladen. Das war ein Ding, ich konnte es nicht fassen. Als ich wieder im Hotel war, brach es aus mir heraus, ich konnte meinen Tränen nicht mehr aufhalten. Ich hatte realisiert, das ich dort eine schlechte Zeit hatte und habe ja auch 5 Ehemalige gefunden mit denen ich mich ausgetauscht hatte. Es ist eine Art zu verarbeiten. Mein Mann hat mich sehr dabei unterstützt und auch aufgefangen als es mir schlecht ging. Im nachhinein muss ich sagen das mir ein Stein oder eine Last von meiner Seele gefallen war, so hatte ich das Gefühl, weil ich gesehen habe, das es auch anders geht. Es ist alles umgebaut und die Kinder und Jugendlichen haben es heute viel besser als wir. Man kann es auch wie eine Stippvisite sehen. Die Narben in der Seele werden immer bleiben, trotzdem können wir alles anders oder besser machen mit unseren Kindern. Mein Fazit ist genau wie bei dir, die Eltern müssten auf der Anklagebank sitzen. Leider leben die meisten nicht mehr.
      Wer jedes Wort auf die "Goldwaage" legt, bekommt seelisches Übergewicht.
      -Fred Ammon-

      Wirklich weise ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann!
      -Unbekannt- Indianerweisheit
      Hallo Michael, dein Beitrag findeich schon traurig. Ich bin auch in St. Ansgar-Happeschoß gewesen aber erst nach deiner Zeit ich war von 1969-1975 dort und war in der Lehrlingsgruppe von Herr Hartmann (Don-Bosco) und nachher als die Gruppe Don-Bosco modernisiert wurde, bin ich ins Haus Georg bei Familie Stein gekommen. Ich hatte wohl Glück in unseren Gruppen wurde niemand geschlagen. Oder gar misshandelt. Wie es in den Kindergruppen zuging kann ich nicht sagen, aber laut deiner Aussage war es in den Kindergruppen wohl anders. Es lag wohl daran das wenn uns jemand anfassen wollte das er mit eine dementsprechenden Reaktion rechnen musste. Denn wir waren ja doch schon ziemlich stark und da überlegt man sich schon, ob man da nicht eine zurückgeballert bekommt. Aber vielleicht hast du ja lust deine Erlebnisse mal mitzuteilen. Vorzugs weise aber bitte im St. Ansgar-Happerschoß Thread (Kinderheim Hennef Happerschoß St. Ansgar) Vielleicht kannst du ja auch mal bilder von damals reinsetzen. Das wares erst mal von mit lass der dir gut gehen in Übersee. Es fällt mir ein das ich auch einen Onkel in Florida habe der Hat eine riesige Erdbeeren Farm und ein Scharterunternehmen. Aber das nur am Rande.
      Gruß Klaus
      Warum liebt mich Jesus? Weil ich ja zu Ihm sagte. Und nun liebe ich Jesus auch.

      „Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau einsetzen. Ein Zehntel der Energien, ein Bruchteil des Geldes wäre hinreichend, um den Menschen aller Länder zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen.“
      Albert Einstein
      Hallo Michael,

      nur der, der seine Vergangenheit versteht und versucht zu bewältigen, kann positiv in die Zukunft blicken.
      Warum wollen erwachsene Menschen unbedingt wissen, wer ihr Vater ist?
      Warum besuchen ehemalige KZ-Häftlinge die Stätten des Grauen?
      Warum organisieren erwachsene Menschen Klassentreffen?

      All das und vieles mehr hat etwas mit Vergangenheitsbewältigung zu tun und ja, es ist wichtig.
      Zudem ist es so, dass einige Antrag auf Rente nach dem OeG gestellt haben, Zeugen finden müssen und somit ihre Aussagen untermauern können.
      Dann stellen sich immer auch Fragen:

      "Warum ausgerechnet ich, war es wirklich so schlimm oder bilde ich mir das alles nur ein"?
      "Wie haben die anderen die damalige Zeit erlebt und was ist aus ihnen geworden"?

      Da gibt es mannigfaltige Gründe, seine Vergangenheit verstehen zu wollen. Möglicherweise ist es auch am Rande wichtig, zu sehen, was aus mir selbst geworden ist, wie ich es geschafft habe, mit all dem Schei... im Kopf klarzukommen und sich mit anderen zu vergleichen.
      Gerade auch das "sich vergleichen" ist wichtig, um zu eruieren, ob ich mich gut entwickelt habe, das Beste, was auch immer das ist, aus mir gemacht zu haben und was aus anderen geworden ist.
      Ich denke mal, dass ich für mich viele Wege gegangen bin, um letztendlich den zu finden, der mir am meisten behagt.

      Viele sind am Erlebten zerbrochen und gestrandet.

      @Hobel,

      Hennef ist unser direkter Nachbarort und wir sind recht oft dort, denn wir wohnen in Königswinter.

      Viele Grüße

      Peter
      Hallo Michael
      das sind sehr gute Fragen, und Themen mit denen ich mich seit Jahren beschäftige.
      Wobei ich die Kernfrage eigentlich erweitern möchte in
      „Warum möchten sich ehemalige Heim Kinder austauschen bzw. NICHT austauschen“.
      Meine Erfahrung hat gezeigt des es durchaus viele ehemalige Heimkinder gibt, welche auf keinen Fall Kontakt zu Ehemaligen haben wollen.

      Das Spektrum der Antworten auf Deine Frage ist immens groß.
      Ein Großteil der Antworten hast du ja bereits treffend durch die Fragestellung gegeben.
      Für einige ist die Vergangenheit vorbei und möchten diese nicht nochmal aufarbeiten.
      Für viele ist es eine Reise in die Vergangenheit (unter anderem auch für mich).
      Ob diese Reise gut tut? Mir hat sie gut getan.
      Den Ort zu besuchen der ein Teil des Lebens ausgemacht hat.
      Nochmal in das „Versteck“ zu gehen welches der einzige Ort auf der Welt war an dem man alleine war und sich „wohl“ fühlte, für kurze Zeit.
      Oder unter den über 150 Jahre alten Ginkgobaum (http://www.voit-home.ch/GINKGO/Ginkgo45.html) zu sitzen, der einem Trost spendete wenn es einem mal wieder nicht so gut ging.

      Auch ich habe vor vielen Jahren, zu Zeiten in denen das Wort „social network“ noch nicht in aller Munde war und die Kommunikation noch ausschließlich über E-Mail stadtfand, versucht Kontakt zu ehemaligen aufzubauen.
      Ein großes Ehemaligen-Treffen wollte ich organisieren.
      Ich wollte wissen wie es den anderen inzwischen ergangen ist. Wie kamen sie in ihrem Leben nach dem Heim zurecht. Was ist aus ihnen geworden? Plaudern über die Zeit im Heim usw.
      Das erste Ergebnis der Nachforschungen war für mich leider sehr ernüchternd.

      Mit einigen hatte ich Mail-Kontakt, der aber bald wieder einschlief, weil sie mit ihrem jetzigen Leben ganz gut zurechtkamen und die Vergangenheit hinter sich lassen wollten.
      Ein Wunsch den ich gut verstehen kann, und auch akzeptierte.

      Andere wiederrum haben sich derart in einen Hass auf das Heim verrannt, welcher ihr ganzes jetziges Leben beeinflusst. Das ging sogar so weit dass eine noch so kleine positive Bemerkung aus der Heim-Zeit als Lüge abgetan wurde.

      Vor ein paar Monaten habe ich einen großartigen Künstler, welcher mit mir im Heim war, persönlich wieder getroffen. Gerne würde ich seinen Namen und seine Werke hier bekannt geben, bin mir aber nicht sicher ob er seinen Namen in Verbindung mit Heimaufenthalt in der Öffentlichkeit preisgeben möchte.
      Dieser Kontakt war sehr angenehm. Wir unterhielten uns völlig zwanglos, und es fiel kein einziges Wort über die Zeit im Heim. Ich denke er wollte es so, und das akzeptiere ich natürlich. Es war ein wunderschönes Wiedersehen.

      Nun bin ich von der eigentlichen Frage „Warum wollen ehemalige Heimkinder sich wieder finden?“ etwas abgewichen.
      Was ich aufzeigen wollte ist einfach meine Erkenntnis dass sich jeder etwas anderes davon erhofft (wie bereits Pitterchen schon ausführte).
      Angefangen von einem gemeinsamen Rachefeldzug, über zwangloses plaudern über die Zeit im Heim (oder danach), dem aufarbeiten gemeinsam Erlebtem (gutes und schlechtes) bis hin zum einfachen „Hallo, wie geht‘s“.

      Für mich ist das Aufsuchen der ehemaligen Heimstätte immer ein sehr emotionales Erlebnis, welches mir immer wieder Mut gibt und mich aufbaut.

      Liebe Grüße
      Wes
      life long and prosper

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Wesley“ ()

      Je länger man im Heim gelebt hat, um sehr näher war natürlich die Verbindung zu den "Leidensgenossen", die mit einem groß geworden sind.

      Das ist dann mehr oder weniger wie eine Geschwisterliebe - auf Zeit.

      Auch bei Menschen, die in intakten Familien aufgewachsen sind und sich aus welchen Gründen auch immer irgendwann aus den Augen verloren haben, wollen von ihren Geschwistern irgendwann einmal wissen, wo sie abgeblieben sind, was sie tun, wie es ihnen in der Vergangenheit ergangen ist und warum es möglicherweise zu dem langen Schweigen gekommen ist - bei Heimkindern ist der Grund klar.

      Wie Wessely bereits schrieb, sind gute Gründe vorhanden, sich niemals mehr auf das Thema Heimzeit einzulassen, genauso viele und gute Gründe gibt es aber auch, gerade nach der Zeit - in der möglicherweise die eigene Familie wieder etwas ruhigere Gangart anschlagen kann, sich nun mit der Kinderzeit auseinanderzusetzen und dabei möglichst die engsten Verbündeten wieder aufzusuchen. Um Erfahrungen auszutauschen usw usw.

      Ich persönlich habe von denen, die ich dachte finden zu können, bis dato noch Niemanden aufspüren können, aber andere Zeitgenossen sind auch hier aufgeschlagen und plötzlich kommen wieder Erinnerungen hoch, die man glaubte, schon fest verschlossen zu haben.

      All das braucht aber auch Zeit und vor allem auch Gelassenheit, um sich überhaupt wieder in einer Zeitreise auf die Heimzeit zu machen.
      Also ich denke, das wenn man ehemalige Heimkameraden wieder finden möchte und auch sucht, dann erhofft man sich, das einiges besprochen und ausgetauscht werden kann. Denn vieles an negativen Dingen hat man eigentlich verdrängt und auch Namen sind wie ausgelöscht und es kommt einen vor, als wäre es nur ein böser Traum gewesen. Deshalb habe ich nach Heimkameraden gesucht um vieles aufzuarbeiten und zu erfahren wie die Erzieher hießen oder die Lehrer. Zum Beispiel habe ich ein Foto wo ich drauf bin und wusste nicht mal mehr das es in einen Ferienlager war. Dabei konnte mir schon jemand helfen der wusste auch das es in Seifhennersdorf war. Der Ort war bei mir im Hinterkopf und konnte damals damit nicht anfangen. Deshalb finde ich es super wenn man Gleichgesinnte wieder findet und auf Fragen eine Antwort bekommt. Denn die Eltern sind stur, die sagen nichts und nehmen ihr Wissen auch noch mit ins Grab. So war es bei mir.
      Wer jedes Wort auf die "Goldwaage" legt, bekommt seelisches Übergewicht.
      -Fred Ammon-

      Wirklich weise ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann!
      -Unbekannt- Indianerweisheit
      hallo,
      bei mir ist es so, ich möchte keine heimgenossen wieder finden die mit mir Jahre lang das Heim begleitet haben. Wenn ich jemand treffe reden wir auch nicht von der heimzeit, sondern was aus uns geworden ist.
      Mich Intressiert es sehr wie andere heime so abgelaufen sind. Weil jeder andere Erfahrungen gesammelt hat und jeder anders erlebt hat und du lernst neue Erfahrungen von anderen Heimkinder. Oder Adotivkinder wie sie es erlebt haben.
      Ich war froh das ich in einem Heim gewesen bin, weil zu Hause were ich zu Grunde gegangen. Vielleicht würde ich gar nicht mehr da sein oder würde ich im knast sitzen. oder oder oder.
      Die Veranlagungen waren da. Besser im Heim als zu Hause für mich, auch wenn es im Heim auch schwierig war. Es gab auch schöne Erlebnisse.
      Hier kann man sehr viel lernen für sich wie andere mit Problematik umgehen und dein Wissen wird grösser und bereichert dich selbt.
      viele Grüße
      Fledermaus

      Bonifatius links....Happerschoß Sankt Ansgar

      Erst einmal ein großes Danke an Euch alle, die sich hier mit mir austauschen. Es tut nicht nur gut sondern es ist auch eine Chance für jeden einzelnen denke ich mal. Es fehlen noch einige an Mosaik Steine, die im Zusammenhang mit meinem Aufenthalt im Heim stehen und die mein Leben geprägt haben. Ich werde sicherlich irgendwann darüber schreiben können, wenn ich soweit bin. Mein dadurch entstandenes Schiksal, ist sicherlich etwas außergewöhnlich, aber vielleicht auch nicht. Nochmals, leider besser auf englisch für mich, "you guys rock and I agree with everything everybody mentioned"!!!
      Es wäre schön jemanden einmal jemanden aus meiner Gruppe zu finden mit dem man darüber reden bzw. austauschen kann. :) darum bin ich ja hier...gelle!!
      Zurück zu dem "Auf dem vertrauten Baum sitzen, bzw im Versteck. Ich war ja schon einige male in Happerschoß und genau das Versteck habe ich sofort versucht zu finden. Kann ich nur allzugut verstehen @Wesely.... lol von da aus bin ich immer ausgebüchst!!!!
      Es gibt sicherlich einige ehemalige, die sich weiterhin verstecken und nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden wollen. Schade, aber ich akzeptiere das.Wenn auch nur schwer ;)
      Fazit:
      schön das ich Euch hier gefunden habe. Tut gut. Ich hoffe und wünsche mir, das wir in Verbindung bleiben. Ich habe einiges an Bildmaterial und werde es bald zur Ansicht hier reinstellen, aber erst einmal ist Thanksgiving angesagt und die ganze Familie wird mein Haus einfallen. 8) ^^ :thumbsup:
      Grüße an Euch alle aus Florida.
      Michi
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      Auch so kann es gehen.
      Mich hatte jemand hier angeschrieben, dass er im gleichen Heim war wie ich, zur selben Zeit natürlich.
      Ich konnte mich noch sehr gut an ihn erinnern, obwohl das schon schlappe 48 Jahre her ist.
      Er war dort mit seinem Zwillingsbruder.
      Ich hatte etliche Bilder, auf denen auch die beiden zu sehen sind.
      Da er mich hier angeschrieben hatte, habe ich rund 30 Bilder eingescannt und ihm per PN gesandt.
      Wir sind so verblieben, dass wir uns auch gegenseitig besuchen wollten, nachdem er erstaunt war, dass ich noch so viele Bilder hatte.

      Das ganze passierte im April diesen Jahres.
      Seitdem habe ich von ihm nichts mehr gehört.

      Natürlich kann ich verstehen, dass bei ihm plötzlich Erinnerungen hochgekommen sind, die er erst Mal verarbeiten muss und er Angst vor dem nächsten Schritt hat und doch macht sich bei mir eine große Enttäuschung breit.

      Bonifatius links....Happerschoß Sankt Ansgar

      @Fledermaus....... Ich gebe Dir Recht....bei mir war es glaube ich auch so ähnlich. Vielleicht war ich wirklich im Heim besser aufgehoben als zu Hause, denn dort konnte ich offensichtlich nicht mit der Tatsache umgehen, das ich nun einen Stiefvater hatte. Sicherlich gibt es für alles einen Grund. Aber Kinder verstehen die Erwachsenen nicht und können mit der Tatsache weg zu sein von zu Hause, nichts aber absolut nichts anfanfen. Später aber, sollte es aufgearbeitet werden und die Heim Leiter und alle Erzieher müssen sich dessen bewusst sein und helfen, die Vergangenheit verarbeiten zu können. Die Phädagogen würden davon auch viel an zusätzlicher Erfahrung sammeln.
      Es aber unter den Teppich zu kehren und so zu tun, als ob das ja schon sooooooo lange zurück liegt und alle Beteiligten, oder die meisten zumindest, schon in den ewigen Jagdgründen verweilen und daher eine Aufklärung praktisch verweigert wird, ist der eigentliche Hammer.
      Manchmal frag ich mich wirklich ob wir ehemaligen "Heimis" Opfer oder gar Täter waren. Nach der Reaktion meines Stiefvaters zu urteilen, war ich ein Täter. Wie ist das mit Euch? Diese Welt ist ein einziger großer Trümmerhaufen. Schade weil das Leben kann sowas von schön sein.
      "My intellect may be confused, but my emotions never lie to me". ^^ 8)
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      Warum wollen ehemalige Heimkinder sich wieder finden?

      Nachdem ich aus dem Heim entlassen wurde, habe ich jeden Kontakt zu Allen abgebrochen. Ich wollte nichts mehr mit Heim und Heimzeit in Verbindung bringen, was auch
      lange gut ging.

      Ich kannte nichts Anderes als das Heim, da ich bereits als Säugling abgeliefert wurde. Von meinen Eltern wusste ich über die gesamte Zeit nichts. Das hat sich geändert
      nachdem die Akte auf den Tisch des Jugendamtes lag und die Vormundschaft aufgehoben wurde. Da hatte ich plötzlich Vater und Mutter. Meine Mutter habe ich dann zwei
      Mal gesehen und meinen Vater einmal. Damit war dieses Thema auch erledigt. Wegen der Stasi-Akte, meinen Eltern betreffend, musste ich nachweisen, dass ich berechtigt bin,
      Auskunft zu bekommen.Dazu musste ich die Sterbeurkunden anfordern, was gar nicht so einfach war. Mein Vater (meine Eltern wurden bereits in den 50ern geschieden) ist
      fortwährend immer umgezogen und meine Mutter war auch schon tot. Von beiden wusste ich nicht, wann und wo sie gestorben sind. Und als ich dann die Urkunden hatte ist es
      mir auch am Ar.... vorbei gegangen.

      Nach über 40 Jahren habe ich dann zu einige Ehemalige Kontakt aufgenommen und habe feststellen müssen: wir sind grundverschieden. Das hat zur Folge gehabt, dass ich diese
      Kontakte abgebrochen habe.

      Trotzdem war die Heimzeit ein Grauen. Über 40 Jahre konnte ich das Alles verdrängen. Aber dann kam Alles hoch, weil ich direkt darauf angesprochen wurde. Für mich war die
      Heimzeit schlimmer als der Knast, wo ich wegen § 213 eingesessen habe.

      Ich bin nicht wirklich daran interessiert, mich mit Ehemalige auszutauschen. Es interessiert mich aber trotzdem, wie es Anderen ergangen ist und deshalb bin ich hier. Ich möchte
      lesen, wie Anderen damit umgehen. Hin und wieder ist es aber auch gut, wenn etwas geschrieben steht, dass es nicht Allen so schlecht ergangen ist, so wie es in den Heimen war,
      wo ich war. Nur das erste Heim, es waren nur Kinder bis zur Einschulung da, fühlte ich mich gut aufgehoben. Es wurde viel unternommen, es wurde auf die Fähigkeiten der Kinder
      eingegangen und es gab keine Schläge - selbst dann nicht wenn man ungezogen war.

      Das änderte sich aber schlagartig und blieb auch so bis zu Entlassung nachdem ich volljährig wurde.

      Oft verbinde ich Situationen, welche ich sofort mit der Heimzeit in Zusammenhang bringe und dann geht es mir schlecht. Dabei denke ich, wenn ich das mit Ehemaligen teilen würde,
      dann wird es noch schlimmer. Ob das nun richtig oder falsch ist, weiß ich nicht. Aber ich denke, so ist es für mich richtig.

      Getroffen habe ich bislang keinen Ehemaligen - dafür bin ich zu weit weg von Allen, mit denen ich im Heim war. Es weiß auch keiner, wer ich bin und somit auch nicht das ich der bin
      der hier wohnt. Auch bin ich, nachdem ich entlassen wurde, sehr weit weg gezogen, damit keine Verbindung vorhanden sein konnte. Für mich war damit, vorerst, alles beendet.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „anklip“ ()

      Warum wollen wir diese Fremden aus der unseren Vergangenheit finden…oft reicht ein Geruch den wir bei einem Spaziergang wahrnehmen dürfen oder gar eine Geste eines uns fremden Menschen. Ich glaubte ja auch eine lange Zeit, ich sei ein Bräunsdorfer. Aber meine Frau hat mich immer nach dem „Warum“ gefragt und ich konnte Ihr nur sagen…na ich war doch auch dort. Dabei habe ich ja nun auch 17 Jahre all die Institutionen durchlebt, deren ich heute eigentlich nicht mehr Aufmerksamkeit schenken möchte. Und dann habe ich natürlich auch Treffen aufgesucht und bemerkte, dass ich mit diesen Fremden so Garnichts zu tun habe. Für mich waren es sinnlose Biertreffen und Menschen mit denen ich eigentlich in der realen Welt nichts zu tun haben möchte. Ich bin nicht besser wie diese, aber doch…mein Weg ist ein anderer. Und wenn ich dann so manche Bilder von Torgau/Treffen sehe…ne mit diesen habe ich so Garnichts zu tun. Ich sehe auf diesen Bildern verstümmelte Menschen, vom Kopf an Tätowiert und chaotisch. Dies schreckt mich ab, dies ist nicht mein Umgang und noch weniger das was ich mir vorstelle, wenn ich meiner Vergangenheit gedenke. Aber doch soll ein jeder Mensch nach seiner Facette leben/erleben dürfen. Und hier…na man liest sehr gerne und lernt doch den einen oder anderen symphytisch verstehen, so dass ich mich auf das Treffen in Nieheim freue. Hier sehe ich in erster Linie nicht das Treffen mit Menschen aus meiner Vergangenheit/denn da gibt es keinen/keine, da wir alle in unterschiedlichen Heimen und Himmelsrichtungen aufgewachsen sind, nein es wird ein schönes Wochenende mit Menschen auf die ich mich freue…wenn ich mir so die Bilder ansehe. Zwar sind wir alles „Ehemalige“…dies macht es uns leicht diesen Begriff zu nutzen, aber doch sind wir auch alles herangewachsene Persönlichkeiten und sollten unser Hauptmerk der eigenen Person geben. Und nun…na mir persönlich ist es egal was all die „Ehemaligen“ machen, ich habe keine mehr gefunden, nur einen gestreift und ansonsten fühle ich mich in dem einen oder anderen Thema recht gut aufgehoben. Es verbleibt Uwe
      Wer hat denn dieses int. Thema ausgebuddelt? :hutab: Durchweg spannend zu lesen, dass vor allem auch die letzten beiden user das ganz ähnlich sehen, wie ich das auch sehe. In etwa habe ich das auf einer anderen Plattform vor vielleicht 2, 3 Jahren auch alles schon gepostet und mich dabei irgendwie - mal wieder - in die Nesseln gesetzt. Wahrscheinlich, weil mir die Wahrheit zu wichtig war, das mal auszusprechen. Dabei, ausgerechnet in diesem Kreise - eh. HK, scheint das gar nicht immer so sehr gewünscht gewesen zu sein. Was auch kein Wunder ist, ihr selbst habt es angesprochen, wir sind so unterschiedlich, wie man nur sein kann. :thumbup:

      Ich war auch mal in Torgau vor Jahren auf einem Treffen zu Besuch, gemeinsam mit Leuten, mit denen mich zumindest etwas verband, glaubte ich. Weswegen sonst wäre man dort als Nicht-Ehemaliger dorthin gefahren? Ist es nicht aber zugleich auch so, dass, je mehr man von sich preisgibt, zugleich Anderen damit vermittelt, wie weit man (schon) im Leben auseinanderliegt, eben weil wir "herangewachsene Persönlichkeiten" mit unterschiedlichsten Sozialisierungen sind, was doch auch gar kein Wunder ist. Schon in den Heimen war das nicht anders, denn jedes Kind kam aus völlig unterschiedlichen Elternhäusern. Das, was uns einte, oft kamen unsere Eltern entweder nicht mit uns aus oder wir nicht mit ihnen. Div. andere Gründe gabs natürlich sowieso. :huh:

      Du schreibst von Sympathien, die man hier und da zu jmd. haben kann, stimmt durchaus, und dennoch ist auch das nur ein Strohhalm, denn im realen Leben wüßten wir dennoch nicht, ob man sich riechen könnte. Übrigens, was das anbetrifft, das hängt bekanntlich mit Botenstoffen zusammen, ob man sich riechen kann. Ich selbst versuche, so gut es eben geht, zu riechen und trotzdem weiß ich, dass mich viele nicht riechen können und dennoch bleibe ich dabei, nichts werde ich jemals tun, um mich bei wem auch immer, in einem Lichte dastehen zu lassen, was mich gut aussehen läßt. Das hat niemand nötig.

      Wir sind wir selbst und niemand sonst. Entweder, man kommt mit mir klar oder nicht. Das war komischerweise schon im Heim nicht anders, wohl auch deshalb, weil Freundschaften dort zu schließen eh kaum möglich war. Wir waren vielleicht ein wenig aufeinander angewiesen, wenn alles gut ging. Ansonsten ging doch schon dort jeder seiner Wege. Weshalb sollte das hier anders sein? hmm
      Es ist nicht das Ziel des Lebens, auf Seiten der Mehrheit zu stehen, sondern man muss versuchen, nicht im großen Heer der Verrückten zu landen. Mark Aurel

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Leser“ ()

      Um ehrlich zu sein…es ist einfach nur interessant, schon immer waren wir gerne im Leben der „Anderen“. Und hier hat sich etwas Nostalgie entwickelt…wir alle waren ja da, da an einem Ort der uns einfach nur verbindet. Wir sind so zu „Ehemaligen“ geworden. Und Freundschaften habe ich nicht virtuell. Da gibt es nur ein Symphytisch sein, mehr nicht. Und wenn man doch auf einem Treffen ist…na da schaut man ob man mit dem Geiste riechen/spüren kann. Dies ist ja auch kein Verlangen, es entsteht zu einer Zeit wo der Augenblick eigentlich im Vordergrund. Mehr nicht. Und mir persönlich ist es auch wichtiger…bei mir zu bleiben. Es wäre ja fatal, wenn man jedem Menschen gefallen möchte. Ich für mich…ich bin einfach eine Persönlichkeit und dies nicht durch meinen Nachbarn oder wem auch immer, nein…ich gehe meinen Weg und all die „Anderen“ den ihrigen Weg. Und wenn dann auf einem Treffen ein Mensch ist, dem man gerne seine Nähe gibt, dann kann man auch mehr aus dem Ganzen holen, ein Anfang, ein Besuch mit einem Grillabend, dem Wein den man ansonsten gerne liegen lässt...oder auch viele andere Dinge. Aber virtuell...na das ganze muss wachsen um auch tiefgründigen Spass zu machen. Es verbleibt Uwe

      Leser schrieb:

      Wer hat denn dieses int. Thema ausgebuddelt?

      Das war dann wohl ich. Ich fand das Thema und musste einfach mal was los werden.

      Ich tue mich sicher sehr schwer, hier zu schreiben. Nur wenn ich dabei bin, dann will ich auch im Thema bleiben - so auch bei anderen Themen, wo Andere das gerne nutzen, um zu
      stänkern, was ich dann gar nicht gut finde. Da werden Wortfetzen dazu genutzt, um User zu dekratieren - es wird jedenfalls versucht. Meinungen werden würdelos geschrieben,
      obwohl auch Fakten aufgeführt werden. Das gehört nicht zum guten Umgangston.

      Ich habe sehr lange in Berlin gewohnt (Immanuelkirchstrasse) - (Kommt "Leser" bestimmt bekannt vor) und kenne dadurch offene Meinungen, worüber auch diskutiert wurde. Und
      es wohnte sogar der Adjutant von Heinz Hoffmann in diesem Haus. Seine Frau hat beim In- und Export, als Dolmetscherin, gearbeitet. Aber auch da wurde offen diskutiert. Hier fehlt es
      teilweise daran. Hat jemand eine Meinung, geht es hier teilweise schon zum Gegenangriff über, ohne das Wirkliche zu benennen. Das ist nicht gut!

      Das musste ich auch mal los werden!

      So, und nun kann auf mich gehackt werden, weil ich so schön offen bin.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „anklip“ ()

      Aber genau aus diesem Grund, den Du erwähnst…such Dir doch virtuell einfach Themen welche Dir auch Zusagen. Alles darf und nichts muss. So manches Mal ist es schwer zu Überlesen, aber auch dies macht es spannend. Jedenfalls empfinde ich dies so. Und so…na man/n/Frau wird dann halt zum „Leser“ im Hintergrund. Und ein wenig ist es ja auch wie im realen Leben, da gibt es die drei Sorten Menschen. Die einen, welche Dich Mal können, die anderen, welche Dir wohlgesonnen und Freude bereiten und dann die…mit denen man immer im Zweifel ist/bleibt.